Sonntag, 16. März 2014

Das Leben geschieht....

Das Leben geschieht.... doch nicht immer so, wie wir es gerne hätten.
Ein Grund innerlich in Widerstreit mit dem Leben zu gehen?

Ich weiß, ich vernachlässige meinen Blog zur Zeit sehr.

Eigentlich wollte ich schon sein Monaten ein wirklich super hilfreiches Buch vorstellen....

Und vor Wochen habe ich eine neue Methode entdeckt, um aus Symbiose und Verstrickung wieder zu sich zu kommen.... bei sich zu sein, beim eigenen SELBST zu sein....
Da habe ich gleich zwei Seminare besucht - und möchte natürlich auch darüber schreiben.

Und dann habe ich nochmals ein Seminar besucht. Diesmal wieder zu dem großen, altvertrauten Thema "in den Einklang mit dem zu gehen, was durch das Leben auf mich zukommen will....." - Auch hier gab es sehr viel Interessantes!!!

Es stehen also noch einige Beiträge aus!!!

Das Leben geschieht.... und auch meine langjährige Partnerschaft ging/geht nun in einer einvernehmlichen und freundschaftlichen Trennung zu Ende....

Das Leben geschieht.... und ich weiß auch noch nicht, wie es mit meinem Blog weitergehen wird!

Montag, 6. Januar 2014

Diesmal total anders

Letzten Freitag habe ich ja zum zweiten Mal ein Seminar geleitet.
Diesmal war es für mich total anders als beim 1. Mal.

Ich konnte sehr gut innerlich in meine Kraft und Präsens sein
- so gut wie es mir bisher im alltäglichen Leben nur absolut selten möglich war!!!
Aus dieser innerlichen Position heraus hat es mir großen Spaß gemacht, das Seminar zu leiten.... und mit den Teilnehmerinnen auf diese Art und Weise zusammensein.

Diesmal waren 5 Teilnehmerinnen gekommen, meine Lebensgefährtin, zwei aus dem letzten Kurs und zwei Neue.

Ja, irgendwie lief es ganz anders als beim letzten Mal:
Ich war nicht so unsicher und nicht so gestresst. - Lediglich als ich zum ersten Mal vor fremden Menschen (etwa in der Mitte des Seminars) eine kurze Innen-Raum-Reise anleitete, war ich am Anfang unsicher. (Doch davon hatten die Teilnehmerinnen nichts bemerkt, wie sie mir dann sagten - sondern sie hatten die Reise einfach nur genossen.)

Beim ersten Seminar war das besondere Highlight, dass es mir gelungen war, den Raum so weit aufzuspannen, dass Jede - ganz ohne mein Zutun - genau die Erfahrung in den Übungen machte, welche für sie wichtig war.
Diesmal habe ich mich eher aktiv und willentlich die Übungen ausgewählt, von denen ich merkte, dass sie hilfreich sind: Irgendwie war es angesagt, nicht nur reine Übungen zum Zustimmen anzubieten, sondern Übungen, bei welchen man gleichzeitig zu sich und in die eigene Kraft geht.
Meine eigene Stimmung - und das was von den Teilnehmerinnen gebraucht wurde, passte also irgendwie zusammen.

So war es auch diesmal am Schluss für fast alle wieder eine runde Sache.
Eine Teilnehmerin meinte, sie hätte sich das mit den Übungen zu Zustimmen anders vorgestellt, aber auch sie hatte gleich am Anfang schon bei den Einstiegs-Übungen ihren Aha-Effekt gehabt.

Ich werde schauen, wir ich weiterhin derartige 'Einführungs- und Erfahrungs-Seminare' anbieten kann. - Vielleicht Abends und nur zwei Stunden, so dass noch weniger Kosten für die Raum-Miete entstehen....

Sonntag, 13. Oktober 2013

[Lösung in der Hinwendung]

[...] die Lösung liegt immer in der Gegenwart,
in der Hinwendung zum Problem
und nicht im Versuch es zu beseitigen.
Wilfried Nelles [*]
[*] Aus "Umarme dein Leben: Wie wir seelisch erwachsen werden - Der Lebens-Integrations-Prozess"
von Wilfried Nelles (Autor); Innenwelt Verlag (2012); Seite: 67

Sonntag, 18. August 2013

Männer-Frauen-Liebe-Buch

Heute möchte ich ein zweites Buch von Wilfried Nelles vorstellen: "Männer, Frauen und die Liebe: Über kindliche Ansprüche und erwachsene Bedürfnisse"

Eigentlich listet der Titel schon alles auf, worum es in diesem Buch geht.
In dieses Buch fließen Erkenntnisse aus dem Familienstellen mit ein, jedoch auch einiges was den gängigen Vorstellungen des Familienstellens widerspricht - sowie die Erkenntnisse der verschiedenen Bewusstseinsstufen, die Wilfried bereits in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" bereits sehr umfangreich beschrieb.


Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zum "Mann-Sein".
Laut Ansicht der Familiensteller kommt die eigene Männlichkeit ja vom Vater - und ganz egal wie männlich oder unmännlich der eigene Vater war, ob er ein guter Mensch war, oder ein Verbrecher.... wenn man den eigenen Vater annimmt, dann nimmt man auch die eigene Männlichkeit an.

Dies entspricht voll und ganz auch meinen Erfahrungen: Vor etwa 15 Monaten wollte ich mir in einer Aufstellung die Beziehung zu meiner Mutter anschauen. Meine Mutter bewegte sich jedoch bei dieser Aufstellung ganz abseits hin zum Rand, und ich kam voll zum Vater und in seine Herkunftsfamilie. An diese Aufstellung erinnere ich mich seit diesem Zeitpunkt immer wieder.... und sie ist stets ein Trigger für männliche Kraft in mir

(Dasselbe gilt natürlich für Frauen: Selbst wenn die eigene Mutter ihre Weiblichkeit nur in der Kindererziehung und am Herd ausgelebt hat, erst wenn die Mutter und ihre Weiblichkeit angenommen ist, kann frau zu ihrer eigenen Weiblichkeit kommen - die sie nun vielleicht ganz anders ins Leben bringt, als die Mutter dies mit ihrer Weiblichkeit getan hat.)


Gerade für den Mann ist es wichtig, das Mann-Sein nicht durch die Frau definieren zu lassen. Und auch nicht durch die Muttersöhne, also die Männer, die immer noch versucht sind, es der Mutter  oder den Frauen  recht zu machen. (Aber Mann-Sein hat natürlich auch nichts mit Widerstand gegenüber der Mutter oder gegenüber den Frauen zu tun.)

Eigentlich bringt Wilfried es auf Seite 43 seines Buches mit wenigen Worten auf den Punkt:
    Ein richtiger Mann ist einer, der sich selbst zustimmt, wie er ist und seiner Männlichkeit, wie sie ist. Das ist alles.


Im letzten Kapitel seines Buches bring Wilfried die verschiedenen Spielarten des Themas "Liebe" und des Themas "Sexualität" in Verbindung mit den verschiedenen (in "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang" definierten) Bewusstseinsstufen. Auch dies fand ich sehr interessant.


Und auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde, was in diesem Buch steht, so habe ich es doch bereits zwei Mal gelesen, und es war jedesmal sehr interessant und erkenntnisreich.

Freitag, 2. August 2013

Kompetent sein!

Meine Kompetenz in Sachen "Umgang mit sich selbst und mit dem Leben" ist im realen Leben nur wenigen Menschen bekannt. Nur sehr wenigen!
Und in der Vergangenheit war ich auch fast schon fleißig bemüht, sie zu verstecken....

