Samstag, 13. Juli 2013

Das "Jugendlichen-Bewusstsein"

In diesem Beitrag möchte ich ein sehr interessantes Buch vorstellen. Anders als die meisten hier von mir besprochenen Bücher enthält dieses Buch keine einzelnen Übungen, oder gar eine ganze in sich geschlossene Methode, zur persönlichen Weiterentwicklung. Es enthält jedoch sehr interessante Gedanken, welche dazu beitragen können, die Welt ein bisschen anders als vorher zu sehen - und anders mit ihr umzugehen.

Das Buch heißt "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang Die Evolution des Bewußtseins, spirituelles  Wachstum und das Familienstelle". Es stammt von Wilfried Nelles und ist erschienen im "innenwelt verlag".


Im ersten Teil dieses Buches teilt Wilfried die persönlichen Entwicklungsschritte, die jeder Mensch durchmacht, von seiner Zeugung bis zu seinem Tod, in 7 Stufen ein.
Ebenso unterteilt er die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ebenfalls in 7 Stufen und zieht sehr interessante Querbeziehungen zu den persönlichen Entwicklungsschritten.

Dabei stellt Wilfried nicht nur bloße Theorien auf, sondern untersucht, welche Lebensum­stände ein Fötus (Stufe 1), ein Kind (Stufe 2), ein Jugendlicher (Stufe 3), ein Erwachsener (Stufe 4), ein älterer Erwachsener (Stufe 5), ein Rentner (Stufe 6) .... in seiner Lebensphase jeweils vorfindet....
und welche Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, er auf der jeweiligen Stufe hat.
(Die Stufe 7 ist hierbei übrigens der Tod.)

Dasselbe untersucht er auf der gesellschaftlichen Entwicklung:
Die vor-bewusste Zeit (Stufe 1), die in Mythen oft als die Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird, die traditionelle, hierarchische Gesellschaft (Stufe 2), die heutige "moderne" Gesellschaft (Stufe 3), .... und vier weitere zukünftige Entwicklungsstufen.


Ein Kind (Stufe 2) beispielsweise ist von seine Eltern total abhängig, jedoch fühlt es sich (sofern in der Familie nicht gewaltig etwas schief läuft), gerade in dieser Abhängigkeit geborgen.
Einem Mitglied einer traditionellen Gesellschaft geht es ähnlich: Auch er fühlt sich in seinem Clan, seiner Gruppe, seinem Platz in der Hierarchie geborgen. (Dies ist auch der Grund, warum man Menschen in traditionellen Gesellschaften nicht so einfach mit der Demokratie beglücken kann. Diese ist erst in der nächsten Stufe interessant.)

Derzeit lebt unsere westliche Gesellschaft, wie Wilfried erläutert, auf der Bewusstseinsstufe eines Jugendlichen.
Wie der Jugendliche muss er zu allem überlieferten "Nein" sagen und sich gegen es abgrenzen... gegen die Familie, gegen die Traditionen, gegen die Religion,...
... alles ist falsch....
nur leider hat er selbst keine Ahnung, wie es funktioniert....

Und so entstehen, tiefe Einsamkeit, Bindungslosigkeit, der Verlust von Sinn und allem Tragenden.....
Trotzdem führt der Weg, wie es sich mancher Traditionalist vielleicht wünschen würde, nicht zurück in die Stufe 2 - sondern nach vorne, in die Stufe 4, auf die Stufe eines Erwachsenen, in eine erwachsene Gesellschaft.....
(Dabei hat 'Erwachsen-Sein' jedoch nichts mit der Starre und dem Ernst zu tun, welches die noch auf Stufe 2 lebenden Menschen in es hineininterpretierten. Auf Stufe 2 weiß man noch nicht was 'Erwachsen-Sein' ist..... und spielt 'Erwachsen-Sein' praktisch nur....)

Und genau auf diesem Weg zum 'Erwachsen Sein' ist die Stufe des Jugendlichen extrem wichtig. Der Jugendliche muss sich durch seine Auflehnung gegen alles erst einmal selbst finden.... bevor er den Schritt ins Erwachsen-Sein gehen kann....


Wilfried erläutert in diesem Buch sehr ausführlich alle 7 Stufen....
wie gesagt, mittels einen genau hinschauenden Blick auf die jeweiligen Lebensumstände und Möglichkeiten...


Im zweiten Teil des Buches werden dann verschiedene Wege der persönlichen Weiterentwicklung in Zuordnung zu den vorgestellten 7 Stufen untersucht.
Hier wird sehr interessant auch die Psychotherapie, das traditionelle Familienstellen und die neuen Formen des Familienstellens betrachtet.
(Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, was Wilfried über emotionalen und sexuellen Missbrauch schreibt: Das hier häufig kritisierte Familienstellen gibt dem Missbrauchten seine Würde zurück, weil es einen wichtigen Teil der in Stufe 2 wirkenden Wirklichkeit anerkennt.....
Jedoch ist es laut Wilfried ebenso wichtig, noch einen weiteren Schritt zu gehen (Stufe 3) der normalerweise in der im Familienstellen gefundenen Lösung noch fehlt.)


