Sonntag, 18. August 2013

Männer-Frauen-Liebe-Buch

Heute möchte ich ein zweites Buch von Wilfried Nelles vorstellen: "Männer, Frauen und die Liebe: Über kindliche Ansprüche und erwachsene Bedürfnisse"

Eigentlich listet der Titel schon alles auf, worum es in diesem Buch geht.
In dieses Buch fließen Erkenntnisse aus dem Familienstellen mit ein, jedoch auch einiges was den gängigen Vorstellungen des Familienstellens widerspricht - sowie die Erkenntnisse der verschiedenen Bewusstseinsstufen, die Wilfried bereits in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" bereits sehr umfangreich beschrieb.


Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zum "Mann-Sein".
Laut Ansicht der Familiensteller kommt die eigene Männlichkeit ja vom Vater - und ganz egal wie männlich oder unmännlich der eigene Vater war, ob er ein guter Mensch war, oder ein Verbrecher.... wenn man den eigenen Vater annimmt, dann nimmt man auch die eigene Männlichkeit an.

Dies entspricht voll und ganz auch meinen Erfahrungen: Vor etwa 15 Monaten wollte ich mir in einer Aufstellung die Beziehung zu meiner Mutter anschauen. Meine Mutter bewegte sich jedoch bei dieser Aufstellung ganz abseits hin zum Rand, und ich kam voll zum Vater und in seine Herkunftsfamilie. An diese Aufstellung erinnere ich mich seit diesem Zeitpunkt immer wieder.... und sie ist stets ein Trigger für männliche Kraft in mir

(Dasselbe gilt natürlich für Frauen: Selbst wenn die eigene Mutter ihre Weiblichkeit nur in der Kindererziehung und am Herd ausgelebt hat, erst wenn die Mutter und ihre Weiblichkeit angenommen ist, kann frau zu ihrer eigenen Weiblichkeit kommen - die sie nun vielleicht ganz anders ins Leben bringt, als die Mutter dies mit ihrer Weiblichkeit getan hat.)


Gerade für den Mann ist es wichtig, das Mann-Sein nicht durch die Frau definieren zu lassen. Und auch nicht durch die Muttersöhne, also die Männer, die immer noch versucht sind, es der Mutter  oder den Frauen  recht zu machen. (Aber Mann-Sein hat natürlich auch nichts mit Widerstand gegenüber der Mutter oder gegenüber den Frauen zu tun.)

Eigentlich bringt Wilfried es auf Seite 43 seines Buches mit wenigen Worten auf den Punkt:
    Ein richtiger Mann ist einer, der sich selbst zustimmt, wie er ist und seiner Männlichkeit, wie sie ist. Das ist alles.


Im letzten Kapitel seines Buches bring Wilfried die verschiedenen Spielarten des Themas "Liebe" und des Themas "Sexualität" in Verbindung mit den verschiedenen (in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" definierten) Bewusstseinsstufen. Auch dies fand ich sehr interessant.


Und auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde, was in diesem Buch steht, so habe ich es doch bereits zwei Mal gelesen, und es war jedesmal sehr interessant und erkenntnisreich.

Donnerstag, 15. August 2013

Der Lebens-Integrations-Prozess

Vielleicht schreibe ich hier noch etwas über den Lebens-Integrations-Prozess, den ich auf der Sommerakademie bei Wilfried Nelles durchlaufen durfte.

Dieser Prozess hat gewisse Ähnlichkeit mit den Familienaufstellungen.
Die Familienaufstellungen habe ich hier im Blog ja schon öfters erwähnt, aber hier nochmals eine kurze Zusammenfassung:
Bei der Aufstellungsarbeit werden Teilnehmer der Gruppe beispielsweise für mich und für meinen Vater und meine Mutter aufgestellt. Diese "Stellvertreter" für meine Eltern haben keine (oder nur minimalste) Infos über meine Eltern, wenn sie sich jedoch in die Aufstellung begeben, dann verhalten sie sich plötzlich so wie meine Eltern.... und haben Wissen über die Eltern, welches sie eigentlich garnicht haben können.... - einfach nur dadurch, dass sie sich gesammelt auf die Aufstellung einlassen, in sich hineinspüren, langsam und achtsam vorgehen....

Wie das wirklich funktioniert, ist letztendlich unklar.... aber das es funktioniert weiß jeder, der sich schon mal darauf eingelassen hat.

Bei meiner ersten Familienaufstellung war meine Lebensgefährtin regelrecht erschrocken, wie sehr der Stellvertreter meines Vaters auf einmal meinem tatsächlichen Vater ähnlich war....
Und ich war beispielsweise in einer Aufstellung mal der behinderte Bruder einer Teilnehmerin. Hinterher sagte dann die Teilnehmerin, die Art und Weise wie ich immer wieder Nähe zu ihr gesucht habe, entsprach genau dem, was ihr Bruder auch immer macht. (Ich hatte das nicht gewusst, sondern war in der Aufstellung einfach meinen inneren Impulsen gefolgt.)
- Und ich hatte im Laufe der Jahre noch viel erstaunlichere Erlebnisse!


Bei der LIP-Aufstellung ("Lebens-Integrations-Prozess") ist das etwas anders. Hier wird ein Teilnehmer aus der Gruppe für mich als Fötus aufgestellt, einer für mich als Kind und einer für mich als Jugendlicher. Ich selbst stehe dabei für mich als Erwachsener.
Anders als bei den Familienaufstellungen hat hierbei jedoch jeder einen festen Platz, den er nicht verlassen darf.
Der Fötus zeigt manchmal die innerliche Lebensvision, oder auch besondere Fähigkeiten, die man von Anfang an in sein Leben mitbekommen hat....

Bei der LIP-Aufstellung eines Teilnehmers sagte der Stellvertreter des Fötus beispielsweise mehrmals "Ich bin ein blinder Seher".
Als Wilfried den Teilnehmer dann fragte, ob er mediale Fähigkeiten habe, gab dieser dies etwas zögerlich zu. Er meinte, er hätte dies immer geheim gehalten, weil andere Menschen hierauf oft negativ reagierten. - Nun aber hatte sich gezeigt, dass er diese Fähigkeit bereits von Anfang an, sozusagen als Lebensaufgabe, mitbekommen hatte....

Und bei mir was es, wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb, die Stille, welche ich mitbekommen habe....

Mittwoch, 14. August 2013

Elementare Stille

Eigentlich möchte ich ja noch einen Ausführlichen Beitrag schreiben, in welchem ich auf die Ende Juli besuchte Sommerakademie bei Wilfried Nelles eingehe. Doch dieser Beitrag über die "Stille" will jetzt schon geschrieben werden.

Am letzten Tag der Sommerakademie hatte ich Gelegenheit, den "Lebens-Integrations-Prozess" zu durchlaufen. Dies ist eine von Wilfried speziell entwickelte Methode der Aufstellungsarbeit, bei der man sich verschiedene Lebensphasen anschaut, ja, sie nur anschaut, so wie sie waren...., ihnen zustimmt, und dann das Ganze integriert.
Dabei steht man auf der Position des Erwachsenen, und schaut auf den Fötus, auf das Kind und auf den Jugendlichen, welche man einmal war. - Ein total beeindruckender und tiefgehender Prozess.

Der Fötus zeigt einem manchmal Eigenschaften oder innere Visionen, welche man von Anfang an mit in die Welt mit bekommen hat, und welche durch die Umgebung noch nicht verformt sind.


Mir zeigte mein Fötus die "Stille".
Das war tief bewegend.

Auf einer Ebene war ich ja oft nicht so sehr einverstanden damit, ein eher ruhiger Mensch zu sein.
Aber das was sich hier zeigte war etwas wesentlich Tiefergehendes.
Und es hat mich auch damit versöhnt, ein eher ruhiger Mensch zu sein.... (Insbesondere hatte ich wegen meiner Fähigkeit des achtsamen Hinspürens.... und der Beschränkung auf das Wesentliche schon vor der Aufstellung von einer Teilnehmerin eine sehr positive Rückmeldung erhalten.)

Während dieser LIP-Aufstellung verband ich dann innerlich die "Stille" mit meiner Art in PrEssenz zu gehen (wie ich es in der K!KG-Ausbildung gelernt hatte).... und mir war nun klar, wieso es mir so leicht fällt, tief nach innen zu gehen.... und selbst schwierige 'Sitzungen' mit mir selbst zu machen.....

Aber es gab dann auch einen kurzen Punkt, wo ich spürte, hinter der Stille steckt noch mehr.
Auch wenn es laut ist, wenn viele Worte fallen..... zwischen all den Worten.... und hinter all dem Lärm..... da ist immer eine ganz tiefe Stille....


Erst jetzt, viele Tage später, habe ich nochmals diese spezielle Art der "direkten Stille" hervorgekramt... und auch gemerkt.... Wenn ich mir innerlich den Frei-Raum und die Frei-Zeit nehme, dann kann ich jederzeit in diese Stille gehen....
Und aus diesem veränderten Zustand heraus..... nehme ich die Welt, nehme ich das Leben etwas anders war.

Übrigens schrieb vor einigen Tagen Josephine einen Beitrag über die Stille.
Ihren Antworten auf meine Kommentare liefern sehr interessante Sichtweisen für mich... und machen mich noch neugieriger darauf, mich noch mehr damit zu befassen....


Aber ein wesentlicher Punkt dabei ist wirklich, dass ich dies schon von Anfang an mitbekommen habe.... es also elementar zu mir gehört.... und sich für mich nun die Frage stellt, wie und auf welche Weise ich dies noch mehr in meinem Leben nutzen kann...

Samstag, 13. Juli 2013

Das "Jugendlichen-Bewusstsein"

In diesem Beitrag möchte ich ein sehr interessantes Buch vorstellen. Anders als die meisten hier von mir besprochenen Bücher enthält dieses Buch keine einzelnen Übungen, oder gar eine ganze in sich geschlossene Methode, zur persönlichen Weiterentwicklung. Es enthält jedoch sehr interessante Gedanken, welche dazu beitragen können, die Welt ein bisschen anders als vorher zu sehen - und anders mit ihr umzugehen.

Das Buch heißt "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang Die Evolution des Bewußtseins, spirituelles  Wachstum und das Familienstelle". Es stammt von Wilfried Nelles und ist erschienen im "innenwelt verlag".


Im ersten Teil dieses Buches teilt Wilfried die persönlichen Entwicklungsschritte, die jeder Mensch durchmacht, von seiner Zeugung bis zu seinem Tod, in 7 Stufen ein.
Ebenso unterteilt er die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ebenfalls in 7 Stufen und zieht sehr interessante Querbeziehungen zu den persönlichen Entwicklungsschritten.

Dabei stellt Wilfried nicht nur bloße Theorien auf, sondern untersucht, welche Lebensum­stände ein Fötus (Stufe 1), ein Kind (Stufe 2), ein Jugendlicher (Stufe 3), ein Erwachsener (Stufe 4), ein älterer Erwachsener (Stufe 5), ein Rentner (Stufe 6) .... in seiner Lebensphase jeweils vorfindet....
und welche Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, er auf der jeweiligen Stufe hat.
(Die Stufe 7 ist hierbei übrigens der Tod.)

Dasselbe untersucht er auf der gesellschaftlichen Entwicklung:
Die vor-bewusste Zeit (Stufe 1), die in Mythen oft als die Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird, die traditionelle, hierarchische Gesellschaft (Stufe 2), die heutige "moderne" Gesellschaft (Stufe 3), .... und vier weitere zukünftige Entwicklungsstufen.