Beispielsweise als in in die Ausbildungsgruppe von Joel kam.
Ich wollte eigentlich die Ausbildung ganz normal beginnen, 1. Ausbildungsjahr, 2. Ausbildungsjahr, 3. Ausbildungsjahr..... doch dann fiel die Ausbildung mangels Teilnehmeranzahl aus, und Joel bot mir an, als Quereinsteiger gleich ins 2. Ausbildungsjahr einzusteigen.
Dort war ich natürlich derjenige, der über diese Art der Vorgehensweise am Wenigsten wusste.... Aber auch meine Umfangreichen anderen Vorkenntnisse brachte ich nur ganz selten ein.

Am Ende des 3. Jahres (für mich des 2. Jahres) sollte man für jeden Teilnehmer auf Kärtchen schreiben, was der Teilnehmer für einem selbst besonderes bedeutet hat. Ein Teilnehmer schrieb auf ein Kärtchen für mich "Heimlich schlau". Er hatte bemerkt, dass ich oft nicht alles mitteilte, was ich weiß.
Das fehlende 3. Jahr holte ich dann in der folgenden Gruppe nach, welche im 2. Ausbildungsjahr war. Hier war ich der einzige Neuling in einer Gruppe, welche schon 1 Jahr lang intensive Erlebnisse miteinander gehabt hatte. Auch dies war dann ein Anlass für mich, mich mit meinen ganzen Vorkenntnissen zurückzuhalten....


Letzte Woche war ich auf der Sommerakademie von Wilfried (ich schreibe noch ausführlicher darüber). Dort waren viele Leute, welche bereits als Seminarleiter arbeiten, oder zumindest die Methode von Wilfried schon sehr gut kennen.
Auch hier stellte ich mich also eher inkompetent.

Was ich von Beruf bin?
"Ich bin .... (technischer Beruf) aber es fehlt mir etwas.
Ich würde gerne auch noch etwas anderes machen, aber es hat sich noch nicht so richtig gezeigt, was ich wirklich tun könnte."

Irgendwann hat's mir dann gereicht!
"Ich bin .... (technischer Beruf) aber ich möchte gerne dazu kommen darüber hinaus auch mit Menschen arbeiten. Ich habe auch schon eine umfangreiche 3-jährige Ausbildung, aber ich getraue mich noch nicht ganz, wirklich etwas anzubieten."
Und dann ein kompetentes Gespräch geführt. Was ich für eine Ausbildung gemacht habe. Was sie vorhat anzubieten. Gegenseitiger Austausch.

Mit einer weiteren Frau dann sogar noch tiefer.
Sie sehr persönliches erzählt. Ich sehr persönliches erzählt. Kompetent darauf eingegangen. Ich durch sie neue Gesichtspunkte bekommen. Sie durch mich neue Gesichtspunkte bekommen. - Ein kompetentes Gespräch auf Augenhöhe.


Auch meine Kollegen würden sicherlich nicht auf die Idee kommen, dass ich mich mit psychologischen Dingen auskenne, dass ich in Lebensfragen kompetent bin.
Gut, vielleicht haben sie sich gefragt, wie ich so stressfrei mit meinem Augenproblem umgehen konnte....


Ja, ich möchte in nächster Zeit (zunächst so halb-privat im erweiterten Bekanntenkreis) eine lose Folge von Seminaren, und auch mal Einzelarbeit, anbieten.
Nein, ich erstelle hierbei keine Diagnosen. Das würde ich nicht wollten.... und hierzu hätte ich auch nicht die mindeste Kompetenz.
Nein, ich löse dabei keine Probleme - und helfe auch nicht, Probleme zu lösen. Dies würde ich nicht wollen, und hier hätte ich auch nur wenig Kompetenz zu bieten.
Nein, ich arbeite auch nicht Ziel- oder Lösungsorientiert. Das würde ich nicht wollen.... und das was ich darüber weiß, möchte ich eigentlich garnicht wissen.

Aber ich kann dabei helfen, das was ist wirklich anzuschauen.... ohne Scheuklappen.... und im nächsten Schritt dann in die Zustimmung zu kommen. Oft entsteht hierdurch ein so großer innerlicher Freiraum, dass das Thema sich von selbst löst, oder ein nächster Schritt deutlich wird. Aber eine solch "große Lösung" ist nicht machbar, weder von mir noch von dir. Sie geschieht, oder geschieht nicht.... Im Einklang mit dem Leben.
Aber selbst wenn sie nicht entsteht.... wird sich das Thema hinterher nicht mehr so eng und bedrückend anfühlen wie vorher.....


Ja, eine spannende Geschichte.
Wahrscheinlich werde ich bei meinen ersten Gehversuchen total unsicher sein....
und dann vielleicht sogar mit dieser Unsicherheit hadern.
Dann werde ich merken, dass ich ein Stückweit zu dieser Unsicherheit "Ja" sagen muss.... um das tun zu können, was ich vorhabe.

Doch genau dadurch entsteht die Einladung, auch an die Teilnehmer..., dass Unsicherheit dazugehört....., dass es zum Leben dazugehört..... mit der Unsicherheit zu hadern..... und dass es in Ordnung ist, unsicher zu sein.

Samstag, 13. Juli 2013

Das "Jugendlichen-Bewusstsein"

In diesem Beitrag möchte ich ein sehr interessantes Buch vorstellen. Anders als die meisten hier von mir besprochenen Bücher enthält dieses Buch keine einzelnen Übungen, oder gar eine ganze in sich geschlossene Methode, zur persönlichen Weiterentwicklung. Es enthält jedoch sehr interessante Gedanken, welche dazu beitragen können, die Welt ein bisschen anders als vorher zu sehen - und anders mit ihr umzugehen.

Das Buch heißt "Das Leben hat keinen Rückwärtsgang Die Evolution des Bewußtseins, spirituelles  Wachstum und das Familienstelle". Es stammt von Wilfried Nelles und ist erschienen im "innenwelt verlag".


Im ersten Teil dieses Buches teilt Wilfried die persönlichen Entwicklungsschritte, die jeder Mensch durchmacht, von seiner Zeugung bis zu seinem Tod, in 7 Stufen ein.
Ebenso unterteilt er die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ebenfalls in 7 Stufen und zieht sehr interessante Querbeziehungen zu den persönlichen Entwicklungsschritten.

Dabei stellt Wilfried nicht nur bloße Theorien auf, sondern untersucht, welche Lebensum­stände ein Fötus (Stufe 1), ein Kind (Stufe 2), ein Jugendlicher (Stufe 3), ein Erwachsener (Stufe 4), ein älterer Erwachsener (Stufe 5), ein Rentner (Stufe 6) .... in seiner Lebensphase jeweils vorfindet....
und welche Möglichkeiten, mit diesen umzugehen, er auf der jeweiligen Stufe hat.
(Die Stufe 7 ist hierbei übrigens der Tod.)

Dasselbe untersucht er auf der gesellschaftlichen Entwicklung:
Die vor-bewusste Zeit (Stufe 1), die in Mythen oft als die Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird, die traditionelle, hierarchische Gesellschaft (Stufe 2), die heutige "moderne" Gesellschaft (Stufe 3), .... und vier weitere zukünftige Entwicklungsstufen.


Ein Kind (Stufe 2) beispielsweise ist von seine Eltern total abhängig, jedoch fühlt es sich (sofern in der Familie nicht gewaltig etwas schief läuft), gerade in dieser Abhängigkeit geborgen.
Einem Mitglied einer traditionellen Gesellschaft geht es ähnlich: Auch er fühlt sich in seinem Clan, seiner Gruppe, seinem Platz in der Hierarchie geborgen. (Dies ist auch der Grund, warum man Menschen in traditionellen Gesellschaften nicht so einfach mit der Demokratie beglücken kann. Diese ist erst in der nächsten Stufe interessant.)

