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Freitag, 29. Juni 2012

Verletzt durch einen Anderen

Gerade bei Auseinandersetzungen in Beziehungen (oder in engen Freundschaften) passiert es oft:
Wir fühlen uns von anderen verletzt, nicht gesehen, vielleicht sogar attackiert.

Und oft können wir nicht verstehen, warum der Andere das nicht einsieht.
Wir sind in unserem Schmerz - und der andere bleibt ablehnend, macht dicht, greift vielleicht sogar weiter an.
"Dabei bin  ICH  doch vom Anderen verletzt!"



Die Wahrheit ist:
DER ANDERE  fühlt sich in dieser Situation ebenfalls verletzt!
In dieser Situation,  in diesem Augenblick   sind   BEIDE  verletzt!


Und wenn der Andere gerade ganz besonders dicht macht, ganz besonders ablehnend ist, vielleicht sogar angreift - dann tut er dies,
weil er gerade jetzt im Augenblick meint, sich vor mir schützen zu müssen!


"Der Andere verhält sich so, weil es sich jetzt gerade vor mir schützen muss!"
Was für Konsequenzen hätte es, könnte man in einer kritischen Situation genau dies erkennen?

Mittwoch, 27. Juni 2012

.... richtige Todesangst

Am Wochenende war ich wieder in der Ausbildungsgruppe im Odenwald.
Ich empfand es wieder als angenehm und tiefgehend.

Das Nähe-Thema war irgendwie unterschwellig vorhanden
und trug dann wohl auch dazu bei, dass ich mich am Freitag nach unserer offiziellen Zeit gleich zurückzog und schlafen ging.


Am Samstag gingen wir dann in 3er-Gruppen.
In einer kleinen Mini-Aufstellung war Gelegenheit, sich etwas anzuschauen, was man ablehnte. Als ich dran war  nahm einfach das Thema "Kontakt".
Eine Teilnehmerin stand nun für mein Thema mit Nähe. Ein Teilnehmer stand für Lebensenergie und Lebensfreude. - Und ich stand für mich selbst stehend zwischen den beiden.

Am Anfang hätte ich dann  zu der Teilnehmerin, welche für die Nähe stand, irgend etwas ablehnendes sagen sollen. Ich wollte sie jedoch garnicht sehen sonder wandte ihr gleich den Rücken zu und blickte auf die "Lebenskraft / Lebenslust".
Ich merkte, dass ich, wenn ich ganz ehrlich war, auch gegenüber der "Lebenskraft / Lebenslust" Unbehagen spürte. - Insgesamt war ich in dieser Übung, insbesondere auch durch die Ablehnung begründet, recht angespannt und starr.

Schließlich drehte ich mich dann etwas um, so dass ich das "Nähe-Thema" sehen konnte - und schaute sie an. Sie reagierte sehr gerührt und hatte schon fast Tränen in den Augen.
Für mich vermischte sich nun etwas, und sie war nun nicht mehr nur das "Nähe-Thema", sondern auch meine Mutter. Dies war dann auch etwas verwirrend für mich.

An dieser Stelle sollten wir nun ja etwas leicht Versöhnliches sagen..... und dann schauen, wie sich danach unser Verhältnis zur "Lebenskraft / Lebenslust" verändern würde.
Ich sagte etwas wie "Ich will dich zwar nicht gerne in meinem Leben haben, aber ich weiß, dass du derzeit zu mir gehörst." - Und ich merkte, dass es gut war, dies gesagt zu haben.
Die Beiden bewegten sich etwas, so dass sie nicht mehr vor und hinter mir standen, sondern wir drei nun die Form eines Dreiecks bildeten.
Vor der "Lebenskraft / Lebenslust" hatte ich weiterhin eine Scheu.