Ein Kind (Stufe 2) beispielsweise ist von seine Eltern total abhängig, jedoch fühlt es sich (sofern in der Familie nicht gewaltig etwas schief läuft), gerade in dieser Abhängigkeit geborgen.
Einem Mitglied einer traditionellen Gesellschaft geht es ähnlich: Auch er fühlt sich in seinem Clan, seiner Gruppe, seinem Platz in der Hierarchie geborgen. (Dies ist auch der Grund, warum man Menschen in traditionellen Gesellschaften nicht so einfach mit der Demokratie beglücken kann. Diese ist erst in der nächsten Stufe interessant.)

Derzeit lebt unsere westliche Gesellschaft, wie Wilfried erläutert, auf der Bewusstseinsstufe eines Jugendlichen.
Wie der Jugendliche muss er zu allem überlieferten "Nein" sagen und sich gegen es abgrenzen... gegen die Familie, gegen die Traditionen, gegen die Religion,...
... alles ist falsch....
nur leider hat er selbst keine Ahnung, wie es funktioniert....

Und so entstehen, tiefe Einsamkeit, Bindungslosigkeit, der Verlust von Sinn und allem Tragenden.....
Trotzdem führt der Weg, wie es sich mancher Traditionalist vielleicht wünschen würde, nicht zurück in die Stufe 2 - sondern nach vorne, in die Stufe 4, auf die Stufe eines Erwachsenen, in eine erwachsene Gesellschaft.....
(Dabei hat 'Erwachsen-Sein' jedoch nichts mit der Starre und dem Ernst zu tun, welches die noch auf Stufe 2 lebenden Menschen in es hineininterpretierten. Auf Stufe 2 weiß man noch nicht was 'Erwachsen-Sein' ist..... und spielt 'Erwachsen-Sein' praktisch nur....)

Und genau auf diesem Weg zum 'Erwachsen Sein' ist die Stufe des Jugendlichen extrem wichtig. Der Jugendliche muss sich durch seine Auflehnung gegen alles erst einmal selbst finden.... bevor er den Schritt ins Erwachsen-Sein gehen kann....


Wilfried erläutert in diesem Buch sehr ausführlich alle 7 Stufen....
wie gesagt, mittels einen genau hinschauenden Blick auf die jeweiligen Lebensumstände und Möglichkeiten...


Im zweiten Teil des Buches werden dann verschiedene Wege der persönlichen Weiterentwicklung in Zuordnung zu den vorgestellten 7 Stufen untersucht.
Hier wird sehr interessant auch die Psychotherapie, das traditionelle Familienstellen und die neuen Formen des Familienstellens betrachtet.
(Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, was Wilfried über emotionalen und sexuellen Missbrauch schreibt: Das hier häufig kritisierte Familienstellen gibt dem Missbrauchten seine Würde zurück, weil es einen wichtigen Teil der in Stufe 2 wirkenden Wirklichkeit anerkennt.....
Jedoch ist es laut Wilfried ebenso wichtig, noch einen weiteren Schritt zu gehen (Stufe 3) der normalerweise in der im Familienstellen gefundenen Lösung noch fehlt.)


Mir hat das Buch sehr geholfen, die Welt besser zu verstehen,
zu sehen, welche Entwicklung uns möglicherweise in nächster Zeit weiterhelfen könnte,
und vor allem auch zu sehen, wo unsere spirituelle Entwicklung hingehen könnte!

Ja, auch auf religiöser Ebene wurden die Stufe-2-Religionen ja von den "Jugendlichen" abgeschafft, und durch Wissenschaftsgläubigkeit oder durch Stufe-3-Religionen (alle Macht liegt in mir) ersetzt.

Auf Stufe 4 wird laut Wilfried das Herz an Bedeutung gewinnen,
die Herz-Verbindung zum Großen Ganzen,
und zu anderen Menschen.....
eine Verbindung und ein Eingebunden-Sein außerhalb der hierarchischen Sicht weise der Stufe 2.

Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war....
Und dass es zwar bei Aufstellungen nicht notwendig oder gefordert ist, jedoch - genauso wie bei den Innen-Raum-Reisen - es sicherlich sehr hilfreich wäre, wenn man auch als Zuschauer der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent ist.

Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die Präsenz gehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Samstag, 6. April 2013

Etwas Besonderes sein

Mit dem Thema "Etwas Besonderes sein" kam ich die letzten Wochen mehrmals und auf verschiedene Art und Weise in Berührung.

Die erste Begegnung war vor ein paar Wochen beim Lesen des Buches "Umarme dein Leben" von Wilfried Nelles. Dabei wurde dieses Thema dort nur einmal, und nur kurz erwähnt.

Wilfried Nelles beschrieb, dass Menschen manchmal, wenn sie mit ihren Eltern verstrickt sind, etwas für diese tragen, oder der Liebling eines Elternteils waren, nicht wirklich den Wunsch haben erwachsen zu werden.
Diese Menschen fühlen sich (heimlich) größer als ihre Eltern.... und fühlen sich somit als etwas Besonderes....
Wenn sie bereit wären erwachsen zu sein, dann müssten sie diese Grandiosität und Besonderheit aufgeben müssten.... und ganz normale Menschen werden.

Ich merkte, wie mich diese Text-Stelle ansprach, weil ich mich durch die Verstrickung mit meiner Mutter wohl auch irgendwie als etwas Besonderes definier(t)e.


Dieses Thema spuckte dann weiterhin in mir herum.
Mir wurde bewusst, dass mein Besonders-Sein ja nicht nur auf der von Nelles beschriebenen systemischen Verstrickung beruhte.

Sondern meine Mutter hatte ja stets von mir erwartet hatte, dass ich etwas Besonderes bin, sei es im Kindergarten, bei meinen Leistungen in der Schule..... und überhaupt im Umgang mit anderen Menschen....
Und ich merkte, wie ich ja auch heute Besonderes von mir verlange..... - erwarte, dass ich mit meinem Leben, mit meinen Gefühlen, mit sozialen Situationen besonders umgehen kann!

Dies war dann auch Thema bei meinen Innen-Reisen.
Ich konnte mir das Besonders-Sein-Wollen mehr und mehr anschauen..... und mehr und mehr auch die Erlaubnis entwickeln, "ein ganz normaler Mann" mit "ganz normalen Gefühlen, Wünschen und Schwierigkeiten" zu sein!!!


Gestern fand ich das Thema 'Besonders-Sein' noch in einem weiteren Buch: "Die Kraft der Präsenz" von Richard Moss.
Er schreibt, dass es zwei Arten von 'Besonders-Seins' gibt und unser Ego uns immer in die eine oder andere Art des 'Besonders-Seins' bewegen will:
  1. Die erste Art des 'Besonders-Seins' ist, sich als Grandios und Überlegen zu sehen.
  2. Die Alternative ist, sich als weniger wert, besonders unfähig,
    aber auch als besonders schwach, besonders hilflos, besonders verletzlich, besonders bedürftig, zu sehen - und von der Welt zu erwarten, aus diesem Grund auch besonders behandelt zu werden.
Oft wechseln wir, so Richard Moss, zwischen diesen beiden Arten des Besonders-Sein hin und her.....


Nachtrag:
Meiner Ansicht nach ist es ja nicht falsch, etwas Besonderes sein zu wollen.
Es macht nur sehr unfrei, diesem Besonders-Sein ständig hinterherlaufen zu müssen,
ist manchmal recht anstrengend,
und schränkt dabei ein, dem Leben und anderen Menschen unmittelbar zu begegnen.


P.S.: Ich kann die beiden genannten Bücher sehr empfehlen!
(Wenn ich mal dazu komme, werde ich sie auch noch ausführlicher vorstellen.)

Samstag, 16. Februar 2013

Die gestresste Seele

"Die gestresste Seele - Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung" ist ein von Bertold Ulsamer geschriebenes Buch mit zwei beigefügten, begleitenden Übungs-CDs.

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Eigentlich habe ich ja schon einige noch nicht fertig durchgearbeiteten Bücher hier zu Hause...., so dass ich keine neuen Bücher mehr kaufen wollte. Trotzdem stöbere ich manchmal in Buchgeschäften .... und manchmal läuft mir auch ein neues Buch zu.
So geschah es dann auch am 25. Januar dieses Jahres.

Da ich Bertold Ulsamer schon von anderen Büchern kannte (unter anderem durch das Selbsthilfe-Buch "Wie Sie alte Wunden allein heilen und neue Kraft schöpfen: Familienaufstellung ohne Stellvertreter"), nahm ich das Buch in die Hand und überflog die verschiedenen Kapitel.

Obwohl ich mich nicht als Burnout-Kandidat fühle, sprach mich das Buch sehr an. Ich merkte, dass ich es etwas abgewandelt und weiter gefasst zum Umgang mit allen Lebensthemen verwenden kann.

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Das Buch selbst ist recht dünn, und geht konzentriert und tiefgründig auf das Thema "Burnout" bzw. "Belastung" ein.

Angetan hat es mir besonders das Kapitel, in welchem es um das Zusammenspiel des "Inneren Kritikers" mit dem "Angepassten Inneren Kind" und um das "Rebellische Innere Kind" geht!
Sehr interessant ist auch das Kapitel darüber, welche positiven Auswirkungen "Freude" auf die wirklich guten Spitzensportler hat......


Das Wesentliche an diesem Buch-Paket sind jedoch für mich die beiden Übungs-CDs, vollgepackt mit den verschiedensten geführten Meditationen (Innen-Reisen) zu allem rund um dieses Thema.

Diese CD hat keine Hintergrundmusik und Bertold Ulsamer spricht langsam, achtsam, mit langen Pausen und durchaus nicht unsympathisch.  
(Bei der der "... was dich stark macht-CD" der Zurhorst's war ich ja begeistert von der leicht in Trance führenden Hintergrundmusik. Bei den Ulsamer-CDs jedoch habe ich es genossen, dass sehr viel mehr Zeit zum genauen Hin-spüren vorhanden ist. Ein Vorteil der fehlenden Hintergrundmusik ist eben auch, dass man zusätzlich noch  jederzeit auf die Stop-Taste gehen kann, wenn man noch mehr Zeit braucht: Dies empfand ich als sehr hilfreich.)

Einige der Tracks auf dieser CD beziehen sich voll auf das Thema "Burnout", die meisten jedoch konnte ich beim Hören sehr gut innerlich für mich abwandeln und für meine Zwecke nutzen.
Es geht um "Gut für sich sorgen", "Kraftquellen und Kraftdiebe", "Kontakt mit der eigenen Freude", "Innehalten", "Atmen", "das Herz spüren", "das Kämpfen aufgeben"......  und sehr tiefgründig darum "auf den eigenen Körper zu hören", "Kontakt zum inneren Antreiber" aufzunehmen, "zum inneren Rebellen"....
Bei der Begegnung mit dem "Angepassten Inneren Kind" wird richtiggehend eine Reise in die eigene Vergangenheit gemacht, und in weiteren Tracks schaut man sich die Inner-Psychischen und die Systemischen Ursachen des eigenen Drangs sich zu erschöpfen sehr genau an.

Ganz besonders ist auch der Track zum "Gefühle fühlen", weil hier eine Verknüpfung geschaffen wird zu dem, was das Innere Kind auf keinen Fall erleben oder sehen will.....

Insgesamt empfand ich diese CDs teilweise als tiefgehender wie so manche Psychotherapiestunde.... ja, selbst tiefgehender wie Therapie-Methoden, in welchen nicht nur gesprochen wird, sondern man tief in das eigenen Thema eintaucht.

Dienstag, 5. Februar 2013

Die Mutter anschauen!

Nachdem wir in unserem Ausbildungs-Block im November den Vater angeschaut hatten, war diesmal die Mutter dran.

Jedenfalls ging es darum, die Mutter einfach nur anzuschauen (wohl etwa eine viertel Stunde lang?) - ohne dabei etwas zu tun.
Wir sollten also 3-er-Gruppen bilden. Ein Gruppenmitglied war derjenige, der jeweils die Mutter ansehen sollte, ein anderes Gruppenmitglied stand für die Mutter und ein drittes für den Vater. - Jeder kam mal dran, und es wurde immer durchgewechselt.

