Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Vereinigung

Letztes Wochenende nahmen meine Lebensgefährtin und ich bei Wilfried Nelles an dem Seminar "Familien- und Lebensaufstellungen" teil. - Ursprünglich wollten wir uns eigentlich für den "Lebens-Integrations-Prozess (LIP)" anmelden, über den wir in seinem Buch gelesen hatten. Aber da stand, dass das Aufstellungsseminar Voraussetzung ist... und so meldeten wir uns dann eben zunächst mal für das "normale" Aufstellungsseminar an.
Als das Seminar dann immer näher kam, dachte ich, im Augenblick gar kein erwähnenswertes Thema zum Aufstellen zu haben... und ich dachte, ich würde sicherlich nicht allzu viel Nutzen aus diesem Seminar ziehen. - Gut mir hatte ja sein Buch zum seelischen Erwachsenwerden sehr gut gefallen. Sicherlich könnte ich das "Erwachsen-Sein" irgendwie zum Thema machen.....


Am ersten Tag dieses dreitägigen Seminars war ich also nur als Zuschauer und als Stellvertreter in der Aufstellung einer Teilnehmerin dabei....
Mehr und mehr dachte ich, mir vielleicht doch meine Beziehung zu meiner Mutter anzuschauen, die für mich auch etwas mit meinem Nicht-Erwachsen-Sein zu tun hat.
Und als ich am Abend im Hotel dann meine Innen-Raum-Reise machte - und checkte was gerade aktuell im mir los ist, da bemerkte ich in mir auch eine Angst: Wenn ich mich mit meinem Thema melden würde, dann müsste ich mich neben ihn setzen und wäre ihm und seiner für mich ungewohnten Arbeitsweise ja dann doch irgendwie ausgeliefert.....


Am zweiten Tag da merkte ich auch die Befürchtung, dass rein zeitlich vielleicht garnicht jeder der 21 Teilnehmer würde drankommen können. - Also meldete ich mich dann am Nachmittag.
Inzwischen, so dachte ich jedenfalls, war die Angst ihm ausgeliefert zu sein mehr in die Angst vor meinem Thema übergegangen....

Er winkte mich also zu sich.
Gleich als ich neben ihm saß fragte er mich, ob ich mein Stocken auf dem Weg zu ihm bemerkt hätte.
Nein, hatte ich nicht.
Er zeigte mir dann, wie ich zu ihm gegangen war, und einen Meter vor ihm gestockt hatte.... und dann nur noch ganz langsam und vorsichtig weitergegangen war. Ich hatte das nicht bemerkt, aber auch meine Lebensgefährtin bestätigte mir dies dann später.

Er bat mich, ihm zunächst einfach nur in die Augen zu schauen. - Sein Blick war sehr offen und freundlich. Ich merkte zwar, wie ich zwar immer wieder durch ihn hindurchschaute..... gleichzeitig merkte ich auch wie ich mich deutlich beruhigte.....

Er sagte, er hätte in meinen Augen einen "großen Schrecken" gesehen.
Ich spürte nach, und merkte, wie etwas in mir froh war, endlich gesehen zu werden.
Ja, da war ein Schrecken..... eingefroren und unbemerkt.....


Es gab dann eine Aufstellung, die mit dem Schrecken zu tun hatte.... und die ziemlich brutal war. (Das war die einzige Aufstellung, in welcher dann auch einige Teilnehmer hinausgegangen waren.)
Ich war bei dieser Szene innerlich auch nicht richtig anwesend - fühlte mich von ihr garnicht so sehr berührt.
(Was da eigentlich wirklich los war, blieb in Unklaren - dennoch enthielt diese Szene sogar eine Art Befreiungsbewegung.)

