Montag, 30. Juli 2012

Nachträge - 'Zur Verfügung stehen'

In seinem Kommentar zu "Verletzt durch einen Anderen II" ging Uwe (Link zu Uwe's Kommentar) auf "Schuldgefühle als Grundlage der Abgrenzungsproblematik" ein.

Ich schrieb dann in meinem Antwort-Kommentar weiter unten, dass man eigentlich gar keinen langen Diskurs mit sich selbst führen muss, ob die Schuldgefühle nun gerechtfertigt sind oder nicht - wenn sie da sind, dann kann man sie auch einfach zum Anlass nehmen, 'den Schuldgefühlen ganz zuzustimmen'. - Dann wenn man zugestimmt hat, braucht man sich nicht mehr gegen eine (reale oder eingebildete) Schuld wehren, und wird somit in dieser Hinsicht wieder ganz frei!

Eine andere hilfreiche Methode wäre sicherlich auch "Nicht mehr zur Verfügung stehen" anwenden. - Damit meine ich, der Erwartungen, bei einer Abgrenzung Schuld empfinden zu müssen, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. (Ich bin gespannt, ob dies funktioniert.)

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Ich sehe diesen Satz von Jacobsen übrigens nicht als Affirmation,  welche ganz pauschal ausgesprochen wird und dann alle nur erdenklichen Situationen des Leben auf einen Wisch erschlägt.
Sondern ich sehe es eher als Entscheidung:
    Wenn ich erkenne, ich stelle mich hier wohl gerade jetzt für etwas zur Verfügung, mich dann zu entscheiden, mich jetzt nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Mich nicht mehr zu Verfügung zu stehen ist, zumindest so wie ich es betrachte und erfolgreich angewandt habe, auch nichts, was gegen einen Anderen gerichtet ist.
Es hat vielmehr nur mir mir zu tun:
    Bisher habe ich mich zur Verfügung gestellt, und nun tue ich das eben nicht mehr.
Das ist wohl mit dem Abgrenzen gemeint, bei dem die Handflächen auf einem selbst zeigen.

Samstag, 14. Juli 2012

Verletzt durch einen Anderen II

Uwe Habricht hat in seinem Kommentar zu meinen Beitrag „Verletzt durch einen Anderen“ einige sehr interessante und weiterführende Gesichtspunkte vorgebracht. Ich mag seinen Kommentar hier sehr empfehlen - und auch nochmals aus meiner Sicht auf das Thema eingehen:

Für mein Empfinden ist das was ich schrieb, so etwas wie der erste Schritt,
und das was du, Uwe, schriebst der ein-einhalbe oder zweite Schritt.

Seit ich im April zum ersten Mal mit der vom mir beschriebenen Sichtweise in Kontakt kam, dass in einer Verletzungssituation in Wirklichkeit ja BEIDE verletzt sind, bin ich fasziniert von diesem Gedanken.
Er hat für mich etwas sehr öffnendes, weil er aus der Trennung („Der blöde Andere verletzt mich“) wieder in die Verbindung („Dem Anderen geht es (vielleicht) genauso“ oder „Aus irgendeinem Grund meint der Andere, sogar sich vor mir schützen zu müssen“) führt.
Eigentlich ist dies eine Sichtweise, die einem sofort wieder für den Anderen öffnet, und es fast unmöglich macht, innerlich weiterhin in seinem Film zu bleiben.

Denn selbst wenn man in diesem Augenblick noch garnicht weiß, wer den nun wirklich aggressiv attackiert, wer nun im Film ist, wer denn nun tatsächlich projiziert – durch diese Sichtweise landet man erst mal wieder außerhalb des Konflikts.


Selbst im Kleinen, also wenn gar kein so großer Konflikt besteht, kann man dies anwenden. So ging es mir jedenfalls bei einem Kollegen, der für mein Empfinden oft ziemlich arrogant reagiert, wenn man etwas mit ihm besprechen will.
Früher habe ich dann manchmal angegriffen gefühlt und auch eine schnippische Bemerkung gemacht.
Das letzte Mal kam mir dann der Gedanke, dass er wohl, warum auch immer, meint, sich durch dieses Verhalten schützen zu müssen. Da war für mich sofort „Angriff“ und „Gegenangriff“ weg und ich hatte einfach nur ein neutrales bis positives Empfinden ihm gegenüber.....


Aber jetzt nochmals auf die größeren Konflikte in Partnerschaften oder engen Freundschaften zurückkommend: Ich denke, spätestens wenn man die eingefahrene Situation ein wenig lockern konnte, dann werden all die von dir, Uwe, beschriebenen Punkte wichtige Themen.


Uwe, magst du noch etwas zur Thematik „Abgrenzungsproblem“ sagen?
Für mich ist ein „Abgrenzungsproblem“, wenn jemand im Kontakt zu anderen Menschen den Kontakt zu sich selbst verlieft. Oder was meinst du mit diesem Begriff?

