Sonntag, 13. Oktober 2013

[Lösung in der Hinwendung]

[...] die Lösung liegt immer in der Gegenwart,
in der Hinwendung zum Problem
und nicht im Versuch es zu beseitigen.
Wilfried Nelles [*]
[*] Aus "Umarme dein Leben: Wie wir seelisch erwachsen werden - Der Lebens-Integrations-Prozess"
von Wilfried Nelles (Autor); Innenwelt Verlag (2012); Seite: 67

Sonntag, 18. August 2013

Männer-Frauen-Liebe-Buch

Heute möchte ich ein zweites Buch von Wilfried Nelles vorstellen: "Männer, Frauen und die Liebe: Über kindliche Ansprüche und erwachsene Bedürfnisse"

Eigentlich listet der Titel schon alles auf, worum es in diesem Buch geht.
In dieses Buch fließen Erkenntnisse aus dem Familienstellen mit ein, jedoch auch einiges was den gängigen Vorstellungen des Familienstellens widerspricht - sowie die Erkenntnisse der verschiedenen Bewusstseinsstufen, die Wilfried bereits in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" bereits sehr umfangreich beschrieb.


Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zum "Mann-Sein".
Laut Ansicht der Familiensteller kommt die eigene Männlichkeit ja vom Vater - und ganz egal wie männlich oder unmännlich der eigene Vater war, ob er ein guter Mensch war, oder ein Verbrecher.... wenn man den eigenen Vater annimmt, dann nimmt man auch die eigene Männlichkeit an.

Dies entspricht voll und ganz auch meinen Erfahrungen: Vor etwa 15 Monaten wollte ich mir in einer Aufstellung die Beziehung zu meiner Mutter anschauen. Meine Mutter bewegte sich jedoch bei dieser Aufstellung ganz abseits hin zum Rand, und ich kam voll zum Vater und in seine Herkunftsfamilie. An diese Aufstellung erinnere ich mich seit diesem Zeitpunkt immer wieder.... und sie ist stets ein Trigger für männliche Kraft in mir

(Dasselbe gilt natürlich für Frauen: Selbst wenn die eigene Mutter ihre Weiblichkeit nur in der Kindererziehung und am Herd ausgelebt hat, erst wenn die Mutter und ihre Weiblichkeit angenommen ist, kann frau zu ihrer eigenen Weiblichkeit kommen - die sie nun vielleicht ganz anders ins Leben bringt, als die Mutter dies mit ihrer Weiblichkeit getan hat.)


Gerade für den Mann ist es wichtig, das Mann-Sein nicht durch die Frau definieren zu lassen. Und auch nicht durch die Muttersöhne, also die Männer, die immer noch versucht sind, es der Mutter  oder den Frauen  recht zu machen. (Aber Mann-Sein hat natürlich auch nichts mit Widerstand gegenüber der Mutter oder gegenüber den Frauen zu tun.)

Eigentlich bringt Wilfried es auf Seite 43 seines Buches mit wenigen Worten auf den Punkt:
    Ein richtiger Mann ist einer, der sich selbst zustimmt, wie er ist und seiner Männlichkeit, wie sie ist. Das ist alles.


Im letzten Kapitel seines Buches bring Wilfried die verschiedenen Spielarten des Themas "Liebe" und des Themas "Sexualität" in Verbindung mit den verschiedenen (in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" definierten) Bewusstseinsstufen. Auch dies fand ich sehr interessant.


Und auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde, was in diesem Buch steht, so habe ich es doch bereits zwei Mal gelesen, und es war jedesmal sehr interessant und erkenntnisreich.

Donnerstag, 15. August 2013

Der Lebens-Integrations-Prozess

Vielleicht schreibe ich hier noch etwas über den Lebens-Integrations-Prozess, den ich auf der Sommerakademie bei Wilfried Nelles durchlaufen durfte.