Am Nachmittag sprach ich in der Pause ganz kurz mit Joel.
Ich sprach mit ihm darüber, wodurch diese starke Nähe-Problematik eigentlich genau in mir ausgelöst worden war. Dies war ja in dem Ausbildungsblock davor passiert, in einer Übung, in welcher man sich öffnen und auf Andere zugehen sollte..... 
Obwohl ich nur etwas 3 bis 5 Minuten mit Joel geredet hatte, fühlte ich mich danach und für den Rest des Seminars frei von der Nähe-Angst. Ich konnte ab diesem Zeitpunkt sogar sehr gut auf Andere zugehen.

Erst auf dem Heimweg am Sonntag wurde mir dann klar, wodurch dies wohl bewirkt worden war:
Ich hatte mit Joel nämlich über meine Angst vor Nähe - und insbesondere davor, auch Andere zuzugehen gesprochen.
Er sagte daraufhin etwas, was die Worte ".... richtige Todesangst ..." enthielt.
Ich weiß noch, dass ich daraufhin so etwas wie "Hä!?!" gedacht hatte - dann jedoch in mich hineinspürte..... und dann eine richtig merkte, wie mir Erleichterung durch den ganzen Körper kroch und mich entspannte! (Wir hatten ja in der Gruppe schon öfters darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass 'das-was-da-ist'  gesehen und "bewahrheitet" wird. - Aber dass dies so eine extreme Wirkung haben kann, hätte ich nie gedacht.)

Montag, 25. Juni 2012

[Den Anderen frei belassen]

Wenn ich dem Anderen
voll und ganz zugestehe,
mir gegenüber "Nein" zu sagen,
dann bleiben wir Beide
voll und ganz frei!

Samstag, 9. Juni 2012

Über das 'Tao der Zustimmung' hinaus

(.... oder meine erste tiefe Begegnung mit Demut.)

Ich möchte hier die Reihe "Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung'" fortsetzen, mit etwas, das für mich eigentlich schon über 'das Tao der Zustimmung' hinausführt.

Vorspiel:
Mitte 2009 machte ich mein zweites Seminar bei Joel, welches den Titel "Ganz da sein" hatte.
In diesem Seminar waren zwei Teilnehmer, welche gerade bei Bert Hellinger die Ausbildung im Familienstellen machten. Sie redeten sehr positiv über Bert Hellinger, sahen in ihm einen sehr liebevollen Menschen, sagten, wenn man ihm in die Augen blickt, würde man die ganze Weite des Universums sehen können.

Derartige Aussagen deckten sich nicht mit meiner Meinung.
Ich war in den 90er Jahren bereits auf das Thema Hellinger gestoßen. Ein körperorientierter Psychotherapeut, bei dem ich damals manchmal Workshops machte, arbeitete auch mit dem Familienstellen - und ließ manchmal auch etwas von Hellinger in die rein körperorientierten Seminare mit einfließen. Damals war ich tief berührt, als bei einigen Teilnehmern, das Thema "Die unterdrückte Liebe zu den Eltern wieder fließen lassen" berührt wurde.
Gleichzeitig hatte ich da ziemliche Widerstände dagegen. Da kam es mir gerade recht, als ich in der Presse las, dass eine Frau sich unmittelbar nach einem Seminar bei Hellinger umgebracht hatte. Das was ich damals in der "Focus" las, ließ keinen anderen Schluss zu, als dass Hellinger schon sehr unsensibel mit dieser Frau umgegangen war. Somit  war das Thema damals für mich erledigt gewesen, obwohl ich den körperorientierten Psychotherapeuten als sehr respektvollen und einfühlsamen Therapeuten kannte und schätzte.

