Montag, 11. November 2013

Feuertaufe!!!

Am Sonntag Nachmittag fand das erste von mir geleitete Seminar statt.

Ich hatte mich entschieden, das Ganze ohne Absicherung und doppelten Boden laufen zu lassen. Das heißt, ich hatte keinen "Kollegen" aus meiner Ausbildungsgruppe als beobachtender Unterstützer oder gar Co-Leiter eingeladen. (Einige in meiner Ausbildungsgruppe hatten das Anfangs so gemacht. Aber die Entfernung zwischen mir und dem Wohnort meiner nächsten Ausbildungskollegen ist mehr mehr als 300 km. Außerdem wollte ich, dass ich dies wirklich alleine, ohne das Eingreifen anderer, nur auf mich gestellt durchziehen.)

Es kamen 8 Teilnehmerinnen.
Ja, es hatten sich nur Frauen angemeldet. (Von den Kursen bei Joel war ich gewohnt, dass mindestens die Hälfte des Kurses aus Männern besteht. Aber es lag wohl an dem von mir gewählten Thema des Seminars.)
Eine der Teilnehmerinnen war meine Lebensgefährtin - alle anderen kannte ich noch nicht.

Während des Nachmittags war ich dann zu sehr im Stress. Als ich die einführende Rede hielt, habe ich, wie meine Lebensgefährtin hinterher meinte, richtig gezittert...

Die Vorstellungsrunde habe ich dann für mein Empfinden sehr gut gestaltet.
Ich wollte, dass die Teilnehmer kurz ein aktuelles Lebensthema benennen können, welches vielleicht gerade einer Zustimmung bedarf. Allerdings wollte ich lange Gespräche vermeiden, da es mir ja um die direkte Erfahrung mit der Zustimmung ging.
Hierfür hatte ich mir ein kleines Ritual einfallen lassen, durch welches die Themen willkommen wurden, ohne dass zu ausführlich darüber geredet werden müsste.
Natürlich durfte man sein Thema auch für sich behalten. Die sagte ich dann gleich, als ich zwei leicht entsetzte Augen sah....
Zwei Teilnehmerinnen sagten, sie wären aus Neugierde hier.
Ich bat sie dann, trotzdem das Ritual zu machen, und eben die Neugierde zu nehmen. Somit gehörte auch die Neugierde und das "sein-Thema-nicht-benennen-wollen" mit dazu, zu uns und dem ganzen Gruppenverlauf...

Ich hatte, so habe ich es gelernt, zwei Aufgaben:
Zum einen leitete ich äußerliche Körperübungen an. Diese vermittelten (körperlich erfahrbar) den Unterschied zwischen innerlichem Widerstand, Ablehnung und Nein einerseits
sowie "Loslassen" und "Zustimmung" andererseits.
Gleichzeitig ist es meine Aufgabe einen Raum von Offenheit, Weite und Zustimmung zu öffnen.... der ganz wie von selbst dazu führt, dass auch die Teilnehmer zustimmend mit ihren Themen umgehen können....

Und anscheinend hatte ich, obwohl ich ja nicht so sehr wie gewünscht bei mir sein konnte, doch sehr viel Raum für die Anderen öffnen können....

Ich hatte mich ja selbst sehr offen eingebracht... auch mit meiner Unsicherheit....
und die Teilnehmerinnen hatten sich dann auch recht schnell sehr tief und persönlich eingebracht... auch Dinge die man normalerweise niemandem erzählt.
Das lag natürlich nicht nur an dem von mir gestalteten Raum, sondern auch daran, dass hier auch einfach Menschen mit der nötigen Offenheit zusammengekommen waren!!!

Während ich für den ersten Teil des Nachmittags die Übungen schon relativ fix in meinem Konzept vorbereitet hatte, hatte ich mir für den zweiten Teil mehrere alternative Zweige vorbereitet.
Anscheinend war ich, obwohl ich nicht wirklich in dem gewünschten innerlichen Zustand geschwommen war, doch noch so offen und weit, dass ich dann für die zweite Hälfte genau das Richtige ausgewählt hatte.


Da ich am Anfang des Seminars eher Theoretisches über das Zustimmen erzählte, gab es auch Rückfragen, Einwände...
 Je mehr wir dann jedoch geübt hatten und umso mehr direkte Erfahrung jede Teilnehmerin gemacht hatte, umso weniger wurden dann die theoretischen Einwände....

Ich war oft sehr erstaunt, wie weitgehend die Erfahrungen waren, welche die Teilnehmerinnen in den Übungen gemachten. Oft war dann bei einer Übung schon etwas deutlich geworden, was ich eigentlich erst in der nächsten oder übernächsten Übung zum Thema machen wollte!!!


Während ich im ersten Teil anfangs noch oft zu den Übungspaaren hingegangen bin, um vielleicht etwas zu zeigen oder zu korrigieren, hatte ich dies zunehmend bleiben lassen.
Ich hatte den Eindruck, am Anfang waren die ganz froh darüber, doch dann wollten sie das garnicht mehr so.
Somit stand ich dann oft am Rand, habe das Ganze auf mich wirken lassen...

Die Teilnehmerinnen tauschen sich nach den Übungen immer noch sehr ausführlich mit ihrer Übungspartnerin aus...
und wünschten dann auch ihre Erfahrungen nochmals in der gesamten Gruppe sagen zu dürfen.
Ich bestädigte manchmal irgendetwas, oder sagte etwas dazu, aber ich merkte mehr und mehr, dass ich da eigentlich nichts tun musste. Sie hatten die für sie wichtigen Erkenntnisse ganz von selbst. Meine Aufgabe war nur, die Übungen anzuleiten und den Raum für die Zustimmung offen zu halten.

Zum Schluss war dann die Mehrheit der Teilnehmerinnen begeistert bis sehr begeistert von dem, was sie als neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen konnten.
Ich war da schon fast verwundert - denn ich hatte ja kaum etwas gemacht.... es lief, zumindest aus meiner Sicht... wie von selbst bei den Teilnehmerinnen ab.

Auch wie ich das Seminar geleitet hatte wurde dann am Schluss für gut befunden. Drei Teilnehmerinnen sagten mir, dass ich am Anfang so unsicher gewirkt hatte, dass sie nicht an ein Gelingen des Seminars geglaubt hätten.... doch nun hätte sich etwas anderes gezeigt...
Eine Teilnehmerin meinte, bei mir würde man merken, dass ich nicht nur Theorien von mir gebe, die ich irgendwo gelernt habe, sondern was ich sage auch verkörpere.
Ich bekam auch gesagt, dass es schön gewesen wäre, dass ich so viel Raum gelassen habe...