- Gut, das Ganze würde wohl noch nachwirken müssen! -


Für mich war dann am Abend doch alles mehr oder weniger erklärbar... Ich dachte, dies wäre ein 'übernommener' Schrecken von meiner Mutter, die ja als Kind einiges traumatisches erlebt hatte. - Bis ich dann am nächsten Morgen eine Erinnerung an einen alten Traum hatte..... und plötzlich wieder wusste, dass es da auch einen eigenen Schrecken in mir gab.....

Wir waren in der Gruppe die ersten beiden Tage schnell vorangekommen, so dass für den dritten Tag nur noch zwei Teilnehmer übrig waren.
Ich sagte in der Einführungsrunde, dass ich gerne nochmals drankommen würde. Einer anderen Teilnehmerin ging es ebenso.

Diesmal verlief mein Weg zu ihm folgendermaßen: Aufstehen. Einen Schritt gehen. Seufzen und tief durchatmen. Um dann doch zielstrebig zu ihm zu gehen.

Es gab dann nochmals eine Aufstellung.
Während der Aufstellung zeigte sich, dann, dass die Wahrheit über das, was da wohl geschehen war, und wer daran beteiligt war, ziemlich unerheblich war.
Es zeigte sich, dass lediglich der Stellvertreter für mich wichtig war... und dass ein zweiter Stellvertreter für den innerlichen Schrecken, für das innere Kind, benötigt wurde.

Wilfried nahm als Stellvertreter für meinen Kindheits-Teil einen Teilnehmer, der im Rollstuhl saß - wohl auch deshalb, weil dieser total viel Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hatte, und weil somit sichergestellt war, dass er ganz in das hineingehen würde, was er spüren würde - ohne zu zögern, und ohne Interpretationen.
Und das tat er auch.
Er bog sich und wälzte sich förmlich vor psychischem Schmerz (so dass man schon Angst bekommen konnte, er würde aus dem Rollstuhl fallen). - Schließlich kam mehr und mehr suchend eine Hand von ihm heraus....
Wilfried sagte zu meinem erwachsenen Stellvertreter: "Da musst du jetzt hingehen, der braucht dich jetzt!" -
Und da der Stellvertreter zögerte: "Der macht das nicht mehr lange!"

Auch in mir selbst auf meinem Stuhl hatte sich in dieser Zeit einiges getan:
Über Nacht hatte ich noch daran gedacht, wie abwesend ich doch bei meiner Aufstellung gestern gewesen war... Ich dachte an Joel Weser, an die PrEssenz... und daran, dass es sicherlich sehr hilfreich wäre, während der eigenen Aufstellung total anwesend und präsent zu dein.
Diesmal gelang mir dies. Ich war total bewegt und mitgenommen, und es gab Phasen, wo mir total die Tränen flossen....
Aber ich konnte mehr und mehr in die PrEssenzgehen, wie ich es bei Joel gelernt hatte. (Darauf bin ich sehr stolz.)

Als mein erwachsenen Stellvertreter dann so zögerte, zu dem schmerzgepeinigten Kind hinzugehen, da war ich selbst innerlich schon weiter.... und wäre sehr wohl schon bereit gewesen, da hin zu gehen.
Ich dachte dann noch, dass es außen natürlich schon leichter ist... und fragte mich, ob ich wirklich ohne zuzumachen, ohne innerlich wegzugehen in dieser Situation da wirklich würde hingehen können.....

Schließlich ging mein Stellvertreter dann hin und nahm die herausgestreckte Hand des gepeinigten Kindes - legte ihm seine andere Hand auf den Rücken.

Das Kind wurde dann nach und nach (eigentlich doch recht schnell) ruhiger.... und saß dann irgendwann sogar wieder aufrecht da während ihm mein Stellvertreter dann wieder gegenüberstand und es ansehen sollte.

