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Samstag, 22. März 2014

Auch hierbei 'mit dem Leben gehen'

Nachdem bei meinen ersten beiden Seminaren doch einiges an Teilnehmer-Interesse da war, sieht es diesmal sehr schlecht aus.

Die wenigen Werbe-Wege, die ich in der Vergangenheit nutzte, griffen diesmal nicht.
Und frühere Teilnehmer schienen mit den gemachten Erfahrungen zwar zufrieden zu sein, jedoch kam nicht rüber, dass (die verblüffenden Körperübungen zwar das Fundament der Methode sind) es jedoch noch um Einiges tiefer und weiter gehen kann....

Jedenfalls sitze ich nun da, muss diesmal auch weitgehend die Raumkosten bezahlen.... und da wurde es auch zunächst in mir eng:
Das darf nicht sein!
Meine Seminare sind nicht auf Gewinn aus, ich decke mit der Teilnahmegebühr nur die Kosten. Aber dann darf es auch nicht sein, dass ich diesmal Verlust mache und auf den Kosten sitzen bleibe.

Doch diese Enge dauerte höchstens ein, zwei Minuten.
Ich war ja vor drei Wochen erst bei einem Seminar bei Wilfried Nelles gewesen... wo für mich nochmals erfahrbar war, wie es ist, das Leben auf sich zukommen zu lassen....

Ja, ich werde auch diesmal das Leben auf mich zukommen lassen
und schauen, was jetzt noch passiert (die letzten Male gab es noch 1-2 Anmeldungen am letzten Tag).

Und ich lasse mich darauf ein, schaue, was die Botschaft ist, die diesem Sachverhalt, diesem Phänomen innewohnt....
* Vielleicht will das Leben, dass ich mich innerlich noch mehr auf das Thema 'Seminare geben' einlasse?
* Vielleicht will das Leben, dass ich das Ganze kommerzieller aufziehe, und mich durch Werbung auch erst mal bekannt mache?
* Vielleicht will das Leben auch, dass ich es langsamer angehe?
* Vielleicht eher individuelles Coaching anbiete?
* Oder - die allerschlimmste Variante - dass ich das Ganze wieder sein lasse???

Diese Fragen kann nicht ich beantworten, sondern nur das Phänomen ("es kommen keine Teilnehmer") selbst. - Und das Phänomen verrät mir das nur, wenn ich mich auf es einlasse.....

Mittwoch, 1. Januar 2014

Jahreswechsel

Wie immer zum Jahreswechsel denke ich auch diesmal schon seit Tagen daran, eine Rückschau auf das alte Jahr zu halten... was sich im letzten Jahr verwirklicht hat von dem was mir wichtig ist.....
Und auf das neue Jahr zu blicken, welche Themen ich dieses Jahr in meinen Themen-Radar nehmen will.... - in der Hoffnung, dieses Jahr auf diese Themen schauen zu können... so dass sich diese Themen zutiefst zeigen und dann auch bewegen können....

Doch irgendwie hat diese Rück- und Vor-Schau dieses Jahr anscheinend nicht die hohe Priorität...
Die Tage, die ich jetzt während meines Urlaubs tatsächlich für mich bin, trödle ich viel herum.... und wenn ich mir nach dem Trödeln dann die Zeit für mich nehme, dann scheint es wichtiger zu sein, auf die gerade aktuellen Themen zu schauen.

Das wichtigste Thema ist zur Zeit, wie ich Kraftvoll und Präsent mit anderen Menschen zusammen sein kann.... und gleichzeitig in Offenheit, innerlicher Weite und Einklang mit dem Gegebenen...

Dies möchte ich mitnehmen in mein Sein als Kursleiter in meinen Seminaren - aber auch in all die anderen zwischenmenschlichen Begegnungen.

Ich schaue mir dieses Thema ja schon länger an, erlaube furchtlos, dass sich alles zeigen darf, was damit zu tun hat.
Ich bemerke, wie kindliche Seiten von mir hier hineinspielen.... wie ich andere Menschen beeindrucken will, ihre Zustimmung suche, ihr Wohlwollen will...

Und ich spüre, wie ich dies kraftvoll-bejahend anschauen kann...
und gleichzeitig immer wieder auch den Hauch des anderen, des gewünschten Zustands spüren kann: Erwachsen seiend und wahrnehmend was geschieht, in meiner Kraft seiend, vielleicht zum Anderen im Widerspruch - aber damit dann doch auch in Begegnung gehend, in Offenheit, und im "JA!" zu dem, was auch immer sich entfalten will...

Eigentlich ist dies schon mein Hauptthema für 2014!
* Außerdem: mich dem Thema stellen, wie es mit Beziehungen / Sexualität weitergeht.
* Und es gibt Fragen wie: Ob ich noch eine weitere faszinierende Ausbildung machen oder zumindest mehrere Weiterbildungs-Seminare besuchen möchte... - um meine Möglichkeiten zum Umgang mit dem Leben noch mehr zu erweitern.
* Offen ist auch die Frage, wie es überhaupt mit meinen Kursen weitergehen mag - ob Seminare-halten für mich überhaupt der richtige Weg ist, das was ich mitbekommen habe und das was ich dazugelernt habe mit der Welt zu teilen..... oder mein Weg, dies mit der Welt zu teilen ein anderer ist.
* Außerdem ist offen, wie es mit meinem Blog weitergeht.
Erstens schrieb ich schon sehr viel über dieses Thema, so dass ich mich eigentlich nur noch (mit neuen Worten) selbst wiederholen kann. - Zweitens muss die weitende, öffnende Wirkung der Zustimmung von jedem selbst gespürt werden. Dies ist mit Worten allein nur teilweise zu erreichen.

Zum Schluss wünsche ich meinen Lesern noch:

Ein Gutes und Erkenntnisteiches neues Jahr!
Die 'Innere Freiheit'  und den 'Weitblick'
um die Themen angehen zu können, welche in diesem Jahr anstehen!

Montag, 11. November 2013

Feuertaufe!!!

Am Sonntag Nachmittag fand das erste von mir geleitete Seminar statt.

Ich hatte mich entschieden, das Ganze ohne Absicherung und doppelten Boden laufen zu lassen. Das heißt, ich hatte keinen "Kollegen" aus meiner Ausbildungsgruppe als beobachtender Unterstützer oder gar Co-Leiter eingeladen. (Einige in meiner Ausbildungsgruppe hatten das Anfangs so gemacht. Aber die Entfernung zwischen mir und dem Wohnort meiner nächsten Ausbildungskollegen ist mehr mehr als 300 km. Außerdem wollte ich, dass ich dies wirklich alleine, ohne das Eingreifen anderer, nur auf mich gestellt durchziehen.)

Es kamen 8 Teilnehmerinnen.
Ja, komischerweise hatten sich nur Frauen angemeldet. (Dabei bin ich ja gewohnt, dass mind. die Hälfte des Kurses aus Männern besteht. Aber es lag wohl an dem von mir gewählten Thema des Seminars.)
Eine der Teilnehmerinnen war meine Lebensgefährtin - alle anderen kannte ich noch nicht.

Nach dem Seminar klaffte die Zufriedenheit über das, was in diesen drei Stunden gelaufen war doch ziemlich auseinander:
Auf der einen Seite das, was die Teilnehmerinnen am Schluss als Rückmeldung gaben -
und das, was ja während der drei Stunden ganz objektiv an Entwicklung zu beobachten war!
Auf der anderen Seite doch etwas Unzufriedenheit bei mir....

Ich hatte mir ja gewünscht, diesen Einführungs- und Erfahrungsnachmittag aus einer inneren Haltung von "bei-mir-sein", "Sammlung", "Zustimmung", "Weite" und des "Eingebunden-Seins" leiten zu können.
Leider war ich dann zu sehr im Stress, um wirklich voll und gut bei mir zu sein.
Als ich die einführende Rede hielt, habe ich, wie meine Lebensgefährtin hinterher meinte, richtig gezittert...

Die Vorstellungsrunde habe ich dann für mein Empfinden sehr gut gestaltet.
Ich wollte, dass die Teilnehmer kurz ein aktuelles Lebensthema benennen können, welches vielleicht gerade einer Zustimmung bedarf. Allerdings wollte ich lange Gespräche vermeiden, da es mir ja um die direkte Erfahrung mit der Zustimmung ging.
Hierfür hatte ich mir ein kleines Ritual einfallen lassen, durch welches die Themen willkommen wurden, ohne dass zu ausführlich darüber geredet werden müsste.
Natürlich durfte man sein Thema auch für sich behalten. Die sagte ich dann gleich, als ich zwei leicht entsetzte Augen sah....
Zwei Teilnehmerinnen sagten, sie wären aus Neugierde hier.
Ich bat sie dann, trotzdem das Ritual zu machen, und eben die Neugierde zu nehmen. Somit gehörte auch die Neugierde und das "sein-Thema-nicht-benennen-wollen" mit dazu, zu uns und dem ganzen Gruppenverlauf...

Ich hatte, so habe ich es gelernt, zwei Aufgaben:
Zum einen leitete ich äußerliche Körperübungen an. Diese vermittelten (körperlich erfahrbar) den Unterschied zwischen innerlichem Widerstand, Ablehnung und Nein einerseits
sowie "Loslassen" und "Zustimmung" andererseits.
Gleichzeitig ist es meine Aufgabe einen Raum von Offenheit, Weite und Zustimmung zu öffnen.... der ganz wie von selbst dazu führt, dass auch die Teilnehmer zustimmend mit ihren Themen umgehen können....

Und anscheinend hatte ich, obwohl ich ja nicht wie gewünscht bei mir sein konnte, doch genügend von diesem Raum für die Anderen öffnen können....

Ich hatte mich ja selbst sehr offen eingebracht... auch mit meiner Unsicherheit....
und die Teilnehmerinnen hatten sich dann auch recht schnell sehr tief und persönlich eingebracht... auch Dinge die man normalerweise niemandem erzählt.
Das lag natürlich nicht nur an dem von mir gestalteten Raum, sondern auch daran, dass hier auch einfach Menschen mit der nötigen Offenheit zusammengekommen waren!!!

Während ich für den ersten Teil des Nachmittags die Übungen schon relativ fix in meinem Konzept vorbereitet hatte, hatte ich mir für den zweiten Teil mehrere alternative Zweige vorbereitet.
Anscheinend war ich, obwohl ich nicht wirklich in dem gewünschten innerlichen Zustand geschwommen war, doch noch so offen und weit, dass ich dann für die zweite Hälfte genau das Richtige ausgewählt hatte.


Da ich am Anfang des Seminars eher Theoretisches über das Zustimmen erzählte, gab es auch Rückfragen, Einwände...
 Je mehr wir dann jedoch geübt hatten und umso mehr direkte Erfahrung jede Teilnehmerin gemacht hatte, umso weniger wurden dann die theoretischen Einwände....

Ich war oft sehr erstaunt, wie weitgehend die Erfahrungen waren, welche die Teilnehmerinnen in den Übungen gemachten. Oft war dann bei einer Übung schon etwas deutlich geworden, was ich eigentlich erst in der nächsten oder übernächsten Übung zum Thema machen wollte!!!


Während ich im ersten Teil anfangs noch oft zu den Übungspaaren hingegangen bin, um vielleicht etwas zu zeigen oder zu korrigieren, hatte ich dies zunehmend bleiben lassen.
Ich hatte den Eindruck, am Anfang waren die ganz froh darüber, doch dann wollten sie das garnicht mehr so.
Somit stand ich dann oft am Rand, habe das Ganze auf mich wirken lassen, war zwar immer noch nicht so präsent wie ich mir das vorgestellt hatte.... aber doch irgendwie von meiner Aufmerksamkeit und meiner innerlichen Ausrichtung sehr offen und weit.

Die Teilnehmerinnen tauschen sich nach den Übungen immer noch sehr ausführlich mit ihrer Übungspartnerin aus... und wünschten dann auch ihre Erfahrungen nochmals in der gesamten Gruppe sagen zu dürfen.
Ich bestädigte manchmal irgendetwas, oder sagte etwas dazu, aber ich merkte mehr und mehr, dass ich da eigentlich nichts tun musste. Sie hatten die für sie wichtigen Erkenntnisse ganz von selbst.

