Samstag, 24. November 2012

Augenproblem und Würde

Und nun der dritte Beitrag für heute:

Während der 4 Tage im Odenwald hatte ich wieder stärkere Probleme mit meinem linken Auge. Am zweiten Abend hatte ich nämlich wieder Blitze gesehen. Wie immer war ich mir am Anfang unsicher, ob nicht vielleicht einfach nur einer der Strahler auf einer Uhr oder Brille einen Lichtreflex erzeugt hatte. Doch leider kamen die Blitze dann mehrmals wieder, einmal sogar sehr heftig.

Dies rief dann wieder sehr Angst in mir hervor, und auch wieder Hilflosigkeit sowie die Frage, was ich nun tun sollte. (Mir war jedoch klar, dass ich im Odenwald und dazu noch am Wochenende nicht zum Augenarzt gehen würde.)

Ich habe dann in einer Pause auch Joel kurz angesprochen. Der meinte nach kurzem In-Sich-Hineinspüren, er würde sich an meiner Stelle nochmals den Großvater ansehen, den wir ja auch in der telefonischen Sitzung schon hatten.

Das Hauptproblem war für mich zunächst auch wieder die Angst davor, die "richtige" Entscheidung treffen zu müssen und auf die "richtige" Art und Weise aktiv werden zu müssen.

Ich habe dann alles war wir dort gemacht haben innerlich für mich genutzt, um mir das Thema weiter anzusehen und auch in die Zustimmung zu kommen.

Dies war mir dann irgendwie auch gelungen.

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Klar war dann jedoch auch, dass ich am Montag wieder in die Augenarzt-Praxis gehen würde.

Diesmal war ich ja wieder ein Not-Termin, und ich kam in der großen Augenarzt-Praxis wieder zu einem anderen Arzt. Der wollte sich meine Netzhaut vollständig und bis zum Rand anschauen, weshalb er ein Vergrößerungsglas direkt auf dem Auge aufsetzen musste. Dies empfand ich (wie jedesmal) als sehr unangenehm und ich war in den Schultern und im ganzen Körper total verspannt. Und irgendwie kniff dann auch immer mein Auge zusammen, so dass das Ganze recht schwierig war.

Jedenfalls gab es dann eine Stelle in der Netzhaut, bei welcher es sich nicht sicher war, ob es sich vielleicht um einen alten, jedoch noch unbehandelten Riss handeln könnte.

Aus diesem Grund wurde ich dann wieder in die Augenklinik geschickt, wo eine OP-Ärztin und Netzhaut-Spezialistin sich das Ganze nochmals ansehen sollte.

Im Wartebereich der Klinik war ich dann, zumindest innerlich, total jammerig drauf.
Ich befürchtete, dass das Ganze da wohl wieder auf eine OP wie vor 6 Wochen hinauslaufen würde.....

Mehr und mehr bewunderte ich dann die teilweise schon sehr alten Männer, die ebenfalls in dem Wartebereich waren, und auf ihre OP warteten.
Die schienen das Ganze mit Würde zu tragen..... und sich sogar auf die OP zu freuen - wohl mit dem Ziel, danach wieder gut zu sehen....

Nach etwa einer dreiviertel-Stunde warten, kam die Spezialistin kurz heraus, um sich zwischen zwei Augen-OPs meine Netzhaut anzusehen. Sie konnte jedoch nicht genug sehen, da die Pupille schon wieder kleiner geworden war.- Mir wurden also nochmals stärkere Tropfen verabreicht, und die Ärztin verschwand wieder im OP-Bereich.

Auch während dem Wochenende im Odenwald hatte ich ja schon solche Gedanken:
Dass mir das Augenproblem ja auch die Chance gibt, einmal eine etwas schwierigere Lebenssituation erfolgreich durchzustehen..... und somit auch an Größe und Würde zu gewinnen. (Viele andere Menschen - und auch meine Eltern und Vorfahren - hatten ja schon viel heftigeres durchstehen müssen. - Trotzdem möchte ich nun natürlich nicht, nur aus Treue zu ihnen, mein Augenproblem selbst aufrecht erhalten.)

Ich nutzte die Zeit, um mir nochmals meinen Großvater anzusehen, der in der telefonischen Augen-Sitzung aufgetaucht war. Ich merkte, ich war innerlich nicht so ganz mit ihm im Reinen, bat ihn jedoch, darüber hinwegzusehen.

Nach etwa weiteren 50 Minuten kam dann die Ärztin nochmals, und setzte nun auch ein Vergrößerungsglas in meinem Auge auf. Sie sagte, sie würde sich nochmals die gesamte Netzhaut ansehen. - Laut ihrer Aussage war jedoch nichts auf der Netzhaut, sondern es handelte sich nur um eine Verunreinigung im Glaskörper. Also nichts, was behandlungswürdig wäre.

Den Vater anschauen

Neben den allgemein sehr interessanten Themen und Übungen machten wir noch eine für mich besonders tiefgehende Übung, in welcher wir den Vater  ansehen  sollten. Wir sollten 3-er-Gruppen bilden, eine Person sollte den Vater anschauen, die zweite Person sollte sich als Stellvertreter des Vaters zur Verfügung stellen, die dritte Person war Stellvertreter für die Mutter. - Dabei sollte darüber hinaus nichts gesprochen oder getan werden.

Da es nicht aufging, sagte Joel, dass er auch mitmachen würde. Als dann eine Person nicht mitmachen wollte, ergab es sich dass ich dann mit Joel diese Übung zu zweit machte. (Um die Mutter auch dabei zu haben legten mehrere Meditationskissen aufeinander.)

Zunächst stand er für meinen Vater, und ich schaute ihn an.
Ich merkte in mir eine starke Abwehr. Ich merkte wie ich in mir viele Vorwürfe hatte, weil er als ich noch sehr klein war sehr streng war, mich geschlagen hatte, und weil er nie emotional offen gewesen war, nie Nähe zugelassen hatte.....
Nach einer Weile erinnerte ich mich innerlich mehr an meinen Vater, wie er heute ist: Schon sehr alt, und jedesmal dünner und zerbrechlicher. Ich ich erinnerte mich daran, wie er sich jedesmal freut, wenn ich mal wieder eine Reise in die alte Heimat mache, und wir uns sehen. - Dies rührte und berührte mich sehr.