Derzeit lebt unsere westliche Gesellschaft, wie Wilfried erläutert, auf der Bewusstseinsstufe eines Jugendlichen.
Wie der Jugendliche muss er zu allem überlieferten "Nein" sagen und sich gegen es abgrenzen... gegen die Familie, gegen die Traditionen, gegen die Religion,...
... alles ist falsch....
nur leider hat er selbst keine Ahnung, wie es funktioniert....

Und so entstehen, tiefe Einsamkeit, Bindungslosigkeit, der Verlust von Sinn und allem Tragenden.....
Trotzdem führt der Weg, wie es sich mancher Traditionalist vielleicht wünschen würde, nicht zurück in die Stufe 2 - sondern nach vorne, in die Stufe 4, auf die Stufe eines Erwachsenen, in eine erwachsene Gesellschaft.....
(Dabei hat 'Erwachsen-Sein' jedoch nichts mit der Starre und dem Ernst zu tun, welches die noch auf Stufe 2 lebenden Menschen in es hineininterpretierten. Auf Stufe 2 weiß man noch nicht was 'Erwachsen-Sein' ist..... und spielt 'Erwachsen-Sein' praktisch nur....)

Und genau auf diesem Weg zum 'Erwachsen Sein' ist die Stufe des Jugendlichen extrem wichtig. Der Jugendliche muss sich durch seine Auflehnung gegen alles erst einmal selbst finden.... bevor er den Schritt ins Erwachsen-Sein gehen kann....


Wilfried erläutert in diesem Buch sehr ausführlich alle 7 Stufen....
wie gesagt, mittels einen genau hinschauenden Blick auf die jeweiligen Lebensumstände und Möglichkeiten...


Im zweiten Teil des Buches werden dann verschiedene Wege der persönlichen Weiterentwicklung in Zuordnung zu den vorgestellten 7 Stufen untersucht.
Hier wird sehr interessant auch die Psychotherapie, das traditionelle Familienstellen und die neuen Formen des Familienstellens betrachtet.
(Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, was Wilfried über emotionalen und sexuellen Missbrauch schreibt: Das hier häufig kritisierte Familienstellen gibt dem Missbrauchten seine Würde zurück, weil es einen wichtigen Teil der in Stufe 2 wirkenden Wirklichkeit anerkennt.....
Jedoch ist es laut Wilfried ebenso wichtig, noch einen weiteren Schritt zu gehen (Stufe 3) der normalerweise in der im Familienstellen gefundenen Lösung noch fehlt.)


Mir hat das Buch sehr geholfen, die Welt besser zu verstehen,
zu sehen, welche Entwicklung uns möglicherweise in nächster Zeit weiterhelfen könnte,
und vor allem auch zu sehen, wo unsere spirituelle Entwicklung hingehen könnte!

Ja, auch auf religiöser Ebene wurden die Stufe-2-Religionen ja von den "Jugendlichen" abgeschafft, und durch Wissenschaftsgläubigkeit oder durch Stufe-3-Religionen (alle Macht liegt in mir) ersetzt.

Auf Stufe 4 wird laut Wilfried das Herz an Bedeutung gewinnen,
die Herz-Verbindung zum Großen Ganzen,
und zu anderen Menschen.....
eine Verbindung und ein Eingebunden-Sein außerhalb der hierarchischen Sicht weise der Stufe 2.

Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war... Ich dachte an Joel Weser, an die PrEssenz... und daran, dass es sicherlich sehr hilfreich wäre, während der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent zu dein.
Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die PrEssenzgehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr präsent und in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Samstag, 20. April 2013

Buchempfehlung: Die Kraft der Präsenz

Hauptthema meines Blogs ist, sich seine Lebensthemen anzuschauen, mit ihnen in einen Einklang zu kommen, sich mitten in sie hineinsetzen, ..... und anders als vorher wieder aus ihnen herauszukommen.....

Dies gelang mir bei manchen Themen mehr - bei anderen weniger.....
Die Vorgehensweise war jedoch, mir ein Thema, von dem ich vermute es könne mir Probleme machen, im Vorfeld anzuschauen.
Oder ein Thema, welches mir tagsüber Schwierigkeiten machte, hinterher (am Abend) nachzubereiten.

Bis vor kurzem ist es mir jedoch nicht gelungen, in einer Situation selbst Präsent zu bleiben:
genau zu bemerken was hierbei geschieht,
aus innerlichen Filmen, welche mit der Realität nur begrenzt zu tun haben auszusteigen,
mehr oder weniger in Zustimmung zu kommen,
offen und weit zu werden,
..... ja, eben das Thema schon ein bisschen während ich drinstecke zu bearbeiten
und hierdurch auszusteigen.

Mehr und mehr gelingt mir dies jetzt tatsächlich immer mehr.

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Hierbei sehr geholfen hat mir das Buch  "Die Kraft der Präsenz: Im Jetzt sein - zu sich selbst finden - Heilung erleben"  von Richard Moss!

In diesem Buch werden sehr interessante Gesichtspunkte zum Thema "Präsenz" behandelt.
Teilweise überschneidet sich das Buch mit den vielen Dingen, die wir im KiKG-Training über dieses Thema gelernt haben. Aber es gibt einige andersgeartete Sichtweisen und Ergänzungen, welche mir sehr halfen, mir dieses Thema noch mehr zu erschließen.
Einige Dinge, die ich aus Dem KiKG kenne, verstehe ich durch dieses Buch jetzt viel besser. (Andere hilfreiche Dinge, die ich schon kenne, fehlen dafür natürlich wiederum in diesem Buch.)
Insgesamt brachte es mich jetzt jedoch sehr viel weiter.


Neben diesen ganz fundamentalen Dingen über die Präsenz
nimmt "das Mandala des Lebens" einen großen Teil des Buches ein.
Richard Moss geht davon aus, dass ein Teil unserer Gefühle echte, natürliche Gefühle sind,
es jedoch auch Emotionen gibt, welche durch unser Denken selbst erzeugt werden.
Gerade das, was einem so Schwierigkeiten macht, einem aus der Bahn wirft, Kontraktion erzeugt, sind diese "selbst-gebastelten" Emotionen.
Dieses selbst-basteln der Emotionen ist das, was ich hier auch immer als "im inneren Film sein" beschreibe. Laut Moss entstehen diese Emotionen durch die "Geschichten" die wir uns über uns selbst, über andere, über die Vergangenheit und über die Zukunft erzählen.


Für diejenigen, die aus ihren alten, schon hundert Mal erzählten Geschichten aussteigen wollen ein sehr empfehlenswertes Buch!

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In mir ist schon seit längerer Zeit eine große Sehnsucht da, aus allen negativen (oder auch positiven) Märchen-Geschichten auszusteigen.....
und einfach nur ganz unmittelbar mitten-drin in dem zu sein was nun mal tatsächlich ist. - Nun scheine ich das mehr und mehr nicht nur in Übungssituationen sondern auch 'Just-In-Time' in tatsächlichen Lebenssituationen anwenden zu können.

Samstag, 6. April 2013

Etwas Besonderes sein

Mit dem Thema "Etwas Besonderes sein" kam ich die letzten Wochen mehrmals und auf verschiedene Art und Weise in Berührung.

Die erste Begegnung war vor ein paar Wochen beim Lesen des Buches "Umarme dein Leben" von Wilfried Nelles. Dabei wurde dieses Thema dort nur einmal, und nur kurz erwähnt.