Natürlich gab's auch da manchmal Unsicherheiten bei mir - wenn sie sich nach dem Üben gar so lange zu zweit austauschten. Ich war manchmal unsicher, ob sie noch über die Übung redeten, oder, weil sie von mir keine Ansage bekamen, dann über irgendetwas ganz anderes sprachen. - Mir wurde dann aber bestätigt, dass nur über das Thema geredet wurde.... und so wartete ich.... immer wieder ein bisschen hinspürend.... bis die Signale auftauchten, wieder in die Gesamtrunde zu gehen.

Zum Schluss war dann die Mehrheit der Teilnehmerinnen begeistert bis sehr begeistert von dem, was sie als neue Erfahrungen mit nach Hause nehmen konnten.
Ich war da schon fast verwundert - denn ich hatte ja kaum etwas gemacht.... es lief, zumindest aus meiner Sicht... wie von selbst bei den Teilnehmerinnen ab.

Auch wie ich das Seminar geleitet hatte wurde dann am Schluss für gut befunden. Drei Teilnehmerinnen sagten mir, dass ich am Anfang so unsicher gewirkt hatte, dass sie nicht an ein Gelingen des Seminars geglaubt hätten.... doch nun hätte sich etwas anderes gezeigt...
Eine Teilnehmerin meinte, bei mir würde man merken, dass ich nicht nur Theorien von mir gebe, die ich irgendwo gelernt habe, sondern was ich sage auch verkörpere.
Ich bekam auch gesagt, dass es schön gewesen wäre, dass ich so viel Raum gelassen habe...
(Es wurde noch etwas positiv hervorgehoben, was mir jetzt allerdings nicht mehr einfällt.)


Ich selbst war jedoch hinterher ziemlich unzufrieden....
weil ich doch den innerlichen Raum, aus dem ich den Kurs hatte leiten wollen, nicht wie gewünscht hatte betreten können.

Die Nacht auf heute hatte ich dann bei meiner Lebensgefährtin verbracht, wo wir uns nochmals über verschiedenes austauschten.

Meine Unzufriedenheit begann erst heute Abend zu weichen, als ich mich dann endlich hinsetzte und meine Unzufriedenheit (mit allem was damit zusammenhing) mir wirklich anschaute. - Ich merkte, welches sehr persönliche Thema hier mit hineinspielte und sich mit den Ereignissen des Nachmittags vermischt hatte!!!

Und erst jetzt, wo ich diesen Beitrag schrieb..... kam ich mehr und mehr wirklich in Einklang mit dem gestern Nachmittag geschehenen.... Und erst jetzt kann ich das positive, war ich im Seminar gestern sehen konnte - und was man mir rückgemeldet hatte, auch wirklich annehmen.

Von daher also: Danke für's zuhören  (lesen)!

Donnerstag, 7. November 2013

Ja zum Scheitern

Eigentlich hatte ich mir für heute, morgen, übermorgen etwas Wichtiges vorgenommen....
Es ging darum, mich innerlich gut auf mein Seminar vorzubereiten.

Doch ich merke, es ist eigentlich garnicht mehr nötig.
Schon die Vorüberlegung enthielt wohl den notwendigen innerlichen Zustimmungsschritt....

Aber fangen wir doch mal von vorne an:
Vor ein paar Wochen kamen mir Zweifel, ob ich denn wirklich innerlich in der Lage bin, mein geplanntes Seminar gut zu leiten.
Würde ich nicht innerlich so in Stress geraten, dass alles vergessen ist, was ich jemals gelernt habe.... so dass das Ganze zu einem riesigen Fiasko wird?

Schließlich hängt ja für mich sehr viel an diesem Termin:
Es ist mein erster "richtiger" von mir gehaltener Kurs.
Wenn ich den in den Sand setze, dann würde ich mich wahrscheinlich so schnell nicht wieder zutrauen, einen derartigen Termin anzusetzen.
Und es würde noch schwerer werden, dann wieder Teilnehmer zu finden. Außerdem würde ich vor meinen Teilnehmern ziemlich blöd dastehen! Sehr blöd sogar!

Nein, es war klar, der Termin darf auf gar keinen Fall schiefgehen!!!

Merkt ihr, wie eng es wird, wenn etwas unbedingt sein muss?
Mir wurde der damit verbundene Stress und die Enge nach einer Weile ziemlich klar....
Und ich merkte..... ohje.... ich werde dem Schlimmsten zustimmen müssen! Ich werde wohl den Weg dahin finden müssen, selbst dem Scheitern zuzustimmen....

Nach kurzem innerlichen Widerstand wusste ich: Dies ist die einzige Möglichkeit, innerlich frei und weit zu werden....

Damit war innerlich erst einmal eine Gelöstheit vorhanden - und ich nahm mir vor, wenige Tage vor diesem so wichtigen Tag eben nochmals ganz bewusst genau in diese Zustimmung zu gehen.

Doch irgendwie scheine ich den Zustimmungsschritt damals bereits indirekt gemacht zu haben.... Nämlich genau dadurch, dass ich mich innerlich in die Bereitschaft gab, dem schlimmsten Fall zuzustimmen.

Und irgendwie hat dieser Zustimmungsschritt wohl sogar zu einer neuen realistischeren Sichtweise geführt, welche ohne weiteres Zutun von selbst in mir entstand und  nun fest in meinem Inneren verankert zu sein scheint:
Realistisch gesehen gibt es nur zwei Möglichkeiten:
Entweder bin ich so nervös, dass ich innerlich nicht richtig ins fließen kommen. Dann werde ich einfach das anleiten, was ich vorbereitet habe. Meine Teilnehmer werden hinterher denken: "Der Kursleiter war ja ziemlich verkrampft, aber die Übungen haben interessante neue Perspektiven gezeigt!"
Oder (der günstigere Fall b) ich bekomme innerlich Anschluss an den (mir ja auch bekannten) Zustand der Sammlung, Zustimmung, Weite und des Eingebunden-Seins. In diesem Zustand fließt alles wie von selbst, und dieser Nachmittag wird von einer besonderen Stimmung geprägt sein. In diesem Fall werden meine vorausgeplanten  Übungen - aber auch das, was in der jeweiligen Situation von selbst entstehen will, seinen Platz haben. Hinterher werde dann nicht nur ich von diesem Nachmittag begeistert sein....


Das Thema bleibt spannend.... und jetzt, sowie in den letzten Wochen der Vorbereitung, verdichtet(e) sich nochmals alles, was ich jemals fachlich und innerlich gelernt habe.....

Sonntag, 13. Oktober 2013

[Lösung in der Hinwendung]

[...] die Lösung liegt immer in der Gegenwart,
in der Hinwendung zum Problem
und nicht im Versuch es zu beseitigen.
Wilfried Nelles [*]
[*] Aus "Umarme dein Leben: Wie wir seelisch erwachsen werden - Der Lebens-Integrations-Prozess"
von Wilfried Nelles (Autor); Innenwelt Verlag (2012); Seite: 67

Sonntag, 2. Juni 2013

Momentaufnahmen

Alles was ich hier in meinem Blog über mein eigenes Leben schreibe, sind Moment­auf­nah­men des jeweiligen Augenblicks.
Sie spiegeln nur einzelne Aspekte meines Leben wieder.... - zu den Zeitpunkten, zu welchen ich (warum auch immer) meine, hier etwas schreiben zu wollen.....

Seit Jahresanfang ist einiges in meinem Leben geschehen, was ich für mich als Erfolg oder Weiterentwicklung interpretiere. - Dennoch ist vieles ungeklärt.... und ich habe zum Beispiel noch keine Ahnung, was sich denn nun mit dem Erfolg bei meinem Nähe-Thema ganz konkret in meinem Leben ergeben soll.....

Die für mich wertvollste Änderung ist eigentlich, dass ich nun in der Lage bin, jederzeit auf eine Art und Weise "zu mir" zu gehen, die sich für mich selbst-akzeptierend und angenehm anfühlt....

Vor zwei Tagen hatte ich mir eine Innen-Reise von einem Buch auf meinen MP3-Player gesprochen, in welchem es um Veränderung geht. Wenn man dann die Reise macht, dann kann man schauen, was man verändern will.... und sich mit diesem Thema auseinander­setzen. - Ich machte die Reise zum Thema "Erwachsen-Sein"... und fühlte mich während der Reise sehr in einer innerlichen Aufrichtung und Kraft....

Am nächsten Tag fühlte ich mich dann jedoch nicht gut. Ich hatte mehr und mehr den Eindruck, irgendwie schroff mit mir umzugehen.... und spürte irgendwie auch eine Art Verärgerung in mir.
Ich merkte dann auch, dass diese Innen-Reise in gewisser Weise etwas zwanghaftes hatte.... so nach dem Motto: "Entscheide dich jetzt für Veränderung!"
Und ich merkte, dass dies so nicht okay für mich war. Stimmig wäre für mich: "Ich stelle mich dem Thema 'Erwachsen-Sein'... so dass hieraus ein stimmiger Lösungsschritt entsteht." (Ja, "nicht an sich herumschreiben, sondern sich einfach nur mitten hineinbegeben - so dass von Innen heraus die Lösung entsteh", das ist dann doch mehr meines.)

Jedenfalls stellte ich mich dann heute diesem komischen, verärgertem, ausweichenden Gefühl.... Ich konnte es dasein lassen.... und als ich dann erlaubte, im Augenblick vielleicht noch nicht sowohl 'Erwachsen sein', als auch 'gut mit dem Inneren Kind umgehen' zu können, da löste sich der Konflikt innerlich und ich konnte wieder auf angenehme Art und Weise in mir und bei mir sein!

Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war....
Und dass es zwar bei Aufstellungen nicht notwendig oder gefordert ist, jedoch - genauso wie bei den Innen-Raum-Reisen - es sicherlich sehr hilfreich wäre, wenn man auch als Zuschauer der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent ist.

Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die Präsenz gehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Sonntag, 12. Mai 2013

Nähe-Thema geheilt (?)

Eigentlich hatte ich schon seit längerem immer wieder daran gedacht, hier in meinem Blog zuschreiben. - Es gibt einiges zu berichten.
Zum Beispiel über ganz wunderbaren Erlebnissen im Abschluss-Block der KiKG- Ausbildungs-Gruppe. Hier konnte ich das, was ich in meinen letzten Beiträgen über das Nähe-Thema beschrieb noch steigern.

Besonders eindrucksvoll war die Nähe-Übung am Schluss:
Eine Person macht die Übung. Ihr stehen mehrere andere Personen gegenüber.
Die Aufgabe der einzelnen Person ist es nun, andere einzuladen, zu ihm auf seine Seite herüber zu kommen. Dabei soll die Einladung so geschehen, dass die Anderen wirklich kommen wollen! Die Anderen sollten genau in sich hineinspüren und sich nur und nur so bewegen, wie sie sich wirklich angezogen fühlen!
Die Einladung geschieht einzeln. Man sieht eine Person an, lädt sie durch einladende Blicke, durch einladende Gesten und vor allem durch das schlichte Wort "Komm!" ein, 


Vor einem Jahr machten wir diese Übung schon einmal. Damals wurde mein Nähe-Thema so sehr angeschnitten, dass ich hinterher total fertig war, mich regelrecht in mein altes Nähe-Trauma hineingeworfen fühlte. - Meine Lebensgefährtin beschrieb mich damals, als ich am Abend mit ihr telefonierte, regelrecht als traumatisiert. Ich war mehrere Tage ziemlich daneben und ich hatte mir damals direkt nach dem Gruppenwochenende an der Bettkante total das Schienbein aufgeschlagen, obwohl ich mich normalerweise nie irgendwo anschlage oder verletze.


Nunja, diesmal machten wir drei Gruppen zu je 4-5 Personen. In unserer Gruppe waren wir 3 Männer und 2 Frauen. Aus zeitlichen Gründen war klar, dass nicht alle drankommen können.
Bei uns in der Gruppe schien niemand so richtig Lust zu haben und ich wurde gefragt, ob ich nicht anfangen wolle. Ich kokettierte erst etwas herum....  Aber ich merkte: "Ich will diese Übung machen!"
Somit hörte ich auf zu kokettierten, und sagte: "Okay, ich fange an!" - Ich wollte auf keinen Fall das Risiko eingehen, andere anfangen zu lassen und dann vielleicht garnicht mehr dranzukommen.