Dieser Prozess hat gewisse Ähnlichkeit mit den Familienaufstellungen.
Die Familienaufstellungen habe ich hier im Blog ja schon öfters erwähnt, aber hier nochmals eine kurze Zusammenfassung:
Bei der Aufstellungsarbeit werden Teilnehmer der Gruppe beispielsweise für mich und für meinen Vater und meine Mutter aufgestellt. Diese "Stellvertreter" für meine Eltern haben keine (oder nur minimalste) Infos über meine Eltern, wenn sie sich jedoch in die Aufstellung begeben, dann verhalten sie sich plötzlich so wie meine Eltern.... und haben Wissen über die Eltern, welches sie eigentlich garnicht haben können.... - einfach nur dadurch, dass sie sich gesammelt auf die Aufstellung einlassen, in sich hineinspüren, langsam und achtsam vorgehen....

Wie das wirklich funktioniert, ist letztendlich unklar.... aber das es funktioniert weiß jeder, der sich schon mal darauf eingelassen hat.

Bei meiner ersten Familienaufstellung war meine Lebensgefährtin regelrecht erschrocken, wie sehr der Stellvertreter meines Vaters auf einmal meinem tatsächlichen Vater ähnlich war....
Und ich war beispielsweise in einer Aufstellung mal der behinderte Bruder einer Teilnehmerin. Hinterher sagte dann die Teilnehmerin, die Art und Weise wie ich immer wieder Nähe zu ihr gesucht habe, entsprach genau dem, was ihr Bruder auch immer macht. (Ich hatte das nicht gewusst, sondern war in der Aufstellung einfach meinen inneren Impulsen gefolgt.)
- Und ich hatte im Laufe der Jahre noch viel erstaunlichere Erlebnisse!


Bei der LIP-Aufstellung ("Lebens-Integrations-Prozess") ist das etwas anders. Hier wird ein Teilnehmer aus der Gruppe für mich als Fötus aufgestellt, einer für mich als Kind und einer für mich als Jugendlicher. Ich selbst stehe dabei für mich als Erwachsener.
Anders als bei den Familienaufstellungen hat hierbei jedoch jeder einen festen Platz, den er nicht verlassen darf.
Der Fötus zeigt manchmal die innerliche Lebensvision, oder auch besondere Fähigkeiten, die man von Anfang an in sein Leben mitbekommen hat....

Bei der LIP-Aufstellung eines Teilnehmers sagte der Stellvertreter des Fötus beispielsweise mehrmals "Ich bin ein blinder Seher".
Als Wilfried den Teilnehmer dann fragte, ob er mediale Fähigkeiten habe, gab dieser dies etwas zögerlich zu. Er meinte, er hätte dies immer geheim gehalten, weil andere Menschen hierauf oft negativ reagierten. - Nun aber hatte sich gezeigt, dass er diese Fähigkeit bereits von Anfang an, sozusagen als Lebensaufgabe, mitbekommen hatte....

Und bei mir was es, wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb, die Stille, welche ich mitbekommen habe....

Mittwoch, 14. August 2013

Elementare Stille

Eigentlich möchte ich ja noch einen Ausführlichen Beitrag schreiben, in welchem ich auf die Ende Juli besuchte Sommerakademie bei Wilfried Nelles eingehe. Doch dieser Beitrag über die "Stille" will jetzt schon geschrieben werden.

Am letzten Tag der Sommerakademie hatte ich Gelegenheit, den "Lebens-Integrations-Prozess" zu durchlaufen. Dies ist eine von Wilfried speziell entwickelte Methode der Aufstellungsarbeit, bei der man sich verschiedene Lebensphasen anschaut, ja, sie nur anschaut, so wie sie waren...., ihnen zustimmt, und dann das Ganze integriert.
Dabei steht man auf der Position des Erwachsenen, und schaut auf den Fötus, auf das Kind und auf den Jugendlichen, welche man einmal war. - Ein total beeindruckender und tiefgehender Prozess.

Der Fötus zeigt einem manchmal Eigenschaften oder innere Visionen, welche man von Anfang an mit in die Welt mit bekommen hat, und welche durch die Umgebung noch nicht verformt sind.