In der zweiten Runde war ich der Stellvertreter seines Vaters.
Ich merkte, wie ich aufgrund meines eigenen Schicksals und der eigenen Belastungen an der totalen persönlichen Grenze war. - In mir war immer wieder ein Bedauern, dass ich meine beiden Söhne nie wirklich in den Arm nehmen konnte, aber ich merkte, die beiden müssen jetzt einfach funktionieren, sonst kann ich all das Schwere als alleinerziehender Vater nicht managen....

Joel erzählte mir übrigens, dass es ihm als Stellvertreter meines Vater ähnlich ergangen war. Auch er spürte in der Rolle, dass er aufgrund seines Schicksals an der Grenze war und es einfach nicht anders ging. Und auch er spürte das Bedauern.


Während ich meinen Vater anschaute konnte ich ihn ja bereits mehr und mehr so lassen und akzeptieren wie er war.
Aber auch die andere Seite zu spüren, als Stellvertreter von Joels Vater, hatte dann auch noch etwas sehr heilendes, weil dann nochmals klar wurde, dass es für ihn einfach nicht anders ging, und da einfach auch ein Bedauern seinerseits deswegen da war und auch da ist.

Joel erzählte mir auch, wie er seinem Vater, einige Wochen vor dessen Tod, dann doch noch die Hand gehalten hatte - und wie sein Vater dann in einer anderen Situation seine Hand ergriffen hatte.... - Auch dieses Thema berührte mich sehr, da mein Vater auch nicht mehr lange sein wird.


Die Mutter wird dann bei dem nächsten Treffen im Januar dran sein.
In dieser Übung wurde sie nur als Zeugin hinzugenommen.
Dabei wurde ihr aber auch zugemutet werden, dass (auch) der Vater angesehen wird!

Samstag, 20. Oktober 2012

Augenprobleme - Äußerliches und Innerliches

Für mich war die Geschichte mit dem linken Auge schon ein rechter Schock.

Während ich am Donnerstag vor einer Woche beim Augenarzt einer bekannten Münchner Augenarztpraxis saß hatte ich immer noch die Hoffnung, dass sich eine harmlose Erklärung zeigen würde, für all meine Symptome: die Blitze vom Vortag, der starke Blitz am Morgen und die tausende von schwarzen Punkten, welche dreidymensional im Raum schwebten.

Leider klärte mich der Augenarzt dann über die Sache mit dem Glaskörper auf und erläuterte mir, dass meine Netzhaut einen Einriss bekommen hätte.
Normalerweise kann man dies mit dem Laser behandeln, jedoch war dies bei mir nicht möglich, das die Wunde zu sehr an der Seite des Auges war.
Ich wurde daher gleich in die der Praxis angeschlossenen Augenklinik geschickt, wo die betroffene Stelle des Auges mit minus 80 Grad Celsius vernarbt werden sollte, um die Wunde zu schließen.

Ich versuchte dann soweit es mir möglich war in Einklang mit der nun sowieso nicht zu ändernden Situation zu kommen. War dann aber vor und während der OP sehr angespannt und im Stress.
Die OP selbst dauerte wohl so 15 Minuten. Es tat nicht weh, da das Auge lokal betäubt war, aber ich war froh, als er dann endlich fertig war und aufhörte, an meinem Auge herumzubasteln.

Da ich keine Beruhigungsmittel bekommen hatte sprach nichts dagegen, mich nach einer Nachuntersuchung mit einer Augenklappe auch ohne Begleitperson in die Freiheit zu entlassen.- Meine Freundin hatte ich den ganzen Tag nicht erreichen können, also machte ich mich alleine (und weil ich Lust auf Bewegung hatte zu Fuß) auf den Weg nach hause..... ganz vorsichtig an jeder Kreuzung zig mal einäugig nach rechts und links schauend.

Zu Hause setzte ich mich dann mit geschlossenen Augen aufs Bett, um in mich hineinzuspüren und irgendwie so gut es ging mit dieser Situation in Einklang zu kommen.  - Ich wahr jedoch noch sehr außer mir und wohl auch noch in einer Art Schockzustand.

Ich sah dann noch weitere Blitze, und hatte die Befürchtung, dass vielleicht gleich nochmals ein neues Loch entstehen könnte......


Am nächsten Tag bei der Nachuntersuchung wurde die Augenbinde dann abgenommen. Er war dann soweit alles Okay.
Sollte es am Wochenende weitere Blitze oder andere Probleme geben, dann könnte ich über eine Notfall-Nummer Kontakt mit der Klinik aufnehmen.
Ich war dann jedoch am Wochenende auch noch erkältungskrank, so dass ich trotz weiterer Blitze erst am Montag dann wieder als Not-Patient in die Praxis ging. Zum Glück wurde keine neue Netzhautbeschädigung gefunden.

Auch Montagabend gab es dann wieder Blitze.
Für mich war es eine schwere Belastung, dass sich das mit den Blitzen immer weiter fortsetzte.
Aber ich musste mich der unangenehmen Situation wohl stellen.... und ging auch am Dienstag wieder als Not-Patient in die Praxis.
Es wurde wieder nichts festgestellt und der Arzt meinte nach der Untersuchung, dass ich wahrscheinlich noch eine Zeitlang weiterhin Blitze sehen werden. Ich soll jedoch nur noch in die Praxis kommen, wenn irgendetwas besonderes auftritt.

Für mich war das dann erst mal auch eine Erleichterung, weil ich nun nicht mehr ängstlich-gebannt auf jeden Blitz schauen musste.
Ich hatte auch Dienstag- und Mittwoch-Abends Blitze, jedoch hatte ich am Donnerstag ja sowieso einen Nachuntersuchungstermin, bei dem dann auch alles Okay war.
Leider gibt es nun erst wieder in 3,5 Wochen einen Termin, und ich habe doch Angst, dass inzwischen unbemerkt eine neue Netzhautbeschädigung auftreten könnte. (Der Augenarzt meinte, dies würde ich merken, weil der Blitz dann besonders hell und deutlich auftreten würde und wahrscheinlich auch neue Eintrübungen auftreten würden......

Da ich die ganze Zeit auch Erkältungskrank war, und sowieso viel Zeit im Bett verbrachte,
war es für mich nicht sooo schlimm, dass ich von Donnerstag bis Donnerstag überhaupt nichts lesen durfte.