Donnerstag, 7. November 2013

Ja zum Scheitern

Eigentlich hatte ich mir für heute, morgen, übermorgen etwas Wichtiges vorgenommen....
Es ging darum, mich innerlich gut auf mein Seminar vorzubereiten.

Doch ich merke, es ist eigentlich garnicht mehr nötig.
Schon die Vorüberlegung enthielt wohl den notwendigen innerlichen Zustimmungsschritt....

Aber fangen wir doch mal von vorne an:
Vor ein paar Wochen kamen mir Zweifel, ob ich denn wirklich innerlich in der Lage bin, mein geplanntes Seminar gut zu leiten.
Würde ich nicht innerlich so in Stress geraten, dass alles vergessen ist, was ich jemals gelernt habe.... so dass das Ganze zu einem riesigen Fiasko wird?

Schließlich hängt ja für mich sehr viel an diesem Termin:
Es ist mein erster "richtiger" von mir gehaltener Kurs.
Wenn ich den in den Sand setze, dann würde ich mich wahrscheinlich so schnell nicht wieder zutrauen, einen derartigen Termin anzusetzen.
Und es würde noch schwerer werden, dann wieder Teilnehmer zu finden. Außerdem würde ich vor meinen Teilnehmern ziemlich blöd dastehen! Sehr blöd sogar!

Nein, es war klar, der Termin darf auf gar keinen Fall schiefgehen!!!

Merkt ihr, wie eng es wird, wenn etwas unbedingt sein muss?
Mir wurde der damit verbundene Stress und die Enge nach einer Weile ziemlich klar....
Und ich merkte..... ohje.... ich werde dem Schlimmsten zustimmen müssen! Ich werde wohl den Weg dahin finden müssen, selbst dem Scheitern zuzustimmen....

Nach kurzem innerlichen Widerstand wusste ich: Dies ist die einzige Möglichkeit, innerlich frei und weit zu werden....

Damit war innerlich erst einmal eine Gelöstheit vorhanden - und ich nahm mir vor, wenige Tage vor diesem so wichtigen Tag eben nochmals ganz bewusst genau in diese Zustimmung zu gehen.

Doch irgendwie scheine ich den Zustimmungsschritt damals bereits indirekt gemacht zu haben.... Nämlich genau dadurch, dass ich mich innerlich in die Bereitschaft gab, dem schlimmsten Fall zuzustimmen.

Und irgendwie hat dieser Zustimmungsschritt wohl sogar zu einer neuen realistischeren Sichtweise geführt, welche ohne weiteres Zutun von selbst in mir entstand und  nun fest in meinem Inneren verankert zu sein scheint:
Realistisch gesehen gibt es nur zwei Möglichkeiten:
Entweder bin ich so nervös, dass ich innerlich nicht richtig ins fließen kommen. Dann werde ich einfach das anleiten, was ich vorbereitet habe. Meine Teilnehmer werden hinterher denken: "Der Kursleiter war ja ziemlich verkrampft, aber die Übungen haben interessante neue Perspektiven gezeigt!"
Oder (der günstigere Fall b) ich bekomme innerlich Anschluss an den (mir ja auch bekannten) Zustand der Sammlung, Zustimmung, Weite und des Eingebunden-Seins. In diesem Zustand fließt alles wie von selbst, und dieser Nachmittag wird von einer besonderen Stimmung geprägt sein. In diesem Fall werden meine vorausgeplanten  Übungen - aber auch das, was in der jeweiligen Situation von selbst entstehen will, seinen Platz haben. Hinterher werde dann nicht nur ich von diesem Nachmittag begeistert sein....


Das Thema bleibt spannend.... und jetzt, sowie in den letzten Wochen der Vorbereitung, verdichtet(e) sich nochmals alles, was ich jemals fachlich und innerlich gelernt habe.....

Freitag, 1. November 2013

[Wie Schmerz entsteht...]

Schmerz entsteht
durch Widerstreit
mit der Wirklichkeit.
(d.h. wenn ich die Wirklichkeit nicht so akzeptieren will, wie sie ist).
[Tao der Zustimmung]

Dienstag, 29. Oktober 2013

[Wahre Gedanken]

"Wenn ein Gedanke wehtut,
ist das ein Zeichen dafür,
dass er nicht wahr ist."

Byron Katie [*]
[*] Von der Rückseite des Buches "Wer bin ich ohne diesen Gedanken?
Weisheit für jeden Tag" von Byron Katie.

Erscheint mir nach den ersten Durchblätterern ein sehr interessante Buch zu sein,
welches meine Beiträge zur "Zustimmung Pur" gut ergänzt.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Vorbereitungen

Schon seit Wochen bin ich fleißig dabei, die Gestaltung meines "Einführungs- und Erfahrungs-Nachmittags" zu planen.

Es geht nicht nur um die äußerliche Vorbereitung.

Es geht auch darum, auch in mir immer mehr den Zustand zu finden, in dem ich in einem "Zustand von innerlicher Weite, PrEssenz und Zustimmung" gehen kann. - Insbesondere in diesem Punkt scheint mein "Erfahrungs-Nachmittags" einen Sog auf mich und meinen Alltag auszuüben.... denn seit dieser Seminar-Nachmittag fest geplant ist, gelingt es mir immer leichter und öfter, in diesem fließenden (und für mich sehr angenehmen) Zustand zu sein.

Doch es tauchen auch immer wieder innerliche Themen auf. Ängste, die angeschaut werden wollen. Und so muss ich mich auch immer wieder hineinsetzen, inmitten meiner Themen... und sie anschauen, ohne sie loswerden zu wollen. - Manchmal verändert sich dann wirklich etwas, weil das, was angeschaut und gefühlt wurde, plötzlich gehen kann..... oder ich komme in einen innerlichen Zustand, wo ich mit all den gerade eben noch einschränkenden Ängsten und Themen offener und freier und besser umgehen kann.....


Beiträge über andere Themen wollen während dieser Zeit anscheinen nicht von mir geschrieben werden....
Jedenfalls habe ich schon ein paarmal angesetzt, ohne dass ich mir diesem Vorhaben vorangekommen wäre....