Wilfried Nelles beschrieb, dass Menschen manchmal, wenn sie mit ihren Eltern verstrickt sind, etwas für diese tragen, oder der Liebling eines Elternteils waren, nicht wirklich den Wunsch haben erwachsen zu werden.
Diese Menschen fühlen sich (heimlich) größer als ihre Eltern.... und fühlen sich somit als etwas Besonderes....
Wenn sie bereit wären erwachsen zu sein, dann müssten sie diese Grandiosität und Besonderheit aufgeben müssten.... und ganz normale Menschen werden.

Ich merkte, wie mich diese Text-Stelle ansprach, weil ich mich durch die Verstrickung mit meiner Mutter wohl auch irgendwie als etwas Besonderes definier(t)e.


Dieses Thema spuckte dann weiterhin in mir herum.
Mir wurde bewusst, dass mein Besonders-Sein ja nicht nur auf der von Nelles beschriebenen systemischen Verstrickung beruhte.

Sondern meine Mutter hatte ja stets von mir erwartet hatte, dass ich etwas Besonderes bin, sei es im Kindergarten, bei meinen Leistungen in der Schule..... und überhaupt im Umgang mit anderen Menschen....
Und ich merkte, wie ich ja auch heute Besonderes von mir verlange..... - erwarte, dass ich mit meinem Leben, mit meinen Gefühlen, mit sozialen Situationen besonders umgehen kann!

Dies war dann auch Thema bei meinen Innen-Reisen.
Ich konnte mir das Besonders-Sein-Wollen mehr und mehr anschauen..... und mehr und mehr auch die Erlaubnis entwickeln, "ein ganz normaler Mann" mit "ganz normalen Gefühlen, Wünschen und Schwierigkeiten" zu sein!!!


Gestern fand ich das Thema 'Besonders-Sein' noch in einem weiteren Buch: "Die Kraft der Präsenz" von Richard Moss.
Er schreibt, dass es zwei Arten von 'Besonders-Seins' gibt und unser Ego uns immer in die eine oder andere Art des 'Besonders-Seins' bewegen will:
  1. Die erste Art des 'Besonders-Seins' ist, sich als Grandios und Überlegen zu sehen.
  2. Die Alternative ist, sich als weniger wert, besonders unfähig,
    aber auch als besonders schwach, besonders hilflos, besonders verletzlich, besonders bedürftig, zu sehen - und von der Welt zu erwarten, aus diesem Grund auch besonders behandelt zu werden.
Oft wechseln wir, so Richard Moss, zwischen diesen beiden Arten des Besonders-Sein hin und her.....


Nachtrag:
Meiner Ansicht nach ist es ja nicht falsch, etwas Besonderes sein zu wollen.
Es macht nur sehr unfrei, diesem Besonders-Sein ständig hinterherlaufen zu müssen,
ist manchmal recht anstrengend,
und schränkt dabei ein, dem Leben und anderen Menschen unmittelbar zu begegnen.


P.S.: Ich kann die beiden genannten Bücher sehr empfehlen!
(Wenn ich mal dazu komme, werde ich sie auch noch ausführlicher vorstellen.)

Dienstag, 5. Februar 2013

Die Mutter anschauen!

Nachdem wir in unserem Ausbildungs-Block im November den Vater angeschaut hatten, war diesmal die Mutter dran.

Jedenfalls ging es darum, die Mutter einfach nur anzuschauen (wohl etwa eine viertel Stunde lang?) - ohne dabei etwas zu tun.
Wir sollten also 3-er-Gruppen bilden. Ein Gruppenmitglied war derjenige, der jeweils die Mutter ansehen sollte, ein anderes Gruppenmitglied stand für die Mutter und ein drittes für den Vater. - Jeder kam mal dran, und es wurde immer durchgewechselt.

Wir waren in unserer Gruppe zwei Männer und eine Frau.
Zuerst war der andere Mann dran, die andere Teilnehmerin stand für seine Mutter, während ich für sein Vater stand.
Dann war die Teilnehmerin dran, ich stand für ihre Mutter, der andere Teilnehmer für ihren Vater. - Dabei merkte ich, dass ich, trotz allem was hier geschah, und was wohl zwischen ihr und ihrem Mutter zu stehen scheint, in mir stets Liebe zu ihr da war...... und ich auf Sie und verschiedene aus ihrem Leben sehr stolz war....

Dann war ich dran.
Wie gesagt, hatte ich mir diese Übung ja auch gewünscht, jedoch war ich an diesem Nachmittag garnicht dazu aufgelegt gewesen, diese intensive Übung zu machen.
Ich wählte nun also die Teilnehmerin zur Stellvertreterin für meine Mutter, der andere Teilnehmer war somit Stellvertreter für meinen Vater.

Ganz am Anfang empfand ich mich eine kurze Zeit ganz gut mit ihr in Kontakt. - Dann riss der Kontakt ab.
Mein Blick wanderte immer wieder links von ihr auf den Boden..... und immer wenn ich dann doch versuchte, mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, schien ihr Blick weg-zuwandern, oder sie war in ihrem Blick nicht wirklich anwesend!

Da ein Blick auf den Boden beim Familienstellen ja immer etwas mit Verstorbenen zu tun hat, kam mir dann auch der Gedanke an ihren früh verstorbenen (im Krieg gefallenen) Vater.
Überhaupt hatte ich den Eindruck, auch zwischen ihr und mir würden Tode liegen, welche den Weg zueinander versperren.

Auch zum Vater war kein Kontakt möglich. - Am Anfang war er mit seinem Blick ganz starr ganz woanders. Später wirkte er sehr streng, so dass ich Angst davor hatte, er würde mir eine scheuern.

Ich fühlte mich sehr isoliert..... und ganz alleine auf der Welt.....
und mein Blick blieb immer mehr links von ihr auf dem Boden liegen......

Dann erinnerte ich mich daran, dass Joel ja gesagt hatte, wir sollten bei dieser Übung 'Ganz-Da-Bleiben'..... und nicht in irgendwelche 'alten innerlichen Filme' einsteigen. - Ich hatte den Eindruck, als ob ich zumindest am Rande eines 'alten Film' war.....

Die Aufgabe war jedoch "Die Mutter anzuschauen"!
Also nahm ich wieder Blickkontakt mit ihr auf..... bereit, sie mit all ihrem schweren Schicksal und mit all ihrer Unfähigkeit zu sehen....
Ich wich dann dem Blick nicht mehr aus. In mir war ein "ich schaue dich jetzt an" und ein "ich bin jetzt bereit, dich mit allem zu sehen!".
In mir bildete sich dann der Satz "Ich nehme dich jetzt wie du bist!"

Nachdem ich angefangen hatte, sie anzuschauen verschränkte sie ihre Arme vor ihrer Brust.... doch dies konnte den ganzen Vorgang nicht verhindern, da ich bereit war, sie auch damit zu sehen und zu nehmen.

Ich blickte dann auch den Vater an und sagte innerlich "Auch dich nehme ich wie du bist!"

Hinterher sollten wir uns dann über das Erlebte austauschen.
Als die Stellvertreterin meiner Mutter dann sagte, sie hätte überhaupt nichts gefühlt, da übermannte mich dann doch eine tiefe Traurigkeit - ja ich war fast irgendwie ge­schockt. (Ich hatte irgendwie doch gehofft, dass irgendwo im Hintergrund bei ihr doch Liebe vorhanden ist  - so wie ich es ja auch gefühlt hatte, als ich Stellvertreter der Mutter der anderen Teilnehmerin gewesen war.)

Sie erzählte dann auch, dass es für sie überhaupt nicht möglich gewesen war, mit mir in Kontakt zu gehen oder für mich da zu sein..... und sie sie dafür irgendwie auch geschämt hätte.....  - Dann meinte sie, dass im Hintergrund wohl doch so etwas wie Liebe dagewesen wäre, doch dies wollte ich dann nicht mehr glauben oder annehmen......