Wir waren in unserer Gruppe zwei Männer und eine Frau.
Zuerst war der andere Mann dran, die andere Teilnehmerin stand für seine Mutter, während ich für sein Vater stand.
Dann war die Teilnehmerin dran, ich stand für ihre Mutter, der andere Teilnehmer für ihren Vater. - Dabei merkte ich, dass ich, trotz allem was hier geschah, und was wohl zwischen ihr und ihrem Mutter zu stehen scheint, in mir stets Liebe zu ihr da war...... und ich auf Sie und verschiedene aus ihrem Leben sehr stolz war....

Dann war ich dran.
Wie gesagt, hatte ich mir diese Übung ja auch gewünscht, jedoch war ich an diesem Nachmittag garnicht dazu aufgelegt gewesen, diese intensive Übung zu machen.
Ich wählte nun also die Teilnehmerin zur Stellvertreterin für meine Mutter, der andere Teilnehmer war somit Stellvertreter für meinen Vater.

Ganz am Anfang empfand ich mich eine kurze Zeit ganz gut mit ihr in Kontakt. - Dann riss der Kontakt ab.
Mein Blick wanderte immer wieder links von ihr auf den Boden..... und immer wenn ich dann doch versuchte, mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, schien ihr Blick weg-zuwandern, oder sie war in ihrem Blick nicht wirklich anwesend!

Da ein Blick auf den Boden beim Familienstellen ja immer etwas mit Verstorbenen zu tun hat, kam mir dann auch der Gedanke an ihren früh verstorbenen (im Krieg gefallenen) Vater.
Überhaupt hatte ich den Eindruck, auch zwischen ihr und mir würden Tode liegen, welche den Weg zueinander versperren.

Auch zum Vater war kein Kontakt möglich. - Am Anfang war er mit seinem Blick ganz starr ganz woanders. Später wirkte er sehr streng, so dass ich Angst davor hatte, er würde mir eine scheuern.

Ich fühlte mich sehr isoliert..... und ganz alleine auf der Welt.....
und mein Blick blieb immer mehr links von ihr auf dem Boden liegen......

Dann erinnerte ich mich daran, dass Joel ja gesagt hatte, wir sollten bei dieser Übung 'Ganz-Da-Bleiben'..... und nicht in irgendwelche 'alten innerlichen Filme' einsteigen. - Ich hatte den Eindruck, als ob ich zumindest am Rande eines 'alten Film' war.....

Die Aufgabe war jedoch "Die Mutter anzuschauen"!
Also nahm ich wieder Blickkontakt mit ihr auf..... bereit, sie mit all ihrem schweren Schicksal und mit all ihrer Unfähigkeit zu sehen....
Ich wich dann dem Blick nicht mehr aus. In mir war ein "ich schaue dich jetzt an" und ein "ich bin jetzt bereit, dich mit allem zu sehen!".
In mir bildete sich dann der Satz "Ich nehme dich jetzt wie du bist!"

Nachdem ich angefangen hatte, sie anzuschauen verschränkte sie ihre Arme vor ihrer Brust.... doch dies konnte den ganzen Vorgang nicht verhindern, da ich bereit war, sie auch damit zu sehen und zu nehmen.

Ich blickte dann auch den Vater an und sagte innerlich "Auch dich nehme ich wie du bist!"

Hinterher sollten wir uns dann über das Erlebte austauschen.
Als die Stellvertreterin meiner Mutter dann sagte, sie hätte überhaupt nichts gefühlt, da übermannte mich dann doch eine tiefe Traurigkeit - ja ich war fast irgendwie ge­schockt. (Ich hatte irgendwie doch gehofft, dass irgendwo im Hintergrund bei ihr doch Liebe vorhanden ist  - so wie ich es ja auch gefühlt hatte, als ich Stellvertreter der Mutter der anderen Teilnehmerin gewesen war.)

Sie erzählte dann auch, dass es für sie überhaupt nicht möglich gewesen war, mit mir in Kontakt zu gehen oder für mich da zu sein..... und sie sie dafür irgendwie auch geschämt hätte.....  - Dann meinte sie, dass im Hintergrund wohl doch so etwas wie Liebe dagewesen wäre, doch dies wollte ich dann nicht mehr glauben oder annehmen......

Während der Übung war ja ein gewaltiger Schritt passiert, der bisher noch in keiner Systemischen Übung und in keiner Familienaufstellung möglich gewesen war. (Ja, für mich hat sich in den letzten Wochen mehrmals gezeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, 'Ganz-Da' zu bleiben und eben nicht 'in alte Filme' zu gehen. Da bin ich sehr dankbar dafür, dass wir dies in diesem Training gelernt haben.) 

Doch das Hinterher (beim Austausch über das Erlebte) war dann schon so etwas wie ein Schock für mich gewesen.... und ich hatte die Befürchtung, dadurch wäre mir der 'große Schritt' nun auch irgendwie wieder verloren gegangen.

Aber Joel meinte, dass dieser Erfahrung nicht mehr rückgängig zu machen wäre, und die Erinnerung daran immer wieder auftauchen würde. -  Und als positiven und heilsamen Schritt ist mir das Ganze nun im Nachhinein auch tatsächlich in Erinnerung geblieben.....

Freitag, 18. Januar 2013

Thema 'Nähe' geht weiter

Ich darf ja jetzt an der fortgeschrittenen fortlaufenden Biodanza-Gruppe teilnehmen. Diese Woche war das erste Mal.
Und bei diesem ersten Termin war gleichzeitig Gelegenheit, in die Gruppe reinzuschnuppern.

Leider war es (für mich) unerwarteter Weise nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte:
Es waren nämlich mehr Männer als Frauen anwesend. Teilweise lag das im Wetter, aber es lag auch daran, dass ein paar Frauen für diese 10 Abende pausieren wollten.... Und es lag daran, dass nun außer mir noch 2 neue Männer in den Kurs reinschnupperten.  (Wir waren diesmal 7 Männer und (einschließlich Kursleiterin) 5 Frauen).

Ich merkte, dass mir das zunächst nicht so gefiel.... doch dann war für mich klar: "Das ist mein Kurs! Ich möchte die positiven Erfahrungen fortsetzen, die meinen Körper und all seine Zellen einzeln öffneten....."

Auch diesmal hatte ich wieder eine Erfahrung mit dem "unvoreingenommenen Blick", ähnlich wie ich es auch bereits unter "Phönix-Nähe (Session I)" beschrieb:
Ja, da war eine Teilnehmerin welche ich noch nicht kannte, und welche ich hier jetzt der Einfachheit halber Y. nennen möchte. Diese Y. sah mich im Anfangskreis (und danach auch immer wieder) sehr freundlich, lächelnd, offen und völlig unvoreingenommen an - ähnlich wie mich auch unsere Kursleiterin immer ansieht..
Ich halte das ja garnicht lange aus, und schaue dann wieder weg.

Ich selbst blicke in solchen Situationen wahrscheinlich eher angespannt, verschlossen - ja vielleicht sogar unfreundlich drein..... einfach aus einem innerlichen Stress heraus, der bei derartigem Kontakt in mir entsteht.
In solchen Situationen finde ich es dann total wohltuend, wenn mein Gegenüber dann nicht ebenfalls zumacht... und unfreundlich oder vielleicht sogar ablehnend drein schaut - sondern wenn mein Gegenüber mich weiterhin offen und "unvoreingenommen" (ich kann das einfach nicht anderns nennen, dieser Begriff trifft es für mich total) zu mir blickt.

Die Blicke treffen sich ja immer mehrmals. Entweder schaue ich, nachdem ich dem Blickkontakt ausgewichen bin dann doch nochmals hin. Oder die Blicke treffen sich später nochmals. - Jedenfalls hatte das mit dem Blickkontakt eine total öffnende Wirkung auf mich, ich fühle mich dadurch so wie ich bin (also auch mit meinem Nähe-Thema) total willkommen.


Mit etwas Verspätung kam dann eine Teilnehmerin, welche ich schon kannte. Sie war an dem Wochenend-Kurs dabei, und ich kannte sie vorher schon aus dem ersten Anfängerkurs, welcher dann nach dem ersten Termin mangels Teilnehmer ausfiel. (Ich nenne sie jetzt der Einfachheit halber mal Z.)
Diese Z. kam aufgrund starker Schneefälle zu spät. Sie begrüßte ganz freudvoll eine andere Teilnehmerin, welche sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. - Dann umarmte sie noch ein paar andere Teilnehmer, die dort dann in ihrer Nähe standen.

Ich stand ganz auf der anderen Seite des Raum, aber war dann unsicher, ob ich auch hingehen und sie umarmen sollte..... und ich war irgendwie auch unsicher, weil sie nicht 'freiwillig' zu mir kam, obwohl wir doch am Wochenendkurs viel miteinander gemacht hatten.

Diese Unsicherheit, und ein komisches Gefühl ihr gegenüber, war dann den ganzen Kurs über bei mir da. (Sie ist übrigens eine wirklich 'flotte' Frau, während die anderen in dem Kurs schon eher älter als ich wirken.)


Ähnlich wie bei dem Wochenend-Kurs gab es an diesem Abend sehr viele Tänze (ich nenne das glaube ich lieber "Übungen"), welche etwas mit Begegnung oder Nähe zu tun hatten. Aber diesmal gab es auch ausdrücklich die Ansage, zu schauen, wann (und mit wem) man sich wie viel einlassen will und kann - und wann (und mit wem) eher weniger.

Ich merkte das, wenn jemand wirklich offen auf mich zuging, ich auch innerlich in die Offenheit gehen konnte.... und dann tatsächlich schauen konnte, wieviel jeweils maximal für mich möglich war. (Dies gilt sowohl für Begegnungen mit Frauen, als auch für Begegnungen mit Männern, wobei ich mich bei den Frauen schon enger auf Kontakte eingelassen habe.)


Mit Y. hatte ich einen sehr schönen Tanz. Es war ein sehr feines ausloten, was jetzt gerade geht - und was nicht geht, auf welche Art der Andere jetzt tanzen will, und auf welche nicht.....
Mir war es da sehr wichtig, dass meine Signale beachtet wurden.... und als ich merkte, dass es so war, da konnte ich mich auch wirklich sehr schön auf den Kontakt einlassen.
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie nun zu wenig in den gemeinsamen Tanz einbringt.... Ich wollte, das es etwas ist, das von uns beiden gemeinsam gestaltet und für beide in Ordnung ist.... Doch dann kam doch wieder was von ihr, und ich empfand es dann doch wieder als etwas sehr gemeinsames.

Viele Tänze später kamen wir dann nochmals zusammen. - Es war nach einigen "Übungen" bei denen man dann nochmals sehr tief in offenen Kontakt mit sich selbst gekommen ist.
Ich sah, wie andere teilweise eng-umschlungen tanzten.
Wieder war es dann so ein Versuchen meinerseits, ein ausprobieren, was jetzt stimmig ist und was nicht:
Jedenfalls merkte ich dann, dass es passte immer näher und näher an sie heranzugehen.... bis wir schließlich auch eng umschlungen tanzten.Dies war nicht mein 'Plan' gewesen. Es hatte sich einfach aus der Situation heraus so entwickelt.
Ich fand es sehr schön, weil ich, nach allem was da vorher war, sehr offen dabei-sein konnte!
(Nach dem Tanz bedankte sie sich dann bei mir - und ich bedankte mich auch.)


Insgesamt kann ich sagen, dass manchmal, wenn es viele Nähe-Übungen bzw. Gelegenheiten hintereinander gab, mir das schon fast zuviel wurde. Es war oft so an der Grenze..... und es war dann gleichzeitig doch noch ein Ausprobieren, ob ich trotzdem noch offen bleiben..... und mich nochmals für den Anderen öffnen kann.....