Aber nun holte mich das Thema durch die beiden Teilnehmer wieder ein. Die beiden sprachen auch von einem "neuen geistigen Familienstellen", bei welchem sich die Stellvertreter bewegen (d.h. sich vom Feld führen lassen) dürfen, bei welchem das Aufstellen als Prozess angesehen wird und bei welchem oft auch nur Teilaspekte des Problems aufgestellt werden.
(Wer sich für die Unterscheide zwischen klassischen und neuen Familien-Aufstellungsformen interessiert, der sei auf einen Text von Thomas Gehrmann verwiesen. Auch Wilfried Nelles, der den neuesten Entwicklungen von Hellinger eher kritisch gegenübersteht, bringt in seinem Artikel Klassisches Familienstellen, Bewegungen der Seele, Bewegungen des Geistes - Wohin bewegt sich die Aufstellungsarbeit? (PDF-Datei) eine interessante Gegenüberstellung.)

Auch Joel, der ja Familienaufsteller ist, redete in diesem Seminar öfters über das Familienstellen. (Eine Familienaufstellung machten wir in diesem Seminar zwar nicht, jedoch eine Organisations­aufstellung, da eine Teilnehmerin Probleme mit ihrer Institution und ihren Kollegen hatte.)

Joel berichtete jedoch über eine Aufstellung, die er mal mit einer deutschen Frau machte, die mit einem Indianer verheiratet war. Die beiden lebten zunächst in den USA, waren dann jedoch nach Deutschland gezogen, weil sie sich hier für ihre Kinder eine bessere Schulbildung erhofften. - Ihr Mann, der Indianer, hatte jedoch kaum deutsch gelernt und hatte Schwierigkeiten damit, hier in Deutschland eine Arbeit zu finden.
Als die Aufstellung nicht so richtig vorankam,  sagte Joel der Teilnehmerin, er würde nun noch einen Stellvertreter für Amerika mit hinzustellen. Er wählte dann jemanden aus, und stellte ihn in die Aufstellung hinein, ohne jedoch für diesen Stellvertreter oder die anderen Beteiligten offen zu legen, für wen dieser Stellvertreter stand.
Der Indianer warf sich in diesem Augenblick auf den Boden und kroch wie ein 'Verdurstender in der Wüste' auf diesen neuen Stellvertreter zu......
Seine Frau was hiervon sehr beeindruckt. Sie sagte, sie würde nie wieder von ihrem Mann verlangen, dass er Deutsch lernen müsse.....

Später erzählte Joel dann von Vertriebenen..... und dass diese auf ähnliche Weise schwer entwurzelt im Leben stehen würden.....
Da machte ich bei mir irgendwie klick: Meine Eltern sind Donauschwaben, das sind Deutsche, die am untersten Ende von Österreich-Ungarn lebten, auf einem Gebiet, das nach dem ersten Weltkrieg zwischen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt wurde. Meine Eltern waren mit ihren Familien nach dem zweiten Weltkrieg auf Jugoslawischem Boden viele Jahre in Arbeitslagern, Internierungslagern und sogar Vernichtungslagern - bis sie dann 1955 froh waren, das Land verlassen zu dürfen.
Sie fühlten sich ihrem früheren Lebensraum jedoch weiterhin sehr verbunden - und wenn sie von ihrer früheren Heimat redeten immer das Wort "Daheim".
Ich und meine Geschwister reagierten hierauf immer sehr genervt - sagten, wir wären doch hier zuhause.

Doch irgendwie war mir durch die Geschichte mit dem Indianer klar geworden, dass das "Daheim" (und das heftige Schicksal) meiner Eltern wohl irgendwie ganz tief in unserer Familienseele verankert sein muss......

