Freitag, 29. Juni 2012

Verletzt durch einen Anderen

Gerade bei Auseinandersetzungen in Beziehungen (oder in engen Freundschaften) passiert es oft:
Wir fühlen uns von anderen verletzt, nicht gesehen, vielleicht sogar attackiert.

Und oft können wir nicht verstehen, warum der Andere das nicht einsieht.
Wir sind in unserem Schmerz - und der andere bleibt ablehnend, macht dicht, greift vielleicht sogar weiter an.
"Dabei bin  ICH  doch vom Anderen verletzt!"



Die Wahrheit ist:
DER ANDERE  fühlt sich in dieser Situation ebenfalls verletzt!
In dieser Situation,  in diesem Augenblick   sind   BEIDE  verletzt!


Und wenn der Andere gerade ganz besonders dicht macht, ganz besonders ablehnend ist, vielleicht sogar angreift - dann tut er dies,
weil er gerade jetzt im Augenblick meint, sich vor mir schützen zu müssen!


"Der Andere verhält sich so, weil es sich jetzt gerade vor mir schützen muss!"
Was für Konsequenzen hätte es, könnte man in einer kritischen Situation genau dies erkennen?

Kommentare:

  1. Interessante Sichtweise, die helfen kann, aus der festgefahrenen Situation heraus zu kommen. Ich sehe dein Beispiel als ein Abgrenzungsproblem.

    Offensichtlich liegt in dem von dir beschriebenen Fall im aggressiven Verhalten des Anderen die mangelnde Fähigkeit, sich in diesem Moment von mir anders abgrenzen zu können, als mich anzugreifen. Und als (hilfloser) Abgrenzungsversuch geht derjenige in den Angriff oder in die Ablehnung.

    Wo ich das so sehen kann, ist es schon auch ein ziemlich produktiver Versuch, dem Anderen mitzuteilen, dass ich mich verletzt fühle. Jedoch nicht als Vorwurf, sondern als Mitteilung (dass wir gerade eben nicht in der Verbindung sind, sondern unseren inneren Film aneinander vorbei fahren und uns dafür gegenseitig als Projektionsfläche benutzen).

    Mit diesem Angebot bekommt auch der Andere die Möglichkeit, sich mitzuteilen. Falls dieser es nicht kann oder will, ist es wohl besser, ich lasse ihn in Ruhe und gehe aus der Situation, die immer wieder zu diesen Schleifen des Angriffs und Gegenangriffs führt.

    Damit kann ich in meiner Würde bleiben und den Anderen in seiner Verantwortung für seine Gefühle belassen. Und natürlich kann ich mich dann auch fragen, welchen Anteil ich hier habe, der dazu führt und viellicht neu auf den Anderen zugehen. Gelingt es mir nicht, kann auch das Abstand-halten ein Beziehungsdienst sein.

    Meiner Erfahrung nach geschieht dies Menschen oft, die ein Abgrenzungsthema haben und sich dies anschauen sollten. Dafür dient der Andere allemal als Spiegel. Abnehmen kann ich es dem Anderen nicht, sich diesem Thema zu stellen und ich habe allemale das Recht, mich ebenfalls von destruktiven "Beziehungsangeboten" abzugrenzen. Dabei geht es überhaupt nicht um die Schuldfrage oder um die Frage, wer Recht hat, sondern um die Frage, welche Art von Beziehung ich mit jemandem führen will und um mein Recht, diese um meiner Selbstachtung willen (und die des Anderen) mitzugestalten/ selbst zu bestimmen.

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  2. Hallo Uwe,

    vielen Dank für deinen tiefgründigen und fundierten Kommentar!

    Ich möchte in einem neuen Beitrag antworten, damit dieses wichtige Thema wieder ganz oben zu finden ist.

    L.G. Tao

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Ich freue mich über weiterführende Fragen, Anmerkungen, Austausch...   :-)