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Irgendwie bin ich sehr dankbar, einen Weg gefunden zu haben, der..... ja......  hoffentlich sogar mein großes Nähe-Trauma heilen kann.

Ich schrieb ja immer wieder darüber, und auch darüber, dass bei mir seeehr vieles mit dem übereinstimmt, was Bert Hellinger die "Unterbrochene Hinbewegung" nennt.  (Hier mein eher theoretischer Beitrag zur Unterbrochenen Hinbewegung).

Ich hatte jedoch bisher viiieeel zu große innerliche Widerstände dagegen, wirklich durch all diese Gefühle hindurchzugehen....

Joel sagte mir auch, dass ich auch im täglichen Leben daran arbeiten kann, indem ich beobachte, wann ich wieder flüchten will.... und mich dann immer wieder zu entscheide, noch ein bisschen mehr zu bleiben....... um zu schauen, was dann passiert....

Hier scheint es nun eine gute Möglichkeit zu geben, mit diesem 'Bleiben' zu experimentieren,
und gleichzeitig scheint es hier den idealen Nährboden sogar für noch eine andere Art von Heilung zu geben! -   Hoffe ich!

Sonntag, 30. Dezember 2012

Nächste Schritte

Auch während ich bei meinen Eltern war habe ich ja intensiv mit meinem Projekt "Persönliche Weiterentwicklung" bzw. "Zustimmung und Veränderung 2013" weitergemacht.

Zum lesen (und in mir bewegen) hatte ich das neue Buch von Eva-Maria Zurhorst und Wolfram Zurhorst ("Liebe dich selbst und entdecke, was dich stark macht") dabei, welches ich auch jetzt zuhause noch intensiv nutze.
(Dieses Buch habe ich bereits hier kurz beschrieben. - Weil der Titel so lang ist, werde ich es in Zukunft einfach nur noch kurz das "... was dich stark macht-Buch" nennen. Alle meine Beiträge, welche sich auf dieses Buch beziehen erhalten das Label  "... was dich stark macht-Buch")

Während dieser Zeit, und jetzt danach, mach(t)e ich außerdem regelmäßig Innen-Reisen, größtenteils mit Hilfe der CD zu diesem Buch.

Ich habe den Eindruck, dass es derzeit sehr nutzbringend ist, mich so tief mit mir selbst zu beschäftigen.

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Sehr beeindruckend waren auch meine Erlebnisse während der Innen-Raum-Reise "Blockaden in Ressourcen umzuwandeln":
Hier lernte ich einen Teil in mir kennen, welcher sich "Offenheit", "Weite" und "Begegnung" will, ..... Abenteuer, und eine neue Richtung im Leben.
Und ich lernte ein Teil kennen, welches mit allen Mitteln verhindern will, dass ich in eine Situation kommen könnte, mit der in nicht umgehen kann. (Auch eine sehr große Angst, ich könnte irgendwie die Kontrolle verlieren.)
Daher ist dieses Teil sehr stark für "Festhalten" und "Bewahren". - Eine Stärke dieser Seite in mir ist, auch unangenehme Situationen sehr lange aushalten zu können.
Ein Kompromiss, falls man überhaupt davon sprechen kann war, dass mich dieser Teil voranschreiten lässt, und er mir hilft...... falls ich in eine unangenehme Situation komme, diese auszuhalten und durchzustehen.

Montag, 24. Dezember 2012

Leseliste (2) plus CDs

Vorwort:
Ich mache ja manchmal meine 'Sitzungen', 'Innenraum-Reisen', 'Da-Sein-Mit-Dem-Was-Ist' - oder wie immer man das nennen mag. - Dabei gibt es Zeiten, da mache ich das total freihändig, und kann mich so total auf meine momentane Situation einstellen. Oft mache ich es jedoch auch mit Begleitung einer Anleitung vom MP3-Player. (Ich verwende hier die bereits vorgestellten Übungs-CDs, aber auch aufgenommene Anleitungen von Joel, oder eine von mir selbst besprochene Anleitung.)

Um eine größere CD-Vielfalt zu haben, habe ich mir vor Monaten das Buch "ida - Die Lösung liegt in dir" von Eva-Maria Zurhorst gekauft, welches auch 2 Übungs-CDs enthält. (Achtung nicht die 1. Auflage kaufen: Die CDs wurden später verändert, da die Anleitungen zunächst viel zu schnell waren).
Das Buch fand ich inhaltlich oft zu Positiv-Denk-Esoterisch. Es brachte mir inhaltlich nur wenig neues.
Auf den CDs sind viele Übungen, um in den eigenen Körper zu kommen oder um Stress abzuschütteln(!) - sie unterstützen also nicht meine 'Sitzungen' im engeren Sinne - aber ich empfand sie hilfreich, um zu mir zu kommen.

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Buch und CD:
Am Anfang dieses Monats habe ich nun das neue Buch von Eva-Maria Zurhorst und Wolfram Zurhorst entdeckt: "Liebe dich selbst und entdecke, was dich stark macht"
Als ich ein bisschen in diesem Buch stöberte, entdeckte ich, dass es hier mehrere Kapitel gab, die sich damit beschäftigen, was einem eigentlich von dem aktiv-werden, was einem eigentlich von Veränderung abhält. - Es gab da viele Fragen, die man sich selbst stellen kann..... und ich hatte so den Eindruck, dass diese Fragen wirklich auf den Punkt kommen!

Ich sah dann, dass es zu diesem Buch auch eine Übungs-CD gibt - welche man dann allerdings extra kaufen muss.


Nunja, ich war mir noch unschlüssig.
Trotzdem inspirierte mich das Ganze dann zu meinem Beitrag Sich in eine neue Richtung bewegen und ich entschloss mich eine Woche später dann, sowohl das Buch als auch die Übungs-CD zu erwerben.

Ich das Buch habe ich seither noch nicht reingeschaut, da ich zunächst noch das "ja!..." fertig durcharbeiten wollte. Ich habe jedoch mit der Übungs-CD begonnen und bin von ihr ziemlich begeistert:
Auf der CD gibt es 4 Anleitungen von jeweils knapp 5 Minuten, in welchen es um Entspannung geht (zwei von ihr, zwei von ihm besprochen).
In dem fünften Track geht es dann darum eine Antwort von innen zu finden. (Von ihr besprochen. - Habe ich noch nicht gemacht).
Dann gibt es eine Anleitung, um "Blockaden in Ressourcen umzuwandeln". (Dies habe ich auch noch nicht gemacht, es war jedoch einer der Gründe mir die CD zu kaufen....)
Dann kommt "Schmerz in Energie umwandeln": Diese Anleitung gefällt mir wirklich ganz besonders gut, da es hier eigentlich auch ums 'Gefühle fühlen' geht, um das 'Ja-Sagen zu dem Vorhandenen' um das 'Da-Sein-Mit-Dem-Was-Ist'. (Natürlich fehlen hier die Specials von Joel, und die Anleitung ist mit 15 Minuten schon fast zu kurz. Aber das Ganze ist wirklich sehr durchdacht und gut und stimmig aufgebaut - Von ihr besprochen).
Bei "Alles ist Da" geht man mit dem in Kontakt, was man selbst der Welt zu bieten hat... (von ihm besprochen)
und bei "Ziele von Innen Erreichen" (von ihr besprochen) geht man in die Innere Vorstellung, wie es ist wenn man sein Ziel schon erreicht hat.

Die Stücke auf der CD ist teilweise den ida-CDs sehr ähnlich, jedoch wirkt sie mehr durchdacht und langsamer, also mit genügend Pausen, gesprochen. Die von ihr gesprochenen Anleitungen finde ich auch vom Tonfall und der Stimme her sehr sympathisch. Seine Stimme sagt mir nicht so zu, meine Freundin dagegen stört sie nicht so. - Die Musik wirkt auf mich etwas dynamischer als auf der ida-CD. Außerdem ist die Stimme ganz leicht verzerrt und mit einem kaum bemerkbaren Echo versehen, was für mein Gefühl eine leichte Trance begünstigt und somit hilft, leichter nach innen zu kommen.

All das spielt sich in einem Rahmen ab, wo es auch darum geht, genau hinzuschauen, was ist.... was meiner Ansicht nach ein wichtiger erster Schritt in Richtung "Veränderung" ist.

Samstag, 24. November 2012

Augenproblem und Würde

Und nun der dritte Beitrag für heute:

Während der 4 Tage im Odenwald hatte ich wieder stärkere Probleme mit meinem linken Auge. Am zweiten Abend hatte ich nämlich wieder Blitze gesehen. Wie immer war ich mir am Anfang unsicher, ob nicht vielleicht einfach nur einer der Strahler auf einer Uhr oder Brille einen Lichtreflex erzeugt hatte. Doch leider kamen die Blitze dann mehrmals wieder, einmal sogar sehr heftig.

Dies rief dann wieder sehr Angst in mir hervor, und auch wieder Hilflosigkeit sowie die Frage, was ich nun tun sollte. (Mir war jedoch klar, dass ich im Odenwald und dazu noch am Wochenende nicht zum Augenarzt gehen würde.)

Ich habe dann in einer Pause auch Joel kurz angesprochen. Der meinte nach kurzem In-Sich-Hineinspüren, er würde sich an meiner Stelle nochmals den Großvater ansehen, den wir ja auch in der telefonischen Sitzung schon hatten.

Das Hauptproblem war für mich zunächst auch wieder die Angst davor, die "richtige" Entscheidung treffen zu müssen und auf die "richtige" Art und Weise aktiv werden zu müssen.

Ich habe dann alles war wir dort gemacht haben innerlich für mich genutzt, um mir das Thema weiter anzusehen und auch in die Zustimmung zu kommen.

Dies war mir dann irgendwie auch gelungen.

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Klar war dann jedoch auch, dass ich am Montag wieder in die Augenarzt-Praxis gehen würde.

Diesmal war ich ja wieder ein Not-Termin, und ich kam in der großen Augenarzt-Praxis wieder zu einem anderen Arzt. Der wollte sich meine Netzhaut vollständig und bis zum Rand anschauen, weshalb er ein Vergrößerungsglas direkt auf dem Auge aufsetzen musste. Dies empfand ich (wie jedesmal) als sehr unangenehm und ich war in den Schultern und im ganzen Körper total verspannt. Und irgendwie kniff dann auch immer mein Auge zusammen, so dass das Ganze recht schwierig war.

Jedenfalls gab es dann eine Stelle in der Netzhaut, bei welcher es sich nicht sicher war, ob es sich vielleicht um einen alten, jedoch noch unbehandelten Riss handeln könnte.

Aus diesem Grund wurde ich dann wieder in die Augenklinik geschickt, wo eine OP-Ärztin und Netzhaut-Spezialistin sich das Ganze nochmals ansehen sollte.

Im Wartebereich der Klinik war ich dann, zumindest innerlich, total jammerig drauf.
Ich befürchtete, dass das Ganze da wohl wieder auf eine OP wie vor 6 Wochen hinauslaufen würde.....

Mehr und mehr bewunderte ich dann die teilweise schon sehr alten Männer, die ebenfalls in dem Wartebereich waren, und auf ihre OP warteten.
Die schienen das Ganze mit Würde zu tragen..... und sich sogar auf die OP zu freuen - wohl mit dem Ziel, danach wieder gut zu sehen....

Nach etwa einer dreiviertel-Stunde warten, kam die Spezialistin kurz heraus, um sich zwischen zwei Augen-OPs meine Netzhaut anzusehen. Sie konnte jedoch nicht genug sehen, da die Pupille schon wieder kleiner geworden war.- Mir wurden also nochmals stärkere Tropfen verabreicht, und die Ärztin verschwand wieder im OP-Bereich.