Hauptteil:
Später machten wir dann eine Übung zu dritt. Jeder sollte sich zwei Probleme, zwei Lebensthemen aussuchen, die er sich etwas näher anschauen will. Ich wählte mir "meine berufliche Unzufriedenheit" und "das 'Daheim' meiner Eltern". Jeder der beiden Übungspartner sollte nun eines dieser Lebensthemen repräsentieren.
Dem einen Teilnehmer, den ich ganz gut leiden mochte, ordnete ich das Thema Beruf zu, dem anderen Teilnehmer, der mir nicht so sympathisch war, das Thema Heimat.
Dann sollte der erste mir meinen rechten Arm auf den Rücken drehen. So weit, bis es anfing zu schmerzen und ich "stopp" sagte. Dies klappte auch ganz gut. Der "Unsympathische", drehte mir dann den linken Arm auf meinen Rücken. Er schien mein Stopp nicht zu hören und drehte noch weiter, bis ich lauter "Stopp" sagte. Auf dem linken Arm war nun ziemlich viel schmerzhafter Druck.
Nun sollten wir uns die Themen ansehen, zu ihnen "Ja-Sagen", in PrEssenz gehen.... alles anwenden, was wir gelernt hatten, und schauen ob sich etwas verändert.
Die beiden "Haltenden" sollten nur dann etwas verändern, wenn sie innerlich wirklich einen tiefen Impuls dazu spürten. Sie sollten jedoch nicht einfach locker-lassen, um zu helfen. (Es ging auch garnicht darum, unbedingt herauszukommen, sondern sich tiefer auf seine Themen einzulassen.)

Ich schaute mir, in der gebückten Haltung, zunächst mein berufliches Thema an und konnte hier wohl auch etwas in ein "Ja" kommen. Dann wollte ich das Thema "Heimat" anschauen, aber das ging nicht, dann ich war von diesem Thema so eingezwängt, dass ich mich keinen Millimeter in diese Richtung bewegen konnte.

Da spürte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine tiefe Demut.
Hier waren Kräfte am Werke, welche mich, mein Leben, mein Schicksal tief beeinflussten - die weitaus größer sind als ich selbst, und denen ich als Mensch einfach nur ausgeliefert bin.

In dieser Demut kam mir dann die Idee: "Vielleicht erlaubt das Leben mir ja wenigstens, dass ich aufrecht stehen darf".
Ich machte dann eine sehr langsame, aber ununterbrochene Bewegung - ohne Widerstand, und aus dieser Demut heraus... und es war dann tatsächlich möglich, in den aufrechten Stand zu kommen.
Mein linker Arm was jedoch weiterhin so stark verdreht wie vorher!

Ich schaute nochmals akzeptierend das berufliche Thema an. Sein Stellvertreter ließ nach und nach immer mehr los. Das Thema "Heimat" konnte ich weiterhin nicht anschauen, es stand hinter mir in einem toten Winkel und hatte meinen linken Arm weiterhin voll im Griff.
Schließlich ließ der Teilnehmer, der für das berufliche Thema stand, ganz los.
Er schaute mich irgendwie.... ich würde sagen 'sehnsüchtig' an - und hatte dann schließlich Tränen in den Augen.
Beim Thema "Heimat" rührte sich bis zum Ende der Übung nichts....

Beim Austausch wollte der Teilnehmer, der für den Beruf stand nicht sagen, was da in ihm vorgegangen war. Er meinte, ich solle es einfach auf mich wirken lassen.....
Mir war klar, wie wichtig es jetzt war, das nicht zu zerreden! Allerdings hätte ich, ein paar Wochen später, dann doch gerne gewusst, was er da wahrgenommen hatte. (Leider verlief der Kontakt zu ihm im Sande. Wie hatten sogar vereinbart, uns vielleicht mal zu treffen, doch dann landete seine Email wohl bei mir im Spam-Ordner und ich hatte sie wohl dann gelöscht..... und auf den zweiten Versuch wollte es dann auch nicht mehr klappen.........

Nachspiel:
Nach dem Seminar suchten wir dann, ob irgendjemand hier vor Ort das "neue geistige Familienstellen" anbietet. Die einzige Aufstellerin, die hier bei uns im Wohnort war und bei der wirklich klar aus dem Text hervorging, dass es sich um das neue Familienstellen handelt, war allerdings noch eine Anfängerin, bei welcher dann auch nach mehreren Versuchen keine richtigen Schnupperabende zustande kamen.....