Mir hat das Buch sehr geholfen, die Welt besser zu verstehen,
zu sehen, welche Entwicklung uns möglicherweise in nächster Zeit weiterhelfen könnte,
und vor allem auch zu sehen, wo unsere spirituelle Entwicklung hingehen könnte!

Ja, auch auf religiöser Ebene wurden die Stufe-2-Religionen ja von den "Jugendlichen" abgeschafft, und durch Wissenschaftsgläubigkeit oder durch Stufe-3-Religionen (alle Macht liegt in mir) ersetzt.

Auf Stufe 4 wird laut Wilfried das Herz an Bedeutung gewinnen,
die Herz-Verbindung zum Großen Ganzen,
und zu anderen Menschen.....
eine Verbindung und ein Eingebunden-Sein außerhalb der hierarchischen Sicht weise der Stufe 2.

Dienstag, 15. März 2011

Zustimmung, Alzheimer, GAU und Sinn

Bei meiner "Sitzung" am Samstag in der Frühe hatte ich unter Anderem auch versucht, durch 'Ja-Sagen', durch 'Zustimmung' zu innerlicher Erleichterung zu kommen. Dabei beschäftigte ich mich damit, einzelnen vorhandenen Gefühlen oder innerlichen Zuständen zuzustimmen. -
Dies hat jedoch nicht zur gewünschten Erleichterung geführt.

Am Wochenende habe ich dann bemerkt, dass ich an meinem inneren Gesamt-Zustand nicht so einfach etwas ändern kann..... Ich habe dann dem zugestimmt..... und dadurch fühlte ich mich dann tatsächlich sehr erleichtert und frei.

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Am Wochenende sah ich mir den Film "Claire - Sich erinnern an die schönen Dinge" (Spielfilm, Frankreich 2001) an, welchen meine Freundin für uns aufgenommen hatte.
In diesem Film geht es um eine junge Frau die an Alzheimer leidet.... und nach und nach mit den normalen Dingen des Lebens nicht mehr klarkommt, nach und nach sogar ihre Sprache verliert.

Ich fand die Vorstellung, an einem derartigen Persönlichkeitsverlust zu leiden besonders schlimm. Bei allen anderen Problemen kann man ja noch etwas tun (und wenn es nur ist, dass mein seine Krankheit oder sein Schicksal  und deren Folgen psychisch verarbeitet). -
Aber was, wenn man seine gesamte Persönlichkeit verliert, wenn man auch die Fähigkeit, sein Krankheit zu bearbeiten, verliert?

Ich hatte mir schon mal vor vielen vielen Jahren Lebensphilosophien zurechtgelegt, mit denen ich glaubte, mit dem Leben gut umgehen zu können. -
Nun fragte ich mich: "Was für eine Lebensphilosophie bräuchte man, damit diese auch dies einschließen kann.

Mir kam dann: "Es bleibt eigentlich auch hier nur, dem zuzustimmen, was ist."
Auch dem Allerschlimmsten zuzustimmen, nämlich, dass man nach und nach wahrscheinlich sogar die Fähigkeit verlieren wird, zuzustimmen.

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Ich glaube, Krankheiten, Tod, Schicksalsereignisse (und hierzu zählt auch die Erdbeben und Atomkatastrophe aktuell in Japan)  sind Ereignisse, die uns Wachrütteln sollen.
Würden alle Menschen auf der Erde im absoluten Überfluss leben, keine Krankheiten, kein Tod, keine unerwünschten Ereignisse, ...... wie flach wäre das Leben dann, ...... und was wäre dann überhaupt der Sinn der Existenz?

Für mich sind solche Ereignisse dazu da, tiefer gehen zu müssen, sich dem Leben wirklich zuwenden zu müssen.....
Und ich glaube, eines, was die Schöpfung von uns will, ist unsere Zustimmung. Unsere Zustimmung, zum Leben, zur Schöpfung, zu Allem, wie es ist......... (denn nicht ohne Grund führt Zustimmung zu Erleichterung, zu einem angenehmen inneren Zustand.......)....

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P.S.: Ich war heute übrigens sehr erstaunt, als ich in einem Gespräch mitbekam, wie ein Kollege, der mir immer sehr oberflächlich vorgekommen war, sich angesichts der Katastrophe in Japan tiefgründige Gedanken über das Leben machte - darüber, was in Leben wichtig ist und was nicht!