Auch während dem Wochenende im Odenwald hatte ich ja schon solche Gedanken:
Dass mir das Augenproblem ja auch die Chance gibt, einmal eine etwas schwierigere Lebenssituation erfolgreich durchzustehen..... und somit auch an Größe und Würde zu gewinnen. (Viele andere Menschen - und auch meine Eltern und Vorfahren - hatten ja schon viel heftigeres durchstehen müssen. - Trotzdem möchte ich nun natürlich nicht, nur aus Treue zu ihnen, mein Augenproblem selbst aufrecht erhalten.)

Ich nutzte die Zeit, um mir nochmals meinen Großvater anzusehen, der in der telefonischen Augen-Sitzung aufgetaucht war. Ich merkte, ich war innerlich nicht so ganz mit ihm im Reinen, bat ihn jedoch, darüber hinwegzusehen.

Nach etwa weiteren 50 Minuten kam dann die Ärztin nochmals, und setzte nun auch ein Vergrößerungsglas in meinem Auge auf. Sie sagte, sie würde sich nochmals die gesamte Netzhaut ansehen. - Laut ihrer Aussage war jedoch nichts auf der Netzhaut, sondern es handelte sich nur um eine Verunreinigung im Glaskörper. Also nichts, was behandlungswürdig wäre.

Den Vater anschauen

Neben den allgemein sehr interessanten Themen und Übungen machten wir noch eine für mich besonders tiefgehende Übung, in welcher wir den Vater  ansehen  sollten. Wir sollten 3-er-Gruppen bilden, eine Person sollte den Vater anschauen, die zweite Person sollte sich als Stellvertreter des Vaters zur Verfügung stellen, die dritte Person war Stellvertreter für die Mutter. - Dabei sollte darüber hinaus nichts gesprochen oder getan werden.

Da es nicht aufging, sagte Joel, dass er auch mitmachen würde. Als dann eine Person nicht mitmachen wollte, ergab es sich dass ich dann mit Joel diese Übung zu zweit machte. (Um die Mutter auch dabei zu haben legten mehrere Meditationskissen aufeinander.)

Zunächst stand er für meinen Vater, und ich schaute ihn an.
Ich merkte in mir eine starke Abwehr. Ich merkte wie ich in mir viele Vorwürfe hatte, weil er als ich noch sehr klein war sehr streng war, mich geschlagen hatte, und weil er nie emotional offen gewesen war, nie Nähe zugelassen hatte.....
Nach einer Weile erinnerte ich mich innerlich mehr an meinen Vater, wie er heute ist: Schon sehr alt, und jedesmal dünner und zerbrechlicher. Ich ich erinnerte mich daran, wie er sich jedesmal freut, wenn ich mal wieder eine Reise in die alte Heimat mache, und wir uns sehen. - Dies rührte und berührte mich sehr.

In der zweiten Runde war ich der Stellvertreter seines Vaters.
Ich merkte, wie ich aufgrund meines eigenen Schicksals und der eigenen Belastungen an der totalen persönlichen Grenze war. - In mir war immer wieder ein Bedauern, dass ich meine beiden Söhne nie wirklich in den Arm nehmen konnte, aber ich merkte, die beiden müssen jetzt einfach funktionieren, sonst kann ich all das Schwere als alleinerziehender Vater nicht managen....

Joel erzählte mir übrigens, dass es ihm als Stellvertreter meines Vater ähnlich ergangen war. Auch er spürte in der Rolle, dass er aufgrund seines Schicksals an der Grenze war und es einfach nicht anders ging. Und auch er spürte das Bedauern.


Während ich meinen Vater anschaute konnte ich ihn ja bereits mehr und mehr so lassen und akzeptieren wie er war.
Aber auch die andere Seite zu spüren, als Stellvertreter von Joels Vater, hatte dann auch noch etwas sehr heilendes, weil dann nochmals klar wurde, dass es für ihn einfach nicht anders ging, und da einfach auch ein Bedauern seinerseits deswegen da war und auch da ist.

Joel erzählte mir auch, wie er seinem Vater, einige Wochen vor dessen Tod, dann doch noch die Hand gehalten hatte - und wie sein Vater dann in einer anderen Situation seine Hand ergriffen hatte.... - Auch dieses Thema berührte mich sehr, da mein Vater auch nicht mehr lange sein wird.


Die Mutter wird dann bei dem nächsten Treffen im Januar dran sein.
In dieser Übung wurde sie nur als Zeugin hinzugenommen.
Dabei wurde ihr aber auch zugemutet werden, dass (auch) der Vater angesehen wird!

Samstag, 27. Oktober 2012

Von Hilflosigkeit zu mehr Weite....

Augenarzt-Termin hatte ich seit meinem letzten Beitrag keinen mehr.
Das Auge ist noch etwas geschwollen und auch der Glaskörper ist noch etwas getrübt. Laut Augenarzt gibt sich aber von selbst.... wird jedoch eine Weile dauert - so hoffe ich all das bewegt sich im grünen Bereich.
Richtige Blitze habe ich in letzter Zeit keine mehr gesehen. Ab und zu ein leichtes Flackern, wo ich dann jedoch nicht so sicher war, ob die Ursache im Auge liegt, oder im Außen......

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Insgesamt hatte mich dieses Thema doch sehr gestresst.... und war am Anfang auch richtiggehend ein Schock für mich.
Nur nach und nach ist es mir gelungen,
überhaupt Schritt für Schritt wieder zu mir zu kommen, so dass ich den Schock und die Angst überhaupt wahrnehmen konnte..... (was ja auch ein erster Schritt der Verarbeitung war).

Wenn es um Dinge geht, wo ich etwas wichtiges falsch machen könnte - was dann schlimme Folgen haben könnte - da fällt es mir garnicht leicht, in die Zustimmung zu gehen. Und genau diese Angst war ja da: Die Angst im Bezug auf die Behandlung meines Auges oder der Ärzte falsche Entscheidungen zu treffen, oder irgendein Symptom zu übersehen, und somit dann selbst Schuld daran zu sein, wenn ich dann eine dauerhafte Sehbehinderung davontrage. - Hier war dann auch mein ganzes Zustimmungs-Wissen nicht greifbar.... sondern ich meinte, durch innerlichen Stress die Situation irgendwie unter Kontrolle halten zu können.

Gleichzeitig merkte ich in meinen Sitzungen, dass ich das Ganze überhaupt nicht unter Kontrolle habe - kein Bisschen. Hier ist etwas am Wirken, das Passiert, oder eben nicht passiert, und das weit über mich hinausgeht, auf das ich keinen Einfluss habe.

Sehr deutlich war in meinen Sitzungen auch das Thema, das Ganze nicht unter Kontrolle zu haben, nichts tun zu können, nichts kontrollieren zu können. - Es wäre ja nicht auszuschließen gewesen, dass es noch Komplikationen gibt und/oder weitere Löcher in die Netzhaut gerissen werden.
Aber das Ganze war und ist nicht kontrollierbar - es ist etwas Größeres, vielleicht Schicksalhaftes hier am Wirken.
Es war schwierig, als ich bemerken musste, wie wenig ich unter Kontrolle haben kann  - und gleichzeitig heilsam, als ich hier dann doch etwas in die Zustimmung gehen konnte.

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Mitte der Woche konnte ich dann einen telefonischen Termin mit Joel bekommen.
Ich hatte auch deshalb um diesen Termin gebeten, weil ich den Eindruck hatte, an diesem Thema würde auch etwas weit über mein Persönliches hinausgehendes dranhängen. - Etwas aus früheren Leben, etwas was Vorfahren passiert ist, etwas Kollektives vielleicht???
Da habe ich mich dann auch nicht alleine herangewagt!

In der telefonischen Sitzung begleitete Joel mich durch eine Art Innen-Raum-Reise.

Als ich während der 'Sitzung' meine Aufmerksamkeit auf das linke Auge richtete, spürte ich in dem Auge ein Ziehen. Auch da war wieder die Angst da, etwas Schlimmes könnte passieren, etwas könnte nicht in Ordnung sein.

Nach kurzer Zeit  merkte ich dann mit Erstaunen, dass, während mein ganzer Körper sehr angespannt war, das linke Auge als Einziges einen entspannten, ja offenen und weiten Eindruck in mir hinterließ.

Joel leitete mich dann so an, dass ich auch beim Auftreten starker Angst nicht in die (innerliche) Enge gehen musste, sondern ich mich ganz weit machen konnte, dies einfach wahrnehmen konnte....
Ich kam dann auch aus der InnenSpirale, wieder heraus, bei der man sich immer mehr von der Welt abschottet und Isoliert sieht. - All das was ich erlebte und fühlte ist eine menschliche Erfahrung, etwas, was viele Menschen schon vor mir erlebten oder heute erleben. Es ist eine Erfahrung, die sicherlich auch in meiner Ahnenkette schon zigmal gemacht wurde.

Mir kam dann in meinem Inneren das Bild von einem Kriegs-Gemetzel, mit einer leeren Augenhöhle oder ausgestochenen, blutenden Augen. - Dann kam mir mein Opa mütterlicherseits in den Sinn. Der einzige Opa, die ich nie kannte, weil er im zweiten Weltkrieg in Russland gefallen war.

In mir kam dann die Unsicherheit auf, inwiefern ich dies als real sehen sollte.
Aber Joel meinte, ich soll meinen Opa einfach mit dazunehmen, ganz egal, wie viel mein Erleben nun mit tatsächlichen Ereignissen zu tun hat.
...

Nach einer Weile ließ Joel mich dann die Sätze zu ihm sagen, die man in Familienaufstellungen sagt, so dass ich sein Schicksal, all das was er erlebt oder vielleicht getan hat ganz bei ihm lasse - und ihm somit auch seine Größe und Würde ganz lasse.

Ich war dann froh, mit ihm in Kontakt gekommen zu sein.
Dieser Opa war in meinem Innern irgendwie eher ausgeschlossen gewesen..... auch deshalb weil er das einzige Großeltern-Teil war, den ich nicht kannte...........

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Heute nun habe ich meine Aufmerksamkeit nur auch wieder mehr auf meine innerlichen Zustimmungs-Tools gerichtet. Es gibt je einiges, dem hier innerlich zugestimmt werden kann:  * den Problemen, die ich jetzt noch mit dem Auge habe,   * der Tatsache, dass ich überhaupt in solch eine Situation gekommen bin,   * der Hilflosigkeit,   * der Angst,   * der Möglichkeit, dass alles ja auch schlimmer kommen könnte und   * der Möglichkeit, dass ich durch irgendeinen Fehler oder eine Unachtsamkeit mich vielleicht sogar selbst in eine schlimmere Situation manövrieren könnte.....

Und ich erinner(t)e mich nun wieder:  Das Wesentliche über das Zustimmen ist rechts oben hier im Blog in wenigen Sätzen essentiell zusammengefasst!!!

Freitag, 5. Oktober 2012

Blickwinkel auf die Eltern

Wodurch wollen wir eigentlich geprägt sein?
Durch das,
was der Vater in seiner Verstrickung getan hat,
oder durch das, was er in seinem
Herzen gerne getan hätte?
Aus Hunter Beaumont's Buch
- "Auf die Seele schauen" -
(ich werde es noch vorstellen).

Samstag, 29. September 2012

Die Nilpferd-Qualität

Der regelmäßige Biodanza-Kurs (hier ein Link zu Wikipedia), an dem ich eigentlich teilnehmen wollte, kam letzte Woche ja leider nicht zustande. Aus diesem Grund habe ich an diesem Donnerstag die Chance genutzt, an einem offenen Biodanza-Abend unter dem Titel "Der Tanz des Nilpferds" teilzunehmen.