Sonntag, 13. Oktober 2013

[Lösung in der Hinwendung]

[...] die Lösung liegt immer in der Gegenwart,
in der Hinwendung zum Problem
und nicht im Versuch es zu beseitigen.
Wilfried Nelles [*]
[*] Aus "Umarme dein Leben: Wie wir seelisch erwachsen werden - Der Lebens-Integrations-Prozess"
von Wilfried Nelles (Autor); Innenwelt Verlag (2012); Seite: 67

Sonntag, 18. August 2013

Männer-Frauen-Liebe-Buch

Heute möchte ich ein zweites Buch von Wilfried Nelles vorstellen: "Männer, Frauen und die Liebe: Über kindliche Ansprüche und erwachsene Bedürfnisse"

Eigentlich listet der Titel schon alles auf, worum es in diesem Buch geht.
In dieses Buch fließen Erkenntnisse aus dem Familienstellen mit ein, jedoch auch einiges was den gängigen Vorstellungen des Familienstellens widerspricht - sowie die Erkenntnisse der verschiedenen Bewusstseinsstufen, die Wilfried bereits in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" bereits sehr umfangreich beschrieb.


Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zum "Mann-Sein".
Laut Ansicht der Familiensteller kommt die eigene Männlichkeit ja vom Vater - und ganz egal wie männlich oder unmännlich der eigene Vater war, ob er ein guter Mensch war, oder ein Verbrecher.... wenn man den eigenen Vater annimmt, dann nimmt man auch die eigene Männlichkeit an.

Dies entspricht voll und ganz auch meinen Erfahrungen: Vor etwa 15 Monaten wollte ich mir in einer Aufstellung die Beziehung zu meiner Mutter anschauen. Meine Mutter bewegte sich jedoch bei dieser Aufstellung ganz abseits hin zum Rand, und ich kam voll zum Vater und in seine Herkunftsfamilie. An diese Aufstellung erinnere ich mich seit diesem Zeitpunkt immer wieder.... und sie ist stets ein Trigger für männliche Kraft in mir

(Dasselbe gilt natürlich für Frauen: Selbst wenn die eigene Mutter ihre Weiblichkeit nur in der Kindererziehung und am Herd ausgelebt hat, erst wenn die Mutter und ihre Weiblichkeit angenommen ist, kann frau zu ihrer eigenen Weiblichkeit kommen - die sie nun vielleicht ganz anders ins Leben bringt, als die Mutter dies mit ihrer Weiblichkeit getan hat.)


Gerade für den Mann ist es wichtig, das Mann-Sein nicht durch die Frau definieren zu lassen. Und auch nicht durch die Muttersöhne, also die Männer, die immer noch versucht sind, es der Mutter  oder den Frauen  recht zu machen. (Aber Mann-Sein hat natürlich auch nichts mit Widerstand gegenüber der Mutter oder gegenüber den Frauen zu tun.)

Eigentlich bringt Wilfried es auf Seite 43 seines Buches mit wenigen Worten auf den Punkt:
    Ein richtiger Mann ist einer, der sich selbst zustimmt, wie er ist und seiner Männlichkeit, wie sie ist. Das ist alles.


Im letzten Kapitel seines Buches bring Wilfried die verschiedenen Spielarten des Themas "Liebe" und des Themas "Sexualität" in Verbindung mit den verschiedenen (in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" definierten) Bewusstseinsstufen. Auch dies fand ich sehr interessant.


Und auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde, was in diesem Buch steht, so habe ich es doch bereits zwei Mal gelesen, und es war jedesmal sehr interessant und erkenntnisreich.

Donnerstag, 15. August 2013

Der Lebens-Integrations-Prozess

Vielleicht schreibe ich hier noch etwas über den Lebens-Integrations-Prozess, den ich auf der Sommerakademie bei Wilfried Nelles durchlaufen durfte.

Dieser Prozess hat gewisse Ähnlichkeit mit den Familienaufstellungen.
Die Familienaufstellungen habe ich hier im Blog ja schon öfters erwähnt, aber hier nochmals eine kurze Zusammenfassung:
Bei der Aufstellungsarbeit werden Teilnehmer der Gruppe beispielsweise für mich und für meinen Vater und meine Mutter aufgestellt. Diese "Stellvertreter" für meine Eltern haben keine (oder nur minimalste) Infos über meine Eltern, wenn sie sich jedoch in die Aufstellung begeben, dann verhalten sie sich plötzlich so wie meine Eltern.... und haben Wissen über die Eltern, welches sie eigentlich garnicht haben können.... - einfach nur dadurch, dass sie sich gesammelt auf die Aufstellung einlassen, in sich hineinspüren, langsam und achtsam vorgehen....

Wie das wirklich funktioniert, ist letztendlich unklar.... aber das es funktioniert weiß jeder, der sich schon mal darauf eingelassen hat.

Bei meiner ersten Familienaufstellung war meine Lebensgefährtin regelrecht erschrocken, wie sehr der Stellvertreter meines Vaters auf einmal meinem tatsächlichen Vater ähnlich war....
Und ich war beispielsweise in einer Aufstellung mal der behinderte Bruder einer Teilnehmerin. Hinterher sagte dann die Teilnehmerin, die Art und Weise wie ich immer wieder Nähe zu ihr gesucht habe, entsprach genau dem, was ihr Bruder auch immer macht. (Ich hatte das nicht gewusst, sondern war in der Aufstellung einfach meinen inneren Impulsen gefolgt.)
- Und ich hatte im Laufe der Jahre noch viel erstaunlichere Erlebnisse!


Bei der LIP-Aufstellung ("Lebens-Integrations-Prozess") ist das etwas anders. Hier wird ein Teilnehmer aus der Gruppe für mich als Fötus aufgestellt, einer für mich als Kind und einer für mich als Jugendlicher. Ich selbst stehe dabei für mich als Erwachsener.
Anders als bei den Familienaufstellungen hat hierbei jedoch jeder einen festen Platz, den er nicht verlassen darf.
Der Fötus zeigt manchmal die innerliche Lebensvision, oder auch besondere Fähigkeiten, die man von Anfang an in sein Leben mitbekommen hat....

Bei der LIP-Aufstellung eines Teilnehmers sagte der Stellvertreter des Fötus beispielsweise mehrmals "Ich bin ein blinder Seher".
Als Wilfried den Teilnehmer dann fragte, ob er mediale Fähigkeiten habe, gab dieser dies etwas zögerlich zu. Er meinte, er hätte dies immer geheim gehalten, weil andere Menschen hierauf oft negativ reagierten. - Nun aber hatte sich gezeigt, dass er diese Fähigkeit bereits von Anfang an, sozusagen als Lebensaufgabe, mitbekommen hatte....

Und bei mir was es, wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb, die Stille, welche ich mitbekommen habe....

