Montag, 30. Juli 2012

Nachträge - 'Zur Verfügung stehen'

In seinem Kommentar zu "Verletzt durch einen Anderen II" ging Uwe (Link zu Uwe's Kommentar) auf "Schuldgefühle als Grundlage der Abgrenzungsproblematik" ein.

Ich schrieb dann in meinem Antwort-Kommentar weiter unten, dass man eigentlich gar keinen langen Diskurs mit sich selbst führen muss, ob die Schuldgefühle nun gerechtfertigt sind oder nicht - wenn sie da sind, dann kann man sie auch einfach zum Anlass nehmen, 'den Schuldgefühlen ganz zuzustimmen'. - Dann wenn man zugestimmt hat, braucht man sich nicht mehr gegen eine (reale oder eingebildete) Schuld wehren, und wird somit in dieser Hinsicht wieder ganz frei!

Eine andere hilfreiche Methode wäre sicherlich auch "Nicht mehr zur Verfügung stehen" anwenden. - Damit meine ich, der Erwartungen, bei einer Abgrenzung Schuld empfinden zu müssen, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. (Ich bin gespannt, ob dies funktioniert.)

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Ich sehe diesen Satz von Jacobsen übrigens nicht als Affirmation,  welche ganz pauschal ausgesprochen wird und dann alle nur erdenklichen Situationen des Leben auf einen Wisch erschlägt.
Sondern ich sehe es eher als Entscheidung:
    Wenn ich erkenne, ich stelle mich hier wohl gerade jetzt für etwas zur Verfügung, mich dann zu entscheiden, mich jetzt nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Mich nicht mehr zu Verfügung zu stehen ist, zumindest so wie ich es betrachte und erfolgreich angewandt habe, auch nichts, was gegen einen Anderen gerichtet ist.
Es hat vielmehr nur mir mir zu tun:
    Bisher habe ich mich zur Verfügung gestellt, und nun tue ich das eben nicht mehr.
Das ist wohl mit dem Abgrenzen gemeint, bei dem die Handflächen auf einem selbst zeigen.

Kommentare:

  1. Das ist wohl der Punkt, Tao. Abgrenzen bedeutet, dass ich mich zu etwas verhalte, das ich etwas nicht (mehr) mitmachen will. Und dass ich dazu vorher eine bewusste Entscheidung treffe. Wenn ich das kann, dann ist es nicht gegen jemanden anderen gerichtet, sondern ich bin dann ganz bei mir und verhalte mich aktiv und selbstverantwortlich zu etwas.

    Wogegen, wenn ich diese Art der Abgrenzung nicht gelernt habe, ich womöglich bei etwas mitmache, das ich nicht will, aber gleichzeitig die entsehenden Aggressionen gegen den anderen richte. Das ist dann vielleicht gegen jemanden gerichtet, ob nun als Projektion gegen Drtitte oder gegen den "Beteiligten", oder gegen mich selbst.

    Ich kann mich abgrenzen durch Nein-sagen, oder durch bewusstes nicht zur Verfügung stellen. Wobei ich dabei wichtig finde, sich genau darüber im Klaren zu werden, wofür ich mich nicht (mehr) zur Verfügung stellen will/werde und wofür ich stattdessen zur Verfügung stehen möchte.

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    1. Gut das du dies nochmals hervorhebst.

      Ich glaube, wir grenzen und meist nur deshalb gegen jemanden ab, weil wir bereits wütend sind.
      Wütend sind wir jedoch deshalb, weil wir uns nicht frühzeitig für uns selbst entschieden haben - für unser Nicht-Handeln jedoch dem Anderen die Schuld geben.

      Dies liegt natürlich auch daran, dass wir diese Art des für uns selbst Einzustehen nicht gelernt haben.

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Ich freue mich über weiterführende Fragen, Anmerkungen, Austausch...   :-)