Freitag, 11. November 2011

Den inneren Widerstand aufgeben

Hier ein älterer Text von mir, in welchem ich damals auf eine ganz konkrete Frage antwortete:

Ich selbst praktiziere ähnliches wie du.... nur vielleicht mit einer etwas anderen Gewichtung - und ich nenne es nicht "Scheiß-egal-Einstellung" sondern "Zustimmung" oder "Den-innerlichen-Widerstand-aufgeben".

Ich finde, dass es zu sehr viel Innerer Freiheit und zu Weitsicht führt, wenn man aus dem Inneren Widerstand gegen etwas einfach heraustritt.

Wenn ich in einem Flugzeug sitze und es ist gerade dabei abzustürzen, dann ist mir persönlich das nicht "Scheiß-egal", denn ich möchte im Augenblick noch nicht sterben. Aber ich weiß, dass ich mit Widerstand nur Angst und noch mehr Schmerz erzeuge, also suche ich in mir die Bereitschaft, dem nahenden Tod zuzustimmen.
Ich danke dann bewußt daran, wie mir "Zustimmung" schon in anderen Situationen genutzt hat - reale Situationen oder auch Körper-Übungen[1]  zum Thema "Zustimmung". (Früher dachte ich oft auch an Fallbeispiele[2], die ich gelesen hatte.... und welche mir den Nutzen der Zustimmung aufzeigten.)
Aus dieser Erfahrung heraus würde ich versuchen, dem Flugzeugabsturz zustimmen - nicht weil ich ihn mir wünsche - sondern weil er gerade sowieso passiert.... und ich nichts daran ändern kann.

Ich hatte übrigens vor längerer Zeit mal einen Traum, in welchem mir mein Tod angekündigt wurde. Ich habe dann im Traum selbst, dem bevorstehenden Tod zugestimmt (siehe "Traum vom bevorstehenden Tod" in meinem Blog).


Wenn ich Impulse in mir bemerken würde.... (ich greife jetzt mal ein Beispiel von dir heraus)... Sex mit Leichen zu haben.... dann würde ich nach einem Weg suchen, der Tatsache zuzustimmen, dass ich diese Impulse habe. - Dies heißt noch lange nicht, dass ich es dann tatsächlich ausleben würde.... aber ich würde zustimmen, dass dies im Augenblick mein Thema wäre.... Ja, ich würde zustimmen, dass ich den Ärger nun an der Backe habe, da ich sexuelle Präferenzen habe, die ich nicht ohne weiteres ausleben kann.
Die Tatsache, der dann zuzustimmen wäre wäre also: "Ich habe eine sexuelle Präferenz, die nicht gesellschaftsfähig ist, und die ich nicht ohne mich strafbar zu machen ausleben kann." - Aber ich habe diese Präferenz, sie gehört zu meinem Wesen.... und der Tatsache des Vorhandenseins dieser Präferenz stimme ich zu.

Durch dieses Zustimmen könnte ich dann ein Stückweit aus Angst und Tunnelblick aussteigen - .... aber ich würde an diesem Thema dranbleiben.... denn Zustimmung wäre hier nur der erste Schritt der Heilung..... Ein weiterer Schritt wäre, sich innerlich ganz auf dieses Thema einzulassen, sich ganz hineinzubegeben.....


Aber beenden wir das Was-Wäre-Wenn-Spiel.
Du hast diese Vorlieben ja garnicht, du hast jedoch Angst davor, dass du irgendwann derartige Vorlieben haben könntest....
Du hast Angst davor, du könntest vielleicht grundlegend falsch sein, wie du schriebst.

Hier kann es meiner Ansicht nach tatsächlich hilfreich sein, der Möglichkeit zuzustimmen, dass du vielleicht tatsächlich grundlegend falsch bist. - Denn auch hier schafft die Zustimmung, du hast es ja schon selbst erfahren, Erleichterung!
Und auch hier könntest du wiederum dranbleiben, dich deiner Angst falsch zu sein stellen, sie zustimmend fühlen, dich zustimmend durch sie hindurchfühlen.... und dich somit heilen.

Und ich verrate dir noch ein Geheimnis:
Jeder Mensch hat (oder hatte in einer Phase seines Lebens) mehr oder weniger starke Angst, grundlegend falsch zu sein, so falsch, dass er nicht dazugehört, dass er von der Menschheit ausgeschlossen wird.... Du bist mit deinem "falsch-sein" also nicht allein.... sondern bewegst dich im Kollektiv von Milliarden von Menschen.....


Aber natürlich ist das alles nicht so einfach - sondern ein Weg.... der immer wieder Schritt für Schritt zu gehen ist.....

Anmerkungen:
[1]: Beiträge zu 'Körper-Übungen mit Bezug zur "Zustimmung"':
  * Körperlicher Druck, Abwehr und Zustimmung
  * Mehr zu den KiKG-Übungen
[2]: Hier haben mich die Internetseiten von "Bill Ferguson" sehr inspiriert. In meinem Blog stelle ich ihn erstmals in meinem Beitrag "Widerstände aufgeben" vor.

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