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Am Donnerstag nach der OP hatte ich ja schon versucht, wieder zu mir zu kommen.
Ab Freitag war ich dann in der Wohnung meiner Lebensgefährtin, und da es mir nicht so gut ging kam ich erst am Dienstag und Mittwoch wieder dazu, mal wieder richtige 'Sitzungen' mit mir und meiner Augenproblematik zu machen:

Zunächst bemerkte ich, wie mir der Schock noch in den Knochen saß. Ich blieb dann erst mal dabei, einfach dies wahrzunehmen.

Dann bemerkte ich auch eine große Angst: Die Angst, dass das was schief-laufen könnte, weil ich etwas falsch mache.
Ich merkte, gegebene Tatsachen schrecken mich nicht so sehr, wie Situationen, in welchen ich etwas entscheiden muss oder etwas gegenüber Ärzten durchsetzen muss, um gegebenenfalls Schaden abzuwenden.
Beispielsweise in dem Traum vom bevorstehenden Tod, den ich vor etwas 2 Jahren mal hier reinstellte, war ich nicht so sehr gestresst, weil ich wusste, dass es nichts mehr zu tun gab, weil der Tod nicht mehr zu verhindern war. - Ja, mit unabänderbarem Schicksal kann ich innerlich schon in Einklang gehen, aber wenn ich die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Aktionen tätigen muss, dann komme ich innerlich sehr in Stress.
So habe ich die 'Sitzungen' auch dafür verwendet, um einfach nur diese Angst wahrzunehmen...... so dass ich auch mit ihr etwas mehr in Einklang kam..... und durch sich nicht mehr so gestresst war.


Insgesamt bin ich wegen dem Augen-Thema innerlich jedoch noch nicht zur Ruhe gekommen. Es ist deutlich besser, jedoch immer noch sehr viel Stress.
Ich habe auch schon versucht, mit Joel einen telefonischen Termin zu vereinbaren, jedoch war er diese Woche nicht zu erreichen.
So oder so werde ich an diesem Thema dranbleiben.

Freitag, 5. Oktober 2012

Blickwinkel auf die Eltern

Wodurch wollen wir eigentlich geprägt sein?
Durch das,
was der Vater in seiner Verstrickung getan hat,
oder durch das, was er in seinem
Herzen gerne getan hätte?
Aus Hunter Beaumont's Buch
- "Auf die Seele schauen" -
(ich werde es noch vorstellen).

Samstag, 9. Juni 2012

Über das 'Tao der Zustimmung' hinaus

(.... oder meine erste tiefe Begegnung mit Demut.)

Ich möchte hier die Reihe "Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung'" fortsetzen, mit etwas, das für mich eigentlich schon über 'das Tao der Zustimmung' hinausführt.

Vorspiel:
Mitte 2009 machte ich mein zweites Seminar bei Joel, welches den Titel "Ganz da sein" hatte.
In diesem Seminar waren zwei Teilnehmer, welche gerade bei Bert Hellinger die Ausbildung im Familienstellen machten. Sie redeten sehr positiv über Bert Hellinger, sahen in ihm einen sehr liebevollen Menschen, sagten, wenn man ihm in die Augen blickt, würde man die ganze Weite des Universums sehen können.

Derartige Aussagen deckten sich nicht mit meiner Meinung.
Ich war in den 90er Jahren bereits auf das Thema Hellinger gestoßen. Ein körperorientierter Psychotherapeut, bei dem ich damals manchmal Workshops machte, arbeitete auch mit dem Familienstellen - und ließ manchmal auch etwas von Hellinger in die rein körperorientierten Seminare mit einfließen. Damals war ich tief berührt, als bei einigen Teilnehmern, das Thema "Die unterdrückte Liebe zu den Eltern wieder fließen lassen" berührt wurde.
Gleichzeitig hatte ich da ziemliche Widerstände dagegen. Da kam es mir gerade recht, als ich in der Presse las, dass eine Frau sich unmittelbar nach einem Seminar bei Hellinger umgebracht hatte. Das was ich damals in der "Focus" las, ließ keinen anderen Schluss zu, als dass Hellinger schon sehr unsensibel mit dieser Frau umgegangen war. Somit  war das Thema damals für mich erledigt gewesen, obwohl ich den körperorientierten Psychotherapeuten als sehr respektvollen und einfühlsamen Therapeuten kannte und schätzte.

Aber nun holte mich das Thema durch die beiden Teilnehmer wieder ein. Die beiden sprachen auch von einem "neuen geistigen Familienstellen", bei welchem sich die Stellvertreter bewegen (d.h. sich vom Feld führen lassen) dürfen, bei welchem das Aufstellen als Prozess angesehen wird und bei welchem oft auch nur Teilaspekte des Problems aufgestellt werden.
(Wer sich für die Unterscheide zwischen klassischen und neuen Familien-Aufstellungsformen interessiert, der sei auf einen Text von Thomas Gehrmann verwiesen. Auch Wilfried Nelles, der den neuesten Entwicklungen von Hellinger eher kritisch gegenübersteht, bringt in seinem Artikel Klassisches Familienstellen, Bewegungen der Seele, Bewegungen des Geistes - Wohin bewegt sich die Aufstellungsarbeit? (PDF-Datei) eine interessante Gegenüberstellung.)

Auch Joel, der ja Familienaufsteller ist, redete in diesem Seminar öfters über das Familienstellen. (Eine Familienaufstellung machten wir in diesem Seminar zwar nicht, jedoch eine Organisations­aufstellung, da eine Teilnehmerin Probleme mit ihrer Institution und ihren Kollegen hatte.)

Joel berichtete jedoch über eine Aufstellung, die er mal mit einer deutschen Frau machte, die mit einem Indianer verheiratet war. Die beiden lebten zunächst in den USA, waren dann jedoch nach Deutschland gezogen, weil sie sich hier für ihre Kinder eine bessere Schulbildung erhofften. - Ihr Mann, der Indianer, hatte jedoch kaum deutsch gelernt und hatte Schwierigkeiten damit, hier in Deutschland eine Arbeit zu finden.
Als die Aufstellung nicht so richtig vorankam,  sagte Joel der Teilnehmerin, er würde nun noch einen Stellvertreter für Amerika mit hinzustellen. Er wählte dann jemanden aus, und stellte ihn in die Aufstellung hinein, ohne jedoch für diesen Stellvertreter oder die anderen Beteiligten offen zu legen, für wen dieser Stellvertreter stand.
Der Indianer warf sich in diesem Augenblick auf den Boden und kroch wie ein 'Verdurstender in der Wüste' auf diesen neuen Stellvertreter zu......
Seine Frau was hiervon sehr beeindruckt. Sie sagte, sie würde nie wieder von ihrem Mann verlangen, dass er Deutsch lernen müsse.....