Samstag, 16. Juli 2011

[Schuld und Unschuld]

Wenn ihr einen unschuldigen Menschen anschaut und einen, der Schuld auf sich geladen hat, wessen Seele ist enger?
Eine unschuldige Seele ist enger.
Wieso eigentlich?
Weil einer, der nach Unschuld strebt, vieles aus seiner Seele verbannt.
Damit bleibt er eng und bleibt ein Kind.
Wer innerlich wächst, der gibt dem, was er vorher aus seiner Seele verbannen wollte, in ihr wieder einen Platz.

aus: "Der große Konflikt: die Antwort" von Bert Hellinger

Dienstag, 26. April 2011

Den Eltern und sich selbst gerecht werden

An anderer Stelle schrieb ich über das Thema: "Eltern" - bzw. über das Thema "schmerzhafte Erfahrungen aus der Kindheit".... - und ob "den eigenen Eltern zustimmen" dazu führt, eigene schmerzhaften Gefühle zu verraten und als nichtig und unwichtig zu erklären?

Ich finde, dies ist auch für "Das Tao der Zustimmung" ein wichtiges Thema, deshalb möchte ich diesen Beitrag auch hier posten:

Meiner Ansicht nach ist es wichtig, eine grundlegende Unter­schei­dung zu treffen:

Bei mir war vieles in der Kindheit wirklich schlimm für mich - und es schränkt mich heute noch sehr in meinem Leben ein, gerade wenn es um zwischenmenschliche Kontakte geht.

Das Andere ist: Eltern sind nicht ideal.... es geht in jeder Kindheit auf die ganz eigene Art einiges schief. - So ist das Leben! Ja, das gehört genauso zum Leben wie die Tatsache, dass wir geboren werden, dass wir sterben werden, dass wir essen und trinken müssen....

Oder nochmals von einer anderen Seite betrachtet:
Was wäre, wenn in das Krankenhaus, in dem meine Mutter entbunden hat, während meiner Geburt der Blitz eingeschlagen hätte - und ich deshalb behindert wäre.
Ich könnte dann mein ganzes Leben sagen: "Scheiß Krankenhaus!", "Scheiß Blitz!", "Scheiß Leben!", "Warum gerade ich ....!".
Ja, ich könnte mein Leben lang mit dem Schicksal hadern..... Aber würde es etwas bringen?
Mit dieser innerlichen Haltung hätte ich nie die Möglichkeit, mit innerlich Weiterzuentwickeln, mich meinem Leben zuzuwenden, das Beste daraus zu machen..... und meinen An-Teil an der Welt zu leben.

Ja, natürlich wäre da ein Schmerz, eine Traurigkeit über all das, was mir im Leben entgehen würde, eine Wut auf das Leben auch...... und es ist wichtig dem Raum zu geben und es zu sehen..... und ich sage auch hier "und es zu heilen".

Und es ist wichtig, gleichzeitig das Thema auch von der Schicksals-Seite zu sehen.... zumindest die innerliche Bereitschaft zu entwickeln, seinem Schicksal zuzustimmen.
Wo vorher noch Hadern und Tunnelblick war, da gibt es nun plötzlich Freiheit!

Vor einigen Monaten schrieb ich übrigens schon einen anderen Beitrag zu diesem Thema: "Kindheit / Schicksal".

Samstag, 13. November 2010

Kindheit / Schicksal

Jetzt mal was anderes, weil ich gerade einen "alten" Text von mir wieder gefunden habe, den ich gerne auch hier veröffentlichen möchte.

Es ging um die Frage, ob die eigene Kindheit die Ursache für spätere Probleme ist:
Meiner Ansicht nach ist die Kindheit schon die Ursache für spätere Probleme.

Wer dies allerdings als Ausrede benutzt,
sich in Opferrolle oder Schuldzuweisungen verstrickt,
der trägt sehr mächtig dazu bei, seine Probleme für lange Zeit festzuzementieren.

Meiner Ansicht nach tun Eltern immer das Beste, das ihnen aufgrund ihrer eigenen inneren Probleme nun mal möglich ist...
und so sehe ich unsere Eltern nicht als die Schuldigen......
sondern es ist einfach Schicksal, in was für eine Familie wir hineingeboren wurden.
Genauso wie es Schicksal ist, in welchem Land wir geboren wurden, ob wir gesund oder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen geboren wurden....
Es ist Schicksal!

Meiner Meinung nach hat derjenige, der sein Schicksal annimmt, und das Beste daraus macht, mehr Lebensqualität
als derjenige, der sich weiterhin als Opfer definieren will
und in seinem Hadern gefangen bleibt....

Freilich ist "mit seinem Schicksal in Einklang kommen" nichts, was man in 5 Minuten erledigen kann. Es ist ein zu gehender Weg, ..... dessen erster Schritt wahrscheinlich die Bereitschaft ist, ihn zu gehen.