Ich muss dazu sagen, dass ich mich ja bei dem Bíodanza-Festival schon total darauf eingelassen habe, mich einfach in das Hineinbegeben, was ist..... und geschehen lassen was passiert.....
Und genau dieses sich-auf-das-was-geschieht-ganz-einlassen haben wir in diesem Gruppenwochenende weiter geübt und jetzt am letzten Tag nochmals total auf den Punkt gebracht.

Ich war total gespannt darauf, mich genau in dieses "sich-auf-das-was-geschieht-ganz-einlassen" mitten hineinzubegeben.
Immer wieder zu mir gehend!
Mich immer wieder total weit machend!
Präsent sein!
Spürend!
Warten bis ein Impuls in mir aufsteigt.... und diesem dann folgen!

Es hat eine Weile gedauert, bis ich den klaren Impuls hatte, bei welchem von meinen 4 Gegenüber ich anfangen werde. (Auch diese Warte-Zeit musste ich aushalten.)
Ich fing bei einem Mann an, der mir besonders sympathisch ist. Der jedoch reagierte relativ zäh.... und machte es mir wahrlich nicht leicht. - Doch in der innerlichen Haltung in der ich war, war dies alles in Ordnung!
Schließlich kam er dann, nach mehreren Versuchen, nur stückchenweise und nur etwas näher.
Schließlich ließ ich von ihm ab, obwohl er noch nicht ganz auf meiner Seite war.

Bei einer Teilnehmerin ging es dann relativ einfach. Sie kam bei meinem zweiten "Komm" gleich ganz auf meine Seite - fühlte sich eingeladen durch ein Lächeln, welches als ein spontaner Impuls in mir aufgestiegen war.

Bei einer weiteren Teilnehmerin ging es auch nur langsam, obwohl ich zum Schluss sogar einladend eine Hand ausstreckte, wollte sie nicht ganz auf meine Seite kommen.

Der vierte schließlich bewegte sich überhaupt nicht. Er steckte total in einem anderen Thema, wie sich dann anschließend zeigte.

Irgendwann merkte ich, dass sich nun nichts mehr bewegen wollte und es Zeit war die Übung zu beenden.


In der Vergangenheit war dieses "auf jemanden zugehen.... in Ungewissheit, ob ich auf Ablehnung stoße oder nicht" und "mich gleichzeitig dabei für den anderen zu öffnen" total undenkbar gewesen.


Bert Hellinger nennt dieses Nähe-Trauma die "Unterbrochene Hinbewegung" (hier ein Link auf alle meine Beiträge zur 'Unterbrochenen Hinbewegung') - und diese war wirklich extrem bei mir ausgeprägt. Als ich zum ersten Mal eine Beschreibung der "Unterbrochene Hinbewegung" hörte, war ich schon allein dadurch total aus der Bahn beworfen und hatte Tränen in den Augen.

Aber gut, dass ich nicht an dieser "Diagnose" kleben geblieben bin.
Und auch nicht an dem Heilungsweg, der durch Bert Hellinger beschrieben wird....(obwohl dies sicher ein funktionierender Weg ist).
Ich glaube, echte oder auch eingebildete Diagnosen machen eine Heilung oft sehr schwer oder sogar unmöglich - sofern man nicht bereit ist, sie hinter sich zu lassen.

Jedenfalls geschah meine Heilung durch die vielen Nähe-Übungen im Biodanza - auf die Art und Weise, wie ich mich darauf einlassen konnte -  wie ich damit experimentierte.
Der Hauptanteil der Heilung liegt jedoch sicherlich an der Begegnung mit einigen total offenen Fortgeschrittenen-Biodanza-Leuten, wie diese mit total offen und unvoreingenommenen angeschaut hatten, was sehr heilend auf mich wirkte!
Und es wäre nicht gelungen ohne die Unterstützung von all dem, was ich durch das KiKG kennengelernt hatte - denn es gab auf  dem Weg ja mehrere Krisen, welche ich mit Hilfe meines 'Handwerkzeugs' gut bewältigen konnte....


Dass dieses Thema nun geheilt ist, klingt vielleicht schon fast übertrieben - aber es hat sich Schritt für Schritt auf diesem Gebiet tatsächlich viel verändert.... und dass ich die Übung, die mich vor einem Jahr noch traumatisiert, hatte diesmal so offen durchleben konnte... war so eine Art positiver Abschluss.

Natürlich ist es weiterhin nicht leicht, sich zu öffnen, hierdurch auch verletzlich zu sein, und auf jemanden zuzugehen - aber dies gehört zum normalen Menschsein, dem jeder Mensch sich stellen muss.

Mittwoch, 24. April 2013

Nähe, Präsenz und Schritte aus dem Inneren

Ursprünglich war ich ja sehr unsicher, ob ich das Bíodanza-Festival nur einen oder doch lieber 2 Tage besuchen will. - Am Samstag-Abend war dann jedoch klar, dass ich auch noch am Sonntag den vollen Tag teilnehmen würde. (Diesmal waren wir übrigens sogar deutlich über 50 Teilnehmer. Ich schätze, 25 bis 30 dieser Teilnehmer waren auch schon am Samstag dagewesen - ansonsten gab es auch viele neue Gesichter.)


Ich muss noch etwas vom Samstag nachschieben:
Am Anfang und am Ende einer Session stehen ja immer alle im Kreis, halten sich an den Händen, und tanzen dann gemeinsam im Gegen-Uhrzeigersinn. Dabei schaut man seine Gegenüber oft nacheinander an..... nimmt Blickkontakt auf......
Hier in diesem großen Kreis in dieser riesigen Turnhalle kann man die Augen der gegenüberstehenden Teilnehmer natürlich nicht sehen. Aus diesem Grund haben Teilnehmer dann den Kreis sehr schnell so eingedellt, dass man praktisch direkt an der Person vorbeimaschiert, die einem eigentlich im Kreis direkt gegenüberstehen. (Der Kreis war also nicht einmal mehr annähernd rund - oft hatte er die Form eines eingedrückten Herzens.)
Man bewegt sich also zu Musik, schaut sich an, lächelt sich an, freut sich.... und die Fortgeschrittenen fingen dann sogar an, ihren Gegenübern, wenn sie diese gut kannten, im Vorbeigehen Küsschen zu geben.

Am Samstag hatte es mich schon recht irritiert, als eine Italienerin (sie sprach überhaupt kein  Deutsch - ich hatte sie in meinem Beitrag gestern nicht erwähnt), mit der ich eine enge und intensive Übung gemacht hatte (es hatte sehr gepasst, so von der Sympathie her), mir im vorbeiziehen einen Kuss gab.
Und auch die Frau, die ich im letzten Beitrag als 'die Fortgeschrittene' bezeichnet hatte, gab mir zum Abschied einen Kuss.... den ich aus überraschter Irritation jedoch auch nicht erwiderte.

Heute nun war das anders. Als es sich zufällig ergab, dass 'die Fortgeschrittene' an mir vorbeizog, schaute wir uns einige Augenblicke an. Ihr Blick war freundlich und sehr offen... und unsere Gesichter kamen einander immer näher.... Da wir uns beide im Rhythmus bewegten war es garnicht so einfach zu zielen.... aber irgendwie wurde mehr und mehr klar, dass es im vorbeiziehen einen Kuss geben würde. - Und auch den Kuss von der 'italienischen Teilnehmerin' erwiderte ich diesmal.


Innerlich war ich an diesem Tag vor allem auf 'die Fortgeschrittene' fixiert.
Auf die 'italienische Teilnehmerin' dagegen nicht so sehr, obwohl auch sie attraktiv und die Begegnungen mit ihr intensiv und irgendwie sogar erotisch war.
Aber sie war irgendwie doch nicht so sehr mein Typ......? Oder ich weiß nicht so genau, was da wirklich passiert.....? (Irgendetwas noch ungeklärtes.... im Zusammenhang mit meinem Nähe-Thema????)

Jedenfalls erwischte ich mich dabei, wie ich 'die Fortgeschrittene' teilweise sogar etwas eifersüchtig beobachtete, weil sie in den Pausen so sehr mit einem anderen Fortgeschrittenen zusammenklebte (der allerdings ja mit seiner Freundin da war).

Ich versuchte dann auch irgendwie, innerlich mittels "Zustimmung" mit der Situation umgehen zu können.... bis ich merkte, dass ich die "Zustimmung" nur dazu verwenden wollte, meine unangenehme eigene Gefühls-Situation zu kontrollieren.
Also bewegte ich mich in Richtung einer größeren Zustimmung, die nicht nur der Situation erlaubte so zu sein wie sie war.... sondern die auch meine Gefühls-Situation erlaubte..... und mich sie einfach wahrnehmen ließ...... - Einfach Mitten-Drin, so gut wie es eben gerade ging.


Ich fand viele Übungs-Partner, mit denen ich die jeweilige Übung sehr gerne machte. Und ich wurde manchmal von Übungens-Partnern gefunden, die mir in der jeweiligen Situation nicht so sehr lagen.... Ich konnte mich auf Beides einlassen.... offen und hineinspürend....... und mit den einen Menschen mich enger einlassend..... und mit den anderen Menschen auf stimmige Weise die Übung nicht so eng machend.....

Aber auch bei den Menschen die mir lagen... mit denen ich die Übungen enger machte, oder wenn wir uns nach einer Übung eng umarmten..... auch hier merkte ich oft, dass mich enge Nähe auch innerlich stresste, so dass ich oft etwas anspannte, und mich innerlich verschließen musste..... - Und ich merkte, wie ich trotzdem wachbleiben.... und genau hinschauen konnte, genau wahrnehmen konnte was da passiert.....

Einmal gab es mehrmals sehr öffnende Einzel-Übungen (Übungen für sich alleine) - im Wechsel mit sehr intensiven Begegnungs-Übungen zu zweit.
Danach kam eine Übung, bei der ich merkte: "Die Übung ist mir jetzt zu eng. Die kann ich jetzt im Augenblick nur mit einer Person machen, die mir total sympathisch ist. - In meinem Viertel der Turnhalle konnte ich jedoch keine derartige Person ausmachen. Ich überlegte dann, an den Rand zu gehen (was ja auch mehrere andere Teilnehmer machten, wenn ihnen eine Übung zu eng war).
Aber auch hier entschied ich mich, zunächst noch dabei-zu-bleiben.... mich zunächst noch eine Weine mitten-hinein zu stellen.... auch mit meiner Ahnungslosigkeit, was ich denn jetzt machen soll. (Denn jetzt auszusteigen hätte sich für mich auch nicht gut angefühlt!)
Also blieb ich noch stehen. - Spürend. - Nichts wissend.....
Die anderen um mich herum fanden sich. Ich schaute niemanden an. Mich sprach auch niemand an.
Als ich mich dann umschaute, hatten sich die Übungspaare gefunden. Nur eine Frau stand in dem Raum mit mehr als 50 Leuten noch alleine da. In einem anderen Raum-Viertel der Turnhalle. - Ich sah sie, wusste, mit ihr hatte ich schon eine 3-er-Übung gemacht in der sie mir recht sympathisch war.... und wusste, mit ihr passt das.

Dies sind die wenigen Situationen im Leben, in denen ich dann wirklich stolz auf mich bin: Wenn ich mich einfach mitten in die Situation hineinbegeben konnte - wenn ich einfach ganz da geblieben bin..... mich ganz eingelassen habe..... und sich dann hieraus eine Lösung oder ein nächster Schritt... von innen herauf erst entstanden ist..... Passend. Wirklich stimmig.