Mittwoch, 14. August 2013

Elementare Stille

Eigentlich möchte ich ja noch einen Ausführlichen Beitrag schreiben, in welchem ich auf die Ende Juli besuchte Sommerakademie bei Wilfried Nelles eingehe. Doch dieser Beitrag über die "Stille" will jetzt schon geschrieben werden.

Am letzten Tag der Sommerakademie hatte ich Gelegenheit, den "Lebens-Integrations-Prozess" zu durchlaufen. Dies ist eine von Wilfried speziell entwickelte Methode der Aufstellungsarbeit, bei der man sich verschiedene Lebensphasen anschaut, ja, sie nur anschaut, so wie sie waren...., ihnen zustimmt, und dann das Ganze integriert.
Dabei steht man auf der Position des Erwachsenen, und schaut auf den Fötus, auf das Kind und auf den Jugendlichen, welche man einmal war. - Ein total beeindruckender und tiefgehender Prozess.

Der Fötus zeigt einem manchmal Eigenschaften oder innere Visionen, welche man von Anfang an mit in die Welt mit bekommen hat, und welche durch die Umgebung noch nicht verformt sind.


Mir zeigte mein Fötus die "Stille".
Das war tief bewegend.

Auf einer Ebene war ich ja oft nicht so sehr einverstanden damit, ein eher ruhiger Mensch zu sein.
Aber das was sich hier zeigte war etwas wesentlich Tiefergehendes.
Und es hat mich auch damit versöhnt, ein eher ruhiger Mensch zu sein.... (Insbesondere hatte ich wegen meiner Fähigkeit des achtsamen Hinspürens.... und der Beschränkung auf das Wesentliche schon vor der Aufstellung von einer Teilnehmerin eine sehr positive Rückmeldung erhalten.)

Während dieser LIP-Aufstellung verband ich dann innerlich die "Stille" mit meiner Art in PrEssenz zu gehen (wie ich es in der K!KG-Ausbildung gelernt hatte).... und mir war nun klar, wieso es mir so leicht fällt, tief nach innen zu gehen.... und selbst schwierige 'Sitzungen' mit mir selbst zu machen.....

Aber es gab dann auch einen kurzen Punkt, wo ich spürte, hinter der Stille steckt noch mehr.
Auch wenn es laut ist, wenn viele Worte fallen..... zwischen all den Worten.... und hinter all dem Lärm..... da ist immer eine ganz tiefe Stille....


Erst jetzt, viele Tage später, habe ich nochmals diese spezielle Art der "direkten Stille" hervorgekramt... und auch gemerkt.... Wenn ich mir innerlich den Frei-Raum und die Frei-Zeit nehme, dann kann ich jederzeit in diese Stille gehen....
Und aus diesem veränderten Zustand heraus..... nehme ich die Welt, nehme ich das Leben etwas anders war.

Übrigens schrieb vor einigen Tagen Josephine einen Beitrag über die Stille.
Ihren Antworten auf meine Kommentare liefern sehr interessante Sichtweisen für mich... und machen mich noch neugieriger darauf, mich noch mehr damit zu befassen....


Aber ein wesentlicher Punkt dabei ist wirklich, dass ich dies schon von Anfang an mitbekommen habe.... es also elementar zu mir gehört.... und sich für mich nun die Frage stellt, wie und auf welche Weise ich dies noch mehr in meinem Leben nutzen kann...

Freitag, 2. August 2013

Kompetent sein!

Meine Kompetenz in Sachen "Umgang mit sich selbst und mit dem Leben" ist im realen Leben nur wenigen Menschen bekannt. Nur sehr wenigen!
Und in der Vergangenheit war ich auch fast schon fleißig bemüht, sie zu verstecken....

Beispielsweise als in in die Ausbildungsgruppe von Joel kam.
Ich wollte eigentlich die Ausbildung ganz normal beginnen, 1. Ausbildungsjahr, 2. Ausbildungsjahr, 3. Ausbildungsjahr..... doch dann fiel die Ausbildung mangels Teilnehmeranzahl aus, und Joel bot mir an, als Quereinsteiger gleich ins 2. Ausbildungsjahr einzusteigen.
Dort war ich natürlich derjenige, der über diese Art der Vorgehensweise am Wenigsten wusste.... Aber auch meine Umfangreichen anderen Vorkenntnisse brachte ich nur ganz selten ein.

Am Ende des 3. Jahres (für mich des 2. Jahres) sollte man für jeden Teilnehmer auf Kärtchen schreiben, was der Teilnehmer für einem selbst besonderes bedeutet hat. Ein Teilnehmer schrieb auf ein Kärtchen für mich "Heimlich schlau". Er hatte bemerkt, dass ich oft nicht alles mitteilte, was ich weiß.
Das fehlende 3. Jahr holte ich dann in der folgenden Gruppe nach, welche im 2. Ausbildungsjahr war. Hier war ich der einzige Neuling in einer Gruppe, welche schon 1 Jahr lang intensive Erlebnisse miteinander gehabt hatte. Auch dies war dann ein Anlass für mich, mich mit meinen ganzen Vorkenntnissen zurückzuhalten....


Letzte Woche war ich auf der Sommerakademie von Wilfried (ich schreibe noch ausführlicher darüber). Dort waren viele Leute, welche bereits als Seminarleiter arbeiten, oder zumindest die Methode von Wilfried schon sehr gut kennen.
Auch hier stellte ich mich also eher inkompetent.

Was ich von Beruf bin?
"Ich bin .... (technischer Beruf) aber es fehlt mir etwas.
Ich würde gerne auch noch etwas anderes machen, aber es hat sich noch nicht so richtig gezeigt, was ich wirklich tun könnte."

Irgendwann hat's mir dann gereicht!
"Ich bin .... (technischer Beruf) aber ich möchte gerne dazu kommen darüber hinaus auch mit Menschen arbeiten. Ich habe auch schon eine umfangreiche 3-jährige Ausbildung, aber ich getraue mich noch nicht ganz, wirklich etwas anzubieten."
Und dann ein kompetentes Gespräch geführt. Was ich für eine Ausbildung gemacht habe. Was sie vorhat anzubieten. Gegenseitiger Austausch.

Mit einer weiteren Frau dann sogar noch tiefer.
Sie sehr persönliches erzählt. Ich sehr persönliches erzählt. Kompetent darauf eingegangen. Ich durch sie neue Gesichtspunkte bekommen. Sie durch mich neue Gesichtspunkte bekommen. - Ein kompetentes Gespräch auf Augenhöhe.