Später erzählte Joel dann von Vertriebenen..... und dass diese auf ähnliche Weise schwer entwurzelt im Leben stehen würden.....
Da machte ich bei mir irgendwie klick: Meine Eltern sind Donauschwaben, das sind Deutsche, die am untersten Ende von Österreich-Ungarn lebten, auf einem Gebiet, das nach dem ersten Weltkrieg zwischen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt wurde. Meine Eltern waren mit ihren Familien nach dem zweiten Weltkrieg auf Jugoslawischem Boden viele Jahre in Arbeitslagern, Internierungslagern und sogar Vernichtungslagern - bis sie dann 1955 froh waren, das Land verlassen zu dürfen.
Sie fühlten sich ihrem früheren Lebensraum jedoch weiterhin sehr verbunden - und wenn sie von ihrer früheren Heimat redeten immer das Wort "Daheim".
Ich und meine Geschwister reagierten hierauf immer sehr genervt - sagten, wir wären doch hier zuhause.

Doch irgendwie war mir durch die Geschichte mit dem Indianer klar geworden, dass das "Daheim" (und das heftige Schicksal) meiner Eltern wohl irgendwie ganz tief in unserer Familienseele verankert sein muss......

Hauptteil:
Später machten wir dann eine Übung zu dritt. Jeder sollte sich zwei Probleme, zwei Lebensthemen aussuchen, die er sich etwas näher anschauen will. Ich wählte mir "meine berufliche Unzufriedenheit" und "das 'Daheim' meiner Eltern". Jeder der beiden Übungspartner sollte nun eines dieser Lebensthemen repräsentieren.
Dem einen Teilnehmer, den ich ganz gut leiden mochte, ordnete ich das Thema Beruf zu, dem anderen Teilnehmer, der mir nicht so sympathisch war, das Thema Heimat.
Dann sollte der erste mir meinen rechten Arm auf den Rücken drehen. So weit, bis es anfing zu schmerzen und ich "stopp" sagte. Dies klappte auch ganz gut. Der "Unsympathische", drehte mir dann den linken Arm auf meinen Rücken. Er schien mein Stopp nicht zu hören und drehte noch weiter, bis ich lauter "Stopp" sagte. Auf dem linken Arm war nun ziemlich viel schmerzhafter Druck.
Nun sollten wir uns die Themen ansehen, zu ihnen "Ja-Sagen", in PrEssenz gehen.... alles anwenden, was wir gelernt hatten, und schauen ob sich etwas verändert.
Die beiden "Haltenden" sollten nur dann etwas verändern, wenn sie innerlich wirklich einen tiefen Impuls dazu spürten. Sie sollten jedoch nicht einfach locker-lassen, um zu helfen. (Es ging auch garnicht darum, unbedingt herauszukommen, sondern sich tiefer auf seine Themen einzulassen.)

Ich schaute mir, in der gebückten Haltung, zunächst mein berufliches Thema an und konnte hier wohl auch etwas in ein "Ja" kommen. Dann wollte ich das Thema "Heimat" anschauen, aber das ging nicht, dann ich war von diesem Thema so eingezwängt, dass ich mich keinen Millimeter in diese Richtung bewegen konnte.

Da spürte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine tiefe Demut.
Hier waren Kräfte am Werke, welche mich, mein Leben, mein Schicksal tief beeinflussten - die weitaus größer sind als ich selbst, und denen ich als Mensch einfach nur ausgeliefert bin.

In dieser Demut kam mir dann die Idee: "Vielleicht erlaubt das Leben mir ja wenigstens, dass ich aufrecht stehen darf".
Ich machte dann eine sehr langsame, aber ununterbrochene Bewegung - ohne Widerstand, und aus dieser Demut heraus... und es war dann tatsächlich möglich, in den aufrechten Stand zu kommen.
Mein linker Arm was jedoch weiterhin so stark verdreht wie vorher!

Ich schaute nochmals akzeptierend das berufliche Thema an. Sein Stellvertreter ließ nach und nach immer mehr los. Das Thema "Heimat" konnte ich weiterhin nicht anschauen, es stand hinter mir in einem toten Winkel und hatte meinen linken Arm weiterhin voll im Griff.
Schließlich ließ der Teilnehmer, der für das berufliche Thema stand, ganz los.
Er schaute mich irgendwie.... ich würde sagen 'sehnsüchtig' an - und hatte dann schließlich Tränen in den Augen.
Beim Thema "Heimat" rührte sich bis zum Ende der Übung nichts....

Beim Austausch wollte der Teilnehmer, der für den Beruf stand nicht sagen, was da in ihm vorgegangen war. Er meinte, ich solle es einfach auf mich wirken lassen.....
Mir war klar, wie wichtig es jetzt war, das nicht zu zerreden! Allerdings hätte ich, ein paar Wochen später, dann doch gerne gewusst, was er da wahrgenommen hatte. (Leider verlief der Kontakt zu ihm im Sande. Wie hatten sogar vereinbart, uns vielleicht mal zu treffen, doch dann landete seine Email wohl bei mir im Spam-Ordner und ich hatte sie wohl dann gelöscht..... und auf den zweiten Versuch wollte es dann auch nicht mehr klappen.........

Nachspiel:
Nach dem Seminar suchten wir dann, ob irgendjemand hier vor Ort das "neue geistige Familienstellen" anbietet. Die einzige Aufstellerin, die hier bei uns im Wohnort war und bei der wirklich klar aus dem Text hervorging, dass es sich um das neue Familienstellen handelt, war allerdings noch eine Anfängerin, bei welcher dann auch nach mehreren Versuchen keine richtigen Schnupperabende zustande kamen.....

Schließlich entschied ich mich dann, die weiten Wege in Kauf zu nehmen und bei Joel in die K!KG-Gruppe zu gehen, in welcher neben den Aufstellungen die 'Innen-Raum-Reisen' und vor allem die K!KG-Übungen einen großen Raum einnehmen.
Obwohl Joel ja auch Ausbilder am Hellinger-Institut ist, macht er aus meiner Sicht vieles anders, als es auf den DVDs von Hellinger zu sehen ist.