Leider war der Start für mich dann zunächst etwas stressig:
An diesem Abend gab es auf der U-Bahn-Linie eine Störung. Somit brauchte meine U-Bahn für eine Strecke, welche sie sonst in 12 Minuten zurücklegt, so etwas 35 Minuten...... Ich überlegte während der Fahrt, ob ich das ganze nicht abbrechen sollte, da ich mehr als 20 Minuten zu spät kommen würde und die anderen bestimmt schon mitten in Tanzen waren. - Da ich mich jedoch schon auf den Kurs gefreut hatte, entschied ich mich, es trotzdem zu versuchen.

Im Studio angekommen zog ich Schuhe und Jacke aus und ging in den Raum - um zu fragen, ob ich noch mitmachen kann. - Die Anderen saßen jedoch noch auf ihren Decken. Ich wurde willkommen geheißen, entschuldigte mich wegen meiner Verspätung, und erfuhr, dass die Anderen sich bisher nur vorgestellt hatten und es gerade einen kurzen Einführungs-Vortrag über die speziellen Eigenschaften des Nilpferds gab.

In diesem Kurs waren wir wieder nur so wenig Teilnehmer, außer mir gab es nur 4 Frauen und die Kursleiterin. (Bei dem "Tanz des Tigers" waren es anscheinend 17 Teilnehmer gewesen.)
Zwei von den Frauen, fand ich attraktiv, insgesamt waren jedoch alle Teilnehmer recht angenehme Personen.

Wie bei letztenmal sollte man am Anfang dann gleich wieder Anderen im Tanzen oder Bewegen begegnen. Ich nahm mir bewusst Aufmerksamkeit, um zu bemerken, wie ich im Kontakt mit Anderen (besonders wenn dann auch noch Blickkontakt hinzukam) den Kontakt zu mir verlor. Ich konnte mich dann nicht mehr so richtig spüren..... und fand es dann auch schwierig, im gemeinsamen Tanz meine eigene Bewegung zu finden. Mein Eindruck war eher, dass ich nur auf mein Gegenüber reagiere.

Die eine Teilnehmerin fand ich besonders attraktiv, zugewandt, ruhig und angenehm..... und es kamen mir dann die Gedanken, dass ich doch bestimmt sehr unsicher wirken und somit unangenehm auffallen würde.
Nach einem sehr kurzen Augenblicks innerlichen Stresses  
  kam ich dann jedoch innerlich gleich in ein ".... auch das gehört dazu!
Ja, falls ich überhaupt tatsächlich unsicher gewirkt haben sollte, dann gehörte das in diesem Augenblick dazu: Zu mir. Zu der Begegnung. Zu diesem Kurs. Zu dem Gesamten, was wir dort gemeinsam aufgebaut und erlebt haben.

Und auch ein anderes Thema kam dann in mir noch ins Spiel: Auch wenn es in diesen Kursen je eher um geschlechtsneutrale Begegnung geht - für mich wurde dann deutlich, dass ich nun mal ein Mann bin, und sie nun mal eine Frau ist. - Aber auch das Auftauchen dieses Themas gehörte mit dazu....

Nachdem es am Anfang mehrmals eher um Begegnung ging, kam dann ein Teil, in dem jeder nur mit sich selbst und in sich selbst (mit geschlossenen Augen) mit der Nilpferd-Qualität in Kontakt treten sollte.
Dabei konnte ich dann wahnsinnig gut mit mir selbst in Kontakt kommen, so dass sich dies sehr gut für mich anfühlte.

Dann gab es noch eine sehr schöne Begegnung, in welcher wir und alle in der Mitte mit den Händen begegneten. - Und dann war es leider schon zu Ende, und es gab nur noch den Abschieds-Kreis......


Ich fand den Kurs als Ganzes sehr angenehm und habe den Eindruck, dass er mir sehr gut getan hat. - Und ich konnte ihn außerdem auch gut dazu nutzen, mich meinem Kontakt-Thema zuzuwenden und mir das näher anzuschauen.....
Interessant ist für mich auch, wie ich mit diesen Situationen jetzt umgehen konnte. In einem Fall habe ich Beispielsweise damit experimentiert, das End-Bild meiner Familienaufstellung - also meine Eltern (mein Vater) als Stärkung im Rücken - mit in die Begegnung hineinzunehmen.

Im April und Juni dieses Jahres hatten intensive Kontakt-Situationen in Gruppen ja noch ... (man könnte wohl sagen) ... ein Nähe-Trauma in mir reaktiviert! (Siehe Beiträge unter den Schlagworten "Thema 'Kontakt'" und "Unterbrochene Hinbewegung,")
Jetzt in diesem Kurs zum Beispiel konnte ich mit diesem Thema jedoch sehr gut umgehen - obwohl es teilweise ähnliche Situationen waren, nämlich solche, in welchen ich auf jemanden zugehen muss.

Samstag, 28. Juli 2012

Nicht mehr zur Verfügung stehen

Letzten Freitag sah ich im Buchgeschäft ein Buch, von welchem ich schon vor Jahren mal gehört hatte. Es ist das Buch "Ich stehe nicht mehr zur Verfügung Wie Sie sich von belastenden Gefühlen befreien und Beziehungen völlig neu erleben" von Olaf Jacobsen. Wie der Zufall so will, hatte eine Bekannte mich vor ein paar Wochen auf die „Freien Systemischen Aufstellungen“ nach eben gerade diesem Jacobsen angesprochen..... Jedenfalls war dann die Neugier so groß, dass ich am Samstag nochmals in die Stadt fuhr, um mir das Buch in Ruhe zu Gemüte zu führen.

(Ich mache es oft so, dass ich in Buchgeschäften schon ausführlich in Büchern lese. Manchmal kaufe ich die Bücher dann nicht, weil da Sachen drin stehen, die für mich nicht stimmig sind, oder die ich schon kenne. Und oft kaufe ich die Bücher dann auch, um sie zuhause nochmals in Ruhe zu lesen und darin herumzumalen, um mir die für mich relevanten Stellen zu markieren.)

Für meine Begriffe ist dieses Buch sehr ungünstig strukturiert. Es gibt einige Perlen(!), die jedoch nicht leicht zu finden sind:

Eine der Kernideen des Buches ist, dass wir sehr oft nicht nur unsere eigenen Gefühle fühlen, sondern etwas von Anderen übernehmen.....
Etwa 80% des Buches beschäftigen sich damit, den Leser durch Theorien, Zitate, Geschichten oder Übungen von der Wahrheit dieser These zu überzeugen. Dies ist auch legitim, sollte jedoch meiner Ansicht nach nicht kreuz und quer durchs gesamte Buch verstreut sein, sondern in eigens dafür vorgesehenen Kapiteln.

Für mich persönlich sind diese 80% des Buches nicht wichtig, da ich dies durch meine Erfahrungen mit K!KG und mit Familienstellen schon längst als Tatsache erkannt habe.
Für mich ist ganz klar, dass man manchmal Gefühle hat, welche in Wirklichkeit einem Vorfahren gehören (und welche man dann mit Liebe und Achtung wieder zurückgeben kann), oder dass man manchmal Gefühle von anderen Menschen fühlt, welche sich gerade in der Nähe befinden.....

Was für mich als Gedanke allerdings neu war ist, dass man manchmal auch Gefühle fühlt, welche eine Antwort auf unterdrückte Gefühle des Gegenübers sind, also dass man z.B. Angst fühlt, wenn man es mit einem kräftigen aber ganz freundlichen Gegenüber zu tun hat, weil man insgeheim seinen unterdrückten Groll auf die Welt wahrnehmen kann.....

Was Jacobsen auch sehr schön auf den Punkt bringt ist, dass wir im Kontakt mit anderen Menschen oft in feste Rollen hineinrutschen - und dann dieser Rolle gemäß fühlen und handeln. (Diese These hatte ich auch schon früher gehört, sie hatte sich jedoch damals für mich noch nicht wirklich mit Leben gefüllt, wie sie es jetzt tut. Jedenfalls fühlt sich diese These von Jacobsen aufgrund meiner Erfahrungen auch sehr stimmig an.)

Das kann man sich wie bei einer Familienaufstellung vorstellen. Bei der Familienaufstellung stellt man sich freiwillig als 'Stellvertreter eines Familienmitglieds' des Klienten zur Verfügung. Wenn man also der Stellvertreter des Vaters des Klienten ist, dann fühlt man wie dieser Vater und übernimmt, ohne ihn zu kennen oder etwas über ihn zu Wissen dessen Verhaltensweisen...
Man ist sich zwar seiner tatsächlichen Identität weiterhin voll bewusst, stellt sich jedoch gleichzeitig zu Verfügung und denkt und fühlt auch wie der Andere.

Doch während man sich in der Familienaufstellung freiwillig als Stellvertreter eines Familienmitglieds des Klienten zur Verfügung stellt, passiert dies laut Jacobsen auch im täglichen Leben und hier meist völlig unbemerkt.
Man trifft einen anderen Menschen und wird ohne es zu bemerken in sein System gezogen, wird zu einem Stellvertreter in seinem System.... fühlt und handelt, wie man normalerweise und bei allen anderen Menschen nie fühlen oder handeln würde....
(Umgekehrt kann es natürlich auch sein, dass der Andere ganz unbemerkt als Stellvertreter in mein System gezogen wird. Dann verhält sich die andere Person vielleicht so kontrollierend wie meine Mutter, obwohl er oder sie dies sonst eigentlich nie tut.)

Ich habe in dem Buch jedoch (auf die Schnelle) keine zufriedenstellende Information gefunden, wie man wirklich bemerken kann, wem ein Gefühl denn nun wirklich gehört oder wer gerade für wen und in welcher Stellvertreter-Rolle steckt.
Ich selbst kenne das aus einem Buch von Bertold Ulsamer jedoch  so, dass man während einer Familienaufstellung folgende Fragen stellen kann: 
"Wem gehört das Gefühl?"(also beispielsweise "Wem gehört die Wut?)
und auch "Auf wen bezieht sich das Gefühl?". (Die zweite Frage sollte man präzisieren, also z.B. fragen "Vor wem habe ich Angst?" oder "Auf wen bin ich in Wirklichkeit so wütend?".)
Diese Fragen stelle ich mir manchmal, wenn ich einfach nur dasitze und meine Gefühle fühle....
Oft machen diese Fragen systemische Zusammenhänge deutlich.


Ein Zaubersatz, und die größte Perle aus Jacobsen's Buch ist jedoch der Satz:
"Ich stehe nicht mehr zur Verfügung"!
Diesen Satz kann man anwenden, wenn man Gefühle für einen Anderen fühlt,
wenn man die Sog spürt, ungewollt als Stellvertreter in eine Rolle gezogen zu werden,
oder auch wenn man auf andere Art und Weise von jemandem für etwas vereinnahmt wird.

Ich habe ihn letzten Montag früh gegen die innerlichen Übergriffe meiner verinnerlichten Mutter angewandt, und hatte den Eindruck, dadurch von ihr freier zu werden....

Am Dienstag oder Mittwoch habe ich bemerkt, wie ich einem unseren Geschäftsführer nicht auf dem Gang über den Weg laufen wollte, weil dieser für meine Begriffe immer sehr schräg mit seinen Mitarbeitern kommuniziert. Ich hörte ihn irgendwo auf dem Gang, zögerte dann etwas, mir einen Kakao holen zu gehen.... Dann kam mir: "Für eine schräge Kommunikation stehe ich nicht mehr zur Verfügung". - Dann bin ich meinen Weg in zum Kaffee-holen gegangen, und ihm dabei garnicht begegnet.
Meine innerliche Haltung, meine Ausrichtung war jedoch nach diesem Satz eine ganz Andere, es hat sich ganz anders angefühlt.