Mir zeigte mein Fötus die "Stille".
Das war tief bewegend.

Auf einer Ebene war ich ja oft nicht so sehr einverstanden damit, ein eher ruhiger Mensch zu sein.
Aber das was sich hier zeigte war etwas wesentlich Tiefergehendes.
Und es hat mich auch damit versöhnt, ein eher ruhiger Mensch zu sein.... (Insbesondere hatte ich wegen meiner Fähigkeit des achtsamen Hinspürens.... und der Beschränkung auf das Wesentliche schon vor der Aufstellung von einer Teilnehmerin eine sehr positive Rückmeldung erhalten.)

Während dieser LIP-Aufstellung verband ich dann innerlich die "Stille" mit meiner Art in PrEssenz zu gehen (wie ich es in der K!KG-Ausbildung gelernt hatte).... und mir war nun klar, wieso es mir so leicht fällt, tief nach innen zu gehen.... und selbst schwierige 'Sitzungen' mit mir selbst zu machen.....

Aber es gab dann auch einen kurzen Punkt, wo ich spürte, hinter der Stille steckt noch mehr.
Auch wenn es laut ist, wenn viele Worte fallen..... zwischen all den Worten.... und hinter all dem Lärm..... da ist immer eine ganz tiefe Stille....


Erst jetzt, viele Tage später, habe ich nochmals diese spezielle Art der "direkten Stille" hervorgekramt... und auch gemerkt.... Wenn ich mir innerlich den Frei-Raum und die Frei-Zeit nehme, dann kann ich jederzeit in diese Stille gehen....
Und aus diesem veränderten Zustand heraus..... nehme ich die Welt, nehme ich das Leben etwas anders war.

Übrigens schrieb vor einigen Tagen Josephine einen Beitrag über die Stille.
Ihren Antworten auf meine Kommentare liefern sehr interessante Sichtweisen für mich... und machen mich noch neugieriger darauf, mich noch mehr damit zu befassen....


Aber ein wesentlicher Punkt dabei ist wirklich, dass ich dies schon von Anfang an mitbekommen habe.... es also elementar zu mir gehört.... und sich für mich nun die Frage stellt, wie und auf welche Weise ich dies noch mehr in meinem Leben nutzen kann...

Samstag, 13. Juli 2013

Das "Jugendlichen-Bewusstsein"

In diesem Beitrag möchte ich ein sehr interessantes Buch vorstellen. Anders als die meisten hier von mir besprochenen Bücher enthält dieses Buch keine einzelnen Übungen, oder gar eine ganze in sich geschlossene Methode, zur persönlichen Weiterentwicklung. Es enthält jedoch sehr interessante Gedanken, welche dazu beitragen können, die Welt ein bisschen anders als vorher zu sehen - und anders mit ihr umzugehen.

Das Buch heißt "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang Die Evolution des Bewußtseins, spirituelles  Wachstum und das Familienstelle". Es stammt von Wilfried Nelles und ist erschienen im "innenwelt verlag".


Im ersten Teil dieses Buches teilt Wilfried die persönlichen Entwicklungsschritte, die jeder Mensch durchmacht, von seiner Zeugung bis zu seinem Tod, in 7 Stufen ein.
Ebenso unterteilt er die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ebenfalls in 7 Stufen und zieht sehr interessante Querbeziehungen zu den persönlichen Entwicklungsschritten.

Dabei stellt Wilfried nicht nur bloße Theorien auf, sondern untersucht, welche Lebensum­stände ein Fötus (Stufe 1), ein Kind (Stufe 2), ein Jugendlicher (Stufe 3), ein Erwachsener (Stufe 4), ein älterer Erwachsener (Stufe 5), ein Rentner (Stufe 6) .... in seiner Lebensphase jeweils vorfindet....
und welche Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, er auf der jeweiligen Stufe hat.
(Die Stufe 7 ist hierbei übrigens der Tod.)