Während der Übung war ja ein gewaltiger Schritt passiert, der bisher noch in keiner Systemischen Übung und in keiner Familienaufstellung möglich gewesen war. (Ja, für mich hat sich in den letzten Wochen mehrmals gezeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, 'Ganz-Da' zu bleiben und eben nicht 'in alte Filme' zu gehen. Da bin ich sehr dankbar dafür, dass wir dies in diesem Training gelernt haben.) 

Doch das Hinterher (beim Austausch über das Erlebte) war dann schon so etwas wie ein Schock für mich gewesen.... und ich hatte die Befürchtung, dadurch wäre mir der 'große Schritt' nun auch irgendwie wieder verloren gegangen.

Aber Joel meinte, dass dieser Erfahrung nicht mehr rückgängig zu machen wäre, und die Erinnerung daran immer wieder auftauchen würde. -  Und als positiven und heilsamen Schritt ist mir das Ganze nun im Nachhinein auch tatsächlich in Erinnerung geblieben.....

Montag, 30. Juli 2012

Nachträge - 'Zur Verfügung stehen'

In seinem Kommentar zu "Verletzt durch einen Anderen II" ging Uwe (Link zu Uwe's Kommentar) auf "Schuldgefühle als Grundlage der Abgrenzungsproblematik" ein.

Ich schrieb dann in meinem Antwort-Kommentar weiter unten, dass man eigentlich gar keinen langen Diskurs mit sich selbst führen muss, ob die Schuldgefühle nun gerechtfertigt sind oder nicht - wenn sie da sind, dann kann man sie auch einfach zum Anlass nehmen, 'den Schuldgefühlen ganz zuzustimmen'. - Dann wenn man zugestimmt hat, braucht man sich nicht mehr gegen eine (reale oder eingebildete) Schuld wehren, und wird somit in dieser Hinsicht wieder ganz frei!

Eine andere hilfreiche Methode wäre sicherlich auch "Nicht mehr zur Verfügung stehen" anwenden. - Damit meine ich, der Erwartungen, bei einer Abgrenzung Schuld empfinden zu müssen, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. (Ich bin gespannt, ob dies funktioniert.)

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Ich sehe diesen Satz von Jacobsen übrigens nicht als Affirmation,  welche ganz pauschal ausgesprochen wird und dann alle nur erdenklichen Situationen des Leben auf einen Wisch erschlägt.
Sondern ich sehe es eher als Entscheidung:
    Wenn ich erkenne, ich stelle mich hier wohl gerade jetzt für etwas zur Verfügung, mich dann zu entscheiden, mich jetzt nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Mich nicht mehr zu Verfügung zu stehen ist, zumindest so wie ich es betrachte und erfolgreich angewandt habe, auch nichts, was gegen einen Anderen gerichtet ist.
Es hat vielmehr nur mir mir zu tun:
    Bisher habe ich mich zur Verfügung gestellt, und nun tue ich das eben nicht mehr.
Das ist wohl mit dem Abgrenzen gemeint, bei dem die Handflächen auf einem selbst zeigen.

Samstag, 28. Juli 2012

Nicht mehr zur Verfügung stehen

Letzten Freitag sah ich im Buchgeschäft ein Buch, von welchem ich schon vor Jahren mal gehört hatte. Es ist das Buch "Ich stehe nicht mehr zur Verfügung Wie Sie sich von belastenden Gefühlen befreien und Beziehungen völlig neu erleben" von Olaf Jacobsen. Wie der Zufall so will, hatte eine Bekannte mich vor ein paar Wochen auf die „Freien Systemischen Aufstellungen“ nach eben gerade diesem Jacobsen angesprochen..... Jedenfalls war dann die Neugier so groß, dass ich am Samstag nochmals in die Stadt fuhr, um mir das Buch in Ruhe zu Gemüte zu führen.

(Ich mache es oft so, dass ich in Buchgeschäften schon ausführlich in Büchern lese. Manchmal kaufe ich die Bücher dann nicht, weil da Sachen drin stehen, die für mich nicht stimmig sind, oder die ich schon kenne. Und oft kaufe ich die Bücher dann auch, um sie zuhause nochmals in Ruhe zu lesen und darin herumzumalen, um mir die für mich relevanten Stellen zu markieren.)

Für meine Begriffe ist dieses Buch sehr ungünstig strukturiert. Es gibt einige Perlen(!), die jedoch nicht leicht zu finden sind:

Eine der Kernideen des Buches ist, dass wir sehr oft nicht nur unsere eigenen Gefühle fühlen, sondern etwas von Anderen übernehmen.....
Etwa 80% des Buches beschäftigen sich damit, den Leser durch Theorien, Zitate, Geschichten oder Übungen von der Wahrheit dieser These zu überzeugen. Dies ist auch legitim, sollte jedoch meiner Ansicht nach nicht kreuz und quer durchs gesamte Buch verstreut sein, sondern in eigens dafür vorgesehenen Kapiteln.

Für mich persönlich sind diese 80% des Buches nicht wichtig, da ich dies durch meine Erfahrungen mit K!KG und mit Familienstellen schon längst als Tatsache erkannt habe.
Für mich ist ganz klar, dass man manchmal Gefühle hat, welche in Wirklichkeit einem Vorfahren gehören (und welche man dann mit Liebe und Achtung wieder zurückgeben kann), oder dass man manchmal Gefühle von anderen Menschen fühlt, welche sich gerade in der Nähe befinden.....

Was für mich als Gedanke allerdings neu war ist, dass man manchmal auch Gefühle fühlt, welche eine Antwort auf unterdrückte Gefühle des Gegenübers sind, also dass man z.B. Angst fühlt, wenn man es mit einem kräftigen aber ganz freundlichen Gegenüber zu tun hat, weil man insgeheim seinen unterdrückten Groll auf die Welt wahrnehmen kann.....

Was Jacobsen auch sehr schön auf den Punkt bringt ist, dass wir im Kontakt mit anderen Menschen oft in feste Rollen hineinrutschen - und dann dieser Rolle gemäß fühlen und handeln. (Diese These hatte ich auch schon früher gehört, sie hatte sich jedoch damals für mich noch nicht wirklich mit Leben gefüllt, wie sie es jetzt tut. Jedenfalls fühlt sich diese These von Jacobsen aufgrund meiner Erfahrungen auch sehr stimmig an.)

Das kann man sich wie bei einer Familienaufstellung vorstellen. Bei der Familienaufstellung stellt man sich freiwillig als 'Stellvertreter eines Familienmitglieds' des Klienten zur Verfügung. Wenn man also der Stellvertreter des Vaters des Klienten ist, dann fühlt man wie dieser Vater und übernimmt, ohne ihn zu kennen oder etwas über ihn zu Wissen dessen Verhaltensweisen...
Man ist sich zwar seiner tatsächlichen Identität weiterhin voll bewusst, stellt sich jedoch gleichzeitig zu Verfügung und denkt und fühlt auch wie der Andere.

Doch während man sich in der Familienaufstellung freiwillig als Stellvertreter eines Familienmitglieds des Klienten zur Verfügung stellt, passiert dies laut Jacobsen auch im täglichen Leben und hier meist völlig unbemerkt.
Man trifft einen anderen Menschen und wird ohne es zu bemerken in sein System gezogen, wird zu einem Stellvertreter in seinem System.... fühlt und handelt, wie man normalerweise und bei allen anderen Menschen nie fühlen oder handeln würde....
(Umgekehrt kann es natürlich auch sein, dass der Andere ganz unbemerkt als Stellvertreter in mein System gezogen wird. Dann verhält sich die andere Person vielleicht so kontrollierend wie meine Mutter, obwohl er oder sie dies sonst eigentlich nie tut.)