Ich selbst war inzwischen sehr präsent und in meiner inneren Kraft und wollte nun selbst in meiner Aufstellung an meiner erwachsenen Position stehen.
(In Familienaufstellungen wird dies am Ende einer Aufstellung oft gemacht, dass derjenige dann an seine eigene Position in die Aufstellung geht. - Zumindest dann, wenn der Aufstellungsleiter denkt, dass derjenige die Lösung innerlich jetzt schon voll annehmen kann. - Wilfried hatte an diesem Seminar jedoch nur einmal eine Teilnehmerin persönlich hineingenommen.)

Egal - ich war jetzt sehr in meiner Kraft.
Wilfried hatte mit zu diesem Zeitpunkt den Rücken zugekehrt und beobachtete sehr genau was in der Aufstellung geschah.
Ich stand dann einfach auf, stellte mich neben ihn und sagte: "Ich würde gerne in die Aufstellung gehen!" Er meinte, "Okay, stelle dich neben deinen Stellvertreter."

Als ich dann dastand, merkte ich nach einer kurzen Weile, dass dies so nicht passte. Denn ich stand ja dem Kind nicht direkt gegenüber, und es sah ja immer noch meinen Stellvertreter an. - Wilfried schien dies ebenfalls zu bemerken.... und er sah wohl auch, dass ich der Situation voll gewachsen war. Er bat meinen Stellvertreter etwas zur Seite zu gehen, und ich nahm meine Position ein und sah das Kind an.
Dies erforderte Kraft, Präsenz und Mitgefühl gleichzeitig.... aber ich merkte, wie ich mit all dem was gerade ist und war, da stehen konnte.

Wie in Aufstellungen üblich sollte ich dann noch einige Sätze zu ihm sagen, die Wilfried mir vorgab. - An die einzelnen Wortlaute kann ich mich nicht mehr erinnern.
Bei einem Satz zögerte ich... weil er sich so anhörte, als ob ich den Kontakt wieder abbrechen sollte....
Er wiederholte den Satz dann nochmals... und ich tat meine Bedenken kund - und dass ich mit ihm auf jeden Fall irgendwie in Kontakt bleiben wollte.
Das Kind sagte dann: "Wir machen noch etwas zusammen, okay?" .... und ich sagte zu. - Dies war mir wichtig, und was aus diesem letzten Satz wurde, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, er wurde dann abgewandelt.

Ich brauche jetzt ja wohl nicht mehr zu erwähnen, dass dieses Seminar, welches für mich eigentlich eher zweite Wahl war, genau das richtige gewesen war. - Und Wilfried ist ein Meister, der es ermöglicht, sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich zu stellen!

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Tage später, als ich mit meiner Lebensgefährtin und ihren Schwestern abends Essen war, bemerkte ich, wie sehr innerlich locker in nun mit den Schwestern und beispielsweise mit der Bedienung umging.

Ich weiß ja, dass längere Seminare immer zu einer Energiesteigerung führen, die dann zu vorübergehenden Veränderungen führen.... wobei die Veränderungen dann nach und nach wieder nachlassen..... - Aber es gibt dann auch jedesmal etwas, was dann auch langfristig bleibt....

An diesem Abend bei meiner Innen-Raum-Reise bemerkte ich:
     Ich bin richtig glücklich!
Soweit ich zurückdenken kann.... habe ich noch nie gesagt (oder gedacht)!, ich wäre glücklich.

Dienstag, 5. Februar 2013

Die Mutter anschauen!

Nachdem wir in unserem Ausbildungs-Block im November den Vater angeschaut hatten, war diesmal die Mutter dran.

Jedenfalls ging es darum, die Mutter einfach nur anzuschauen (wohl etwa eine viertel Stunde lang?) - ohne dabei etwas zu tun.
Wir sollten also 3-er-Gruppen bilden. Ein Gruppenmitglied war derjenige, der jeweils die Mutter ansehen sollte, ein anderes Gruppenmitglied stand für die Mutter und ein drittes für den Vater. - Jeder kam mal dran, und es wurde immer durchgewechselt.