Auch meine Kollegen würden sicherlich nicht auf die Idee kommen, dass ich mich mit psychologischen Dingen auskenne, dass ich in Lebensfragen kompetent bin.
Gut, vielleicht haben sie sich gefragt, wie ich so stressfrei mit meinem Augenproblem umgehen konnte....


Ja, ich möchte in nächster Zeit (zunächst so halb-privat im erweiterten Bekanntenkreis) eine lose Folge von Seminaren, und auch mal Einzelarbeit, anbieten.
Nein, ich erstelle hierbei keine Diagnosen. Das würde ich nicht wollten.... und hierzu hätte ich auch nicht die mindeste Kompetenz.
Nein, ich löse dabei keine Probleme - und helfe auch nicht, Probleme zu lösen. Dies würde ich nicht wollen, und hier hätte ich auch nur wenig Kompetenz zu bieten.
Nein, ich arbeite auch nicht Ziel- oder Lösungsorientiert. Das würde ich nicht wollen.... und das was ich darüber weiß, möchte ich eigentlich garnicht wissen.

Aber ich kann dabei helfen, das was ist wirklich anzuschauen.... ohne Scheuklappen.... und im nächsten Schritt dann in die Zustimmung zu kommen. Oft entsteht hierdurch ein so großer innerlicher Freiraum, dass das Thema sich von selbst löst, oder ein nächster Schritt deutlich wird. Aber eine solch "große Lösung" ist nicht machbar, weder von mir noch von dir. Sie geschieht, oder geschieht nicht.... Im Einklang mit dem Leben.
Aber selbst wenn sie nicht entsteht.... wird sich das Thema hinterher nicht mehr so eng und bedrückend anfühlen wie vorher.....


Ja, eine spannende Geschichte.
Wahrscheinlich werde ich bei meinen ersten Gehversuchen total unsicher sein....
und dann vielleicht sogar mit dieser Unsicherheit hadern.
Dann werde ich merken, dass ich ein Stückweit zu dieser Unsicherheit "Ja" sagen muss.... um das tun zu können, was ich vorhabe.

Doch genau dadurch entsteht die Einladung, auch an die Teilnehmer..., dass Unsicherheit dazugehört....., dass es zum Leben dazugehört..... mit der Unsicherheit zu hadern..... und dass es in Ordnung ist, unsicher zu sein.

Samstag, 13. Juli 2013

Das "Jugendlichen-Bewusstsein"

In diesem Beitrag möchte ich ein sehr interessantes Buch vorstellen. Anders als die meisten hier von mir besprochenen Bücher enthält dieses Buch keine einzelnen Übungen, oder gar eine ganze in sich geschlossene Methode, zur persönlichen Weiterentwicklung. Es enthält jedoch sehr interessante Gedanken, welche dazu beitragen können, die Welt ein bisschen anders als vorher zu sehen - und anders mit ihr umzugehen.

Das Buch heißt "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang Die Evolution des Bewußtseins, spirituelles  Wachstum und das Familienstelle". Es stammt von Wilfried Nelles und ist erschienen im "innenwelt verlag".


Im ersten Teil dieses Buches teilt Wilfried die persönlichen Entwicklungsschritte, die jeder Mensch durchmacht, von seiner Zeugung bis zu seinem Tod, in 7 Stufen ein.
Ebenso unterteilt er die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ebenfalls in 7 Stufen und zieht sehr interessante Querbeziehungen zu den persönlichen Entwicklungsschritten.

Dabei stellt Wilfried nicht nur bloße Theorien auf, sondern untersucht, welche Lebensum­stände ein Fötus (Stufe 1), ein Kind (Stufe 2), ein Jugendlicher (Stufe 3), ein Erwachsener (Stufe 4), ein älterer Erwachsener (Stufe 5), ein Rentner (Stufe 6) .... in seiner Lebensphase jeweils vorfindet....
und welche Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, er auf der jeweiligen Stufe hat.
(Die Stufe 7 ist hierbei übrigens der Tod.)

Dasselbe untersucht er auf der gesellschaftlichen Entwicklung:
Die vor-bewusste Zeit (Stufe 1), die in Mythen oft als die Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird, die traditionelle, hierarchische Gesellschaft (Stufe 2), die heutige "moderne" Gesellschaft (Stufe 3), .... und vier weitere zukünftige Entwicklungsstufen.


Ein Kind (Stufe 2) beispielsweise ist von seine Eltern total abhängig, jedoch fühlt es sich (sofern in der Familie nicht gewaltig etwas schief läuft), gerade in dieser Abhängigkeit geborgen.
Einem Mitglied einer traditionellen Gesellschaft geht es ähnlich: Auch er fühlt sich in seinem Clan, seiner Gruppe, seinem Platz in der Hierarchie geborgen. (Dies ist auch der Grund, warum man Menschen in traditionellen Gesellschaften nicht so einfach mit der Demokratie beglücken kann. Diese ist erst in der nächsten Stufe interessant.)

Derzeit lebt unsere westliche Gesellschaft, wie Wilfried erläutert, auf der Bewusstseinsstufe eines Jugendlichen.
Wie der Jugendliche muss er zu allem überlieferten "Nein" sagen und sich gegen es abgrenzen... gegen die Familie, gegen die Traditionen, gegen die Religion,...
... alles ist falsch....
nur leider hat er selbst keine Ahnung, wie es funktioniert....

Und so entstehen, tiefe Einsamkeit, Bindungslosigkeit, der Verlust von Sinn und allem Tragenden.....
Trotzdem führt der Weg, wie es sich mancher Traditionalist vielleicht wünschen würde, nicht zurück in die Stufe 2 - sondern nach vorne, in die Stufe 4, auf die Stufe eines Erwachsenen, in eine erwachsene Gesellschaft.....
(Dabei hat 'Erwachsen-Sein' jedoch nichts mit der Starre und dem Ernst zu tun, welches die noch auf Stufe 2 lebenden Menschen in es hineininterpretierten. Auf Stufe 2 weiß man noch nicht was 'Erwachsen-Sein' ist..... und spielt 'Erwachsen-Sein' praktisch nur....)

Und genau auf diesem Weg zum 'Erwachsen Sein' ist die Stufe des Jugendlichen extrem wichtig. Der Jugendliche muss sich durch seine Auflehnung gegen alles erst einmal selbst finden.... bevor er den Schritt ins Erwachsen-Sein gehen kann....


Wilfried erläutert in diesem Buch sehr ausführlich alle 7 Stufen....
wie gesagt, mittels einen genau hinschauenden Blick auf die jeweiligen Lebensumstände und Möglichkeiten...