Ich habe in dem Buch jedoch (auf die Schnelle) keine zufriedenstellende Information gefunden, wie man wirklich bemerken kann, wem ein Gefühl denn nun wirklich gehört oder wer gerade für wen und in welcher Stellvertreter-Rolle steckt.
Ich selbst kenne das aus einem Buch von Bertold Ulsamer jedoch  so, dass man während einer Familienaufstellung folgende Fragen stellen kann: 
"Wem gehört das Gefühl?"(also beispielsweise "Wem gehört die Wut?)
und auch "Auf wen bezieht sich das Gefühl?". (Die zweite Frage sollte man präzisieren, also z.B. fragen "Vor wem habe ich Angst?" oder "Auf wen bin ich in Wirklichkeit so wütend?".)
Diese Fragen stelle ich mir manchmal, wenn ich einfach nur dasitze und meine Gefühle fühle....
Oft machen diese Fragen systemische Zusammenhänge deutlich.


Ein Zaubersatz, und die größte Perle aus Jacobsen's Buch ist jedoch der Satz:
"Ich stehe nicht mehr zur Verfügung"!
Diesen Satz kann man anwenden, wenn man Gefühle für einen Anderen fühlt,
wenn man die Sog spürt, ungewollt als Stellvertreter in eine Rolle gezogen zu werden,
oder auch wenn man auf andere Art und Weise von jemandem für etwas vereinnahmt wird.

Ich habe ihn letzten Montag früh gegen die innerlichen Übergriffe meiner verinnerlichten Mutter angewandt, und hatte den Eindruck, dadurch von ihr freier zu werden....

Am Dienstag oder Mittwoch habe ich bemerkt, wie ich einem unseren Geschäftsführer nicht auf dem Gang über den Weg laufen wollte, weil dieser für meine Begriffe immer sehr schräg mit seinen Mitarbeitern kommuniziert. Ich hörte ihn irgendwo auf dem Gang, zögerte dann etwas, mir einen Kakao holen zu gehen.... Dann kam mir: "Für eine schräge Kommunikation stehe ich nicht mehr zur Verfügung". - Dann bin ich meinen Weg in zum Kaffee-holen gegangen, und ihm dabei garnicht begegnet.
Meine innerliche Haltung, meine Ausrichtung war jedoch nach diesem Satz eine ganz Andere, es hat sich ganz anders angefühlt.

Am Donnerstag Abend rief meine Mutter dann an, weil sie wissen wollte, ob wir in zwei Wochen nun kommen oder nicht. In dieser Zeit kommt nämlich auch meine Schwestern mit meinen beiden Nichten.
Ich habe jedoch meine Urlaubsplanung noch nicht abgeschlossen, möchte mich auch nach dem Wetter richten und konnte daher noch nicht endgültig zusagen.
Sie wollte sie mich dann dazu überreden, ihr zuzusagen, und nahm meine Aussage wegen des Urlaubs garnicht so richtig zur Kenntnis.
Normalerweise gehe ich dann dagegen an, und beharre dann noch mehr darauf, dass ich vielleicht in der Zeit im Urlaub bin. - Nun kam jedoch auch wieder innerlich der Satz: "Dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung". Ich sagte dann nur noch, "Ich weiß es jetzt noch nicht" und damit war die Diskussion dann von beiden Seiten beendet.

Zusammenfassend kann ich zu dem Buch sagen: "Hilfreiche Ideen - jedoch sehr schlecht strukturiert!" - Ich hatte mir gewünscht, dass folgende drei Teile klar voneinander getrennt sind:
1. Die Beweisführung, dass wir Gefühle anderer fühlen - einschließlich der Übungen und Experimente hierzu.
2. Klare Aussagen darüber, wie man bemerken kann, wessen Gefühle man gerade fühle.
3. Den Teil, in dem es darum geht, sich davon loszusagen.

(Es gibt noch ein neueres Buch mit ähnlichem Titel, zu welchem ich jedoch nichts sagen kann!)

Freitag, 27. Juli 2012

Abgrenzung-Wege

In diesem Beitrag geht es um verschiedene Möglichkeiten, mit Grenzüberschreitungen in eher nicht so engen Kontakten, umzugehen - also damit, wenn einem jemand ernsthaft auf die Füße tritt, wenn einem jemand ernsthaft die Butter vom Brot zu nehmen versucht.
Dabei soll dieser Beitrag keineswegs die Aussagen aus den Beiträgen "Verletzt durch einen Anderen" / "Verletzt durch einen Anderen II" oder den überaus interessanten Kommentaren hierzu, abmildern, sondern nur ergänzen.


Eine Möglichkeit mit Konflikten umzugehen ist, mit voller Power in die Konfrontation zu gehen.
Nehmen wir, um dies zu verdeutlichen, mal den Fall, jemand würde immer wieder abfällige Kommentare über dich von sich geben:
Ich war vor Jahren mal bei einer Bioenergetik-Therapeutin, die das sehr gut konnte. Es war eine dicke Frau, der man richtig ansehen konnte, wie gut sie mit dem Boden verbunden war. Aus dieser Erdung konnte sie (ohne irgendwie wütend oder aggressiv zu wirken) eine ganz gewaltige Power entwickeln und andere Menschen aus dieser Power heraus ganz direkt konfrontieren. (Ich habe dies mehrmals gesehen.)

Sie hätte sich in dem genannten Beispiel ihre gesammelte Kraft auf denjenigen gerichtet, der die abfälligen Bemerkungen über sie macht, und hätte aus dieser Kraft heraus klar und deutlich und ohne das geringste Zurückweichen gesagt: "Ich möchte nicht, dass du so über mich redest!" 
Die anderen trauten sich dann nicht, direkt zu widersprechen, machten jedoch manchmal ausweichende Ausflüchte. Sie hätte dann in diesem Fall nochmals mit derselben Erdung und Energie gesagt: "Hast du gehört!. Ich möchte nicht, dass du so über mich redest." Dabei hat sie den Anderen direkt angesehen, ihn direkt angesprochen, also nicht irgendwie an ihm vorbei.....
Meinst genügte dies dann, und der andere signalisierte dann irgendwie Zugeständnis.
Falls nicht, dann hätte sie es auch gebracht, noch ein paar Mal voll hineinzugehen.

Das Ganze funktioniert meiner Ansicht nach nur, wenn man ganz direkt und ohne zurückweichen voll seine Energie hineingibt und auch beim zweiten, dritten oder vierten Mal keinesfalls in der Power und Intensität nachlässt. Und es funktioniert nur, wenn die Power nicht nur gespielt ist, sondern wenn sie wirklich von unten, vom Boden, aus einer guten Erdung heraus kommt. Und es funktioniert nur, wenn man wirklich bereit ist, voll reinzugehen und deutlich mehr Energie hineinzugeben, als es das Gegenüber tut.


Ein ganz anderer Weg in solchen Situationen wäre, paradoxe Kommunikation und Verhaltensweisen einzusetzen.
Vor vielen Jahren habe ich mal einen Vortrag von  Hans-Ulrich Schachtner gehört, in welchem er auch ein damals frisch erschienenes Buch "Frech, aber unwiderstehlich!" vorstellte. Bei seinem Vorgehen werden Ansätze aus der Hypnotherapie mit Ansätzen aus der Provokativen Therapie zu einem Kommunikationsmodell vermischt.