Ein anderes Mal (das war bei diesem Festival das einzige Mal) machte ich dann aber tatsächlich nicht mit, weil ich mir diese Übung mit niemandem vorstellen konnte. Ich setzte mich hin, und sah, wie diesmal sogar meine Lieblingsfrau ('die Fortgeschrittene') übrig blieb.... und sich dann zwangsweise auch an den Rand setzte. Aber in dieser Situation war meine Entscheidung klar.
Nach dieser Übung sollte man dann mit demselben Partner noch eine andere Übung machen. Ich überlegte kurz, ob ich jetzt zu 'der Fortgeschrittenen' gehen sollte, die im anderen Ende des Raumes saß.....
Doch aus irgendeinem Grunde fühlte ich mich in diesem Augenblick wie ein Kind, das seine Mama retten will... Aus diesem Gefühl heraus wäre es für mich nicht stimmig gewesen, also ließ ich es bleiben.
Ich blieb innerlich intensiv dabei - genau nachspürend!

Dann sollte man sich für die zweite Übung einen neuen Partner suchen. Es wechselten jedoch nur ganz wenige, die anderen blieben einfach zusammen. Nun sah ich die Chance für den Wiedereinstig gekommen.
Es wechselten jedoch nur ganz wenige, die anderen wollten nach dieser intensiven Übung wohl einfach noch zusammenbleiben
Ich merkte, für mich war es jetzt stimmig, wieder einzusteigen.... und sogar zu versuchen, dies mit 'der Fortgeschrittenen' zu tun. (Das kindliche Gefühl war nicht mehr da, es hatte ihm wohl genügt, gesehen und angenommen worden zu sein.)

Mich wunderte, dass 'die Fortgeschrittene' nicht auch aufgestanden war und nicht versuchte, ebenfalls die Chance zu ergreifen..... - Ich merkte, es war jetzt ein total großen Wagnis für mich, die halbe Halle zu durchqueren... um sie zu fragen...
Sie schien sich dann jedoch zu freuen und es war schön mit ihr.....

Ich hatte übrigens erfahren, dass sie zur Zeit die Bíodanza-Ausbildung macht und sie sich überlegt, nun auch in die Mittwoch-Gruppe zu gehen. - Ich pausiere ja jetzt gerade, werde aber vielleicht im Mai dann auch wieder einsteigen.


Neulinge, von denen auch einige bei dem Festival anwesend waren, hatten wohl oft Probleme mit der vielen Nähe, welche die Fortgeschrittenen sehr offen austauschten.... Sie machten dann oft nicht bei allen Übungen mit, oder sagten in der Frage-Stunde, dass sie es schon fast als Zwang empfinden würden....
Ich zähle ja auch noch als Anfänger, aber ich sehe es auch eine große Chance, sehr liebevoll auf sich selbst zu achten.... Mir ist es zum Beispiel total wichtig, nicht einfach nur andere zu umarmen, weil es im Bíodanza zu den 'Sitten und Gebräuchen' gehört - sondern möglichst wach zu bleiben, für das war im jeweiligen Augenblick für mich stimmt.
Aber ich finde es auch total Erkenntnisreich, wenn andere mich so total offen anschauen oder umarmen..... und ich merke "Es liegt nicht an den verschlossenen anderen"! Ich bin derjenige, der hier (im Augenblick noch) innerlich dicht-machen muss....
Und ich finde es auch heilsam, von den Fortgeschrittenen so offen angesehen und behandelt zu werden.


Am Schluss war es dann noch sehr schön, die verschiedensten lieben Menschen noch intensiv zum Abschied zu drücken. - Die 'Italienerin' sah ich dann garnicht mehr in der Halle, aber nachdem sie sich in der Umkleide umgezogen hatte ging ich zu ihr, und sie drückte mich sehr fest und lange. Es gefiel mir natürlich sehr, dass andere Menschen mich während unserer intensiven Begegnung so lieb gewonnen hatten.......

Samstag, 6. April 2013

Etwas Besonderes sein

Mit dem Thema "Etwas Besonderes sein" kam ich die letzten Wochen mehrmals und auf verschiedene Art und Weise in Berührung.

Die erste Begegnung war vor ein paar Wochen beim Lesen des Buches "Umarme dein Leben" von Wilfried Nelles. Dabei wurde dieses Thema dort nur einmal, und nur kurz erwähnt.

Wilfried Nelles beschrieb, dass Menschen manchmal, wenn sie mit ihren Eltern verstrickt sind, etwas für diese tragen, oder der Liebling eines Elternteils waren, nicht wirklich den Wunsch haben erwachsen zu werden.
Diese Menschen fühlen sich (heimlich) größer als ihre Eltern.... und fühlen sich somit als etwas Besonderes....
Wenn sie bereit wären erwachsen zu sein, dann müssten sie diese Grandiosität und Besonderheit aufgeben müssten.... und ganz normale Menschen werden.

Ich merkte, wie mich diese Text-Stelle ansprach, weil ich mich durch die Verstrickung mit meiner Mutter wohl auch irgendwie als etwas Besonderes definier(t)e.


Dieses Thema spuckte dann weiterhin in mir herum.
Mir wurde bewusst, dass mein Besonders-Sein ja nicht nur auf der von Nelles beschriebenen systemischen Verstrickung beruhte.

Sondern meine Mutter hatte ja stets von mir erwartet hatte, dass ich etwas Besonderes bin, sei es im Kindergarten, bei meinen Leistungen in der Schule..... und überhaupt im Umgang mit anderen Menschen....
Und ich merkte, wie ich ja auch heute Besonderes von mir verlange..... - erwarte, dass ich mit meinem Leben, mit meinen Gefühlen, mit sozialen Situationen besonders umgehen kann!

Dies war dann auch Thema bei meinen Innen-Reisen.
Ich konnte mir das Besonders-Sein-Wollen mehr und mehr anschauen..... und mehr und mehr auch die Erlaubnis entwickeln, "ein ganz normaler Mann" mit "ganz normalen Gefühlen, Wünschen und Schwierigkeiten" zu sein!!!


Gestern fand ich das Thema 'Besonders-Sein' noch in einem weiteren Buch: "Die Kraft der Präsenz" von Richard Moss.
Er schreibt, dass es zwei Arten von 'Besonders-Seins' gibt und unser Ego uns immer in die eine oder andere Art des 'Besonders-Seins' bewegen will:
  1. Die erste Art des 'Besonders-Seins' ist, sich als Grandios und Überlegen zu sehen.
  2. Die Alternative ist, sich als weniger wert, besonders unfähig,
    aber auch als besonders schwach, besonders hilflos, besonders verletzlich, besonders bedürftig, zu sehen - und von der Welt zu erwarten, aus diesem Grund auch besonders behandelt zu werden.
Oft wechseln wir, so Richard Moss, zwischen diesen beiden Arten des Besonders-Sein hin und her.....


Nachtrag:
Meiner Ansicht nach ist es ja nicht falsch, etwas Besonderes sein zu wollen.
Es macht nur sehr unfrei, diesem Besonders-Sein ständig hinterherlaufen zu müssen,
ist manchmal recht anstrengend,
und schränkt dabei ein, dem Leben und anderen Menschen unmittelbar zu begegnen.


P.S.: Ich kann die beiden genannten Bücher sehr empfehlen!
(Wenn ich mal dazu komme, werde ich sie auch noch ausführlicher vorstellen.)

Sonntag, 17. Februar 2013

Inneres Kind und Teil-Persönlichkeiten

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema (welche auch immer noch im Wendel ist):

Es gibt Psychotherapiemethoden, sowie viele psychologische Selbsthilfemethoden, welche sich mit der Arbeit mit dem Inneren Kind oder mit Teil-Persönlichkeiten beschäftigen.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die diesem Vorgehen kritisch gegenüber eingestellt sind.
Vor vielen Jahren schon las ich das Buch "Die dunkle Seite des inneren Kindes" von Stephen Wolinsky. (Dieser Autor war mir durch sein Buch "Die alltägliche Trance" bekannt, in welchem der Hypnotherapeut beschrieb, wie wir uns im Alltag oft in eine Art Hypnose versetzen und somit die verschiedenen Situationen nur noch über diesem Filter verfälscht wahrnehmen.)
Jedenfalls sah dieser Autor in der Arbeit mit dem Inneren Kind auch eine Art Selbsthypnose. Er vertrat die Ansicht, dass viele Menschen durch die Arbeit mit dem Destruktiven Inneren Kind oder mit dem Bedürftigen Inneren Kind dieses dadurch erst erschaffen und dann durch dieses Vorgehen dauerhaft selbst aufrecht erhalten. - Es wird also ein innerliches Problem selbst erzeugt, um sich dann jahrelang damit zu beschäftigen.

Ein weitere Hinweis, dass an dieser These etwas dran sein könnte lieferte mir ein NLP-Buch, welches ich damals wohl aus der Stadtbücherei geliehen hatte. Dort wurde das Erzeugen von Teil-Persönlichkeiten jedoch ganz positiv gesehen:
Es wurde dem NLP-Therapeuten geraten, im Klienten einfach bestimmte Teile anzusprechen, um mit ihnen zu reden. Die Frage "Aber was ist, wenn es in einem Klienten dieses Teil garnicht gibt?" wurde beantwortet mit "Fall es das Teil in ihm tatsächlich noch nicht gab, dann gibt es dies jetzt, nachdem du es in ihm angesprochen hast!".

Letztendlich führten auch meine Schwierigkeiten mit dieser Art des Vorgehens (und die Aussage eines Therapeuten, man solle ein Psychologisches Modell nur dann verwenden, wenn es einen Nutzen bringt) dazu, derartige Ansätze (im engeren Sinne) nicht mehr anzuwenden. - Ich achte seither eher darauf, das Ganze wahrzunehmen und zu fühlen.


Dennoch finde ich die Inneres-Kind- und die Teil-Persönlichkeiten-Betrachtung in einigen Fällen stimmig:

So gibt es beispielsweise auf der "... was dich stark macht-CD" einen Track, in Hilfe von welchem man sich widersprüchliche Bedürfnisse anschauen kann, nämlich, das Bedürfnis voranzuschreiten, und das Bedürfnis, das bisherige zu erhalten. - Dabei geht es auch darum, die gute Absicht beider Seiten zu sehen und sich eine Lösung zu erarbeiten, bei der beide mitgehen können.
Gerade das "die gute Absicht beider Seiten zu sehen und sich eine Lösung zu erarbeiten, bei der beide mitgehen können" finde ich sehr gut! - Ich finde es jedoch auch etwas kritisch, sich innerlich von vornherein auf die Seite zu schlagen, die voranschreiten will. Woher weiß ich denn, ob es die größte Weisheit ist, z.B. voranzuschreiten und die Firma zu wechseln oder ob es in der gegenwärtigen Situation wichtiger wäre, sich den Problemen in der alten Firma zu stellen, statt das alte Thema in die neue Firma mitzunehmen? (Ich glaube, dies kann man nur dann erkennen, wenn man sich neutral mitten in das Thema hineinsetzt!??!) 
Im Gegensatz zu anderen Meditationen auf dieser CD, welche ich sicherlich schon 40 mal gemacht habe, habe ich diese Meditation daher bisher nur 2 mal und ganz bewusst durchgeführt. In beiden Fällen war es gut und hat tatsächlich zu einer für Teile beide akzeptabler Lösung geführt.

Sehr stimmig ist für mich auch, wie Ulsamer das Zusammenspiel des "Inneren Kritikers" mit dem "Angepassten Inneren Kind" und um das "Rebellische Innere Kind" beschreibt, da dies sehr gute Erklärungen für verschiedenen Situationen des Lebens bietet, in welchen der Konflikt zwischen "Zugehörigkeit" und "Eigenständigkeit" auftritt.


Noch ein ganz anderer Aspekt:
Manchmal fühlen sich Gefühle eher kindlich an, und auch hier finde ich es durchaus hilfreich, sich dessen genau bewusst zu sein. Hier hilft bei mir sehr gut, einfach zu fragen "Wie alt bin ich gerade?" - und ich habe die Wirksamkeit dieser Frage auch schon in Therapie-Gruppen bei Anderen erlebt.

Katharina Ley schreibt in ihrem Buch "Tu, was dich anlächelt", dass Teil-Persönlichkeiten als Abspaltung im Kindheitsalter entstehen, wenn das Kind eine schlimme Situation nicht verarbeiten kann.