Dasselbe untersucht er auf der gesellschaftlichen Entwicklung:
Die vor-bewusste Zeit (Stufe 1), die in Mythen oft als die Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird, die traditionelle, hierarchische Gesellschaft (Stufe 2), die heutige "moderne" Gesellschaft (Stufe 3), .... und vier weitere zukünftige Entwicklungsstufen.


Ein Kind (Stufe 2) beispielsweise ist von seine Eltern total abhängig, jedoch fühlt es sich (sofern in der Familie nicht gewaltig etwas schief läuft), gerade in dieser Abhängigkeit geborgen.
Einem Mitglied einer traditionellen Gesellschaft geht es ähnlich: Auch er fühlt sich in seinem Clan, seiner Gruppe, seinem Platz in der Hierarchie geborgen. (Dies ist auch der Grund, warum man Menschen in traditionellen Gesellschaften nicht so einfach mit der Demokratie beglücken kann. Diese ist erst in der nächsten Stufe interessant.)

Derzeit lebt unsere westliche Gesellschaft, wie Wilfried erläutert, auf der Bewusstseinsstufe eines Jugendlichen.
Wie der Jugendliche muss er zu allem überlieferten "Nein" sagen und sich gegen es abgrenzen... gegen die Familie, gegen die Traditionen, gegen die Religion,...
... alles ist falsch....
nur leider hat er selbst keine Ahnung, wie es funktioniert....

Und so entstehen, tiefe Einsamkeit, Bindungslosigkeit, der Verlust von Sinn und allem Tragenden.....
Trotzdem führt der Weg, wie es sich mancher Traditionalist vielleicht wünschen würde, nicht zurück in die Stufe 2 - sondern nach vorne, in die Stufe 4, auf die Stufe eines Erwachsenen, in eine erwachsene Gesellschaft.....
(Dabei hat 'Erwachsen-Sein' jedoch nichts mit der Starre und dem Ernst zu tun, welches die noch auf Stufe 2 lebenden Menschen in es hineininterpretierten. Auf Stufe 2 weiß man noch nicht was 'Erwachsen-Sein' ist..... und spielt 'Erwachsen-Sein' praktisch nur....)

Und genau auf diesem Weg zum 'Erwachsen Sein' ist die Stufe des Jugendlichen extrem wichtig. Der Jugendliche muss sich durch seine Auflehnung gegen alles erst einmal selbst finden.... bevor er den Schritt ins Erwachsen-Sein gehen kann....


Wilfried erläutert in diesem Buch sehr ausführlich alle 7 Stufen....
wie gesagt, mittels einen genau hinschauenden Blick auf die jeweiligen Lebensumstände und Möglichkeiten...


Im zweiten Teil des Buches werden dann verschiedene Wege der persönlichen Weiterentwicklung in Zuordnung zu den vorgestellten 7 Stufen untersucht.
Hier wird sehr interessant auch die Psychotherapie, das traditionelle Familienstellen und die neuen Formen des Familienstellens betrachtet.
(Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, was Wilfried über emotionalen und sexuellen Missbrauch schreibt: Das hier häufig kritisierte Familienstellen gibt dem Missbrauchten seine Würde zurück, weil es einen wichtigen Teil der in Stufe 2 wirkenden Wirklichkeit anerkennt.....
Jedoch ist es laut Wilfried ebenso wichtig, noch einen weiteren Schritt zu gehen (Stufe 3) der normalerweise in der im Familienstellen gefundenen Lösung noch fehlt.)


Mir hat das Buch sehr geholfen, die Welt besser zu verstehen,
zu sehen, welche Entwicklung uns möglicherweise in nächster Zeit weiterhelfen könnte,
und vor allem auch zu sehen, wo unsere spirituelle Entwicklung hingehen könnte!

Ja, auch auf religiöser Ebene wurden die Stufe-2-Religionen ja von den "Jugendlichen" abgeschafft, und durch Wissenschaftsgläubigkeit oder durch Stufe-3-Religionen (alle Macht liegt in mir) ersetzt.