In dem Vortrag brachte er unter anderem folgendes Beispiel:
Ein Mann, der in seiner Firma regelmäßig von einer Vorgesetzten niedergemacht wurde, bekam im Coaching folgenden Vorschlag:
Er sollte an einem Freitag Nachmittag mal in ihr Büro gehen. Dort sollte er herumstammeln, dass er ihr etwas sagen müsste, ...... noch etwas ausweichen, und dann schließlich sagen: "Was ich Ihnen schon immer sagen wollte. Es erregt mich sexuell total, wenn ich von Ihnen so niedergemacht werde." Dann sollte er das Büro verlassen, ins Wochenende flüchten und dieses Thema niemals mehr ansprechen.
Dies soll gewirkt haben. Die Vorgesetzte hat ihn seither nie mehr niedergemacht.

Ein anderes Beispiel, welches auch in diese Kategorie passt, stammt aus dem "Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung 1" Arist von Schlippe und Jochen Schweitze.
Dort wird beschrieben, wie eine Frau eine Familienberatungsstätte aufsuchte, weil es zwischen ihr und ihrem Mann regelmäßig krachte. Ursache war jedes mal, dass sie die Schiebetüre an dem gemeinsamen Kleiderschrank offenstehen ließ - und sich ihr Mann darüber total aufregte.
Sie empfand ihn als kleinlich und fühlte sich von ihm überwacht und kritisiert - er dagegen meinte, sie wolle ihn absichtlich missachten und ärgern - und so war mit der Zeit ein großes Beziehungsproblem daraus entstanden.
Das Beratungsteam sagte ihr schließlich, sie solle ihrem Mann ausrichten, dass es für die offenstehende Schranktüre eine tiefenpsychologische Erklärung gäbe: "Durch die offene Schranktüre würde sie ihrem Mann unbewusst ihre Bereitschaft vermitteln, mit ihm sexuelle zu verkehren."
Die Frau war mit dieser Erklärung nicht so zufrieden. Da das Beratungsteam sie jedoch dazu drängte, dies genau so ihrem Mann zu erzählen, tat sie dies dann auch.
Der Mann soll dann gesagt haben: "Einen größeren Blödsinn habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört."
Trotzdem sieht er seitdem mit einem Lächeln über die offenstehende Schranktüre hinweg.  

Natürlich hat die paradoxe Gesprächsführung nur in Ausnahmen mit Sexualität zu tun. (Aber diese Beispiele sind irgendwie bei mir hängen geblieben.)

Doch nochmals zurück zu dem Buch von Schachtner.
Das Ganze war dann doch nicht so sehr mein Ding um den Aufwand zu betreiben, monatelang mit dem Buch selbst zu üben, oder ein Seminar hierzu zu besuchen.


Überhaupt - und das gilt für alle Ansätze, stellt sich die Frage: "Welchen Preis kostet mich die Abgrenzung und bin ich bereit ihn zu bezahlen?"
Andererseits besteht natürlich auch die Frage, "Was kostet es mich, wenn ich mich nicht abgrenze".
Somit hängt es vielleicht auch davon ab, um was es in dem aktuellen Konflikt eigentlich geht:
Ums "Rechthaben"?
Darum, einen Grenzübertritt abzuwehren?


Joel erzählte gleich am ersten Abend in meiner neuen Gruppe, dass er im täglichen Leben immer weniger dazu bereit ist, die "Einladung in Stress zu gehen", anzunehmen. (Er spricht von "Einladung in die Trennung zu gehen", aber was damit gemeint ist ist vielleicht nur Insidern voll zugänglich.)
Er erzählte, dass er zum Beispiel kürzlich im Supermarkt eine alte Frau in die Schlange an der Kasse vorgelassen hatte, weil die sich irgendwie an der falschen Stelle angestellt hatte. Hinter ihm hat dann jemand deswegen gemosert, und früher wäre er voll darauf eingestiegen. Doch diesmal merkte er, dass er nicht jeder Einladung zu folgen braucht.
Seine Weigerung, einer "Einladung in die Trennung zu gehen" zu folgen, würde übrigens nicht auf spirituellen Gründen beruhen, sondern auf ganz egoistischen: Er möchte sehr alt werden und sich deshalb einfach nicht mehr selbst schädigen!   

Wir machten dann hierzu gleich eine Körper-Übung zu zweit:
Einer war der Angreifer und der andere sollte zwar der angreifenden Hand ausweichen, seine Hauptaufgabe war jedoch, die angreifende Hand liebevoll zu umgarnen.
Als einige Teilnehmer dann allzu anstrengend versuchten, der angreifenden Hand auszuweichen, sagte Joel, wir sollen uns ruhig auch mal treffen lassen - damit wir sehen: Da passiert nichts Schlimmes.
Diese Übung ist natürlich sowohl für den "Angreifer" als auch für den "Angegriffenen" eine neue und verblüffende Erfahrung!!!


Aber Konflikte dürfen sein und in unseren Gruppen hat es manchmal auch schon richtig geknallt!
In solchen Fällen gab es immer den Raum für jeden, seine  Sichtweise dazu auszudrücken.
Manchmal hatten wir Anderen dann die Erwartung, dass diese Konflikte nun gelöst werden müssen, so dass am Ende dann irgendwie herauskommt, wessen Wahrnehmung nun richtig und wessen Wahrnehmung nun falsch war, was nun richtig und was nun falsch ist.
Doch derartige Erwartungen bleiben dann enttäuscht.
Jeder teilt seine Wahrnehmung mit - und jeder bleibt mit seiner Wahrnehmung völlig unangetastet.
Der Konflikt darf dasein, und es wird nichts damit und nichts dagegen gemacht!
Diese Energie kann im Raum bleiben und jeder ist mit seinem geachtet.
Das hat etwas sehr kraftvolles -
und ist sicherlich kraftvoller, als aus Angst vor einem offenen Konflikt gleich von einer 'neutralen Stelle' eine Lösung basteln zu lassen.

Samstag, 14. April 2012

Der Stimme des Körpers folgen

Als ich letztes Wochenende bei meinen Eltern war, lief mir das Buch "Focusing - Der Stimme des Körpers folgen" von Ann Weiser Cornell wieder über den Weg. In diesem Buch wird eine bestimmte Art des Focusing-Prozesses beschrieben, den ich in meinem Beitrag "Focusing - meine Erfahrungen damit" in der Reihe Reihe "Weiterführende Persönlichkeitsentwicklungsmethoden" nicht erwähnt hatte.

Bei 'normalen' Focusing versucht man immer das Ganze zu betrachten. Daher focusiert man auf "Alles zum Thema xy" (z.B. auch "Alles zu meiner Angst vor fremden Gruppen").
Beim Ansatz von Ann Weiser Cornell betrachtet man eher Teile (Persönlichkeitsanteile), und beendet somit, die unbewusste Identifikation mit diesen Teilen. So sagt man zum Beispiel nicht, "ich bin ängstlich", sondern "ein Teil von mir hat Angst" oder "Etwas in mir hat Angst".
(In der K!KG-Arbeit würden wir stattdessen sagen "Da ist Angst" und somit die Angst nicht in den persönlichen Besitz nehmen, da sie eventuell auch von anderen Personen (insbesondere aus der Familien) übernommen sein könnten.)

Jedenfalls habe ich vor langer Zeit diese Art und Weise Focusing gemacht, bin dann jedoch davon abgekommen, weil ich den Eindruck habe, durch die Teile Betrachtung zu sehr die Verantwortung für mich wegzuschieben und auf irgendwelche Teile zu schieben ("ich kann nichts dafür, dass ich mich so blöd verhalte, das ist ein Teil in mir").
Aus diesem Grund ist es mir lieber, eher gleich die Aufmerksamkeit auf das Ganze zu legen, das "Teil" zu umarmen, aber es dann auch schon bald in mein Herz und in mein Ganz-Sein mit aufzunehmen.