Um mir praktisch zusätzlich noch Hellinger und "Die Bewegungen des Geistes" ins Boot zu holen, habe ich dann noch einiges von Hellingers Büchern gelesen. (Immer wieder hatten die Bücher für mich etwas so tiefgehendes, dass ich mich beim und nach dem Lesen richtig tief zentriert fühlte.)

Für mich kam durch Joel, durch Hellinger - und vor allem durch meine oben beschriebene Erfahrung etwas Demütiges in mein "Tao der Zustimmung" mit dazu.
Demut vor etwas, was großer ist. - Vielleicht kann man es manchmal auch einfach nur Schicksal nennen. (Siehe in diesem Zusammenhang auch meinen Blog-Beitrag "Die Stufen der Zustimmung II".)

Nachtrag:
Das Schicksal meiner Eltern tauchte dann später auch in meinen drei Familienaufstellungen auf.
Ohne das ich nachgefragt hatte erzählte mir mein Vater in den Monaten zwischen der zweiten und der dritten Aufstellungen erstmals ausführlich von den Nachkriegs-Erlebnissen seiner Familie.

Freitag, 11. November 2011

Den inneren Widerstand aufgeben

Hier ein älterer Text von mir, in welchem ich damals auf eine ganz konkrete Frage antwortete:

Ich selbst praktiziere ähnliches wie du.... nur vielleicht mit einer etwas anderen Gewichtung - und ich nenne es nicht "Scheiß-egal-Einstellung" sondern "Zustimmung" oder "Den-innerlichen-Widerstand-aufgeben".

Ich finde, dass es zu sehr viel Innerer Freiheit und zu Weitsicht führt, wenn man aus dem Inneren Widerstand gegen etwas einfach heraustritt.

Wenn ich in einem Flugzeug sitze und es ist gerade dabei abzustürzen, dann ist mir persönlich das nicht "Scheiß-egal", denn ich möchte im Augenblick noch nicht sterben. Aber ich weiß, dass ich mit Widerstand nur Angst und noch mehr Schmerz erzeuge, also suche ich in mir die Bereitschaft, dem nahenden Tod zuzustimmen.
Ich danke dann bewußt daran, wie mir "Zustimmung" schon in anderen Situationen genutzt hat - reale Situationen oder auch Körper-Übungen[1]  zum Thema "Zustimmung". (Früher dachte ich oft auch an Fallbeispiele[2], die ich gelesen hatte.... und welche mir den Nutzen der Zustimmung aufzeigten.)
Aus dieser Erfahrung heraus würde ich versuchen, dem Flugzeugabsturz zustimmen - nicht weil ich ihn mir wünsche - sondern weil er gerade sowieso passiert.... und ich nichts daran ändern kann.

Ich hatte übrigens vor längerer Zeit mal einen Traum, in welchem mir mein Tod angekündigt wurde. Ich habe dann im Traum selbst, dem bevorstehenden Tod zugestimmt (siehe "Traum vom bevorstehenden Tod" in meinem Blog).


Wenn ich Impulse in mir bemerken würde.... (ich greife jetzt mal ein Beispiel von dir heraus)... Sex mit Leichen zu haben.... dann würde ich nach einem Weg suchen, der Tatsache zuzustimmen, dass ich diese Impulse habe. - Dies heißt noch lange nicht, dass ich es dann tatsächlich ausleben würde.... aber ich würde zustimmen, dass dies im Augenblick mein Thema wäre.... Ja, ich würde zustimmen, dass ich den Ärger nun an der Backe habe, da ich sexuelle Präferenzen habe, die ich nicht ohne weiteres ausleben kann.
Die Tatsache, der dann zuzustimmen wäre wäre also: "Ich habe eine sexuelle Präferenz, die nicht gesellschaftsfähig ist, und die ich nicht ohne mich strafbar zu machen ausleben kann." - Aber ich habe diese Präferenz, sie gehört zu meinem Wesen.... und der Tatsache des Vorhandenseins dieser Präferenz stimme ich zu.

Durch dieses Zustimmen könnte ich dann ein Stückweit aus Angst und Tunnelblick aussteigen - .... aber ich würde an diesem Thema dranbleiben.... denn Zustimmung wäre hier nur der erste Schritt der Heilung..... Ein weiterer Schritt wäre, sich innerlich ganz auf dieses Thema einzulassen, sich ganz hineinzubegeben.....


Aber beenden wir das Was-Wäre-Wenn-Spiel.
Du hast diese Vorlieben ja garnicht, du hast jedoch Angst davor, dass du irgendwann derartige Vorlieben haben könntest....
Du hast Angst davor, du könntest vielleicht grundlegend falsch sein, wie du schriebst.

Hier kann es meiner Ansicht nach tatsächlich hilfreich sein, der Möglichkeit zuzustimmen, dass du vielleicht tatsächlich grundlegend falsch bist. - Denn auch hier schafft die Zustimmung, du hast es ja schon selbst erfahren, Erleichterung!
Und auch hier könntest du wiederum dranbleiben, dich deiner Angst falsch zu sein stellen, sie zustimmend fühlen, dich zustimmend durch sie hindurchfühlen.... und dich somit heilen.

Und ich verrate dir noch ein Geheimnis:
Jeder Mensch hat (oder hatte in einer Phase seines Lebens) mehr oder weniger starke Angst, grundlegend falsch zu sein, so falsch, dass er nicht dazugehört, dass er von der Menschheit ausgeschlossen wird.... Du bist mit deinem "falsch-sein" also nicht allein.... sondern bewegst dich im Kollektiv von Milliarden von Menschen.....


Aber natürlich ist das alles nicht so einfach - sondern ein Weg.... der immer wieder Schritt für Schritt zu gehen ist.....

Anmerkungen:
[1]: Beiträge zu 'Körper-Übungen mit Bezug zur "Zustimmung"':
  * Körperlicher Druck, Abwehr und Zustimmung
  * Mehr zu den KiKG-Übungen
[2]: Hier haben mich die Internetseiten von "Bill Ferguson" sehr inspiriert. In meinem Blog stelle ich ihn erstmals in meinem Beitrag "Widerstände aufgeben" vor.

Freitag, 22. Juli 2011

Unterbrochene Hinbewegung

Eigentlich mag ich es nicht so sehr, Theorien zu berücksichtigen, die beschreiben welches Lebensthema / Problem sich durch war auf welche Art und Weise entwickelt hat. Hier denke ich, das was für eine Veränderung notwendig ist, taucht früher oder später sowieso automatisch im eigenen Inneren auf, wenn man sich einem Thema wirklich zuwendet.