Letztendlich finde ich es immer wichtig, wahrzunehmen was gerade läuft.
Nicht um es etwas verurteilen,
nicht um es zu bekämpfen,
nicht um immer weitere Abspaltung in Innere Kinder und Teil-Persönlichkeiten zu betreiben,
sondern um es
anzusehen,
annehmen,
zu akzeptieren,
ins Herz zu nehmen
und um wieder mit ihm zu einem verschmelzen - und somit wieder 'Ganz' zu werden.

Samstag, 16. Februar 2013

Die gestresste Seele

"Die gestresste Seele - Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung" ist ein von Bertold Ulsamer geschriebenes Buch mit zwei beigefügten, begleitenden Übungs-CDs.

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Eigentlich habe ich ja schon einige noch nicht fertig durchgearbeiteten Bücher hier zu Hause...., so dass ich keine neuen Bücher mehr kaufen wollte. Trotzdem stöbere ich manchmal in Buchgeschäften .... und manchmal läuft mir auch ein neues Buch zu.
So geschah es dann auch am 25. Januar dieses Jahres.

Da ich Bertold Ulsamer schon von anderen Büchern kannte (unter anderem durch das Selbsthilfe-Buch "Wie Sie alte Wunden allein heilen und neue Kraft schöpfen: Familienaufstellung ohne Stellvertreter"), nahm ich das Buch in die Hand und überflog die verschiedenen Kapitel.

Obwohl ich mich nicht als Burnout-Kandidat fühle, sprach mich das Buch sehr an. Ich merkte, dass ich es etwas abgewandelt und weiter gefasst zum Umgang mit allen Lebensthemen verwenden kann.

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Das Buch selbst ist recht dünn, und geht konzentriert und tiefgründig auf das Thema "Burnout" bzw. "Belastung" ein.

Angetan hat es mir besonders das Kapitel, in welchem es um das Zusammenspiel des "Inneren Kritikers" mit dem "Angepassten Inneren Kind" und um das "Rebellische Innere Kind" geht!
Sehr interessant ist auch das Kapitel darüber, welche positiven Auswirkungen "Freude" auf die wirklich guten Spitzensportler hat......


Das Wesentliche an diesem Buch-Paket sind jedoch für mich die beiden Übungs-CDs, vollgepackt mit den verschiedensten geführten Meditationen (Innen-Reisen) zu allem rund um dieses Thema.

Diese CD hat keine Hintergrundmusik und Bertold Ulsamer spricht langsam, achtsam, mit langen Pausen und durchaus nicht unsympathisch.  
(Bei der der "... was dich stark macht-CD" der Zurhorst's war ich ja begeistert von der leicht in Trance führenden Hintergrundmusik. Bei den Ulsamer-CDs jedoch habe ich es genossen, dass sehr viel mehr Zeit zum genauen Hin-spüren vorhanden ist. Ein Vorteil der fehlenden Hintergrundmusik ist eben auch, dass man zusätzlich noch  jederzeit auf die Stop-Taste gehen kann, wenn man noch mehr Zeit braucht: Dies empfand ich als sehr hilfreich.)

Einige der Tracks auf dieser CD beziehen sich voll auf das Thema "Burnout", die meisten jedoch konnte ich beim Hören sehr gut innerlich für mich abwandeln und für meine Zwecke nutzen.
Es geht um "Gut für sich sorgen", "Kraftquellen und Kraftdiebe", "Kontakt mit der eigenen Freude", "Innehalten", "Atmen", "das Herz spüren", "das Kämpfen aufgeben"......  und sehr tiefgründig darum "auf den eigenen Körper zu hören", "Kontakt zum inneren Antreiber" aufzunehmen, "zum inneren Rebellen"....
Bei der Begegnung mit dem "Angepassten Inneren Kind" wird richtiggehend eine Reise in die eigene Vergangenheit gemacht, und in weiteren Tracks schaut man sich die Inner-Psychischen und die Systemischen Ursachen des eigenen Drangs sich zu erschöpfen sehr genau an.

Ganz besonders ist auch der Track zum "Gefühle fühlen", weil hier eine Verknüpfung geschaffen wird zu dem, was das Innere Kind auf keinen Fall erleben oder sehen will.....

Insgesamt empfand ich diese CDs teilweise als tiefgehender wie so manche Psychotherapiestunde.... ja, selbst tiefgehender wie Therapie-Methoden, in welchen nicht nur gesprochen wird, sondern man tief in das eigenen Thema eintaucht.

Montag, 4. Februar 2013

Arm verdrehen und Nähe

Über das Wochenende war ich wieder eine halbe Woche in meiner K!KG-Gruppe.

In der Anfangsrunde erzählte ich nochmals,
wie mir meine Augen-Thematik immer wieder zusetzt,
und wie ich mich jetzt mittels Biodanza mit meinem Nähe-Thema auseinandersetze.
Ich erzählte (nicht ohne Stolz), wie es mir gelungen war, ganz bewusst nicht in den 'Inneren Film' einzusteigen, nicht in das alte Drama 'ich gehöre nicht dazu' zu gehen, sondern in dem zu bleiben, was gegenwärtig gerade war.
Joel sagte dann:
"Es ist schön wenn man merkt, dass man da wirklich eine Entscheidung hat!" -
 und ich merkte, dies war ein sehr wichtiger Punkt.


Ich selbst hatte diesmal kein Thema, welches ich explizit bearbeiten wollte,
ich hatte jedoch sehr wohl meine angefangenen - und noch offenen - Themen in der Tasche... - Diese Themen wurden zwar nicht explizit bearbeitet, aber unterschwellig arbeitet ja immer alles mit.

Und ich freute mich auf das Thema "Die Mutter anschauen" (darüber schreibe ich noch) - nachdem wir ja bereits das letzte Mal ja den Vater angeschaut hatten.
Aber ich hatte auch Angst davor, hier noch mehr in Abwehr zu gehen wie bei derselben Übung mit dem Vater.

Eine K!KG-Übung war sehr interessant für mich:
Während der Übungspartner mir einen Arm (eine Hand) verdrehte, sollte ich mich, allein durch den Körper geführt, so lange meine Stellung und meine Lage wechseln, bis das Ganze für den Körper wieder relativ angenehm war.   (Ich kann die Übung jetzt rein schriftlich hier nicht so genau erklären. Jedenfalls erforderte es immer einiges an Zeit, bis man aus der verdrehten Stellung wieder herauskam. Nachdenken, durch welche Veränderung von Körper und Lage man sich wohl befreien könnte, half nicht wirklich weiter. "Den Körper experimentieren lassen", "den Körper seinen Weg finden lassen" half jedoch, erforderte jedoch einiges an Zeit und an innerlichem Suchen.) 

Fall es nicht möglich war, den Körper so zu verändern, dass Hand und Arm entspannt oder zumindest einigermaßen Schmerzfrei waren, dann sollte man sich zumindest innerlich so bequem wie möglich einrichten, indem man der verbliebenen Spannung und Unbequemlichkeit zustimmt.

Diese Übung wurde mehrmals gemacht, und ich merkte, dass ich immer wieder die Tendenz hatte, in ein "Okay, jetzt ist es schon etwas besser, mehr Lösung scheint jetzt nicht mehr möglich zu sein" zu gehen. (Ich ging dann in die Zustimmung, versuchte mich weitgehendst innerlich zu lösen..... experimentierte jedoch nicht mehr, die Lage äußerlich zu ändern.)

Mein Übungspartner meinte jedoch jedes Mal: "Da geht noch mehr!" - und dann ließ ich meinen Körper dann doch noch weiter und immer weiter seinen Weg suchen -  und es ging tatsächlich jedes Mal noch deutlich mehr.... so dass der Arm am Schluss ganz entspannt oder doch fast komplett gelöst war.

Für mich war das dann ein Sinnbild dafür, dass ich oft auch bei meinen 'Sitzungen' oder in unangenehmen Lebens-Situationen zu früh aufgebe!



Insgesamt boten die Themen der Teilnehmer wieder Gelegenheit zu üben, genau mit dem zu sein, was (nun mal) gerade ist. (Auch bei sehr heftigen Themen, denn eine Teilnehmerin bekam während unseres Seminars die Nachricht, dass ihre jüngste Schwester aufgrund von Gehirnblutungen völlig unerwartet auf der Intensivstation gelandet war.)


Was mir sehr aufgefallen ist, war wie sehr ich diesmal mit Kontakt und Nähe anders als bisher umgehen konnte. Situationen, welche mir bisher immer größeren Stress verursacht hatten, empfand ich diesmal als wesentlich lockerer....

Sonntag, 13. Januar 2013

Mut, mich meinen Themen zu stellen

In meinem Beitrag Zustimmung und Veränderung 2013 schrieb ich es ja schon:
Es ist ein Wunsch von mir, in diesem Jahr nun dahin zu kommen, mich meinen Themen wirklich zu stellen.
Ja, mich meinem Leben wirklich zu stellen.

Gestern schrieb ich mir mal auf
  • was ich in meinem Leben gerne anders hätte,
  • vor welchen (Lebens-)Themen ich mich immer wieder drücke  und
  • welche Lebensbereiche derzeit nicht wirklich funktionieren.
Nunja, es kamen viele Punkte heraus, die etwas mit Beruf, Berufung, Innerer Freiheit, Innerlicher Offenheit und Weite, Kontakt- und Nähe, Beziehung (und Sexualität) zu tun haben.

Ich versuchte dann, die Themen einzuteilen in "Themen, die innerlich zu bearbeiten sind" und "Themen, welche äußerlich zu erledigen sind".
Dabei bemerkte ich dann, dass ich mehr und mehr jedes der aufgeführten Themen auf die Liste "Themen, die innerlich zu bearbeiten sind" verschob.

Schließlich entschied ich für mich, dass es eigentlich vorrangig um das innerliche Bearbeiten geht. - Nur wenn ich ein Thema anschaue, dann zeigt es sich mit allen Aspekten.... und dann zeigt sich auch der nächste stimmige Schritt.

Wenn es also so etwas wie ein zu verfolgendes Ziel, einen Vorsatz für 2013 gibt, dann "Mich meinen Themen zu stellen"!
Aber nicht rigide, mit Zwang und mit Druck - denn dies hat bei mir noch nie funktioniert.....
sondern dass ich mir notfalls auch dem Thema "vor meinen Themen weglaufen" stelle - und es bewusst anschaue....

Ja, es geht um den "Mut, mich meinen Themen zu stellen", ja um den "Mut, mich meinen Leben zu stellen" und dies ist doch das Aufregendste und zugleich Großartigste, was man für sein Leben tun kann.

--- --- ---

P.S.:
Ich schrieb es ja schon in meinem Beitrag Zustimmung und Veränderung 2013: Es ist eine Sehnsucht von mir, offen und verbunden zu sein.... und mich und das was mich ausmacht, was ich zu bieten habe, mehr in die Welt zu bringen..... - Eigentlich habe ich auf diesen Wunsch gleich eine Antwort vom Leben bekommen, indem ich mit dem Biodanza nicht nur einen Raum gewonnen habe, in welchem ich mich diesen Themen stellen kann, sondern auch einen Raum, in welchem (so glaube ich) genau diese Fähigkeiten auch gefördert werden.

Samstag, 5. Januar 2013

Phönix-Nähe (Session I)

Dieses Wochenende besuche ich einen Bíodanza-Workshop, in welchem es um den Archetypen des Phöníx geht.

Ich selbst besuche die Bíodanza-Kurse jedoch garnicht so sehr wegen des jeweiligen Themas (obwohl dieses diesmal wirklich sehr interessant ist!), sonder weil in den Bíodanza-Kursen sehr viel Nähe gelebt wird....
Nähe ist ja ein Thema, mit welchem ich sehr meine Schwierigkeiten habe, ja eigentlich schon ein Trauma, welches Bert Hellinger "Unterbrochene Hinbewegung" nennt. (Link zu allen meinen Beiträgen zur Unterbrochenen Hinbewegung.)