Am Donnerstag Abend rief meine Mutter dann an, weil sie wissen wollte, ob wir in zwei Wochen nun kommen oder nicht. In dieser Zeit kommt nämlich auch meine Schwestern mit meinen beiden Nichten.
Ich habe jedoch meine Urlaubsplanung noch nicht abgeschlossen, möchte mich auch nach dem Wetter richten und konnte daher noch nicht endgültig zusagen.
Im Gegensatz zu meiner Verinnerlichten Mutter ist meine Mutter, jetzt wo ich erwachsen bin, relativ harmlos. Trotzdem wollte sie mich dann (wie immer) dazu überreden, ihr zuzusagen, und nahm meine Aussage wegen des Urlaubs garnicht so richtig zur Kenntnis.
Normalerweise gehe ich dann dagegen an, und beharre dann noch mehr darauf, dass ich vielleicht in der Zeit im Urlaub bin. - Nun kam jedoch auch wieder innerlich der Satz: "Dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung". Ich sagte dann nur noch, "Ich weiß es jetzt noch nicht" und damit war die Diskussion dann von beiden Seiten beendet.

Zusammenfassend kann ich zu dem Buch sagen: "Hilfreiche Ideen - jedoch sehr schlecht strukturiert!" - Ich hatte mir gewünscht, dass folgende drei Teile klar voneinander getrennt sind:
1. Die Beweisführung, dass wir Gefühle anderer fühlen - einschließlich der Übungen und Experimente hierzu.
2. Klare Aussagen darüber, wie man bemerken kann, wessen Gefühle man gerade fühle.
3. Den Teil, in dem es darum geht, sich davon loszusagen.

Somit muss jeder wohl selbst entscheiden, ob sich der Kauf dieses Buches lohnt.
Ein kostenloses Probe-Kapitel gibt es übrigens hier.
(Es gibt noch ein neueres Buch mit ähnlichem Titel, zu welchem ich jedoch nichts sagen kann!)


Ich habe mir übrigens ein anderes Buch von Jacobsen bestellt - hierzu vielleicht in ein paar Wochen mehr!

Mittwoch, 27. Juni 2012

.... richtige Todesangst

Am Wochenende war ich wieder in der Ausbildungsgruppe im Odenwald.
Ich empfand es wieder als angenehm und tiefgehend.

Das Nähe-Thema war irgendwie unterschwellig vorhanden
und trug dann wohl auch dazu bei, dass ich mich am Freitag nach unserer offiziellen Zeit gleich zurückzog und schlafen ging.


Am Samstag gingen wir dann in 3er-Gruppen.
In einer kleinen Mini-Aufstellung war Gelegenheit, sich etwas anzuschauen, was man ablehnte. Als ich dran war  nahm einfach das Thema "Kontakt".
Eine Teilnehmerin stand nun für mein Thema mit Nähe. Ein Teilnehmer stand für Lebensenergie und Lebensfreude. - Und ich stand für mich selbst stehend zwischen den beiden.

Am Anfang hätte ich dann  zu der Teilnehmerin, welche für die Nähe stand, irgend etwas ablehnendes sagen sollen. Ich wollte sie jedoch garnicht sehen sonder wandte ihr gleich den Rücken zu und blickte auf die "Lebenskraft / Lebenslust".
Ich merkte, dass ich, wenn ich ganz ehrlich war, auch gegenüber der "Lebenskraft / Lebenslust" Unbehagen spürte. - Insgesamt war ich in dieser Übung, insbesondere auch durch die Ablehnung begründet, recht angespannt und starr.

Schließlich drehte ich mich dann etwas um, so dass ich das "Nähe-Thema" sehen konnte - und schaute sie an. Sie reagierte sehr gerührt und hatte schon fast Tränen in den Augen.
Für mich vermischte sich nun etwas, und sie war nun nicht mehr nur das "Nähe-Thema", sondern auch meine Mutter. Dies war dann auch etwas verwirrend für mich.

An dieser Stelle sollten wir nun ja etwas leicht Versöhnliches sagen..... und dann schauen, wie sich danach unser Verhältnis zur "Lebenskraft / Lebenslust" verändern würde.
Ich sagte etwas wie "Ich will dich zwar nicht gerne in meinem Leben haben, aber ich weiß, dass du derzeit zu mir gehörst." - Und ich merkte, dass es gut war, dies gesagt zu haben.
Die Beiden bewegten sich etwas, so dass sie nicht mehr vor und hinter mir standen, sondern wir drei nun die Form eines Dreiecks bildeten.
Vor der "Lebenskraft / Lebenslust" hatte ich weiterhin eine Scheu.


Am Nachmittag sprach ich in der Pause ganz kurz mit Joel.
Ich sprach mit ihm darüber, wodurch diese starke Nähe-Problematik eigentlich genau in mir ausgelöst worden war. Dies war ja in dem Ausbildungsblock davor passiert, in einer Übung, in welcher man sich öffnen und auf Andere zugehen sollte..... 
Obwohl ich nur etwas 3 bis 5 Minuten mit Joel geredet hatte, fühlte ich mich danach und für den Rest des Seminars frei von der Nähe-Angst. Ich konnte ab diesem Zeitpunkt sogar sehr gut auf Andere zugehen.

Erst auf dem Heimweg am Sonntag wurde mir dann klar, wodurch dies wohl bewirkt worden war:
Ich hatte mit Joel nämlich über meine Angst vor Nähe - und insbesondere davor, auch Andere zuzugehen gesprochen.
Er sagte daraufhin etwas, was die Worte ".... richtige Todesangst ..." enthielt.
Ich weiß noch, dass ich daraufhin so etwas wie "Hä!?!" gedacht hatte - dann jedoch in mich hineinspürte..... und dann eine richtig merkte, wie mir Erleichterung durch den ganzen Körper kroch und mich entspannte! (Wir hatten ja in der Gruppe schon öfters darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass 'das-was-da-ist'  gesehen und "bewahrheitet" wird. - Aber dass dies so eine extreme Wirkung haben kann, hätte ich nie gedacht.)

Samstag, 9. Juni 2012

Über das 'Tao der Zustimmung' hinaus

(.... oder meine erste tiefe Begegnung mit Demut.)

Ich möchte hier die Reihe "Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung'" fortsetzen, mit etwas, das für mich eigentlich schon über 'das Tao der Zustimmung' hinausführt.

Vorspiel:
Mitte 2009 machte ich mein zweites Seminar bei Joel, welches den Titel "Ganz da sein" hatte.
In diesem Seminar waren zwei Teilnehmer, welche gerade bei Bert Hellinger die Ausbildung im Familienstellen machten. Sie redeten sehr positiv über Bert Hellinger, sahen in ihm einen sehr liebevollen Menschen, sagten, wenn man ihm in die Augen blickt, würde man die ganze Weite des Universums sehen können.

Derartige Aussagen deckten sich nicht mit meiner Meinung.
Ich war in den 90er Jahren bereits auf das Thema Hellinger gestoßen. Ein körperorientierter Psychotherapeut, bei dem ich damals manchmal Workshops machte, arbeitete auch mit dem Familienstellen - und ließ manchmal auch etwas von Hellinger in die rein körperorientierten Seminare mit einfließen. Damals war ich tief berührt, als bei einigen Teilnehmern, das Thema "Die unterdrückte Liebe zu den Eltern wieder fließen lassen" berührt wurde.
Gleichzeitig hatte ich da ziemliche Widerstände dagegen. Da kam es mir gerade recht, als ich in der Presse las, dass eine Frau sich unmittelbar nach einem Seminar bei Hellinger umgebracht hatte. Das was ich damals in der "Focus" las, ließ keinen anderen Schluss zu, als dass Hellinger schon sehr unsensibel mit dieser Frau umgegangen war. Somit  war das Thema damals für mich erledigt gewesen, obwohl ich den körperorientierten Psychotherapeuten als sehr respektvollen und einfühlsamen Therapeuten kannte und schätzte.

Aber nun holte mich das Thema durch die beiden Teilnehmer wieder ein. Die beiden sprachen auch von einem "neuen geistigen Familienstellen", bei welchem sich die Stellvertreter bewegen (d.h. sich vom Feld führen lassen) dürfen, bei welchem das Aufstellen als Prozess angesehen wird und bei welchem oft auch nur Teilaspekte des Problems aufgestellt werden.
(Wer sich für die Unterscheide zwischen klassischen und neuen Familien-Aufstellungsformen interessiert, der sei auf einen Text von Thomas Gehrmann verwiesen. Auch Wilfried Nelles, der den neuesten Entwicklungen von Hellinger eher kritisch gegenübersteht, bringt in seinem Artikel Klassisches Familienstellen, Bewegungen der Seele, Bewegungen des Geistes - Wohin bewegt sich die Aufstellungsarbeit? (PDF-Datei) eine interessante Gegenüberstellung.)

Auch Joel, der ja Familienaufsteller ist, redete in diesem Seminar öfters über das Familienstellen. (Eine Familienaufstellung machten wir in diesem Seminar zwar nicht, jedoch eine Organisations­aufstellung, da eine Teilnehmerin Probleme mit ihrer Institution und ihren Kollegen hatte.)

Joel berichtete jedoch über eine Aufstellung, die er mal mit einer deutschen Frau machte, die mit einem Indianer verheiratet war. Die beiden lebten zunächst in den USA, waren dann jedoch nach Deutschland gezogen, weil sie sich hier für ihre Kinder eine bessere Schulbildung erhofften. - Ihr Mann, der Indianer, hatte jedoch kaum deutsch gelernt und hatte Schwierigkeiten damit, hier in Deutschland eine Arbeit zu finden.
Als die Aufstellung nicht so richtig vorankam,  sagte Joel der Teilnehmerin, er würde nun noch einen Stellvertreter für Amerika mit hinzustellen. Er wählte dann jemanden aus, und stellte ihn in die Aufstellung hinein, ohne jedoch für diesen Stellvertreter oder die anderen Beteiligten offen zu legen, für wen dieser Stellvertreter stand.
Der Indianer warf sich in diesem Augenblick auf den Boden und kroch wie ein 'Verdurstender in der Wüste' auf diesen neuen Stellvertreter zu......
Seine Frau was hiervon sehr beeindruckt. Sie sagte, sie würde nie wieder von ihrem Mann verlangen, dass er Deutsch lernen müsse.....

Später erzählte Joel dann von Vertriebenen..... und dass diese auf ähnliche Weise schwer entwurzelt im Leben stehen würden.....
Da machte ich bei mir irgendwie klick: Meine Eltern sind Donauschwaben, das sind Deutsche, die am untersten Ende von Österreich-Ungarn lebten, auf einem Gebiet, das nach dem ersten Weltkrieg zwischen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt wurde. Meine Eltern waren mit ihren Familien nach dem zweiten Weltkrieg auf Jugoslawischem Boden viele Jahre in Arbeitslagern, Internierungslagern und sogar Vernichtungslagern - bis sie dann 1955 froh waren, das Land verlassen zu dürfen.
Sie fühlten sich ihrem früheren Lebensraum jedoch weiterhin sehr verbunden - und wenn sie von ihrer früheren Heimat redeten immer das Wort "Daheim".
Ich und meine Geschwister reagierten hierauf immer sehr genervt - sagten, wir wären doch hier zuhause.

Doch irgendwie war mir durch die Geschichte mit dem Indianer klar geworden, dass das "Daheim" (und das heftige Schicksal) meiner Eltern wohl irgendwie ganz tief in unserer Familienseele verankert sein muss......