Andererseits gibt es ein paar Theorien, die mich so sehr berührt haben, dass ich auch von dieser Warte aus starten und mir meine Themen ansehen möchte...... Wissend, dass ich mir dann vielleicht Sachen einrede.... und zumindest nicht mehr unvoreingenommen an meine Themen herangehen kann.

Eine solche Theorie ist die "Unterbrochene Hinbewegung" wie Bert Hellinger sie beschreibt und wie ich sie in unserer Ausbildungsgruppe bei Joel kennenlernte. Als Joel über dieses Thema sprach, machten einige in unserer Gruppe sehr betroffene Gesichter, eine Teilnehmerin fing zu weinen an, andere (z.B. ich) waren zumindest den Tränen nahe.

Eigentlich erklärt diese Theorie ganz gut, warum einige (viele?) Menschen nicht so einfach Kontakte eingehen können, warum sie nicht gut auf andere zugehen können, warum sie keine befriedigenden dauerhaften Beziehungen eingehen können..... Alles Dinge, die bei mir sehr stark ausgeprägt sind.

Ich versuche das jetzt mal mit eigenen Worten zu beschreiben:
Wenn ein Baby geboren wird.... dann wird es idealerweise gleich wieder der Mutter auf den Bauch gelegt. Dort kann es sich dann innerlich niederlassen.... und wieder bei der Mutter landen.

Ist diese erneute Hinkommen zur Mutter jedoch nicht möglich (zum Beispiel weil die Mutter oder das Kind medizinisch betreut werden muss, oder weil es früher einfach nicht üblich war) dann ist das für das Kind eine sehr traumatische Erfahrung..... die für es (fasst) so etwas wie sterben bedeutet.
Um diesen Schmerz nicht nocheinmal erleben zu müssen, zieht es sich innerlich von der Mutter zurück..... Das einfach-so-hingehen zur Mutter ist blockiert.

Diese Hinbewegung muss nicht unbedingt gleich nach der Geburt unterbrochen werden, oft passiert dies auch erst zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem das Kind nicht zu seiner Mutter kommen kann. - Die unterbrochene Hinbewegung kann auch dadurch passieren, dass die Mutter zwar physisch vorhanden, innerlich aber trotzdem nicht greifbar und präsent ist (jeder hat vielleicht schon mal erlebt, dass er jemandem zu Begrüßung die Hand gibt, die Hand des Anderen sich jedoch völlig leer und wie ein toter Fisch anfühlt).

Zusammenfassend kann man jedenfalls sagen, dass die Hinbewegung zur Mutter (oder auch zum Vater) im Kindesalter nicht gelungen ist. Der Schmerz ist so groß, dass das Kind es nie wieder probiert - sich selbst vom Kontakt trennt .... und zurückhält.

Solche Menschen werden auch später als Erwachsene in Beziehungen dieses Muster leben: Je nachdem, wie stark dieses Trauma ist, werden sie vielleicht eine Beziehung eingehen..... auf den Anderen zugehen.... doch wenn's dann wirklich eng wird, dann doch wieder innerlich (oder auch äußerlich) wieder ausbüchsen..... weil dann die unbewusste Verbindung zu diesem Trauma wieder auftaucht.
Sie werden also ausweichen, wieder Distanz schaffen, ..... und dann vielleicht wieder erneut mit der Hinbewegung starten..... sie dann aber wieder "rechtzeitig" (bevor es gefährlich wird) abbrechen.....

Laut Hellinger stecken solche Menschen allgemein eher fest.... und gehen eher "von etwas weg" als "auf etwas zu"..... was sich nicht nur auf den Erfolg in der Liebe, sondern sogar sehr stark auf den Erfolg im Leben und im Beruf, auswirkt.


Doch wie kann das Ganze nun geheilt werden:
Joel, der Seminarleiter in der besagten Ausbildungsgruppe arbeitete nach seiner theoretischen Einführung mit der Frau, die bei diesem Thema zu weinen angefangen hatte. - Dabei kam sie innerlich wieder in ihre Kindheit zurück.... und durchlebte all die Gefühle nochmals: Vom sich verkriechen wollen, zum "Nein, nie wieder".... und so einem Gefühl fast zu sterben..... bis über viele Stufen hinweg schließlich irgendwann zu einem "Bitte Mama"... und ein Hinbewegen zu dem Stellvertreter der Mutter (in diesem Fall also zu Joel).

Auf den Internetseiten von Bert Hellinger, und vor allem in dem in meinen Beitrag Systemische Übungen vorgestellten Buch werden auch Übungen beschrieben, wie man das Ganze für sich alleine Schritt für Schritt wieder durchleben und heilen kann - wobei eine persönliche Begleitung sicherlich der einfachere Weg wäre.....

Für mich ist die "Unterbrochene Hinbewegung" auch ein Thema, an welches ich mich bisher noch nicht wirklich herandgewagt habe.

Samstag, 28. Mai 2011

Die Stufen der Zustimmung II

Ich wollte noch ergänzen:

Verschiedene Aspekte der 'Zustimmung der Stufe 4' beschrieb ich auch in meinen Beiträgen "Das größte 'Ja'" und "Zustimmung, Alzheimer, GAU und Sinn.

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Wichtig ist meiner Ansicht nach auch, dass man sowohl 'einer Situation', als auch 'den Gefühlen zu einer Situation' zustimmen kann.

Bei einem Schicksalsereignis ist meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit, dem Schicksal zuzustimmen (Zustimmung Stufe 4).
Gleichzeitig kann es jedoch sein, dass das Schicksalsereignis heftige Gefühle in mir auslöst.... und dann ist natürlich die Frage, wie gehe ich mit diesen um. - Beim Umgang mit Gefühlen bevorzuge ich beispielsweise die Zustimmung Stufe 2.

Sicherlich geht beides Hand in Hand.... und die 'Zustimmung zum Schicksal' wird umso einfacher, je mehr ich auch meine Gefühle in dieser Situation verarbeitet habe.

Wichtig ist freilich immer die Bereitschaft zuzustimmen - die man auch aus der Erkenntnis nähren kann, wie sehr man sich durch "Nein" und Widerstand immer selbst verletzt..... und letztendlich sogar das ganze eigene Leben blockiert (siehe auch Beitrag 'Was und Wie Zustimmen'.)