Wir waren in unserer Gruppe zwei Männer und eine Frau.
Zuerst war der andere Mann dran, die andere Teilnehmerin stand für seine Mutter, während ich für sein Vater stand.
Dann war die Teilnehmerin dran, ich stand für ihre Mutter, der andere Teilnehmer für ihren Vater. - Dabei merkte ich, dass ich, trotz allem was hier geschah, und was wohl zwischen ihr und ihrem Mutter zu stehen scheint, in mir stets Liebe zu ihr da war...... und ich auf Sie und verschiedene aus ihrem Leben sehr stolz war....

Dann war ich dran.
Wie gesagt, hatte ich mir diese Übung ja auch gewünscht, jedoch war ich an diesem Nachmittag garnicht dazu aufgelegt gewesen, diese intensive Übung zu machen.
Ich wählte nun also die Teilnehmerin zur Stellvertreterin für meine Mutter, der andere Teilnehmer war somit Stellvertreter für meinen Vater.

Ganz am Anfang empfand ich mich eine kurze Zeit ganz gut mit ihr in Kontakt. - Dann riss der Kontakt ab.
Mein Blick wanderte immer wieder links von ihr auf den Boden..... und immer wenn ich dann doch versuchte, mit ihr Blickkontakt aufzunehmen, schien ihr Blick weg-zuwandern, oder sie war in ihrem Blick nicht wirklich anwesend!

Da ein Blick auf den Boden beim Familienstellen ja immer etwas mit Verstorbenen zu tun hat, kam mir dann auch der Gedanke an ihren früh verstorbenen (im Krieg gefallenen) Vater.
Überhaupt hatte ich den Eindruck, auch zwischen ihr und mir würden Tode liegen, welche den Weg zueinander versperren.

Auch zum Vater war kein Kontakt möglich. - Am Anfang war er mit seinem Blick ganz starr ganz woanders. Später wirkte er sehr streng, so dass ich Angst davor hatte, er würde mir eine scheuern.

Ich fühlte mich sehr isoliert..... und ganz alleine auf der Welt.....
und mein Blick blieb immer mehr links von ihr auf dem Boden liegen......

Dann erinnerte ich mich daran, dass Joel ja gesagt hatte, wir sollten bei dieser Übung 'Ganz-Da-Bleiben'..... und nicht in irgendwelche 'alten innerlichen Filme' einsteigen. - Ich hatte den Eindruck, als ob ich zumindest am Rande eines 'alten Film' war.....

Die Aufgabe war jedoch "Die Mutter anzuschauen"!
Also nahm ich wieder Blickkontakt mit ihr auf..... bereit, sie mit all ihrem schweren Schicksal und mit all ihrer Unfähigkeit zu sehen....
Ich wich dann dem Blick nicht mehr aus. In mir war ein "ich schaue dich jetzt an" und ein "ich bin jetzt bereit, dich mit allem zu sehen!".
In mir bildete sich dann der Satz "Ich nehme dich jetzt wie du bist!"

Nachdem ich angefangen hatte, sie anzuschauen verschränkte sie ihre Arme vor ihrer Brust.... doch dies konnte den ganzen Vorgang nicht verhindern, da ich bereit war, sie auch damit zu sehen und zu nehmen.

Ich blickte dann auch den Vater an und sagte innerlich "Auch dich nehme ich wie du bist!"

Hinterher sollten wir uns dann über das Erlebte austauschen.
Als die Stellvertreterin meiner Mutter dann sagte, sie hätte überhaupt nichts gefühlt, da übermannte mich dann doch eine tiefe Traurigkeit - ja ich war fast irgendwie ge­schockt. (Ich hatte irgendwie doch gehofft, dass irgendwo im Hintergrund bei ihr doch Liebe vorhanden ist  - so wie ich es ja auch gefühlt hatte, als ich Stellvertreter der Mutter der anderen Teilnehmerin gewesen war.)