Schließlich entschied ich mich dann, die weiten Wege in Kauf zu nehmen und bei Joel in die K!KG-Gruppe zu gehen, in welcher neben den Aufstellungen die 'Innen-Raum-Reisen' und vor allem die K!KG-Übungen einen großen Raum einnehmen.
Obwohl Joel ja auch Ausbilder am Hellinger-Institut ist, macht er aus meiner Sicht vieles anders, als es auf den DVDs von Hellinger zu sehen ist.

Um mir praktisch zusätzlich noch Hellinger und "Die Bewegungen des Geistes" ins Boot zu holen, habe ich dann noch einiges von Hellingers Büchern gelesen. (Immer wieder hatten die Bücher für mich etwas so tiefgehendes, dass ich mich beim und nach dem Lesen richtig tief zentriert fühlte.)

Für mich kam durch Joel, durch Hellinger - und vor allem durch meine oben beschriebene Erfahrung etwas Demütiges in mein "Tao der Zustimmung" mit dazu.
Demut vor etwas, was großer ist. - Vielleicht kann man es manchmal auch einfach nur Schicksal nennen. (Siehe in diesem Zusammenhang auch meinen Blog-Beitrag "Die Stufen der Zustimmung II".)

Nachtrag:
Das Schicksal meiner Eltern tauchte dann später auch in meinen drei Familienaufstellungen auf.
Ohne das ich nachgefragt hatte erzählte mir mein Vater in den Monaten zwischen der zweiten und der dritten Aufstellungen erstmals ausführlich von den Nachkriegs-Erlebnissen seiner Familie.

Freitag, 8. Juni 2012

Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung' (2)

Im meinem letzten Beitrag über meinen "Weg zum Tao der Zustimmung" schrieb ich ja bereits über verschiedene grundlegende Richtungen der Persönlichkeitsentwicklung, also über Methoden mit welchen
  • man sich tiefgründig und zustimmend dem eigenen psychischen Innenleben zuwendet,
  • oder man akzeptierend und bejahend die eigenen Gefühle auf körperlicher Ebene fühlt
    (darüber schrieb ich in der Anfangsphase meines Blogs sehr viel (siehe ältere Beiträge unter '
    Grundlegende Infos Gefühle fühlen' und 'Weiterführendes'), heute praktiziere ich stattdessen die Innen-Raum-Reisen, siehe unten),
  • oder in welchen es um die pure Zustimmung geht (siehe Ansatz von 'Bill Ferguson'). 

Im Jahre 2008, als ich mich noch intensiv mit Bill Ferguson's Ansatz beschäftigte, hatte ich bereits erste Kontakte mit Joel Weser:
Vor etwa 17 Jahren hatte ich mal für ganz kurze Zeit Bekanntschaft mit dem Kampfsport 'KiJutsu' gemacht (eine kurze Erklärung findet man hier). Damals war ich fasziniert, jedoch war mir das Ganze auch sehr suspekt, so dass ich es schließlich nicht mehr weiter verfolgte.
Viele Jahre später, und nach einem Umzug, suchte ich im Internet mal wieder nach Möglichkeiten, vielleicht doch wieder KiJutsu zu praktizieren. Leider wird das nur im Stuttgarter Raum und in Ulm regelmäßig angeboten, so dass sich mir keine Einstiegsmöglichkeit bot.
Allerdings stieß ich durch meine Recherchen auf Joel, der Ki-Übungen für die Selbsterfahrung weiterentwickelt hatte. Es dauerte dann nochmals längere Zeit, bis ich dann endlich, zusammen mit meiner Lebensgefährtin ein erstes Seminar bei ihm machte.