Die Stufen der Zustimmung

Angeregt durch die Diskussion in einem Forum bin ich auf die Idee gekommen, Zustimmung in verschiedene Stufen zu unterteilen. So kann man genauer definieren, über welche Art der Zustimmung man eigentlich redet oder schreibt:
Stufe 0: Ich lehne unerwünschte Situationen und Gefühle ab, bin also im Widerstand. [Meiner Ansicht nach führt jedoch das Ablehnen von anderen Menschen oder eigenen Gefühlen dazu, dass diese sich verfestigen und an einem kleben bleiben! Änderung ist garnicht oder nur mit großem Kraftaufwand möglich. - Oft ist es tatsächlich so, dass man genauso wie die Menschen wird, die man immer ablehnt. ]
Stufe 1: Ich stimme zu, dass die Situation oder das Gefühle (im Augenblick) nun mal so ist wie es ist. [Dies führt meiner Ansicht nach zu mehr Weitsicht.... lässt Lösungen erkennen.... schafft ein Umfeld, in dem Lösung überhaupt erst möglich ist.]
Stufe 2: Ich stimme zu, dass die Situation oder das Gefühle (im Augenblick) nun mal so ist wie es ist. Ich lasse mich ganz darauf ein, auf "das-was-ist", begebe mich mitten hinein.... und vertraue darauf, dass hierdurch ganz von selbst der nächste Schritt in Richtung "Lösung" in mir entsteht.
Stufe 3: Ich vertraue darauf, dass alles sich von selbst so entwickelt wie es sein soll, .... deshalb stimme ich dem zu, lasse die Geschehnisse laufen und greife nicht ein.
Stufe 4: Hier geht es in Richtung Demut: Ich stimme dem Schicksal zu, stimme dem größeren Ganzen zu - und nehme das Leben so an, wie es ist.... auch Krankheit, Tod, .... ebenso wie absolutes Glück....


Nachträgliche Änderung 01.07.2011 00:05: Die unausgegorenen Beispiele wieder entfernt!

Dienstag, 26. April 2011

Den Eltern und sich selbst gerecht werden

An anderer Stelle schrieb ich über das Thema: "Eltern" - bzw. über das Thema "schmerzhafte Erfahrungen aus der Kindheit".... - und ob "den eigenen Eltern zustimmen" dazu führt, eigene schmerzhaften Gefühle zu verraten und als nichtig und unwichtig zu erklären?

Ich finde, dies ist auch für "Das Tao der Zustimmung" ein wichtiges Thema, deshalb möchte ich diesen Beitrag auch hier posten:

Meiner Ansicht nach ist es wichtig, eine grundlegende Unter­schei­dung zu treffen:

Bei mir war vieles in der Kindheit wirklich schlimm für mich - und es schränkt mich heute noch sehr in meinem Leben ein, gerade wenn es um zwischenmenschliche Kontakte geht.

Das Andere ist: Eltern sind nicht ideal.... es geht in jeder Kindheit auf die ganz eigene Art einiges schief. - So ist das Leben! Ja, das gehört genauso zum Leben wie die Tatsache, dass wir geboren werden, dass wir sterben werden, dass wir essen und trinken müssen....

Oder nochmals von einer anderen Seite betrachtet:
Was wäre, wenn in das Krankenhaus, in dem meine Mutter entbunden hat, während meiner Geburt der Blitz eingeschlagen hätte - und ich deshalb behindert wäre.
Ich könnte dann mein ganzes Leben sagen: "Scheiß Krankenhaus!", "Scheiß Blitz!", "Scheiß Leben!", "Warum gerade ich ....!".
Ja, ich könnte mein Leben lang mit dem Schicksal hadern..... Aber würde es etwas bringen?
Mit dieser innerlichen Haltung hätte ich nie die Möglichkeit, mit innerlich Weiterzuentwickeln, mich meinem Leben zuzuwenden, das Beste daraus zu machen..... und meinen An-Teil an der Welt zu leben.

Ja, natürlich wäre da ein Schmerz, eine Traurigkeit über all das, was mir im Leben entgehen würde, eine Wut auf das Leben auch...... und es ist wichtig dem Raum zu geben und es zu sehen..... und ich sage auch hier "und es zu heilen".

Und es ist wichtig, gleichzeitig das Thema auch von der Schicksals-Seite zu sehen.... zumindest die innerliche Bereitschaft zu entwickeln, seinem Schicksal zuzustimmen.
Wo vorher noch Hadern und Tunnelblick war, da gibt es nun plötzlich Freiheit!

Vor einigen Monaten schrieb ich übrigens schon einen anderen Beitrag zu diesem Thema: "Kindheit / Schicksal".

Dienstag, 15. März 2011

Zustimmung, Alzheimer, GAU und Sinn

Bei meiner "Sitzung" am Samstag in der Frühe hatte ich unter Anderem auch versucht, durch 'Ja-Sagen', durch 'Zustimmung' zu innerlicher Erleichterung zu kommen. Dabei beschäftigte ich mich damit, einzelnen vorhandenen Gefühlen oder innerlichen Zuständen zuzustimmen. -
Dies hat jedoch nicht zur gewünschten Erleichterung geführt.

Am Wochenende habe ich dann bemerkt, dass ich an meinem inneren Gesamt-Zustand nicht so einfach etwas ändern kann..... Ich habe dann dem zugestimmt..... und dadurch fühlte ich mich dann tatsächlich sehr erleichtert und frei.

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Am Wochenende sah ich mir den Film "Claire - Sich erinnern an die schönen Dinge" (Spielfilm, Frankreich 2001) an, welchen meine Freundin für uns aufgenommen hatte.
In diesem Film geht es um eine junge Frau die an Alzheimer leidet.... und nach und nach mit den normalen Dingen des Lebens nicht mehr klarkommt, nach und nach sogar ihre Sprache verliert.

Ich fand die Vorstellung, an einem derartigen Persönlichkeitsverlust zu leiden besonders schlimm. Bei allen anderen Problemen kann man ja noch etwas tun (und wenn es nur ist, dass mein seine Krankheit oder sein Schicksal  und deren Folgen psychisch verarbeitet). -
Aber was, wenn man seine gesamte Persönlichkeit verliert, wenn man auch die Fähigkeit, sein Krankheit zu bearbeiten, verliert?