Prinzipiell kann ich sagen: Das oben genannte Buch ist ein wirklich gutes Einsteiger-Buch, allerdings stellt sich die Frage, auch welche Art und Weise Focusing am nützlichsten ist (was wohl auch von Person zu Person ganz unterschiedlich sein kann).

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Hakomi-Psychotherapie, oder Focusing-Sitzungen (alleine oder mit Begleiter) scheinen, einfach schon durch die Vorgehensweise und die Art wie begleitet wird oder wie Fragen gestellt werden, eher die kindliche Seite in mir anzuregen. Insbesondere passiert mir das auch bei dem Ansatz von Ann Weiser Cornell.
Bei der K!KG-Arbeit wird dagegen bei mir eher eine "erwachsene Energie", die eigenverantwortliche Seite in mir,  hervorgerufen.
Jetzt, wo mir das oben genannte Buch wieder in das Bewusstsein gekommen ist, merke ich nochmals so richtig den Unterschied.

Dienstag, 12. Juli 2011

Unterscheidung in 5 Gefühls-Arten

Im Umfeld der systemischen Familientherapie wird oft zwischen 3 oder vier verschiedenen Arten von Gefühlen unterschieden. Bei "Reinhard Lier" fand ich sogar eine Unterscheidung in fünf Arten, was ich auf diese Art und Weise sehr sinnvoll fand:

Die erste Art der Gefühle sind die "Primärgefühle". Das sind dies Gefühle, die einen direkten Bezug zu einem äußeren Ereignis haben, z.B. Trauer über das Ende einer Beziehung. - Diese Gefühle kommen nach einiger Zeit zu ihrem natürlichen Ende und können dann wieder gehen.

Die zweite Art der Gefühle sind die "Sekundärgefühle" - man könnte auch sagen "Ersatzgefühle" oder "Abwehr-Gefühle". Hier handelt es sich um die Gefühle, die Vorgeschoben werden, um sich auf die eigentlichen Gefühle nicht wirklich einlassen zu müssen, z.B. wenn jemand mit Wut reagiert, statt seine Trauer und Hilflosigkeit zu fühlen. - Diese Gefühle können notwendiges Handeln verhindern, man kann sich damit in „endlosen Geschichte” verstricken..... und Außenstehende finden diese Gefühle oft peinlich oder sind genervt.

Die dritte Art der Gefühle sind die "Systemischen" bzw. "Übernommenen Gefühle". Das sind Gefühle, die eigentlich einer anderen Person (meist aus der Herkunftsfamilie) gehören und von dieser Person übernommen wurde. - So kann es beispielsweise sein, dass die Tochter den unterdrückten Zorn der Mutter übernimmt und diesen für sie auslebt.

Die vierte Art von Gefühlen sind "Kindergefühle". Das sind Gefühle die (meist von traumatischen Erfahrungen) aus der Kindheit stammen.... und noch nicht verarbeitet werden konnten. Oft fühlt sich der Erwachsene dann immer noch so wie damals als Kind.

Die fünfte Art von Gefühlen sind die "Meta-Gefühle". Dies sind Gefühle wie "Einklang", "Kraft", "Würde", "Dankbarkeit", "Ehrfurcht", "Inneren Friede" ..... die aus der Verbindung mit dem "Größeren Ganzen" entstehen.

Samstag, 7. Mai 2011

Mich mitten hineingeben

Ich hatte mich vorhin einem Thema zugewandt, welches schon den ganzen Tag eine schlechte Stimmung in mir hervorrief.

Dabei habe ich mich einfach geöffnet, versucht, so weit es mir möglich ist "Da zu sein" ..... und ich hatte mir dabei vorgestellt, mich innerlich hineinzugeben, mich hineinzuhängen.... in die Situation.
Dabei habe ich meine Gefühle wahrgenommen, habe die Situation für mich als Ganzes wahrgenommen, ..... und nach einer kurzen Weile ist es mir gelungen, innerlich über das "Problem" über die "Fixierung auf das Problem" hinauszugehen..... weiter zu werden..... - und gleichzeitig weiterhin wahrzunehmen....

Auch wenn das Thema nun noch nicht abschließend geklärt ist, hat es sich energievoll und angenehm angefühlt, mich mir selbst (und meinem Thema) auf diese Art und Weise zuzuwenden.
Und es hat sich angenehm angefühlt, 'im Thema drin' und gleichzeitig 'weit' zu sein.

Samstag, 23. April 2011

Mich dem Leben stellen....

Ich wälze nun schon eine Weile die Frage in mir,
was mir den Weg davor versperrt, regelmäßig (täglich) in mich zu gehen, mich zu spüren, mich mich mir selbst zuzuwenden. (Da ist immer ein Ausweichen, ein Verschieben auf später.... und dann geschieht es doch nicht...)

Es ist für mich noch nicht klar zu spüren, aber so ein bisschen hängt es wohl mit folgenden Punkten zusammen:
* Die Angst, dann vielleicht mit der Einsicht konfrontiert zu werden, dass ich es in Wirklichkeit garnicht schaffe, weiter­zu­­kommen und meine Themen zu lösen...
* Oder die Angst, dass ich dann merken würde, dass ich auf keinen Fall mehr so weiterleben will, wie ich derzeit lebe. ..... (Und daraus folgend denn in die Situation kommen, Vieles in meinem Leben ändern zu wollen.... und somit dann auch zu müssen....)
* Vielleicht auch die Angst davor, Eigenverantwortlich, Erwachsen,  Aus eigenen Kraft heraus, mein Leben zu leben.

Ja - mich dem Leben stellen ist so ein Spruch, der mir seit unserem letzten Ausbildungswochenende durch den Kopf geistert.
- "Bin ich bereit, mich dem Leben zu stellen?" -

Dies beinhaltet für mich etwas sehr Kraftvolles, Erwachsenes.
Das Gegenteil hierzu wäre, wenn ich mich in eine kindliche Postion zurückziehe, in ein 'Geht-Nicht', 'Will-Nicht', 'Kann-Nicht'.... ich bin zu unfähig, zu gestört,  .... - Das fühlt sich sicherer an, aber auch verantwortungslos, kraftlos und nachlässig.  [Dies sind jetzt meine Worte.... und es sind Worte, die sicherlich für Jeden einen ganz anderen Geschmack haben, etwas ganz anderes bedeuten...]

Samstag, 2. April 2011

Existenzbedrohung vs. Erwachsen-Sein

Ich habe es bemerkt:
Als ich noch im Tunnelblick war.... da hatte ich irgendwie das Gefühl, meine gesamte Existenz hängt davon ab, dass sich das Ganze im Rahmen der von mir als wichtig gesehenen Bedingungen abspielt.
Es war (ist) wirklich so ein Gefühl, als ob die Existenz bedroht ist, wenn nicht das-und-das passiert, ich nicht dies-und-jenes hinkriege..... und es nicht so läuft, wie ich meine dass es unbedingt laufen müsste....

Außerhalb des Tunnelblicks ist dies keine Bedrohung mehr - sondern lediglich eine Vorliebe.


Außerhalb des Tunnelblicks fühlt sich das ganze so an, als ob ich als Erwachsener reagieren, reden, verhandeln kann.  (Also ohne mich (falls der Andere anders tickt als ich) gleich bedroht zu fühlen.)

Dies setzt natürlich voraus, dass ich in der Weite bleiben will und kann.
'In der Weite bleiben können' geht wahrscheinlich soweit, wie es mir möglich ist, in der Zustimmung zu bleiben....
'In der Weite bleiben wollen' setzt unter Anderem auch die Bereitschaft voraus, die Verantwortung zu tragen und auch über den eigenen Schatten zu springen.... statt wie ein Kind die Verantwortung auf andere zu schieben....