Laut  Bíodanza-Theorie soll diese Methode ja Probleme mit Nähe beseitigen. (Ob dies stimmt, werde ich noch sehen. Für mich jedenfalls bewegt sich diese Methode außerhalb meiner bisherigen psychologischen Welterklärungs-Modelle.)
Was diese Kurse mir jedoch in jedem Fall ermöglichen ist, mich meinem Thema 'Nähe' zu stellen, damit zu experimentieren, damit zu spielen, zu schauen was da in mir vorgeht und was dabei passiert......(Auch fühle ich mich nach den Kursen meist gut und tiefer bei mir(!), was will ich also mehr.)


Jedenfalls waren wir insgesamt 12 Teilnehmer (6 Männer und 6 Frauen). Viele waren auch von außerhalb angereist, drei oder vier der Teilnehmer hatten sogar selbst schon eine Ausbildung zur(zum) Bíodanza-Leiter(in) gemacht. Wir machten heute zwei Sessions, welche jeweils etwa 2:15 h dauerten, mit einer Stunde Pause dazwischen.


Ich war relativ früh vor dem Kurs schon in dem Raum anwesend, so dass ich miterlebte wie nach und nach die Teilnehmer eintrudelten.
Viele Teilnehmer kannten sich schon, fielen sich gleich um den Hals und gaben sich teilweise Küsschen. Ich fühlte mich dabei irgendwie unwohl, da ich noch niemanden kannte.

Dann kam eine Teilnehmerin, welche ich aus dem ersten Anfänger-Kurs kannte (der mangels Teilnehmer nur an einem Abend stattfand.) Damals hatte ich diese Teilnehmerin ganz nett gefunden und hatte dann mehrmals eine Partner-Übung mit ihr gemacht.

Ich sagte "Hallo" und war mir zunächst nicht sicher, ob sie mich erkannte.
Dann setzte sie sich jedoch neben mich und hat mich gleich umarmt und sich mit mir unterhalten.

Beim Bíodanza werden ja mehrere Tänze gemacht. Diese Tänze werden einerseits auf das Seminar-Thema (in diesem Fall also dem Archetypen des Phöníx) abgestimmt. Adererseits gibt es jedoch auch bestimmte Aspekte im Ablauf der Tänze innerhalb einer Session, welche unabhängig vom jeweiligen Thema sind. - In jeder Session ist es jedoch so, dass man teilweise für sich alleine tanzt, häufig jedoch zu zweit und manchmal auch zu mehreren.

Jedenfalls stand diese Teilnehmerin bei den Tänzen/Übungen zu zweit dann oft zufällig neben mir, so dass wir dann mehrmals etwas zusammen machten.

Die Fortgeschrittenen gehen da ganz andern mit Nähe um, als wir es noch im Anfänger-Kurs taten....
Jedenfalls machte ich eine Übung mit dieser Teilnehmerin und sah, wie andere sich dabei dann gleich umarmten. Sie ging dann bei der einen Übung ebenfalls mehrmals offen und mit offenen Armen auf mich zu und umarmte mich.....  und ich merkte schon, dass mich dies anspannte und stresste obwohl ich sie ja sympathisch fand..... und ich mir ja auch wünsche, dass Frauen Nähe zu mir haben wollen.


Adríana, die Kursleiterin, schaut mich ja immer total offen, freundlich und total unvoreingenommen an, so dass ich es oft kaum aushalten kann. - Eine Teilnehmerin, welche Bíodanza-Kurse in Innsbruck leitet, sah mich schon von Anfang an genauso an. Auch mit ihr hat es mit der gegenseitigen Nähe gut geklappt.


Für mich hat es nicht nur etwas angenehmen sondern auch schon etwas heilendes, wenn ich merke, dass ich mit meinem Nähe-Wunsch nicht auf Ablehnung stoße.

Irgendwie wuchs mein Nähe-Level während dieser Session auch mehr und mehr an.
Wenn es etwas gab, was intimer zu werden drohte, dann versuchte ich, die Frau die ich schon kannte, oder die Frau aus Innsbruck zu wählen, da hier irgendwie unkomplizierter Kontakt möglich war.
So ziemlich gegen Schluss konnte ich dann bei der Frau die ich schon kannte doch etwas mehr Nähe zulassen. Bei diesem Tanz tanzten dann viele eng umschlungen. Ich versuchte dies dann auch, und sie war einverstanden.... und wechselte dann sogar nach kurzer Zeit die Seite, so dass wir dann Herz an Herz tanzten. Ich merkte, dass ich da innerlich schon noch etwas angespannt war, mich jedoch auch einlassen und spüren konnte.... Nach einer Weile ging sie dann jedoch aus dem eng umschlungenen Tanz heraus, so dass wir uns dann nur noch an den Händen hielten.


Wir sollten dann wechseln und ich kam an eine Frau, mit der ich nicht so engen Kontakt wollte.
Hand an Hand war okay. Teilweise ein bisschen näher auch - aber sie wollte dann auch eng tanzen.... und versuchte es immer wieder, obwohl es da doch klare Zeichen von mir gab.
Ich als Noch-Nicht-Bíodanza-Erfahrener bin das eigentlich so gewöhnt, dass man sich vorsichtig vor-tastet.... und wenn kein Widerstand zu spüren ist, noch weiter geht..... - aber wenn Widerstand da ist, diesen akzeptiert.... und man es dann bestenfalls ein anderes Mal nochmals probiert.
Aber sie war da etwas aufdringlich, jedoch ließ ich sie nicht näher heran.


Um Abschlusskreis fasst man sich dann nochmals bei der Hand und tanzt im Kreis.
Hier deformiert sich der Kreis dann manchmal auch, so dass man sogar mit den Leuten, die einem im Kreis gegenüber stehen, nahe kommt. Einige Leute, die sich schon länger kannten (oder sich jetzt nahe gekommen waren) gaben sich bei dieser Gelegenheit sogar Küsschen. Da wollte die aufdringliche Frau dann tatsächlich mit mir Küsschen austauschen, was ich jedoch abgeblockte.

In der Pause fragte sie dann ob ich schon länger Bíodanza mache, und als sie erfuhr, dass ich noch Neuling bin, war sie irgendwie zufrieden. (Am Schluss des Abends habe ich übrigens noch mitbekommen, dass sie sich bei jemandem beschwerte, weil keiner aus dem Kurs am Abend noch mit ihnen Essen gehen wollte, wo sie und ihr Mann doch fremd in der Stadt wären. - Ja, liebe Frau, auf soetwas hat man halt keinen Rechtsanspruch!)

Montag, 24. Dezember 2012

Zustimmung und Veränderung 2013

Seit ich am 07. Dezember (m)einen Blick in das (heute Nacht hier von mir vorgestellte) neue Buch der Zurhorst's ("Liebe dich selbst und entdecke, was dich stark macht") geworfen habe, entstand in mir der Wunsch mir das Thema "Veränderung" näher anzuschauen.

Veränderung meines Lebens in die Richtung, in welcher ich es gerne hätte.
Veränderung unter Anwendung von all dem, was ich ja schon kenne - und mit Unterstützung von dem, was mir dieses Buch und die dazugehörige Übungs-CD vielleicht bieten.

Und Veränderung.... auf Basis und in Übereinstimmung mit "Zustimmung".

Dies ist ein Projekt, welches ich mir für 2013 vorgenommen habe, und womit ich schon jetzt, wo ich ja Urlaub und somit mehr Zeit habe, starten werde!

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Ich habe mich übrigens gestern mit Hilfe dieser CD mal durch die Innen-Reise "Ziele von Innen Erreichen" führen lassen. - Ich habe zwar den Eindruck, dass ich hier erst noch schauen muss, wieso ich mich eigentlich nicht wirklich voranschreiten lasse.....
Aber ich wollte - sozusagen als Vorgriff - jetzt schon mal einen Blick in die Zukunft werfen....

Eigentlich ließ ich das Ziel erst während dieser Innen-Reise entstehen.
Ich merkte, wie der totale Wunsch da ist, wirklich total offen sein zu können..... Offen gegenüber dem Universum und dem Leben..... und mit ihm verbunden.... und auch offen und verbunden mit anderen Menschen. (Wobei ich bei dem "verbunden mit anderen Menschen" noch etwas vorsichtig war, weil dies ja etwas ist, wovor ich auch Angst habe.)

Und ich bemerkte auch die Sehnsucht, das was ich bin, das was mich ausmacht mehr in die Welt zu bringen..... das was ich zu bieten habe, der Welt zu geben.
Dazu gehört auch, das was das "Tao der Zustimmung" ausmacht, irgendwie von Mensch zu Mensch weitergeben zu können.... (aber das ist nur ein Aspekt von diesem Wunsch und Ziel).

Freitag, 7. Dezember 2012

Sich in eine neue Richtung bewegen

Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Zustimmung im Zusammenhang mit "ins Handeln kommen", mit Veränderung, mit "sein Leben mehr in die gewünschte Richtung bringen". (Hier kamen neue Gedanken herein, durch neue Bücher, die ich mir gekauft oder im Buchladen quergelesen habe. Und hier kam auch die Rückbesinnung auf Dinge, die ich schon vor langer Zeit gelesen oder mir angeeignet habe.)

Dass Veränderung nicht durch Aktionismus geschieht - und noch nicht mal dadurch, dass man sich eine Richtung ausdenkt und dann in diese läuft - ist mir schon klar.
Veränderung geschieht, indem ich mir ein Thema anschaue.... und es sich in eine neue Richtung bewegen lasse..... Und indem ich hieraus dann den nächsten Schritt entstehen lasse.

Doch bei den wichtigen Themen komme ich garnicht soweit!
Was steht einer Bewegung in eine neue Richtung im Wege?
Angeregt durch das neue Buch der Zurhorst's ("Liebe dich selbst und entdecke, was dich stark macht") kam ich nun wieder zu den Fragen, was der aktuelle Zustand eigentlich auch (an "positivem") bringt bzw. was er auch (an "negativem") verhindert?

Was bei Veränderung ja immer passiert, ist, dass man die eigene Komfortzone verlassen muss!
Und Veränderung führt ja oft auch zu Angst.
Was da wirkt ist also sicherlich auch, dass man, wenn man dem eigenen Leben eine neue Richtung gibt, ja immer auch Sicherheit aufgibt.
Man verlässt dabei ja auch den bisher vorhandenen sicheren Rahmen - und wenn es nur der Rahmen der Gewohnheit ist.
Und vielleicht verändert sich auch die Einbindung in den bisherigen sozialen Rahmen, weil man ja nicht nur seinem eigenen bisherigen Leben, sondern auch den bisher "Gleichgesinnten" 'untreu' wird.
Und vielleicht wird man ja auch den eigenen Eltern, der eigenen Herkunftsfamilie 'untreu' wird, wenn man plötzlich einen anderen, einen eigenen Weg geht?

Ein anderes Aspekt ist das, was ich von Bill Ferguson über innerliche Widerstände gelernt habe:
Hinter einem Widerstand steht (sofern man den Widerstand ganz zu seinem Ursprung zurückverfolgt) immer etwas, was man sich auf gar keinen Fall erleben will, etwas, das man auf gar keinen Fall erfahren will, was man auf gar keinen Fall fühlen will - was auf gar keinen Fall eintreten darf..... auch deshalb, weil es etwas negatives über einem selbst aussagen würde - etwas, was man auf gar keinen Fall sehen oder sich eingestehen will......   -  Hinter Lebensbereichen, die nicht funktionieren, steckt, so Bill Ferguson, immer etwas von dem eben genannten!

Ich glaube all dies sind Gesichtspunkte, die eine Wirkung darauf haben, dass ich mir meine Themen nicht so genau anschaue..... und ich sie sich nicht 'in eine neue Richtung bewegen' lasse.

Samstag, 24. November 2012

Außenspirale und Weite

Vor einer Woche war ich ja wieder in meiner K!KG-Ausbildungsgruppe.

Die Übungen (und der Austausch darüber) waren oft ganz unterschwellig sehr tiefgehend
und hatten irgendwie eine anhaltende Nachwirkung.

Dabei wird meiner Ansicht nach immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, beim Anschauen auch schwieriger Themen nicht in innerlicher Isolation und Enge zu verbleiben.....

Wichtig ist, auch bei schlimmen Themen in die Weite zu gehen - so wie Tropfen Tinte, der nicht zurückgehalten wird, sondern in ein Glas Wasser getropft wird.