Das Odenwald-Institut, in dem das Seminar mit Joel stattfand, kannte ich schon  von früher....
Ich wusste, dass es vor dem Beginn des Seminars immer eine kurze Vorstellung des Instituts durch eine der Mitarbeiterinnen gab. Das war auch diesmal so.
Und ich wusste, dass diese Mitarbeiterin dann irgendwann einmal sagen würde, dass wir bestimmte Aufgaben wie "Tisch decken und abdecken", "Frühstück und Abendessen machen" usw. in der Gruppe selbst durchführen mussten. (Lediglich das Mittagessen wird angeliefert.) Die Mitarbeiterin würde uns eine Liste geben, in welche sich jeder für mehrere Aufgaben würde eintragen müssen..... - Doch dies war diesmal anders. Die Mitarbeiterin fragte etwas unsicher: "Das mit der Liste machst du dann?" und Joel antwortete: "Ja, darum kümmere ich mich." - Als die Mitarbeiterin des Instituts dann gegangen war, war sagte Joel: "Eigentlich müsste ich euch jetzt sagen, dass sich jeder für bestimmte Aufgaben in die Liste eintragen soll. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, wenn jeder genau hinspürt, wann es wichtig für ihn ist etwas zu tun, und wann es angesagt ist, nichts zu tun, dann erledigt sich das wie von selbst."
Dabei wirkte Joel total locker.... und zugleich total anwesend, total präsent. So etwas hatte ich in dieser Form noch nie gesehen.
Sein Vertrauen in den Fluss des Lebens, aber insbesondere seine besondere Präsenz imponierten mir total. Ich wusste damals sofort, dass ich hier richtig war.

In diesem Seminar machten wir hauptsächlich die in meinem Blog bereits beschriebenen Körper-Übungen (siehe 'Körperlicher Druck, Abwehr und Zustimmung' und "Löst Zustimmung tatsächlich Probleme?"). Dabei geht es darum, mit Entspannung, Zustimmung oder einer anderen Art der PrEssens auch mit schwierigen körperlichen Situationen umzugehen.
Diese Körperübungen brachten für mich die 'Zustimmung' nochmals auf eine andere Ebene, da sich in diesen Übungen zeigt, dass 'Zustimmung" nicht nur ein esoterisches Geschwafel ist, sondern wirklich auch real in körperlichen Begegnungen wirkt.

Mitte 2009 machte ich dann mein zweites Seminar bei Joel - und Anfang 2010 begann ich bei ihm eine regelmäßige Gruppe in Form einer 'Ausbildung zum K!KG-Trainer'.
Hier lernte ich auch noch die Innen-Raum-Reisen kennen. Im Unterschied zu den anderen Methoden des 'Gefühle fühlens' versucht man bei den Innen-Raum-Reisen nicht vorrangig, bei einem Gefühl zu bleiben (um dies zu Ende zu fühlen) - sondern man nimmt einfach nur das wahr, was gerade ist, was sich gerade entfalten will..... und setzt sich mitten in sein Problem, mitten in seine Gefühle, mitten in das was-gerade-ist hinein.... und hält sich dem ganz hin. Mit einem 'Ja' zu dem, was gerade im Vordergrund ist.
In dieser Ausbildung lernte ich auch, Gefühle systemisch zu betrachten - sie mir also nicht zu eigen zu machen, sondern dafür offen zu bleiben, dass ich sie vielleicht von anderen Menschen, von meinen Vorfahren oder meiner Herkunftsfamilie übernommen haben könnte und dass ich jedes meiner Gefühle mit einer Vielzahl anderer Menschen gemeinsam habe.... (Diese Sichtweise empfinde ich als höchst vorteilhaft, jedoch mag ich sie im Rahmen dieses Beitrags jetzt nicht so ausführlich erläutern.)

Jede dieser im ersten Beitrag und hier beschriebenen Wachstums-Richtungen hat für mich eine ganz eigene Qualität und fühlt sich für mich anders als die anderen Ansätze an. So ist es beispielsweise ein Unterschied für mich, während einer Innen-Raum Reise in die Zustimmung gehe, oder 'Zustimmung pur' zu betreiben, wie ich es auf der Internetseite von Bill Ferguson gelernt habe.