Sie erzählte dann auch, dass es für sie überhaupt nicht möglich gewesen war, mit mir in Kontakt zu gehen oder für mich da zu sein..... und sie sie dafür irgendwie auch geschämt hätte.....  - Dann meinte sie, dass im Hintergrund wohl doch so etwas wie Liebe dagewesen wäre, doch dies wollte ich dann nicht mehr glauben oder annehmen......

Während der Übung war ja ein gewaltiger Schritt passiert, der bisher noch in keiner Systemischen Übung und in keiner Familienaufstellung möglich gewesen war. (Ja, für mich hat sich in den letzten Wochen mehrmals gezeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, 'Ganz-Da' zu bleiben und eben nicht 'in alte Filme' zu gehen. Da bin ich sehr dankbar dafür, dass wir dies in diesem Training gelernt haben.) 

Doch das Hinterher (beim Austausch über das Erlebte) war dann schon so etwas wie ein Schock für mich gewesen.... und ich hatte die Befürchtung, dadurch wäre mir der 'große Schritt' nun auch irgendwie wieder verloren gegangen.

Aber Joel meinte, dass dieser Erfahrung nicht mehr rückgängig zu machen wäre, und die Erinnerung daran immer wieder auftauchen würde. -  Und als positiven und heilsamen Schritt ist mir das Ganze nun im Nachhinein auch tatsächlich in Erinnerung geblieben.....

Samstag, 22. Dezember 2012

[Was zu innerlichen Problemen führt]

Zu innerlichen Problemen
führt etwas genau dann,
wenn es
auf gar keinen Fall
eintreten darf!

Montag, 30. Juli 2012

Nachträge - 'Zur Verfügung stehen'

In seinem Kommentar zu "Verletzt durch einen Anderen II" ging Uwe (Link zu Uwe's Kommentar) auf "Schuldgefühle als Grundlage der Abgrenzungsproblematik" ein.

Ich schrieb dann in meinem Antwort-Kommentar weiter unten, dass man eigentlich gar keinen langen Diskurs mit sich selbst führen muss, ob die Schuldgefühle nun gerechtfertigt sind oder nicht - wenn sie da sind, dann kann man sie auch einfach zum Anlass nehmen, 'den Schuldgefühlen ganz zuzustimmen'. - Dann wenn man zugestimmt hat, braucht man sich nicht mehr gegen eine (reale oder eingebildete) Schuld wehren, und wird somit in dieser Hinsicht wieder ganz frei!

Eine andere hilfreiche Methode wäre sicherlich auch "Nicht mehr zur Verfügung stehen" anwenden. - Damit meine ich, der Erwartungen, bei einer Abgrenzung Schuld empfinden zu müssen, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. (Ich bin gespannt, ob dies funktioniert.)

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Ich sehe diesen Satz von Jacobsen übrigens nicht als Affirmation,  welche ganz pauschal ausgesprochen wird und dann alle nur erdenklichen Situationen des Leben auf einen Wisch erschlägt.
Sondern ich sehe es eher als Entscheidung:
    Wenn ich erkenne, ich stelle mich hier wohl gerade jetzt für etwas zur Verfügung, mich dann zu entscheiden, mich jetzt nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Mich nicht mehr zu Verfügung zu stehen ist, zumindest so wie ich es betrachte und erfolgreich angewandt habe, auch nichts, was gegen einen Anderen gerichtet ist.
Es hat vielmehr nur mir mir zu tun:
    Bisher habe ich mich zur Verfügung gestellt, und nun tue ich das eben nicht mehr.
Das ist wohl mit dem Abgrenzen gemeint, bei dem die Handflächen auf einem selbst zeigen.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Lärm-Schlafen durch Zustimmung

Gestern Abend war es sehr spät in der Nacht bei uns hinter dem Haus immer noch sehr laut. Dies erinnerte mich an eine Begebenheit, die schon sehr lange zurückliegt...... zu einer Zeit, als ich mein Wissen über die Zustimmung noch garnicht hatte.