Im zweiten Teil des Buches werden dann verschiedene Wege der persönlichen Weiterentwicklung in Zuordnung zu den vorgestellten 7 Stufen untersucht.
Hier wird sehr interessant auch die Psychotherapie, das traditionelle Familienstellen und die neuen Formen des Familienstellens betrachtet.
(Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, was Wilfried über emotionalen und sexuellen Missbrauch schreibt: Das hier häufig kritisierte Familienstellen gibt dem Missbrauchten seine Würde zurück, weil es einen wichtigen Teil der in Stufe 2 wirkenden Wirklichkeit anerkennt.....
Jedoch ist es laut Wilfried ebenso wichtig, noch einen weiteren Schritt zu gehen (Stufe 3) der normalerweise in der im Familienstellen gefundenen Lösung noch fehlt.)


Mir hat das Buch sehr geholfen, die Welt besser zu verstehen,
zu sehen, welche Entwicklung uns möglicherweise in nächster Zeit weiterhelfen könnte,
und vor allem auch zu sehen, wo unsere spirituelle Entwicklung hingehen könnte!

Ja, auch auf religiöser Ebene wurden die Stufe-2-Religionen ja von den "Jugendlichen" abgeschafft, und durch Wissenschaftsgläubigkeit oder durch Stufe-3-Religionen (alle Macht liegt in mir) ersetzt.

Auf Stufe 4 wird laut Wilfried das Herz an Bedeutung gewinnen,
die Herz-Verbindung zum Großen Ganzen,
und zu anderen Menschen.....
eine Verbindung und ein Eingebunden-Sein außerhalb der hierarchischen Sicht weise der Stufe 2.

Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war... Ich dachte an Joel Weser, an die PrEssenz... und daran, dass es sicherlich sehr hilfreich wäre, während der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent zu dein.
Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die PrEssenzgehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr präsent und in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Samstag, 20. April 2013

Buchempfehlung: Die Kraft der Präsenz

Hauptthema meines Blogs ist, sich seine Lebensthemen anzuschauen, mit ihnen in einen Einklang zu kommen, sich mitten in sie hineinsetzen, ..... und anders als vorher wieder aus ihnen herauszukommen.....

Dies gelang mir bei manchen Themen mehr - bei anderen weniger.....
Die Vorgehensweise war jedoch, mir ein Thema, von dem ich vermute es könne mir Probleme machen, im Vorfeld anzuschauen.
Oder ein Thema, welches mir tagsüber Schwierigkeiten machte, hinterher (am Abend) nachzubereiten.

Bis vor kurzem ist es mir jedoch nicht gelungen, in einer Situation selbst Präsent zu bleiben:
genau zu bemerken was hierbei geschieht,
aus innerlichen Filmen, welche mit der Realität nur begrenzt zu tun haben auszusteigen,
mehr oder weniger in Zustimmung zu kommen,
offen und weit zu werden,
..... ja, eben das Thema schon ein bisschen während ich drinstecke zu bearbeiten
und hierdurch auszusteigen.

Mehr und mehr gelingt mir dies jetzt tatsächlich immer mehr.

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Hierbei sehr geholfen hat mir das Buch  "Die Kraft der Präsenz: Im Jetzt sein - zu sich selbst finden - Heilung erleben"  von Richard Moss!

In diesem Buch werden sehr interessante Gesichtspunkte zum Thema "Präsenz" behandelt.
Teilweise überschneidet sich das Buch mit den vielen Dingen, die wir im KiKG-Training über dieses Thema gelernt haben. Aber es gibt einige andersgeartete Sichtweisen und Ergänzungen, welche mir sehr halfen, mir dieses Thema noch mehr zu erschließen.
Einige Dinge, die ich aus Dem KiKG kenne, verstehe ich durch dieses Buch jetzt viel besser. (Andere hilfreiche Dinge, die ich schon kenne, fehlen dafür natürlich wiederum in diesem Buch.)
Insgesamt brachte es mich jetzt jedoch sehr viel weiter.


Neben diesen ganz fundamentalen Dingen über die Präsenz
nimmt "das Mandala des Lebens" einen großen Teil des Buches ein.
Richard Moss geht davon aus, dass ein Teil unserer Gefühle echte, natürliche Gefühle sind,
es jedoch auch Emotionen gibt, welche durch unser Denken selbst erzeugt werden.
Gerade das, was einem so Schwierigkeiten macht, einem aus der Bahn wirft, Kontraktion erzeugt, sind diese "selbst-gebastelten" Emotionen.
Dieses selbst-basteln der Emotionen ist das, was ich hier auch immer als "im inneren Film sein" beschreibe. Laut Moss entstehen diese Emotionen durch die "Geschichten" die wir uns über uns selbst, über andere, über die Vergangenheit und über die Zukunft erzählen.


Für diejenigen, die aus ihren alten, schon hundert Mal erzählten Geschichten aussteigen wollen ein sehr empfehlenswertes Buch!

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In mir ist schon seit längerer Zeit eine große Sehnsucht da, aus allen negativen (oder auch positiven) Märchen-Geschichten auszusteigen.....
und einfach nur ganz unmittelbar mitten-drin in dem zu sein was nun mal tatsächlich ist. - Nun scheine ich das mehr und mehr nicht nur in Übungssituationen sondern auch 'Just-In-Time' in tatsächlichen Lebenssituationen anwenden zu können.

Samstag, 6. April 2013

Etwas Besonderes sein

Mit dem Thema "Etwas Besonderes sein" kam ich die letzten Wochen mehrmals und auf verschiedene Art und Weise in Berührung.

Die erste Begegnung war vor ein paar Wochen beim Lesen des Buches "Umarme dein Leben" von Wilfried Nelles. Dabei wurde dieses Thema dort nur einmal, und nur kurz erwähnt.

Wilfried Nelles beschrieb, dass Menschen manchmal, wenn sie mit ihren Eltern verstrickt sind, etwas für diese tragen, oder der Liebling eines Elternteils waren, nicht wirklich den Wunsch haben erwachsen zu werden.
Diese Menschen fühlen sich (heimlich) größer als ihre Eltern.... und fühlen sich somit als etwas Besonderes....
Wenn sie bereit wären erwachsen zu sein, dann müssten sie diese Grandiosität und Besonderheit aufgeben müssten.... und ganz normale Menschen werden.

Ich merkte, wie mich diese Text-Stelle ansprach, weil ich mich durch die Verstrickung mit meiner Mutter wohl auch irgendwie als etwas Besonderes definier(t)e.