Ebenso wichtig ist, ein Gefühl (oder ein Problem) nicht zu besitzen. Wenn man sagt: "Ich schon wieder mit Problem xy", dann bewegt man sich in eine Innenspirale, wie Joel das nennt, welche leicht in die Isolation und zu einer Festschreibung des Problems führen kann.

Wieder in die Außenspirale kommt man, wenn man sich das Problem oder Gefühl eben nicht zu eigen macht.
Seit der Erforschung der Spiegelneuronen ist ja auch wissenschaftlich belegt, dass wir nicht nur unsere eigenen Gefühle fühlen.
Gefühle können in Wirklichkeit einem Gegenüber gehören, jemanden aus der aktuellen Gruppe.....
und sie können in Wirklichkeit auch unseren Eltern oder anderen Vorfahren gehören, oder vielleicht sogar kollektiv sein.
Wichtig ist es daher, gerade in schwierigsten Situationen wieder in die Außenspirale zu kommen, ein Gefühl nicht zu besitzen oder festzuhalten - sondern es auch freilassen, damit es zu dem gehen kann, zu dem es vielleicht gehört. - Auch ist es gut, zu sehen, mit wem ich dieses Gefühl vielleicht noch teile.

Dies bedeutet jedoch nicht, ein Gefühl nicht anschauen oder nicht wahrnehmen zu wollen.
Es wird einfach nur die Weite und die Außenspirale in die schwierige Situation mit hineingenommen.

Mittwoch, 27. Juni 2012

.... richtige Todesangst

Am Wochenende war ich wieder in der Ausbildungsgruppe im Odenwald.
Ich empfand es wieder als angenehm und tiefgehend.

Das Nähe-Thema war irgendwie unterschwellig vorhanden
und trug dann wohl auch dazu bei, dass ich mich am Freitag nach unserer offiziellen Zeit gleich zurückzog und schlafen ging.


Am Samstag gingen wir dann in 3er-Gruppen.
In einer kleinen Mini-Aufstellung war Gelegenheit, sich etwas anzuschauen, was man ablehnte. Als ich dran war  nahm einfach das Thema "Kontakt".
Eine Teilnehmerin stand nun für mein Thema mit Nähe. Ein Teilnehmer stand für Lebensenergie und Lebensfreude. - Und ich stand für mich selbst stehend zwischen den beiden.

Am Anfang hätte ich dann  zu der Teilnehmerin, welche für die Nähe stand, irgend etwas ablehnendes sagen sollen. Ich wollte sie jedoch garnicht sehen sonder wandte ihr gleich den Rücken zu und blickte auf die "Lebenskraft / Lebenslust".
Ich merkte, dass ich, wenn ich ganz ehrlich war, auch gegenüber der "Lebenskraft / Lebenslust" Unbehagen spürte. - Insgesamt war ich in dieser Übung, insbesondere auch durch die Ablehnung begründet, recht angespannt und starr.

Schließlich drehte ich mich dann etwas um, so dass ich das "Nähe-Thema" sehen konnte - und schaute sie an. Sie reagierte sehr gerührt und hatte schon fast Tränen in den Augen.
Für mich vermischte sich nun etwas, und sie war nun nicht mehr nur das "Nähe-Thema", sondern auch meine Mutter. Dies war dann auch etwas verwirrend für mich.

An dieser Stelle sollten wir nun ja etwas leicht Versöhnliches sagen..... und dann schauen, wie sich danach unser Verhältnis zur "Lebenskraft / Lebenslust" verändern würde.
Ich sagte etwas wie "Ich will dich zwar nicht gerne in meinem Leben haben, aber ich weiß, dass du derzeit zu mir gehörst." - Und ich merkte, dass es gut war, dies gesagt zu haben.
Die Beiden bewegten sich etwas, so dass sie nicht mehr vor und hinter mir standen, sondern wir drei nun die Form eines Dreiecks bildeten.
Vor der "Lebenskraft / Lebenslust" hatte ich weiterhin eine Scheu.


Am Nachmittag sprach ich in der Pause ganz kurz mit Joel.
Ich sprach mit ihm darüber, wodurch diese starke Nähe-Problematik eigentlich genau in mir ausgelöst worden war. Dies war ja in dem Ausbildungsblock davor passiert, in einer Übung, in welcher man sich öffnen und auf Andere zugehen sollte..... 
Obwohl ich nur etwas 3 bis 5 Minuten mit Joel geredet hatte, fühlte ich mich danach und für den Rest des Seminars frei von der Nähe-Angst. Ich konnte ab diesem Zeitpunkt sogar sehr gut auf Andere zugehen.

Erst auf dem Heimweg am Sonntag wurde mir dann klar, wodurch dies wohl bewirkt worden war:
Ich hatte mit Joel nämlich über meine Angst vor Nähe - und insbesondere davor, auch Andere zuzugehen gesprochen.
Er sagte daraufhin etwas, was die Worte ".... richtige Todesangst ..." enthielt.
Ich weiß noch, dass ich daraufhin so etwas wie "Hä!?!" gedacht hatte - dann jedoch in mich hineinspürte..... und dann eine richtig merkte, wie mir Erleichterung durch den ganzen Körper kroch und mich entspannte! (Wir hatten ja in der Gruppe schon öfters darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass 'das-was-da-ist'  gesehen und "bewahrheitet" wird. - Aber dass dies so eine extreme Wirkung haben kann, hätte ich nie gedacht.)

Samstag, 9. Juni 2012

Über das 'Tao der Zustimmung' hinaus

(.... oder meine erste tiefe Begegnung mit Demut.)

Ich möchte hier die Reihe "Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung'" fortsetzen, mit etwas, das für mich eigentlich schon über 'das Tao der Zustimmung' hinausführt.

Vorspiel:
Mitte 2009 machte ich mein zweites Seminar bei Joel, welches den Titel "Ganz da sein" hatte.
In diesem Seminar waren zwei Teilnehmer, welche gerade bei Bert Hellinger die Ausbildung im Familienstellen machten. Sie redeten sehr positiv über Bert Hellinger, sahen in ihm einen sehr liebevollen Menschen, sagten, wenn man ihm in die Augen blickt, würde man die ganze Weite des Universums sehen können.

Derartige Aussagen deckten sich nicht mit meiner Meinung.
Ich war in den 90er Jahren bereits auf das Thema Hellinger gestoßen. Ein körperorientierter Psychotherapeut, bei dem ich damals manchmal Workshops machte, arbeitete auch mit dem Familienstellen - und ließ manchmal auch etwas von Hellinger in die rein körperorientierten Seminare mit einfließen. Damals war ich tief berührt, als bei einigen Teilnehmern, das Thema "Die unterdrückte Liebe zu den Eltern wieder fließen lassen" berührt wurde.
Gleichzeitig hatte ich da ziemliche Widerstände dagegen. Da kam es mir gerade recht, als ich in der Presse las, dass eine Frau sich unmittelbar nach einem Seminar bei Hellinger umgebracht hatte. Das was ich damals in der "Focus" las, ließ keinen anderen Schluss zu, als dass Hellinger schon sehr unsensibel mit dieser Frau umgegangen war. Somit  war das Thema damals für mich erledigt gewesen, obwohl ich den körperorientierten Psychotherapeuten als sehr respektvollen und einfühlsamen Therapeuten kannte und schätzte.

Aber nun holte mich das Thema durch die beiden Teilnehmer wieder ein. Die beiden sprachen auch von einem "neuen geistigen Familienstellen", bei welchem sich die Stellvertreter bewegen (d.h. sich vom Feld führen lassen) dürfen, bei welchem das Aufstellen als Prozess angesehen wird und bei welchem oft auch nur Teilaspekte des Problems aufgestellt werden.
(Wer sich für die Unterscheide zwischen klassischen und neuen Familien-Aufstellungsformen interessiert, der sei auf einen Text von Thomas Gehrmann verwiesen. Auch Wilfried Nelles, der den neuesten Entwicklungen von Hellinger eher kritisch gegenübersteht, bringt in seinem Artikel Klassisches Familienstellen, Bewegungen der Seele, Bewegungen des Geistes - Wohin bewegt sich die Aufstellungsarbeit? (PDF-Datei) eine interessante Gegenüberstellung.)

Auch Joel, der ja Familienaufsteller ist, redete in diesem Seminar öfters über das Familienstellen. (Eine Familienaufstellung machten wir in diesem Seminar zwar nicht, jedoch eine Organisations­aufstellung, da eine Teilnehmerin Probleme mit ihrer Institution und ihren Kollegen hatte.)

Joel berichtete jedoch über eine Aufstellung, die er mal mit einer deutschen Frau machte, die mit einem Indianer verheiratet war. Die beiden lebten zunächst in den USA, waren dann jedoch nach Deutschland gezogen, weil sie sich hier für ihre Kinder eine bessere Schulbildung erhofften. - Ihr Mann, der Indianer, hatte jedoch kaum deutsch gelernt und hatte Schwierigkeiten damit, hier in Deutschland eine Arbeit zu finden.
Als die Aufstellung nicht so richtig vorankam,  sagte Joel der Teilnehmerin, er würde nun noch einen Stellvertreter für Amerika mit hinzustellen. Er wählte dann jemanden aus, und stellte ihn in die Aufstellung hinein, ohne jedoch für diesen Stellvertreter oder die anderen Beteiligten offen zu legen, für wen dieser Stellvertreter stand.
Der Indianer warf sich in diesem Augenblick auf den Boden und kroch wie ein 'Verdurstender in der Wüste' auf diesen neuen Stellvertreter zu......
Seine Frau was hiervon sehr beeindruckt. Sie sagte, sie würde nie wieder von ihrem Mann verlangen, dass er Deutsch lernen müsse.....

Später erzählte Joel dann von Vertriebenen..... und dass diese auf ähnliche Weise schwer entwurzelt im Leben stehen würden.....
Da machte ich bei mir irgendwie klick: Meine Eltern sind Donauschwaben, das sind Deutsche, die am untersten Ende von Österreich-Ungarn lebten, auf einem Gebiet, das nach dem ersten Weltkrieg zwischen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt wurde. Meine Eltern waren mit ihren Familien nach dem zweiten Weltkrieg auf Jugoslawischem Boden viele Jahre in Arbeitslagern, Internierungslagern und sogar Vernichtungslagern - bis sie dann 1955 froh waren, das Land verlassen zu dürfen.
Sie fühlten sich ihrem früheren Lebensraum jedoch weiterhin sehr verbunden - und wenn sie von ihrer früheren Heimat redeten immer das Wort "Daheim".
Ich und meine Geschwister reagierten hierauf immer sehr genervt - sagten, wir wären doch hier zuhause.

Doch irgendwie war mir durch die Geschichte mit dem Indianer klar geworden, dass das "Daheim" (und das heftige Schicksal) meiner Eltern wohl irgendwie ganz tief in unserer Familienseele verankert sein muss......

Hauptteil:
Später machten wir dann eine Übung zu dritt. Jeder sollte sich zwei Probleme, zwei Lebensthemen aussuchen, die er sich etwas näher anschauen will. Ich wählte mir "meine berufliche Unzufriedenheit" und "das 'Daheim' meiner Eltern". Jeder der beiden Übungspartner sollte nun eines dieser Lebensthemen repräsentieren.
Dem einen Teilnehmer, den ich ganz gut leiden mochte, ordnete ich das Thema Beruf zu, dem anderen Teilnehmer, der mir nicht so sympathisch war, das Thema Heimat.
Dann sollte der erste mir meinen rechten Arm auf den Rücken drehen. So weit, bis es anfing zu schmerzen und ich "stopp" sagte. Dies klappte auch ganz gut. Der "Unsympathische", drehte mir dann den linken Arm auf meinen Rücken. Er schien mein Stopp nicht zu hören und drehte noch weiter, bis ich lauter "Stopp" sagte. Auf dem linken Arm war nun ziemlich viel schmerzhafter Druck.
Nun sollten wir uns die Themen ansehen, zu ihnen "Ja-Sagen", in PrEssenz gehen.... alles anwenden, was wir gelernt hatten, und schauen ob sich etwas verändert.
Die beiden "Haltenden" sollten nur dann etwas verändern, wenn sie innerlich wirklich einen tiefen Impuls dazu spürten. Sie sollten jedoch nicht einfach locker-lassen, um zu helfen. (Es ging auch garnicht darum, unbedingt herauszukommen, sondern sich tiefer auf seine Themen einzulassen.)