Auf Stufe 4 wird laut Wilfried das Herz an Bedeutung gewinnen,
die Herz-Verbindung zum Großen Ganzen,
und zu anderen Menschen.....
eine Verbindung und ein Eingebunden-Sein außerhalb der hierarchischen Sicht weise der Stufe 2.

Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war....
Und dass es zwar bei Aufstellungen nicht notwendig oder gefordert ist, jedoch - genauso wie bei den Innen-Raum-Reisen - es sicherlich sehr hilfreich wäre, wenn man auch als Zuschauer der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent ist.

Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die Präsenz gehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Samstag, 6. April 2013

Etwas Besonderes sein

Mit dem Thema "Etwas Besonderes sein" kam ich die letzten Wochen mehrmals und auf verschiedene Art und Weise in Berührung.

Die erste Begegnung war vor ein paar Wochen beim Lesen des Buches "Umarme dein Leben" von Wilfried Nelles. Dabei wurde dieses Thema dort nur einmal, und nur kurz erwähnt.

Wilfried Nelles beschrieb, dass Menschen manchmal, wenn sie mit ihren Eltern verstrickt sind, etwas für diese tragen, oder der Liebling eines Elternteils waren, nicht wirklich den Wunsch haben erwachsen zu werden.
Diese Menschen fühlen sich (heimlich) größer als ihre Eltern.... und fühlen sich somit als etwas Besonderes....
Wenn sie bereit wären erwachsen zu sein, dann müssten sie diese Grandiosität und Besonderheit aufgeben müssten.... und ganz normale Menschen werden.

Ich merkte, wie mich diese Text-Stelle ansprach, weil ich mich durch die Verstrickung mit meiner Mutter wohl auch irgendwie als etwas Besonderes definier(t)e.


Dieses Thema spuckte dann weiterhin in mir herum.
Mir wurde bewusst, dass mein Besonders-Sein ja nicht nur auf der von Nelles beschriebenen systemischen Verstrickung beruhte.

Sondern meine Mutter hatte ja stets von mir erwartet hatte, dass ich etwas Besonderes bin, sei es im Kindergarten, bei meinen Leistungen in der Schule..... und überhaupt im Umgang mit anderen Menschen....
Und ich merkte, wie ich ja auch heute Besonderes von mir verlange..... - erwarte, dass ich mit meinem Leben, mit meinen Gefühlen, mit sozialen Situationen besonders umgehen kann!

Dies war dann auch Thema bei meinen Innen-Reisen.
Ich konnte mir das Besonders-Sein-Wollen mehr und mehr anschauen..... und mehr und mehr auch die Erlaubnis entwickeln, "ein ganz normaler Mann" mit "ganz normalen Gefühlen, Wünschen und Schwierigkeiten" zu sein!!!


Gestern fand ich das Thema 'Besonders-Sein' noch in einem weiteren Buch: "Die Kraft der Präsenz" von Richard Moss.
Er schreibt, dass es zwei Arten von 'Besonders-Seins' gibt und unser Ego uns immer in die eine oder andere Art des 'Besonders-Seins' bewegen will:
  1. Die erste Art des 'Besonders-Seins' ist, sich als Grandios und Überlegen zu sehen.
  2. Die Alternative ist, sich als weniger wert, besonders unfähig,
    aber auch als besonders schwach, besonders hilflos, besonders verletzlich, besonders bedürftig, zu sehen - und von der Welt zu erwarten, aus diesem Grund auch besonders behandelt zu werden.
Oft wechseln wir, so Richard Moss, zwischen diesen beiden Arten des Besonders-Sein hin und her.....


Nachtrag:
Meiner Ansicht nach ist es ja nicht falsch, etwas Besonderes sein zu wollen.
Es macht nur sehr unfrei, diesem Besonders-Sein ständig hinterherlaufen zu müssen,
ist manchmal recht anstrengend,
und schränkt dabei ein, dem Leben und anderen Menschen unmittelbar zu begegnen.


P.S.: Ich kann die beiden genannten Bücher sehr empfehlen!
(Wenn ich mal dazu komme, werde ich sie auch noch ausführlicher vorstellen.)