Dieses Thema spuckte dann weiterhin in mir herum.
Mir wurde bewusst, dass mein Besonders-Sein ja nicht nur auf der von Nelles beschriebenen systemischen Verstrickung beruhte.

Sondern meine Mutter hatte ja stets von mir erwartet hatte, dass ich etwas Besonderes bin, sei es im Kindergarten, bei meinen Leistungen in der Schule..... und überhaupt im Umgang mit anderen Menschen....
Und ich merkte, wie ich ja auch heute Besonderes von mir verlange..... - erwarte, dass ich mit meinem Leben, mit meinen Gefühlen, mit sozialen Situationen besonders umgehen kann!

Dies war dann auch Thema bei meinen Innen-Reisen.
Ich konnte mir das Besonders-Sein-Wollen mehr und mehr anschauen..... und mehr und mehr auch die Erlaubnis entwickeln, "ein ganz normaler Mann" mit "ganz normalen Gefühlen, Wünschen und Schwierigkeiten" zu sein!!!


Gestern fand ich das Thema 'Besonders-Sein' noch in einem weiteren Buch: "Die Kraft der Präsenz" von Richard Moss.
Er schreibt, dass es zwei Arten von 'Besonders-Seins' gibt und unser Ego uns immer in die eine oder andere Art des 'Besonders-Seins' bewegen will:
  1. Die erste Art des 'Besonders-Seins' ist, sich als Grandios und Überlegen zu sehen.
  2. Die Alternative ist, sich als weniger wert, besonders unfähig,
    aber auch als besonders schwach, besonders hilflos, besonders verletzlich, besonders bedürftig, zu sehen - und von der Welt zu erwarten, aus diesem Grund auch besonders behandelt zu werden.
Oft wechseln wir, so Richard Moss, zwischen diesen beiden Arten des Besonders-Sein hin und her.....


Nachtrag:
Meiner Ansicht nach ist es ja nicht falsch, etwas Besonderes sein zu wollen.
Es macht nur sehr unfrei, diesem Besonders-Sein ständig hinterherlaufen zu müssen,
ist manchmal recht anstrengend,
und schränkt dabei ein, dem Leben und anderen Menschen unmittelbar zu begegnen.


P.S.: Ich kann die beiden genannten Bücher sehr empfehlen!
(Wenn ich mal dazu komme, werde ich sie auch noch ausführlicher vorstellen.)

Freitag, 29. März 2013

[Angstlosigkeit]

Angstlosigkeit
ist die totale  Anwesenheit von Angst -
einschließlich des Mutes
sich ihr zu stellen.

OSHO  [*]
[*] aus: "Das Hara Buch: Zurück zur Quelle der Lebenskraft",
             OSHO, Innenwelt Verlag 2009

Samstag, 16. Februar 2013

Die gestresste Seele

"Die gestresste Seele - Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung" ist ein von Bertold Ulsamer geschriebenes Buch mit zwei beigefügten, begleitenden Übungs-CDs.

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Eigentlich habe ich ja schon einige noch nicht fertig durchgearbeiteten Bücher hier zu Hause...., so dass ich keine neuen Bücher mehr kaufen wollte. Trotzdem stöbere ich manchmal in Buchgeschäften .... und manchmal läuft mir auch ein neues Buch zu.
So geschah es dann auch am 25. Januar dieses Jahres.

Da ich Bertold Ulsamer schon von anderen Büchern kannte (unter anderem durch das Selbsthilfe-Buch "Wie Sie alte Wunden allein heilen und neue Kraft schöpfen: Familienaufstellung ohne Stellvertreter"), nahm ich das Buch in die Hand und überflog die verschiedenen Kapitel.

Obwohl ich mich nicht als Burnout-Kandidat fühle, sprach mich das Buch sehr an. Ich merkte, dass ich es etwas abgewandelt und weiter gefasst zum Umgang mit allen Lebensthemen verwenden kann.

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Das Buch selbst ist recht dünn, und geht konzentriert und tiefgründig auf das Thema "Burnout" bzw. "Belastung" ein.

Angetan hat es mir besonders das Kapitel, in welchem es um das Zusammenspiel des "Inneren Kritikers" mit dem "Angepassten Inneren Kind" und um das "Rebellische Innere Kind" geht!
Sehr interessant ist auch das Kapitel darüber, welche positiven Auswirkungen "Freude" auf die wirklich guten Spitzensportler hat......


Das Wesentliche an diesem Buch-Paket sind jedoch für mich die beiden Übungs-CDs, vollgepackt mit den verschiedensten geführten Meditationen (Innen-Reisen) zu allem rund um dieses Thema.

Diese CD hat keine Hintergrundmusik und Bertold Ulsamer spricht langsam, achtsam, mit langen Pausen und durchaus nicht unsympathisch.  
(Bei der der "... was dich stark macht-CD" der Zurhorst's war ich ja begeistert von der leicht in Trance führenden Hintergrundmusik. Bei den Ulsamer-CDs jedoch habe ich es genossen, dass sehr viel mehr Zeit zum genauen Hin-spüren vorhanden ist. Ein Vorteil der fehlenden Hintergrundmusik ist eben auch, dass man zusätzlich noch  jederzeit auf die Stop-Taste gehen kann, wenn man noch mehr Zeit braucht: Dies empfand ich als sehr hilfreich.)

Einige der Tracks auf dieser CD beziehen sich voll auf das Thema "Burnout", die meisten jedoch konnte ich beim Hören sehr gut innerlich für mich abwandeln und für meine Zwecke nutzen.
Es geht um "Gut für sich sorgen", "Kraftquellen und Kraftdiebe", "Kontakt mit der eigenen Freude", "Innehalten", "Atmen", "das Herz spüren", "das Kämpfen aufgeben"......  und sehr tiefgründig darum "auf den eigenen Körper zu hören", "Kontakt zum inneren Antreiber" aufzunehmen, "zum inneren Rebellen"....
Bei der Begegnung mit dem "Angepassten Inneren Kind" wird richtiggehend eine Reise in die eigene Vergangenheit gemacht, und in weiteren Tracks schaut man sich die Inner-Psychischen und die Systemischen Ursachen des eigenen Drangs sich zu erschöpfen sehr genau an.

Ganz besonders ist auch der Track zum "Gefühle fühlen", weil hier eine Verknüpfung geschaffen wird zu dem, was das Innere Kind auf keinen Fall erleben oder sehen will.....

