Mittwoch, 2. März 2011

[Das Ungelöste im Herzen]

Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.


Rainer Maria Rilke

Kommentare:

  1. Hallo Tao,

    dieses Rilke-Gedicht hat mich berührt, das war nun gleich das erste, auf das ich in Deinem Blog gestoßen bin.

    Ich habe einige Deiner „wichtigsten Blog-Beiträge“ gelesen und werde gewiß öfter wiederkommen, weil Du interessante Ansätze hast und weil es einfach guttut, von anderen Menschen auf dem Weg zu lesen.

    Ich falle mal gleich mit einer Frage an Dich ins Haus, die mich aktuell stark beschäftigt: wozu die ganze innere Arbeit? Warum machst Du es? Willst Du Dich ändern? Oder willst Du nur lernen, das, was Du bist, anzunehmen ohne etwas zu ändern? Oder ändert sich vielleicht durch die Selbstannahme von ganz alleine etwas, ohne dies beeinflussen zu wollen?

    Mein Modell ist aktuell etwa so: es gibt einen wahren Kern meiner Person als Individuum, den kann ich nicht ändern, er ist angeboren. Aber darüber haben sich Schichten von Verhaltensmustern gelegt, anerzogen oder durch Erfahrung gebildet. Und diese Schichten lassen sich lösen, um wieder zum Kern vorzudringen. Der Kern ist dabei nicht statisch, fällt mir gerade auf, sondern dynamisch, entwicklungsfähig.

    Es geht bei der inneren Arbeit darum, die zu werden, die ich sowieso schon bin und dann die zu werden, zu der ich bestimmt bin. Und vielleicht löst sich dabei ja sogar das Ego nach und nach auf und ich verliere dabei den Eindruck, die Handelnde meiner Lebensgeschichte zu sein (das Leben handelt durch mich).

    Wie siehst Du das?

    Braucht der Mensch Deines Erachtens "Läuterung", um dem Himmelreich näher zu kommen?

    Ich fürchte, mir ist es nicht gelungen, die mich bewegende Frage wirklich treffend in Worte zu fassen, aber vielleicht fällt Dir ja trotzdem etwas dazu ein. :-)

    Liebe Grüße,
    Louise

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  2. Hallo Louise,

    schön, dass du hier mitlesen magst. Auch ich werde immer wieder mal bei dir vorbeischauen, weil ich auch deine Berichte über deine innerlichen Reisen gerne mitverfolgen mag. Überhaupt finde ich es schade, dass es ja kaum Live-Berichte über tiefgehende, selbstreflektierte persönliche Weiterentwicklung zu geben scheint.

    Ich glaube schon, dass ich deine Frage verstehe.... aber ich weiß natürlich nicht, ob ich sie wirklich so verstehe, wie sie von dir gemeint ist.

    Ich glaube, für mich stellt sich die Frage, was veränderlich ist, und was der (unveränderliche) Kern einer Person ist, in dieser Form nicht. Es scheint mir eher wichtig, sich 'das-was-ist' anzuschauen..... um dann halt zu sehen, ob sich dadurch etwas verändert.... ob dadurch vielleicht auch ein konkreter Handlungsimpuls von selbst entsteht.... oder ob vielleicht einfach nur das Gefühl von 'Innerem Frieden' und 'Innerer Freiheit' entsteht .... und hierdurch sich alles leichter anfühlt....

    Ja, zumindest so eine 'innere Freiheit', 'inneren Frieden', 'Offenheit', 'Weite' strebe ich an!

    Und ich glaube, wenn dann tatsächlich ein 'Lösungs'-Impuls oder ein Handlungs-Impuls auftauchen sollte, .... dann ist es genau das 'LEBEN', das sich hierdurch Ausdruck verschafft.

    Einen lieben Gruß

    Tao

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  3. Lieber Tao,

    mir gefällt sehr gut, was Du mir geantwortet hast, ich fühle viel Übereinstimmung.

    Hast Du gar keinen Ehrgeiz, Dich zu ändern? Du klingst so gelassen. Ich glaube, das ist der Punkt, der mich noch schwankend macht. Einerseits habe ich irgendwann mal eingesehen, daß ich gar nicht so handlungsfähig bin, wie ich glaube, andererseits möchte ich gerne Kontrolle über dies und jenes - und eben auch über gewünschte Änderungen meiner Person.

    Durch das Fühlen der aktuell vorhandenen Gefühle kann ein Gefühl von innerem Frieden und Weite entstehen. Das erlebe ich genauso. Und der Handlungsimpuls, der dann vielleicht entsteht, ist vermutlich lebensechter und weniger vom Ego verzerrt als ohne diese innere Lösung.

    Ja! Und allein deshalb schon lohnt die innere Arbeit.

    Liebe Grüße,
    Louise

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  4. Liebe Louise,

    ich habe schon Themen, an denen ich gerne etwas verändern würde..... und ich habe heute Nacht darüber nachgedacht, vielleicht sogar meine aktuellen Themen mal in meinen Blog zu schreiben. (Derzeit findet man im meinem Blog ja fast nur innerliche Themen... Doch die Motivation, mich überhaupt mit mir zu beschäftigen sind nicht nur innerliche sondern auch äußerliche Themen.)

    Aufgrund von jahrzehntelangen Versuchen mich zu Ändern weiß ich allerdings, dass Veränderung (zumindest bei mir) nicht mit äußerlichen Maßnahmen welcher Art auch immer funktionieren kann. Auch nicht mit darüber Nachdenken oder Theoretisieren.... Der einzige Weg (für mich) ist also, mir das Ganze im Innen anzuschauen.

    Der "Ehrgeiz" was zu ändern ist bei mir also eher "Druck" endlich und noch mehr meine Themen zu schnappen, und sie innerlich zu betrachten und innerlich zu verarbeiten....

    Einen lieben Gruß

    Tao

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Ich freue mich über weiterführende Fragen, Anmerkungen, Austausch...   :-)