Ich schaute mir, in der gebückten Haltung, zunächst mein berufliches Thema an und konnte hier wohl auch etwas in ein "Ja" kommen. Dann wollte ich das Thema "Heimat" anschauen, aber das ging nicht, dann ich war von diesem Thema so eingezwängt, dass ich mich keinen Millimeter in diese Richtung bewegen konnte.

Da spürte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine tiefe Demut.
Hier waren Kräfte am Werke, welche mich, mein Leben, mein Schicksal tief beeinflussten - die weitaus größer sind als ich selbst, und denen ich als Mensch einfach nur ausgeliefert bin.

In dieser Demut kam mir dann die Idee: "Vielleicht erlaubt das Leben mir ja wenigstens, dass ich aufrecht stehen darf".
Ich machte dann eine sehr langsame, aber ununterbrochene Bewegung - ohne Widerstand, und aus dieser Demut heraus... und es war dann tatsächlich möglich, in den aufrechten Stand zu kommen.
Mein linker Arm was jedoch weiterhin so stark verdreht wie vorher!

Ich schaute nochmals akzeptierend das berufliche Thema an. Sein Stellvertreter ließ nach und nach immer mehr los. Das Thema "Heimat" konnte ich weiterhin nicht anschauen, es stand hinter mir in einem toten Winkel und hatte meinen linken Arm weiterhin voll im Griff.
Schließlich ließ der Teilnehmer, der für das berufliche Thema stand, ganz los.
Er schaute mich irgendwie.... ich würde sagen 'sehnsüchtig' an - und hatte dann schließlich Tränen in den Augen.
Beim Thema "Heimat" rührte sich bis zum Ende der Übung nichts....

Beim Austausch wollte der Teilnehmer, der für den Beruf stand nicht sagen, was da in ihm vorgegangen war. Er meinte, ich solle es einfach auf mich wirken lassen.....
Mir war klar, wie wichtig es jetzt war, das nicht zu zerreden! Allerdings hätte ich, ein paar Wochen später, dann doch gerne gewusst, was er da wahrgenommen hatte. (Leider verlief der Kontakt zu ihm im Sande. Wie hatten sogar vereinbart, uns vielleicht mal zu treffen, doch dann landete seine Email wohl bei mir im Spam-Ordner und ich hatte sie wohl dann gelöscht..... und auf den zweiten Versuch wollte es dann auch nicht mehr klappen.........

Nachspiel:
Nach dem Seminar suchten wir dann, ob irgendjemand hier vor Ort das "neue geistige Familienstellen" anbietet. Die einzige Aufstellerin, die hier bei uns im Wohnort war und bei der wirklich klar aus dem Text hervorging, dass es sich um das neue Familienstellen handelt, war allerdings noch eine Anfängerin, bei welcher dann auch nach mehreren Versuchen keine richtigen Schnupperabende zustande kamen.....

Schließlich entschied ich mich dann, die weiten Wege in Kauf zu nehmen und bei Joel in die K!KG-Gruppe zu gehen, in welcher neben den Aufstellungen die 'Innen-Raum-Reisen' und vor allem die K!KG-Übungen einen großen Raum einnehmen.
Obwohl Joel ja auch Ausbilder am Hellinger-Institut ist, macht er aus meiner Sicht vieles anders, als es auf den DVDs von Hellinger zu sehen ist.

Um mir praktisch zusätzlich noch Hellinger und "Die Bewegungen des Geistes" ins Boot zu holen, habe ich dann noch einiges von Hellingers Büchern gelesen. (Immer wieder hatten die Bücher für mich etwas so tiefgehendes, dass ich mich beim und nach dem Lesen richtig tief zentriert fühlte.)

Für mich kam durch Joel, durch Hellinger - und vor allem durch meine oben beschriebene Erfahrung etwas Demütiges in mein "Tao der Zustimmung" mit dazu.
Demut vor etwas, was großer ist. - Vielleicht kann man es manchmal auch einfach nur Schicksal nennen. (Siehe in diesem Zusammenhang auch meinen Blog-Beitrag "Die Stufen der Zustimmung II".)

Nachtrag:
Das Schicksal meiner Eltern tauchte dann später auch in meinen drei Familienaufstellungen auf.
Ohne das ich nachgefragt hatte erzählte mir mein Vater in den Monaten zwischen der zweiten und der dritten Aufstellungen erstmals ausführlich von den Nachkriegs-Erlebnissen seiner Familie.

Montag, 9. April 2012

Optimismus / Pessimismus

Meiner Ansicht nach sind Optimismus oder Pessimismus eigentlich "Wahrnehmungsfilter" - Hilfsmittel dafür, nicht wirklich Hinschauen zu müssen. (Wobei das Nicht-Anschauen einer Situation natürlich auch dazu führt, nicht optimal mit ihr umgehen zu können.....)

Ein Grund dafür, einen dieser Wahrnehmungsfilter anzuwenden, könnte beispielsweise "Angst" sein.

So könnte man beispielsweise Optimismus nutzen, indem man sich ein künstlich-positives Bild von der Realität macht, damit man sich nicht mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten auseinander­setzen muss.

Genauso kann man Pessimismus verwenden, um sich selbst und dem Leben auszuweichen: Denn wenn sowieso alles negativ ist und schlecht ausgehen wird.....
dann braucht man sich ja garnicht den Mut zu nehmen, sich wirklich auf das Leben einzulassen, auf die Welt zuzugehen und sich dem zu stellen, was zum Leben dazugehört!

Samstag, 3. September 2011

Die Kraft des Hinsehens

Beim Umgang mit sich selbst, mit Anderen, mit dem Leben propagiere ich den 'Weg des Hinsehens'.
Dies bedeutet, sich das anzuschauen, das wahrzunehmen, sich auf das einzulassen, was  ist.

Die Alternative wäre, wegzusehen, Dinge auszublenden, Dinge nicht bemerken zu wollen....
(Manche Leute wollen sich negative Dinge nicht ansehen, weil sie meinen, diesen dadurch Energie zu geben.)
Doch Dinge auszublenden kostet noch viel mehr Aufmerksamkeit und Energie und bindet Aufmerksamkeit und Energie (siehe Beispiel unten).

Außerdem ist Wegsehen, zumindest für mich, etwas, das sich kindlich und schwächend anfühlt.....
'Hinschauen', 'Wahrnehmen', 'sich dem Aussetzen was ist', ist dagegen etwas, das ich als erwachsen und stärkend empfinde....
(und außerdem ist es die Voraussetzung dafür, von innen heraus den nächsten Schritt zu erkennen...)


Hier ein etwas konstruiertes Beispiel:
Nehmen wir mal an, jemand sieht in Fahrrädern etwas absolut negatives und ablehnenswertes.
Wenn er nun versucht, nicht an Fahrräder zu denken, dann wird er umso mehr an sie denken. (Dies kann jeder selbst ausprobieren. Wer 5 Minuten nicht an Fahrräder denken will, wird in dieser Zeit so oft an sie denken wie er den ganzen Tag nicht an sie dachte....)

Gut, sagt nun der fachkundige Wegschauer, man braucht in dieser Zeit ja nur an etwas anderes, an etwas positives zu denken, z.B. an Lichtmasten. - Bei unserem 5-Minuten-Experiment wird dies wahrscheinlich tatsächlich helfen....

.... aber was passiert im richtigen Leben draußen im Straßenverkehr?
Jedes Mal wenn der Wegschauer ein Fahrrad sieht, wird er innerlich negativ reagieren, und dann schnell auf den nächsten Lichtmasten schauen. Was bekommt auf diese Art und Weise wohl am meisten Energie. - Meiner Ansicht nach das, auf das er gefühlsmäßig so heftig negativ reagiert...

Was könnte man also stattdessen tun?
Hinschauen, wahrnehmen, den innerlichen Widerstand aufgeben!

Freitag, 22. Oktober 2010

Wahrnehmen und Hinschauen

Hier ein älterer Text von mir (das war damals meine Antwort auf eine konkrete Fragestellung), den ich meinen Lesern hier im Blog nicht vorenthalten möchte:

Es geht nicht darum, die Emotionen zu unterdrücken.
Es geht ums Wahrnehmen und einfach hinschauen!

Hier ein Beispiel:
Mache, wenn du für dich allein zu Hause bist, die Augen zu und stell dir vor, du würdest dich mitten in die unangenehme Situation und mitten in die Gefühle hineinsetzen.
Du denkst an deine Kollegen und ärgerst dich, dass du immer die Strahle-Frau spielen muss.
Dann spürst du deinen Ärger und sagst zu ihm „JA“.
Dann merkst du, du fühlst dich auch ganz Hilflos, weil du dich mit deinen Gefühlen allein fühlst. Dann sage zu deiner Hilflosigkeit „JA“.
.... Aber NEIN - du möchtest nicht hilflos sein. Hilflosigkeit ist unangenehm. Außerdem sind die anderen schuld, warum sollst du wegen denen Hilflosigkeit fühlen müssen. - Dann sage zu deinem „Hilflosigkeit nicht fühlen wollen“ „JA“.
......
Und irgendwann, kannst du vielleicht sogar zu deinen Kollegen und zu deren „immer-super-drauf-sein“ ein fettes „JA“ sagen, aber das ist rein freiwillig!

Freitag, 17. September 2010

Positives Denken vs. "Wahrnehmen-was-ist"


Sind die Scheuklappen groß wie ein Scheunentor,
dann hast du viel zu schleppen!


Um die herkömmliche Art von positivem Denken geht es beim Tao der Zustimmung nicht!
(Jedenfalls nicht in der Form, in der man etwas Auszublenden versucht, in der man Energie aufwendet, um das Hinsehen zu vermeiden!)
Es geht aber auch nicht darum, sich in negative Gedankenwelten hineinzusteigern!
Es geht eigentlich überhaupt nicht ums Denken, sondern um das sich ganz einlassen auf "das-was-ist".

Es ist die Bewegung zwischen dem "Kampf-Flucht"-Mechanismus (der meines Wissens dem Stammhirn zugeordnet wird) - und dem totalen Inneren Frieden (welcher meines Wissens den vorderen Stirnlappen zugeordnet ist):
Wenn jemand total im  "Kampf-Flucht"-Verhalten gefangen ist, dann schlägt er nur noch um sich.
Geht er dann ein paar Schritte in Richtung "Inneren Frieden" dann ist er vielleicht "nur" noch wütend und beschuldigt andere Menschen dafür, dass es ihm schlecht geht.
Geht er noch weiter Richtung "Inneren Frieden", dann ist da vielleicht nur noch etwas Unbehagen da, weil er vielleicht in seiner letzten Beziehung viel dazu beigetragen hat, dass diese schließlich scheiterte.
Ist schließlich der totale Innere Friede da, dann gibt es nur noch ein "Ja! - So ist das!".

Doch wie ist der Weg zu diesem Inneren Frieden. Nicht über Positives Denken, sich einreden, dass man in Wirklichkeit doch auch ganz viel Gutes zu dieser gescheiterten Beziehung beigetragen hat....
Nein, der Weg zu Inneren Frieden ist das Wahrnehmen, in die Situation, dass die Beziehung zu Ende ist.
Sich auch mitten hineinsetzen, in die eigenen Gefühle, die von all dem in einem selbst zum Klingen gebracht wurden.....
Sich auch mitten hineinsetzen in die Vorwürfe, gegenüber dem Partner und gegenüber einem selbst....
Sich auch mitten hineinsetzen in das "Nein!". "Nein das möchte ich nicht!" "Nein, das kann ich mir nie vergeben." - Nicht antworten auf diese Neins.... sondern sich ganz darauf einlassen ..... und auch zu den Neins ein "Ja" sagen......
Bis der Innere Friede eintritt.....

Innere Friede