Insgesamt empfand ich diese CDs teilweise als tiefgehender wie so manche Psychotherapiestunde.... ja, selbst tiefgehender wie Therapie-Methoden, in welchen nicht nur gesprochen wird, sondern man tief in das eigenen Thema eintaucht.

Dienstag, 5. Februar 2013

Die Mutter anschauen!

Nachdem wir in unserem Ausbildungs-Block im November den Vater angeschaut hatten, war diesmal die Mutter dran.

Jedenfalls ging es darum, die Mutter einfach nur anzuschauen (wohl etwa eine viertel Stunde lang?) - ohne dabei etwas zu tun.
Wir sollten also 3-er-Gruppen bilden. Ein Gruppenmitglied war derjenige, der jeweils die Mutter ansehen sollte, ein anderes Gruppenmitglied stand für die Mutter und ein drittes für den Vater. - Jeder kam mal dran, und es wurde immer durchgewechselt.

Wir waren in unserer Gruppe zwei Männer und eine Frau.
Zuerst war der andere Mann dran, die andere Teilnehmerin stand für seine Mutter, während ich für sein Vater stand.
Dann war die Teilnehmerin dran, ich stand für ihre Mutter, der andere Teilnehmer für ihren Vater. - Dabei merkte ich, dass ich, trotz allem was hier geschah, und was wohl zwischen ihr und ihrem Mutter zu stehen scheint, in mir stets Liebe zu ihr da war...... und ich auf Sie und verschiedene aus ihrem Leben sehr stolz war....

Dann war ich dran.
Wie gesagt, hatte ich mir diese Übung ja auch gewünscht, jedoch war ich an diesem Nachmittag garnicht dazu aufgelegt gewesen, diese intensive Übung zu machen.
Ich wählte nun also die Teilnehmerin zur Stellvertreterin für meine Mutter, der andere Teilnehmer war somit Stellvertreter für meinen Vater.

Ganz am Anfang empfand ich mich eine kurze Zeit ganz gut mit ihr in Kontakt. - Dann riss der Kontakt ab.
Mein Blick wanderte immer wieder links von ihr auf den Boden..... und immer wenn ich dann doch versuchte, mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, schien ihr Blick weg-zuwandern, oder sie war in ihrem Blick nicht wirklich anwesend!

Da ein Blick auf den Boden beim Familienstellen ja immer etwas mit Verstorbenen zu tun hat, kam mir dann auch der Gedanke an ihren früh verstorbenen (im Krieg gefallenen) Vater.
Überhaupt hatte ich den Eindruck, auch zwischen ihr und mir würden Tode liegen, welche den Weg zueinander versperren.

Auch zum Vater war kein Kontakt möglich. - Am Anfang war er mit seinem Blick ganz starr ganz woanders. Später wirkte er sehr streng, so dass ich Angst davor hatte, er würde mir eine scheuern.

Ich fühlte mich sehr isoliert..... und ganz alleine auf der Welt.....
und mein Blick blieb immer mehr links von ihr auf dem Boden liegen......

Dann erinnerte ich mich daran, dass Joel ja gesagt hatte, wir sollten bei dieser Übung 'Ganz-Da-Bleiben'..... und nicht in irgendwelche 'alten innerlichen Filme' einsteigen. - Ich hatte den Eindruck, als ob ich zumindest am Rande eines 'alten Film' war.....

Die Aufgabe war jedoch "Die Mutter anzuschauen"!
Also nahm ich wieder Blickkontakt mit ihr auf..... bereit, sie mit all ihrem schweren Schicksal und mit all ihrer Unfähigkeit zu sehen....
Ich wich dann dem Blick nicht mehr aus. In mir war ein "ich schaue dich jetzt an" und ein "ich bin jetzt bereit, dich mit allem zu sehen!".
In mir bildete sich dann der Satz "Ich nehme dich jetzt wie du bist!"

Nachdem ich angefangen hatte, sie anzuschauen verschränkte sie ihre Arme vor ihrer Brust.... doch dies konnte den ganzen Vorgang nicht verhindern, da ich bereit war, sie auch damit zu sehen und zu nehmen.

Ich blickte dann auch den Vater an und sagte innerlich "Auch dich nehme ich wie du bist!"

Hinterher sollten wir uns dann über das Erlebte austauschen.
Als die Stellvertreterin meiner Mutter dann sagte, sie hätte überhaupt nichts gefühlt, da übermannte mich dann doch eine tiefe Traurigkeit - ja ich war fast irgendwie ge­schockt. (Ich hatte irgendwie doch gehofft, dass irgendwo im Hintergrund bei ihr doch Liebe vorhanden ist  - so wie ich es ja auch gefühlt hatte, als ich Stellvertreter der Mutter der anderen Teilnehmerin gewesen war.)

Sie erzählte dann auch, dass es für sie überhaupt nicht möglich gewesen war, mit mir in Kontakt zu gehen oder für mich da zu sein..... und sie sie dafür irgendwie auch geschämt hätte.....  - Dann meinte sie, dass im Hintergrund wohl doch so etwas wie Liebe dagewesen wäre, doch dies wollte ich dann nicht mehr glauben oder annehmen......

Während der Übung war ja ein gewaltiger Schritt passiert, der bisher noch in keiner Systemischen Übung und in keiner Familienaufstellung möglich gewesen war. (Ja, für mich hat sich in den letzten Wochen mehrmals gezeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, 'Ganz-Da' zu bleiben und eben nicht 'in alte Filme' zu gehen. Da bin ich sehr dankbar dafür, dass wir dies in diesem Training gelernt haben.) 

Doch das Hinterher (beim Austausch über das Erlebte) war dann schon so etwas wie ein Schock für mich gewesen.... und ich hatte die Befürchtung, dadurch wäre mir der 'große Schritt' nun auch irgendwie wieder verloren gegangen.

Aber Joel meinte, dass dieser Erfahrung nicht mehr rückgängig zu machen wäre, und die Erinnerung daran immer wieder auftauchen würde. -  Und als positiven und heilsamen Schritt ist mir das Ganze nun im Nachhinein auch tatsächlich in Erinnerung geblieben.....

Mittwoch, 2. Januar 2013

[Der Sinn]

Hoffnung ist nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht,
sondern dass etwas einen Sinn hat,
egal wie es  Ausgeht!

Frei nach Václav Havel



Mit diesem Zitat wünsche ich all meinen Lesern
'Ein Gutes neues Jahr 2013'!
Dieser Beitrag sollte eigentlich in der Neujahrsnacht automatisch erscheinen. Hat aber wohl nicht geklappt.