Ich hatte mir schon mal vor vielen vielen Jahren Lebensphilosophien zurechtgelegt, mit denen ich glaubte, mit dem Leben gut umgehen zu können. -
Nun fragte ich mich: "Was für eine Lebensphilosophie bräuchte man, damit diese auch dies einschließen kann.

Mir kam dann: "Es bleibt eigentlich auch hier nur, dem zuzustimmen, was ist."
Auch dem Allerschlimmsten zuzustimmen, nämlich, dass man nach und nach wahrscheinlich sogar die Fähigkeit verlieren wird, zuzustimmen.

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Ich glaube, Krankheiten, Tod, Schicksalsereignisse (und hierzu zählt auch die Erdbeben und Atomkatastrophe aktuell in Japan)  sind Ereignisse, die uns Wachrütteln sollen.
Würden alle Menschen auf der Erde im absoluten Überfluss leben, keine Krankheiten, kein Tod, keine unerwünschten Ereignisse, ...... wie flach wäre das Leben dann, ...... und was wäre dann überhaupt der Sinn der Existenz?

Für mich sind solche Ereignisse dazu da, tiefer gehen zu müssen, sich dem Leben wirklich zuwenden zu müssen.....
Und ich glaube, eines, was die Schöpfung von uns will, ist unsere Zustimmung. Unsere Zustimmung, zum Leben, zur Schöpfung, zu Allem, wie es ist......... (denn nicht ohne Grund führt Zustimmung zu Erleichterung, zu einem angenehmen inneren Zustand.......)....

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P.S.: Ich war heute übrigens sehr erstaunt, als ich in einem Gespräch mitbekam, wie ein Kollege, der mir immer sehr oberflächlich vorgekommen war, sich angesichts der Katastrophe in Japan tiefgründige Gedanken über das Leben machte - darüber, was in Leben wichtig ist und was nicht!

Samstag, 5. März 2011

Das größte 'Ja'

Ich habe gestern (heute Nacht eigentlich eher) parallel zu der Beschäftigung mit meinen offenen Themen ein paar Sachen von Bert Hellinger gelesen. Er ist ja auch jemand, von dem ich (zumindest indirekt) für meinen Weg der Selbstheilung einiges übernommen habe.
(Ich habe ihn bisher unter den "Methoden der Persönlichkeitsentwicklung" noch nicht erwähnt, weil sein Ansatz doch eher nochmals ein Kapitel für sich ist.... worüber ich erstens viel zu wenig weiß.... und was vom Umfang her vielleicht auch den Rahmen dieses Blogs sprengen würde. )

Jedenfalls findet man bei ihm sehr viel, wo es um "Zustimmung" im größeren Rahmen geht,
also auch um Zustimmung zur 'Familienseele' und deren Schicksal,
ja Zustimmung zum Schicksal überhaupt.
Für mich kommt durch Bert Hellinger nochmals eine deutlich demütigere Art der Zustimmung ins Spiel (Demut gegenüber den Kräften, die in der Familienseele wirken, Demut gegenüber dem Schicksal und dem größeren Ganzen), die nochmals ein größeres Heilungspotential hat.... als das was ich hier bisher so beschrieb.

Beim Lesen einiger Gedanken von Hellinger kam jedenfalls in mir plötzlich so ein "Ja-zum-Ganzen", also ein "Ja" zu meinen Lebensthemen, ein "Ja" - dass alles so 'Richtig' ist.... wie es ist.... einfach weil es so ist. (Ich kann es jetzt garnicht mehr so stark fassen, wie ich es in der Nacht spüren konnte.)

Ich merkte dann, wie ich es jedoch auch wieder beiseite schieben wollte. "Mein Anspruch hier ist, den Lesern zu zeigen, wie man mit 'Zustimmung' Probleme lösen kann.... einfach nur ein 'Ja zum Ganzen' ist hierfür nicht die Lösung.
Zum Glück bemerkte ich dies dann.... (Hier war es sehr hilfreich, dass "Laurion" mich in einem Kommentar darauf aufmerksam machte, dass das Schreiben im Blog die Geschichte verfälschen kann. Ich wusste dies zwar schon früher, aber ich wusste es früher noch nicht genug, um es ausreichend zu beachten! - Danke dir Laurion.)

Nein, das (innerliche) Navigationsgerät sagt "hier links abbiegen" .... und auch wenn die Vorstellungen vielleicht zunächst anders waren..... ist genau hier die Wahrheit und der Weg.

Jedenfalls kam dann auf einen Schlag das sehr angenehme Gefühl, im großen Einklang mit all den (vielleicht unangenehmen, schwierigen, noch nicht geheilten) Lebensthemen zu sein!
Ein Einklang mit dem, genau so wie es ist.

[Ich kann all das nicht so klar in Worte fassen, doch es war wichtig, es jetzt niederzuschreiben!]

Samstag, 13. November 2010

Kindheit / Schicksal

Jetzt mal was anderes, weil ich gerade einen "alten" Text von mir wieder gefunden habe, den ich gerne auch hier veröffentlichen möchte.

Es ging um die Frage, ob die eigene Kindheit die Ursache für spätere Probleme ist:
Meiner Ansicht nach ist die Kindheit schon die Ursache für spätere Probleme.

Wer dies allerdings als Ausrede benutzt,
sich in Opferrolle oder Schuldzuweisungen verstrickt,
der trägt sehr mächtig dazu bei, seine Probleme für lange Zeit festzuzementieren.

Meiner Ansicht nach tun Eltern immer das Beste, das ihnen aufgrund ihrer eigenen inneren Probleme nun mal möglich ist...
und so sehe ich unsere Eltern nicht als die Schuldigen......
sondern es ist einfach Schicksal, in was für eine Familie wir hineingeboren wurden.
Genauso wie es Schicksal ist, in welchem Land wir geboren wurden, ob wir gesund oder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen geboren wurden....
Es ist Schicksal!

Meiner Meinung nach hat derjenige, der sein Schicksal annimmt, und das Beste daraus macht, mehr Lebensqualität
als derjenige, der sich weiterhin als Opfer definieren will
und in seinem Hadern gefangen bleibt....

Freilich ist "mit seinem Schicksal in Einklang kommen" nichts, was man in 5 Minuten erledigen kann. Es ist ein zu gehender Weg, ..... dessen erster Schritt wahrscheinlich die Bereitschaft ist, ihn zu gehen.