Damals, noch in meiner alten Wohnung, hatte ich öfters Probleme mit lärmenden Nachbars.
Ich ärgerte mich über laute Musik aus Nachbar-Wohnungen ebenso wie über Partys auf Balkonen und Terassen, welche die halbe Nacht dauerten. (Da damals (ebenso wie heute) meine Wohnung im Dachgeschoss lag, war es im Sommer so heiß dass ich auch Nachts nicht so einfach meine Fenster schließen konnte.)

Ich hatte damals schon auch Gespräche deswegen mit Nachbarn (bei dem einen Nachbarn nützte es etwas, bei dem andern nicht) - und einmal, als um halb 2 immer noch die Musik mit voller Kanne lief, rief ich auch die Polizei........ Meistens aber beschränkte ich mich darauf, zu versuchen, festzustellen woher der Lärm kam..... und mich zu ärgern. - Einschlafen konnte ich da jedenfalls nicht!

Dann ergab es sich, dass ich einmal im Odenwald ein einwöchiges Seminar besuchte.
Am Abend des vorletzten Tages feierten wir noch lange im Speisesaal, bis ich dann endlich schlafen ging. - Da meine Zimmer direkt neben dem Speisesaal lag, waren die Gespräche der anderen Kursteilnehmer noch sehr laut und deutlich zu hören.
Ich ging dann nochmals nach draußen, schloss die Türe im Gang, aber auch das brachte nicht viel.

Schließlich ging ich dann ist Bett..... und weil ich den Leuten gegenüber eine so positive Einstellung hatte, dachte ich mir: "Die dürfen das!" - Und ganz kurz danach war ich weg.

Seither glaubte ich nie mehr, dass Nicht-Schlafen-Können bei Lärm nur etwas mit dem Lärm zu tun hat..... Es hat auch gewaltig mit dem eigenen Ärger zu tun.......

Aber nun wieder zur letzten Nacht: Irgendwo auf einen Balkon saßen wohl drei junge Männer..... Bier-trinkend und erzählend..... um 1:30 Uhr immer noch. Und immer wieder auch mit Lautstärke-Spitzen. (Da es so heiß war, wollte ich die Fenster nicht schließen. Ohropax waren auch nicht möglich, da ich bei meinen Dachfenstern aufkommenden starken Regen hören muss..... um die Fenster schließen zu können.)

Als mir bewußt wurde, dass ich jetzt in der Nacht keine größeren Aktionen (herausfinden, wo die wohnen, Polizei anrufen und denen zeigen, wie sie in unseren Hof kommen) machen wollte, entschloss ich mich, einfach nur dem Lärm zuzustimmen.
Dies gelang mir dann auch sehr gut..... Im Halbschlaf dachte ich dann noch daran, auch von meiner Ablehnung gegenüber den drei Biertrinkern wegzukommen. Ich ging dann also auch ihnen gegenüber in eine positive Zustimmung.... Der letzte Gedanke den ich bemerkte war: "Vielleicht wundern die sich ja jetzt, woher plötzlich eine so positive Energie herkommt......". - Dann war ich endgültig weg.....

Donnerstag, 12. Mai 2011

Angst im systemischen Kontext

Heute auf dem Weg zur Arbeit
las ich in dem Buch "Das Handwerk des Familien-Stellens: Eine Einführung in die Praxis der systemischen Hellinger-Therapie" von Bertold Ulsamer eine sehr interessante These zum Thema Gefühle:
An Gefühlen sind immer mehr als eine Person beteiligt: 
Die Person, die das Gefühl fühlt - und eine andere Person, auf die sich das Gefühl bezieht!

Gilt dies wirklich immer?
Dies wäre eine sehr interessante Betrachtungsweise!

Auf wen beziehen sich also meine Gefühle?

Dies ist eine Frage, bei der es sich für mich lohnt noch etwas tiefer in sie einzusteigen!