Sonntag, 17. Februar 2013

Inneres Kind und Teil-Persönlichkeiten

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema (welche auch immer noch im Wendel ist):

Es gibt Psychotherapiemethoden, sowie viele psychologische Selbsthilfemethoden, welche sich mit der Arbeit mit dem Inneren Kind oder mit Teil-Persönlichkeiten beschäftigen.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die diesem Vorgehen kritisch gegenüber eingestellt sind.
Vor vielen Jahren schon las ich das Buch "Die dunkle Seite des inneren Kindes" von Stephen Wolinsky. (Dieser Autor war mir durch sein Buch "Die alltägliche Trance" bekannt, in welchem der Hypnotherapeut beschrieb, wie wir uns im Alltag oft in eine Art Hypnose versetzen und somit die verschiedenen Situationen nur noch über diesem Filter verfälscht wahrnehmen.)
Jedenfalls sah dieser Autor in der Arbeit mit dem Inneren Kind auch eine Art Selbsthypnose. Er vertrat die Ansicht, dass viele Menschen durch die Arbeit mit dem Destruktiven Inneren Kind oder mit dem Bedürftigen Inneren Kind dieses dadurch erst erschaffen und dann durch dieses Vorgehen dauerhaft selbst aufrecht erhalten. - Es wird also ein innerliches Problem selbst erzeugt, um sich dann jahrelang damit zu beschäftigen.

Ein weitere Hinweis, dass an dieser These etwas dran sein könnte lieferte mir ein NLP-Buch, welches ich damals wohl aus der Stadtbücherei geliehen hatte. Dort wurde das Erzeugen von Teil-Persönlichkeiten jedoch ganz positiv gesehen:
Es wurde dem NLP-Therapeuten geraten, im Klienten einfach bestimmte Teile anzusprechen, um mit ihnen zu reden. Die Frage "Aber was ist, wenn es in einem Klienten dieses Teil garnicht gibt?" wurde beantwortet mit "Fall es das Teil in ihm tatsächlich noch nicht gab, dann gibt es dies jetzt, nachdem du es in ihm angesprochen hast!".

Letztendlich führten auch meine Schwierigkeiten mit dieser Art des Vorgehens (und die Aussage eines Therapeuten, man solle ein Psychologisches Modell nur dann verwenden, wenn es einen Nutzen bringt) dazu, derartige Ansätze (im engeren Sinne) nicht mehr anzuwenden. - Ich achte seither eher darauf, das Ganze wahrzunehmen und zu fühlen.


Dennoch finde ich die Inneres-Kind- und die Teil-Persönlichkeiten-Betrachtung in einigen Fällen stimmig:

So gibt es beispielsweise auf der "... was dich stark macht-CD" einen Track, in Hilfe von welchem man sich widersprüchliche Bedürfnisse anschauen kann, nämlich, das Bedürfnis voranzuschreiten, und das Bedürfnis, das bisherige zu erhalten. - Dabei geht es auch darum, die gute Absicht beider Seiten zu sehen und sich eine Lösung zu erarbeiten, bei der beide mitgehen können.
Gerade das "die gute Absicht beider Seiten zu sehen und sich eine Lösung zu erarbeiten, bei der beide mitgehen können" finde ich sehr gut! - Ich finde es jedoch auch etwas kritisch, sich innerlich von vornherein auf die Seite zu schlagen, die voranschreiten will. Woher weiß ich denn, ob es die größte Weisheit ist, z.B. voranzuschreiten und die Firma zu wechseln oder ob es in der gegenwärtigen Situation wichtiger wäre, sich den Problemen in der alten Firma zu stellen, statt das alte Thema in die neue Firma mitzunehmen? (Ich glaube, dies kann man nur dann erkennen, wenn man sich neutral mitten in das Thema hineinsetzt!??!) 
Im Gegensatz zu anderen Meditationen auf dieser CD, welche ich sicherlich schon 40 mal gemacht habe, habe ich diese Meditation daher bisher nur 2 mal und ganz bewusst durchgeführt. In beiden Fällen war es gut und hat tatsächlich zu einer für Teile beide akzeptabler Lösung geführt.

Sehr stimmig ist für mich auch, wie Ulsamer das Zusammenspiel des "Inneren Kritikers" mit dem "Angepassten Inneren Kind" und um das "Rebellische Innere Kind" beschreibt, da dies sehr gute Erklärungen für verschiedenen Situationen des Lebens bietet, in welchen der Konflikt zwischen "Zugehörigkeit" und "Eigenständigkeit" auftritt.


Noch ein ganz anderer Aspekt:
Manchmal fühlen sich Gefühle eher kindlich an, und auch hier finde ich es durchaus hilfreich, sich dessen genau bewusst zu sein. Hier hilft bei mir sehr gut, einfach zu fragen "Wie alt bin ich gerade?" - und ich habe die Wirksamkeit dieser Frage auch schon in Therapie-Gruppen bei Anderen erlebt.

Katharina Ley schreibt in ihrem Buch "Tu, was dich anlächelt", dass Teil-Persönlichkeiten als Abspaltung im Kindheitsalter entstehen, wenn das Kind eine schlimme Situation nicht verarbeiten kann.


Letztendlich finde ich es immer wichtig, wahrzunehmen was gerade läuft.
Nicht um es etwas verurteilen,
nicht um es zu bekämpfen,
nicht um immer weitere Abspaltung in Innere Kinder und Teil-Persönlichkeiten zu betreiben,
sondern um es
anzusehen,
annehmen,
zu akzeptieren,
ins Herz zu nehmen
und um wieder mit ihm zu einem verschmelzen - und somit wieder 'Ganz' zu werden.

Kommentare:

  1. Hallo Tao,
    als ich anfangs von diesem Modell hörte empfand ich das genauso: Wenig hilfreich, war sehr kritisch und hatte auch so meine Schwierigkeiten.
    Außerdem fand ich es höchst kindisch und peinlich, wenn jemand diesen Teil in mir ansprach, auf dessen Ebene.
    In einer Klinik dachte ich mal: Also echt, hier werde ich ja erst krank, mit all dem Schmarrn ;)
    Heute arbeite ich insofern damit, dass ich versuche mich aus der Identifikation mit diesen Teilen zu lösen und in die Erwachsene komme. Meine Thera hilft mir da sehr gut, weil die fast nur die Erwachsene anspricht.
    Ich habe mir einigen aus der damaligen Klinik noch Kontakt und habe das Gefühl, dass sie sehr oft in regressiven Zuständen hängen und kaum mehr fähig sind ihre Probleme zu lösen, sondern dann lieber Pipi Langstrumpf für ihre Kleine (innere) anschauen, was ich dann etwas befremdlich finde.
    Aber: wem es hilft :)

    Zu der Umfrage: Mir gefällt
    die bunte Mischung wie bisher am besten.
    Schönes Wochenende!

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    1. Hallo Regenfrau,

      > Heute arbeite ich insofern damit, dass ich versuche mich aus der
      > Identifikation mit diesen Teilen zu lösen und in die Erwachsene komme.

      dies ist auch in meinen Augen ein sehr wichtiger Aspekt!
      Ein Kind ist ja vielen Situationen hilflos ausgeliefert, in denen ein Erwachsener sehr wohl tatkräftig auf eine Lösung hinarbeiten könnte.....
      In dieser Hilflosigkeit steckt man natürlich auch dann, wenn man sich total in das Bewusstsein des 'Inneren Kindes' hinein begibt.

      Danke für die Rückmeldung zu meinem Blog und ebenfalls noch einen Sonntag

      Tao

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