Hauptteil:
Später machten wir dann eine Übung zu dritt. Jeder sollte sich zwei Probleme, zwei Lebensthemen aussuchen, die er sich etwas näher anschauen will. Ich wählte mir "meine berufliche Unzufriedenheit" und "das 'Daheim' meiner Eltern". Jeder der beiden Übungspartner sollte nun eines dieser Lebensthemen repräsentieren.
Dem einen Teilnehmer, den ich ganz gut leiden mochte, ordnete ich das Thema Beruf zu, dem anderen Teilnehmer, der mir nicht so sympathisch war, das Thema Heimat.
Dann sollte der erste mir meinen rechten Arm auf den Rücken drehen. So weit, bis es anfing zu schmerzen und ich "stopp" sagte. Dies klappte auch ganz gut. Der "Unsympathische", drehte mir dann den linken Arm auf meinen Rücken. Er schien mein Stopp nicht zu hören und drehte noch weiter, bis ich lauter "Stopp" sagte. Auf dem linken Arm war nun ziemlich viel schmerzhafter Druck.
Nun sollten wir uns die Themen ansehen, zu ihnen "Ja-Sagen", in PrEssenz gehen.... alles anwenden, was wir gelernt hatten, und schauen ob sich etwas verändert.
Die beiden "Haltenden" sollten nur dann etwas verändern, wenn sie innerlich wirklich einen tiefen Impuls dazu spürten. Sie sollten jedoch nicht einfach locker-lassen, um zu helfen. (Es ging auch garnicht darum, unbedingt herauszukommen, sondern sich tiefer auf seine Themen einzulassen.)

Ich schaute mir, in der gebückten Haltung, zunächst mein berufliches Thema an und konnte hier wohl auch etwas in ein "Ja" kommen. Dann wollte ich das Thema "Heimat" anschauen, aber das ging nicht, dann ich war von diesem Thema so eingezwängt, dass ich mich keinen Millimeter in diese Richtung bewegen konnte.

Da spürte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine tiefe Demut.
Hier waren Kräfte am Werke, welche mich, mein Leben, mein Schicksal tief beeinflussten - die weitaus größer sind als ich selbst, und denen ich als Mensch einfach nur ausgeliefert bin.

In dieser Demut kam mir dann die Idee: "Vielleicht erlaubt das Leben mir ja wenigstens, dass ich aufrecht stehen darf".
Ich machte dann eine sehr langsame, aber ununterbrochene Bewegung - ohne Widerstand, und aus dieser Demut heraus... und es war dann tatsächlich möglich, in den aufrechten Stand zu kommen.
Mein linker Arm was jedoch weiterhin so stark verdreht wie vorher!

Ich schaute nochmals akzeptierend das berufliche Thema an. Sein Stellvertreter ließ nach und nach immer mehr los. Das Thema "Heimat" konnte ich weiterhin nicht anschauen, es stand hinter mir in einem toten Winkel und hatte meinen linken Arm weiterhin voll im Griff.
Schließlich ließ der Teilnehmer, der für das berufliche Thema stand, ganz los.
Er schaute mich irgendwie.... ich würde sagen 'sehnsüchtig' an - und hatte dann schließlich Tränen in den Augen.
Beim Thema "Heimat" rührte sich bis zum Ende der Übung nichts....

Beim Austausch wollte der Teilnehmer, der für den Beruf stand nicht sagen, was da in ihm vorgegangen war. Er meinte, ich solle es einfach auf mich wirken lassen.....
Mir war klar, wie wichtig es jetzt war, das nicht zu zerreden! Allerdings hätte ich, ein paar Wochen später, dann doch gerne gewusst, was er da wahrgenommen hatte. (Leider verlief der Kontakt zu ihm im Sande. Wie hatten sogar vereinbart, uns vielleicht mal zu treffen, doch dann landete seine Email wohl bei mir im Spam-Ordner und ich hatte sie wohl dann gelöscht..... und auf den zweiten Versuch wollte es dann auch nicht mehr klappen.........

Nachspiel:
Nach dem Seminar suchten wir dann, ob irgendjemand hier vor Ort das "neue geistige Familienstellen" anbietet. Die einzige Aufstellerin, die hier bei uns im Wohnort war und bei der wirklich klar aus dem Text hervorging, dass es sich um das neue Familienstellen handelt, war allerdings noch eine Anfängerin, bei welcher dann auch nach mehreren Versuchen keine richtigen Schnupperabende zustande kamen.....

Schließlich entschied ich mich dann, die weiten Wege in Kauf zu nehmen und bei Joel in die K!KG-Gruppe zu gehen, in welcher neben den Aufstellungen die 'Innen-Raum-Reisen' und vor allem die K!KG-Übungen einen großen Raum einnehmen.
Obwohl Joel ja auch Ausbilder am Hellinger-Institut ist, macht er aus meiner Sicht vieles anders, als es auf den DVDs von Hellinger zu sehen ist.

Um mir praktisch zusätzlich noch Hellinger und "Die Bewegungen des Geistes" ins Boot zu holen, habe ich dann noch einiges von Hellingers Büchern gelesen. (Immer wieder hatten die Bücher für mich etwas so tiefgehendes, dass ich mich beim und nach dem Lesen richtig tief zentriert fühlte.)

Für mich kam durch Joel, durch Hellinger - und vor allem durch meine oben beschriebene Erfahrung etwas Demütiges in mein "Tao der Zustimmung" mit dazu.
Demut vor etwas, was großer ist. - Vielleicht kann man es manchmal auch einfach nur Schicksal nennen. (Siehe in diesem Zusammenhang auch meinen Blog-Beitrag "Die Stufen der Zustimmung II".)

Nachtrag:
Das Schicksal meiner Eltern tauchte dann später auch in meinen drei Familienaufstellungen auf.
Ohne das ich nachgefragt hatte erzählte mir mein Vater in den Monaten zwischen der zweiten und der dritten Aufstellungen erstmals ausführlich von den Nachkriegs-Erlebnissen seiner Familie.

Freitag, 8. Juni 2012

Mein Weg zum 'Tao der Zustimmung' (2)

Im meinem letzten Beitrag über meinen "Weg zum Tao der Zustimmung" schrieb ich ja bereits über verschiedene grundlegende Richtungen der Persönlichkeitsentwicklung, also über Methoden mit welchen
  • man sich tiefgründig und zustimmend dem eigenen psychischen Innenleben zuwendet,
  • oder man akzeptierend und bejahend die eigenen Gefühle auf körperlicher Ebene fühlt
    (darüber schrieb ich in der Anfangsphase meines Blogs sehr viel (siehe ältere Beiträge unter '
    Grundlegende Infos Gefühle fühlen' und 'Weiterführendes'), heute praktiziere ich stattdessen die Innen-Raum-Reisen, siehe unten),
  • oder in welchen es um die pure Zustimmung geht (siehe Ansatz von 'Bill Ferguson'). 

Im Jahre 2008, als ich mich noch intensiv mit Bill Ferguson's Ansatz beschäftigte, hatte ich bereits erste Kontakte mit Joel Weser:
Vor etwa 17 Jahren hatte ich mal für ganz kurze Zeit Bekanntschaft mit dem Kampfsport 'KiJutsu' gemacht (eine kurze Erklärung findet man hier). Damals war ich fasziniert, jedoch war mir das Ganze auch sehr suspekt, so dass ich es schließlich nicht mehr weiter verfolgte.
Viele Jahre später, und nach einem Umzug, suchte ich im Internet mal wieder nach Möglichkeiten, vielleicht doch wieder KiJutsu zu praktizieren. Leider wird das nur im Stuttgarter Raum und in Ulm regelmäßig angeboten, so dass sich mir keine Einstiegsmöglichkeit bot.
Allerdings stieß ich durch meine Recherchen auf Joel, der Ki-Übungen für die Selbsterfahrung weiterentwickelt hatte. Es dauerte dann nochmals längere Zeit, bis ich dann endlich, zusammen mit meiner Lebensgefährtin ein erstes Seminar bei ihm machte.

Das Odenwald-Institut, in dem das Seminar mit Joel stattfand, kannte ich schon  von früher....
Ich wusste, dass es vor dem Beginn des Seminars immer eine kurze Vorstellung des Instituts durch eine der Mitarbeiterinnen gab. Das war auch diesmal so.
Und ich wusste, dass diese Mitarbeiterin dann irgendwann einmal sagen würde, dass wir bestimmte Aufgaben wie "Tisch decken und abdecken", "Frühstück und Abendessen machen" usw. in der Gruppe selbst durchführen mussten. (Lediglich das Mittagessen wird angeliefert.) Die Mitarbeiterin würde uns eine Liste geben, in welche sich jeder für mehrere Aufgaben würde eintragen müssen..... - Doch dies war diesmal anders. Die Mitarbeiterin fragte etwas unsicher: "Das mit der Liste machst du dann?" und Joel antwortete: "Ja, darum kümmere ich mich." - Als die Mitarbeiterin des Instituts dann gegangen war, war sagte Joel: "Eigentlich müsste ich euch jetzt sagen, dass sich jeder für bestimmte Aufgaben in die Liste eintragen soll. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, wenn jeder genau hinspürt, wann es wichtig für ihn ist etwas zu tun, und wann es angesagt ist, nichts zu tun, dann erledigt sich das wie von selbst."
Dabei wirkte Joel total locker.... und zugleich total anwesend, total präsent. So etwas hatte ich in dieser Form noch nie gesehen.
Sein Vertrauen in den Fluss des Lebens, aber insbesondere seine besondere Präsenz imponierten mir total. Ich wusste damals sofort, dass ich hier richtig war.

In diesem Seminar machten wir hauptsächlich die in meinem Blog bereits beschriebenen Körper-Übungen (siehe 'Körperlicher Druck, Abwehr und Zustimmung' und "Löst Zustimmung tatsächlich Probleme?"). Dabei geht es darum, mit Entspannung, Zustimmung oder einer anderen Art der PrEssens auch mit schwierigen körperlichen Situationen umzugehen.
Diese Körperübungen brachten für mich die 'Zustimmung' nochmals auf eine andere Ebene, da sich in diesen Übungen zeigt, dass 'Zustimmung" nicht nur ein esoterisches Geschwafel ist, sondern wirklich auch real in körperlichen Begegnungen wirkt.

Mitte 2009 machte ich dann mein zweites Seminar bei Joel - und Anfang 2010 begann ich bei ihm eine regelmäßige Gruppe in Form einer 'Ausbildung zum K!KG-Trainer'.
Hier lernte ich auch noch die Innen-Raum-Reisen kennen. Im Unterschied zu den anderen Methoden des 'Gefühle fühlens' versucht man bei den Innen-Raum-Reisen nicht vorrangig, bei einem Gefühl zu bleiben (um dies zu Ende zu fühlen) - sondern man nimmt einfach nur das wahr, was gerade ist, was sich gerade entfalten will..... und setzt sich mitten in sein Problem, mitten in seine Gefühle, mitten in das was-gerade-ist hinein.... und hält sich dem ganz hin. Mit einem 'Ja' zu dem, was gerade im Vordergrund ist.
In dieser Ausbildung lernte ich auch, Gefühle systemisch zu betrachten - sie mir also nicht zu eigen zu machen, sondern dafür offen zu bleiben, dass ich sie vielleicht von anderen Menschen, von meinen Vorfahren oder meiner Herkunftsfamilie übernommen haben könnte und dass ich jedes meiner Gefühle mit einer Vielzahl anderer Menschen gemeinsam habe.... (Diese Sichtweise empfinde ich als höchst vorteilhaft, jedoch mag ich sie im Rahmen dieses Beitrags jetzt nicht so ausführlich erläutern.)

Jede dieser im ersten Beitrag und hier beschriebenen Wachstums-Richtungen hat für mich eine ganz eigene Qualität und fühlt sich für mich anders als die anderen Ansätze an. So ist es beispielsweise ein Unterschied für mich, während einer Innen-Raum Reise in die Zustimmung gehe, oder 'Zustimmung pur' zu betreiben, wie ich es auf der Internetseite von Bill Ferguson gelernt habe.